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Immuntherapie für Krebs

Von

Robert Peter Gale

, MD, PhD, Imperial College London

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jul 2018| Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Eine Immuntherapie wird verwendet, um die körpereigene Immunabwehr gegen Krebs anzuregen. Diese Behandlungen richten sich gegen spezifische genetische Eigenschaften der Tumorzellen. Die genetischen Eigenschaften von Tumoren hängen nicht davon ab, welches Organ an Krebs erkrankt. Diese Medikamente können daher zur Behandlung vieler Krebsarten wirksam sein. (Siehe auch Behandlungsgrundsätze bei Krebs.)

Es gibt verschiedene Behandlungsarten, die zur Anregung des Immunsystems verwenden werden. Außerdem wird dieser Bereich der Krebsbehandlung intensiv erforscht. Das US-amerikanische National Cancer Institute führt eine aktuelle Liste von Immuntherapeutika (sowie anderer Krebsmedikamente). Die Liste enthält eine kurze Zusammenfassung der Anwendungsgebiete jedes Medikaments und verweist auf zusätzliche Informationen.

Monoklonale Antikörper

Bei der monoklonalen Antikörpertherapie werden experimentell hergestellte Antikörper auf bestimmte Eiweiße auf der Zelloberfläche der Krebszellen angesetzt, um sich gegen diese zu richten. Es gibt viele solcher Antikörper und andere werden derzeit erforscht. Trastuzumab ist ein solcher Antikörper, der den HER-2/neu-Rezeptor angreift, der bei 25 % der Frauen mit Brustkrebs auf der Oberfläche der Krebszellen vorhanden ist. Trastuzumab erhöht die Wirkung der Chemotherapeutika.

Rituximab ist bei der Behandlung von Lymphomen und chronisch-lymphatischer Leukämie sehr wirksam sein. An radioaktive Isotope gebundenes Rituximab, kann helfen, die Strahlung direkt zu den Krebszellen zu transportieren.

Gemtuzumab-Ozogamicin, eine Kombination aus Medikament und Antikörper, wirkt bei manchen Patienten mit akuter myeloischer Leukämie.

Mehrere monoklonale Antikörper machen sich Immun-Checkpoints zu Nutze, um die natürliche Krebsabwehr des Körpers anzuregen. Medikamente, die als Checkpoint-Inhibitoren bezeichnet werden, können die Checkpoints (also die Kontrollpunkte) CTLA‑4 (Ipilimumab) und PD1 oder PD‑L1 (Nivolumab, Pembrolizumab, Durvalumab, Atezolizumab, Avelumab) blockieren. Pembrolizumab kann bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen mit einem DNA‑Reparaturdefekt eingesetzt werden, unabhängig davon, wo sich der Krebs im Körper befindet. Diese Medikamente werden manchmal allein oder in Kombination mit anderen Krebsmedikamenten verabreicht.

Biologische Immunmodulatoren

Biologische Immunmodulatoren regen normale Zellen zur Produktion chemischer Botenstoffe (Mediatoren) an, die die Fähigkeit des Immunsystems verbessern, Krebszellen aufzuspüren und zu zerstören.

Interferon (das es in verschiedenen Formen gibt) ist der bekannteste und am häufigsten genutzte Immunmodulator. Nahezu alle menschlichen Zellen stellen selbst Interferon her, doch mithilfe der Biotechnologie kann es auch künstlich hergestellt werden. Interferon spielt bei der Behandlung verschiedener Krebsarten, wie das Kaposi-Sarkom oder maligne Melanome, eine Rolle, auch wenn die genaue Wirkweise noch nicht bekannt ist. Interleukin 2, das durch bestimmte weiße Blutkörperchen produziert wird, kann auch bei Nierenzellkarzinomen und bei metastasierenden Melanomen nützlich sein.

Interleukine sind Botenstoffe, die von bestimmten Zellen des Immunsystems produziert werden (aktivierte T-Zellen). Sie können bei der Behandlung von metastasierten Melanomen helfen und bei Nierenkrebs von Nutzen sein.

Andere Arzneimittel

Krebszellen reifen schnell heran (Differenzierung); aus diesem Grund fördert eine Medikamentenart das raschere Heranreifen der Krebszellen, um das Wachstum des Tumors zu verlangsamen. Diese differenzierenden Medikamente sind ggf. nur einen kurzen Zeitraum lang wirksam. Sie werden deshalb häufig bei der Kombinationschemotherapie verwendet.

Medikamente, die sich gegen die Angiogenese (Bildung neuer Blutgefäße) richten, verhindern, dass der Tumor neue Blutgefäße bildet. Wenn das Wachstum der Blutgefäße verhindert wird, fehlt dem Krebs der für das Wachstum und die Ausbreitung notwendige Blutfluss.

Wieder andere Medikamente zielen auf die Signalwege ab, die Krebszellen verwenden, um zusätzlichen Zellen mitzuteilen, dass sich diese bilden oder dass diese Zellen wachsen sollen.

Impfstoffe

Impfstoffe aus von Krebszellen gewonnenen Materialien können die körpereigene Bildung von Antikörpern oder Immunzellen verstärken, die den Krebs angreifen können. Extrakte aus abgeschwächten Tuberkulosebakterien, welche die Immunabwehr herausfordern, haben sich zur lokalen Anwendung bei Blasenkrebs bewährt, um das Wiederauftreten von Blasentumoren zu verhindern.

Gentherapie

Da Veränderungen (Mutationen) der Gene Krebs verursachen, suchen Forscher Wege, die Gene in die Richtung zu verändern, dass sie den Krebs bekämpfen. Eine neuere fortgeschrittene Form der Gentherapie befasst sich mit der genetischen Veränderung von T-Zellen (einer Art von Immunzellen). T-Zellen werden aus dem Blut des Patienten entnommen und genetisch modifiziert, sodass sie die bestimmte Krebserkrankung des Patienten erkennen. Wenn die als chimäre Antigenrezeptorzellen oder CAR-T-Zellen bezeichneten veränderten T-Zellen wieder in den Blutkreislauf des Patienten gegeben werden, greifen sie den Krebs an. Seit Kurzem sind zwei Therapien mit CAR‑T‑Zellen verfügbar. Diese Technik wird bei Patienten mit akuter lymphoblastischer Leukämie oder Lymphomen eingesetzt.

Stammzelltransplantation

Stammzellen sind nicht spezialisierte Zellen, die zu vielen verschiedenen Zelltypen werden können. Alle unterschiedlichen normalen Blutkörperchen kommen von den Stammzellen im Knochenmark. Hoch dosierte Chemotherapeutika oder eine Strahlentherapie können bzw. kann Krebszellen abtöten; oft werden jedoch auch die Stammzellen des Patienten abgetötet, was das Knochenmark daran hindert, normale Blutkörperchen zu bilden. Bei einer Stammzellentransplantation werden die abgetöteten Stammzellen durch gesunde Stammzellen von einem Spender ersetzt. Der Spender kann der Krebspatient (Autotransplantat) oder eine andere verwandte oder nicht verwandte Person mit genetischer Übereinstimmung (Allotransplantat) sein. Stammzelltransplantate ermöglichen es dem Arzt, Leukämien und einige Lymphome mit einer hoch dosierten Chemotherapie zu behandeln.

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