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Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew)

Von

Apostolos Kontzias

, MD, Stony Brook University School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) ist eine Spondylarthritis, die durch eine Entzündung der Wirbelsäule (Spondylitis), der großen Gelenke sowie der Finger und Zehen mit Schmerzen und Versteifungen gekennzeichnet ist.

  • In der Regel treten über einen längeren Zeitraum Gelenkschmerzen, ein steifer Rücken und Augenentzündungen auf.

  • Die Diagnose wird anhand der Symptome, Röntgenaufnahmen und bestimmter etablierter Kriterien gestellt.

  • Bei Arthritis in den Gliedmaßen können nichtsteroidale Antirheumatika und in einigen Fällen Sulfasalazin oder Methotrexat helfen.

  • Bei Arthritis der Wirbelsäule und Gliedmaßen haben sich Secukinumab und Medikamente als erfolgreich erwiesen, die den Tumornekrosefaktor unterdrücken.

Morbus Bechterew ist eine Form der Spondylarthritis.

Die Krankheit tritt bei Männern dreimal so häufig auf wie bei Frauen und macht sich meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr bemerkbar. Die Ursache von Morbus Bechterew ist unbekannt. Da es häufig Erkrankungsfälle in der Familie gibt, scheinen die Gene eine Rolle zu spielen. Die Krankheit kommt bei Menschen, deren Eltern oder Geschwister davon betroffen sind, 10- bis 20-mal häufiger vor als sonst. Das HLA-B27-Gen ist bei 90 % aller weißen Patienten mit Morbus Bechterew und je nach ethnischer Herkunft auch bei bis zu 10 % der Allgemeinbevölkerung vorhanden. Allerdings bedeutet das Vorhandensein des HLA-B27-Gens nicht, dass die betroffene Person Morbus Bechterew hat oder bekommt. Bei eineiigen Zwillingen beispielsweise erkrankt nur die Hälfte, was darauf schließen lässt, dass möglicherweise auch unbekannte Umweltfaktoren eine Rolle spielen.

Symptome

Leichte bis mittlere Krankheitsschübe können sich mit fast symptomfreien Phasen abwechseln.

Die häufigsten Symptome sind

  • Rückenschmerzen

Die häufigsten Symptome Rückenschmerzen, deren Stärke je nach Episode und Person variiert. Meist ist der Schmerz nachts und morgens stärker. Verbreitet ist auch eine Morgensteifigkeit, die sich durch Bewegung bessert. Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und die damit verbundenen Muskelkrämpfe lassen sich häufig lindern, indem man sich nach vorne beugt. Unbehandelte Menschen entwickeln daher oft eine gebückte Haltung, die sich verschlimmern und dauerhaft werden kann. Bei anderen Patienten wird die Wirbelsäule extrem gerade und steif.

Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Erschöpfung und Blutarmut können als Begleiterscheinungen auftreten. Sind die Verbindungsgelenke zwischen Rippen und Wirbelsäule entzündet, kann das Atmen durch starke Schmerzen behindert werden. Eine Versteifung (Fusion) der Wirbelsäule kann ebenfalls eine Weitung der Brustwand behindern.

Gelegentlich beginnen die Schmerzen in den großen Gelenken wie Hüften, Knie und Schultern.

Bei einem Drittel der Patienten treten wiederholt schmerzhafte, jedoch oft leichte Augenentzündungen (Uveitis) auf, die das Sehvermögen bei frühzeitiger Behandlung meist nicht beeinträchtigen.

Bei wenigen Betroffenen wird die Herzklappe durch eine Entzündung dauerhaft geschädigt. Störungen an Herz und Aorta sind ebenfalls selten.

Drücken die geschädigten Wirbel auf einen Nerv oder das Rückenmark, kann es zu Taubheitsgefühl, Schwäche und Schmerzen in den Bereichen kommen, die von diesem Nerv versorgt werden. Gelegentlich tritt ein Cauda-equina-Syndrom (Pferdeschwanz-Syndrom) auf ( Was ist das Kaudasyndrom?).

In einigen Fällen kann es auch zu Lungenerkrankungen, wie Husten, Bluthusten (Hämoptyse) und Atemnot (Dyspnoe) kommen.

Weitere Begleiterscheinungen sind Entzündungen der Achillessehne, eine plantare Fasziitis und Entzündungen der Patellasehne. Außerdem kann eine Daktylitis, eine schmerzhafte Schwellung eines Fingers oder einer Zehe (wurstförmige Finger oder Zehen), auftreten.

Diagnose

  • Röntgenaufnahmen

  • Bluttests

  • Manchmal auch eine Magnetresonanztomographie (MRT)

  • Bekannte Kriterien

Die Diagnose der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) stützt sich auf das Vorliegen von Symptomen, Krankheitsfällen in der Familie sowie auf Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule, des Beckens und der betroffenen Gelenke. Die Röntgenbilder zeigen in der Regel (aber nicht immer) die Abnutzung (Erosion) der Gelenke zwischen der Wirbelsäule und dem Hüftknochen (Iliosakralgelenke) sowie die Bildung knöcherner Überbrückungen zwischen den Wirbelkörpern, wodurch sich die Wirbelsäule versteift (Sakroiliitis). Bei einigen Patienten ist die Sakroiliitis auf den Röntgenbildern nicht sichtbar, kann aber durch eine MRT des Beckens oder der Wirbelsäule festgestellt werden.

