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Harnröhrentrauma

Von

Noel A. Armenakas

, MD, Weill Cornell Medical School

Inhalt zuletzt geändert Aug 2019
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Von Verletzungen der Harnröhre sind hauptsächlich Männer betroffen. Die meisten größeren Verletzungen der Harnröhre sind auf ein stumpfes Trauma zurückzuführen. Penetrierende Urethraltraumen sind ungewöhnlich. In der Hauptsache sind Schusswunden die Ursache. Sie können aber auch durch das Einführen von Objekten in die Urethra bei sexuellen Aktivitäten oder psychiatrischen Erkrankungen entstehen.

Man unterscheidet bei den Urethralverletzungen zwischen Kontusionen und Teil- oder Totalrupturen, die sowohl posterior als auch anterior vorkommen können. Posteriore Urethralverletzungen treten fast ausschließlich bei Beckenfrakturen auf. Anteriore Urethralverletzungen sind meist die Folge einer perinealen, durch starke Spreizung verursachten Verletzung, durch einen Sturz, einen perinealen Schlag oder durch einen Kraftfahrzeugunfall. Iatrogene Verletzungen treten bei der transurethralen Instrumentation auf (z. B. Platzierung oder Entfernung eines Katheters, Zystoskopie).

Zu den Komplikationen gehören eine Infektion, Inkontinenz, erektile Dysfunktion und eine Striktur oder Stenose ("Stenose" ist eine Verengung der hinteren Harnröhre, während sich"Striktur" ausschließlich auf die vordere Harnröhre bezieht).

Symptome und Beschwerden

Zu den Symptomen gehören Schmerzen beim Wasserlassen oder Miktionsprobleme. Ein Blutaustritt aus dem Meatus ist das wichtigste Symptom der Urethralverletzung. Weitere Zeichen sind perineale, skrotale, penile und labiale Ekchymosen, Ödeme oder beides. Anormalen Stellung der Prostata bei rektaler Untersuchung (sog. hochstehende Prostata) ist ein ungenaues Anzeichen einer Harnröhrenverletzung. Blut bei digitaler, rektaler oder vaginaler Untersuchung erfordert eine gründliche Untersuchung.

Diagnose

  • Retrograde Urethrographie

Jeder männliche Patient mit Symptomen oder Anzeichen, die auf eine Harnröhrenverletzung hindeuten, sollte sich einer retrograden Urethrographie unterziehen. Dieses Verfahren sollte immer vor Katheterisierung stattfinden. Harnröhrenkatheterisierung bei einem Mann mit einer nicht erkannten signifikanten Urethralverletzung kann zu einer Harnröhrenruptur führen (z. B. die Entwicklung von einer partiellen zu einer vollständigen Ruptur). Weibliche Patienten benötigen sofortige Zystoskopie und eine sorgfältige vaginale Untersuchung.

Tipps und Risiken

  • Wenn eine Harnröhrenverletzung vermutet wird, führen Sie bis nach der Urethrographie keinen Harnröhrenkatheter ein.

Behandlung

  • Normalerweise Katheterisierung (bei Konzusionen) der Harnröhre oder suprapubische Zystostomie

  • Die Behandlung besteht manchmal aus der endoskopischen Ausrichtung oder der chirurgischen Ligatur (bei ausgewählten Verletzungen).

  • Verzögerte definitive Chirurgie

Kontusionen können einfach durch etwa 7-tägige Dauerkatheterisierung behandelt werden. Die partielle Ruptur wird durch Blasendrainage mittels eine suprapubischer Zystostomie behandelt. In ausgewählten Fällen von posterioren partiellen Störungen kann eine primäre Neuausrichtung der Harnröhre (endoskopisch oder offen) versucht werden; wenn dies erfolgreich ist, kann dieser Ansatz die nachfolgende Harnröhrenstenose begrenzen.

Die einfachste und sicherste Option für die meisten Patienten mit Totalruptur ist die Blasendrainage über eine suprapubische Zystostomie. Die abschließende chirurgische Behandlung wird 8–12 Wochen verschoben, bis sich das urethrale Narbengewebe stabilisiert und der Patient sich von den begleitenden Verletzungen erholt hat.

Die offene Reparatur von Harnröhrenverletzungen ist auf diejenigen beschränkt, die mit Penisfrakturen, penetrierenden Verletzungen und allen Verletzungen bei Frauen assoziiert sind.

Wichtige Punkte

  • Die meisten Verletzungen der posterioren Urethra sind mit Beckenfrakturen assoziiert. Vordere Verletzungen gehen normalerweise auf einen stumpfen Mechanismus zurück. Harnröhrenverletzungen mit Penisfrakturen oder durch ein penetrierendes Traumata treten seltener auf.

  • Ziehen Sie Harnröhrenverletzungen insbesondere bei Patienten in Betracht, die Beckenfrakturen oder Spreizverletzungen haben und bei denen Blut am Harnröhrengang oder Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung auftreten.

  • Führen Sie bei Männern eine retrograde Urethrographie vor Setzen eines Harnröhrenkatheters durch.

  • Bei Frauen sollte eine Zystoskopie und eine gründliche vaginale Untersuchung durchgeführt werden.

  • Prellungen mit einem Harnröhrenkatheter und die meisten Harnröhrenrupturen zunächst mit einer suprapubischen Zystostomie behandeln; in ausgewählten Fällen eine primäre Neuausrichtung in Betracht ziehen.

  • Die chirurgische Rekonstruktion sollte außer bei bestimmten Verletzungen (d. h. Penisfrakturen, penetrierenden Verletzungen und Verletzungen der weiblichen Harnröhre) hinausgezögert werden.

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