Bluttests werden vorgenommen, um die Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG, ein Test zur Messung der Rate, mit der sich rote Blutkörperchen am Boden eines Reagenzglases mit Blut absetzen), den Spiegel des C-reaktiven Proteins und manchmal das Vorhandensein des HLA-B27-Gens zu bestimmen. Wenn die BSG und der Spiegel des C-reaktiven Proteins erhöht sind, deutet dies auf eine Entzündung hin, sagt aber nichts über die Schwere der Erkrankung aus. Das HLA-B27-Gen kann auch vorhanden sein, wenn keine Spondylitis vorliegt.

Die Diagnose lässt sich anhand einiger festgelegter Kriterien stellen. Es gibt jedoch unterschiedliche Kriterienkataloge, von denen einige Änderungen unterworfen sind. So werden z. B. die folgenden Kriterien manchmal bei Patienten angewendet, die länger als 3 Monate Rückenschmerzen hatten und die bei Symptombeginn unter 45 Jahre alt sind.

Es gibt zwei Aspekte der hier erwähnten Kriterien: Kriterien in bildgebenden Verfahren (Röntgenaufnahmen oder MRT) sowie klinische Kriterien (Untersuchung und Bluttests). Patienten, auf die ein oder beide Aspekte der Kriterien zutreffen, können Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) haben.

Im Hinblick auf die Kriterien in bildgebenden Verfahren muss bei den Patienten eine Sakroiliitis durch Röntgenaufnahmen oder eine MRT bestätigt werden und mindestens eines der Merkmale in der unten stehenden Liste vorliegen. Im Hinblick auf den klinischen Aspekt der Kriterien müssen die Patienten das HLA-B27-Gen und mindestens zwei der Merkmale in der unten stehenden Liste aufweisen:

  • Daktylitis (Schwellung eines gesamten Fingers oder Zehs)

  • Schmerzhafte Entzündung der Ferse

  • Spondylarthritis in der Familie

  • Häufige entzündliche Rückenschmerzen

  • Arthritis

  • Augenentzündung (Uveitis)

  • Hoher Spiegel des C-reaktiven Proteins

  • Linderung der Schmerzen und Entzündungen durch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Entzündliche Rückenschmerzen beginnen zumeist langsam im Alter von 40 Jahren oder früher. Es tritt eine morgendliche Steifheit auf, die sich durch Bewegung bessert.

Prognose

Die meisten Patienten haben geringfügige Behinderungen und können ein normales Leben führen. Bei einigen schreitet die Krankheit jedoch stark fort und verursacht schwere Deformationen. Bei einer extremen Wirbelsäulenversteifung ist die Diagnose der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) meist nicht sehr ermutigend.

Behandlung

  • Nichtsteroidale Antirheumatika

  • Sulfasalazin, Methotrexat, Tumornekrosefaktor-Hemmer und Secukinumab

  • Körperliche Aktivität

Die Behandlung der Spondylitis ankylosans hat folgende Schwerpunkte:

  • Linderung der Rücken- und Gelenkschmerzen

  • Erhaltung des Bewegungsumfangs in den Gelenken

  • Verhinderung einer Schädigung anderer Organe

  • Verhinderung oder Behebung einer Verformung der Wirbelsäule

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) lindern die Schmerzen und bremsen die Entzündung, sodass die Patienten Haltungs- und Dehnübungen ausführen und tief einatmen können.

Bei einigen Patienten lindert Sulfasalazin oder Methotrexat die Gelenkschmerzen besser als die Rückenschmerzen. Die TNF-Hemmer Etanercept, Adalimumab, Infliximab, Golimumab und Certolizumab pegol sind bei Rückenschmerzen und Entzündungen wirksam. Secukinumab, ein Interleukin-17A-Rezeptorantagonist, kann die Entzündung und Gelenksymptome ebenfalls lindern.

Langfristiges Ziel der Behandlung einer Spondylitis ankylosans ist es, Haltungsschäden zu vermeiden und starke Rückenmuskeln aufzubauen. Tägliches Üben kräftigt die Muskulatur, die der gebeugten Haltung entgegenwirkt. Es wird empfohlen, dass die Patienten sich regelmäßig auf den Bauch legen und sich dabei auf die Ellenbogen stützen – z. B. beim Lesen –, um so den Rücken zu dehnen und flexibel zu halten.

Kortikosteroide und pupillenerweiternde Augentropfen können bei an- und abschwellenden Augenentzündungen kurzfristig helfen. Bisweilen kann ein Kortikosteroid in ein oder zwei Gelenke (außer der Wirbelsäule) injiziert werden. Muskelentspannende und betäubende Schmerzmittel sind meist nur kurzfristig bei starken Schmerzen und heftigen Muskelkrämpfen erforderlich.

Wenn Hüft- und Kniegelenke stark angegriffen oder in gebeugter Stellung versteift sind, können sie gegen ein künstliches Gelenk ausgetauscht werden, sodass die Funktion wiederhergestellt wird.

Da die Lungenfunktion aufgrund der eingeschränkten Bewegung der Brustwand beeinträchtigt ist, wird vom Rauchen, das die Lungen ebenfalls angreift, strikt abgeraten.

Weitere Informationen

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