Gewöhnliche Moosbeeren (Oxycoccus; Heidelberere, Cranberry) sind Früchte, die direkt nach dem Pflücken gegessen werden können oder aber zu Konfitüren oder Säften verarbeitet werden können.
Behauptungen zu Cranberry
Moosbeeren werden zur Vorbeugung und Linderung der Symptome von Harnwegsinfektionen eingenommen. Die Wirksamkeit von Cranberries bei der Verhinderung von Harnwegsinfektionen ist nicht bestätigt. Natürlicher unverarbeiteter Moosbeerensaft enthält Anthocyane (z. B. Proanthocyanidin), die verhindern, dass Escherichia coli an den Wänden der Harnwege haften bleiben.
Manche Menschen nehmen Moosbeerensaft ein, um Fieber zu senken und um bestimmte Krebserkrankungen zu heilen, aber es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass diese Wirkung auch eintritt.
Evidenz für Cranberry
Im Jahr 2020 genehmigte die U.S. Food and Drug Administration (FDA) qualifizierte gesundheitsbezogene Angaben für ein verringertes Risiko rezidivierender Harnwegsinfektionen bei gesunden Frauen, wobei gleichzeitig anerkannt wurde, dass nur begrenzte und inkonsistente glaubwürdige wissenschaftliche Evidenz zur Unterstützung dieser Behauptungen vorliegt (1, 2).
Im Jahre 1966 wurde die erste klinische Studie veröffentlicht, die -unkontrolliert- die positive Wirkung von Cranberry-Saft in Bezug auf die Verhinderung von Harnwegsinfekten bewertet hat (3). Seitdem wurden zahlreiche Studien durchgeführt, die die verschiedenen Populationen, Schwere der Erkrankungen, Dosierungen, Zeit und Form der Ergänzung in Saft oder Kapsel/Tablette bewerten.
Die Mehrheit der Evidenz deutet darauf hin, dass Cranberry-Saft oder -Extrakt über einen Zeitraum von 12 Monaten einen kleinen, aber statistisch signifikanten Effekt bei der Prävention von Rezidiven von Harnwegsinfektionen haben kann, jedoch eine Supplementierung keine Harnwegsinfektionen behandeln kann (4). Allerdings hat eine Cochrane-Review von 2012 von 24 Studien (4473 Teilnehmer) einige Zweifel über die Wirksamkeit der Ergänzung aufkommen lassen und einen kleinen Trend zu weniger HWI mit Supplementierung festgestellt; jedoch war diese Feststellung statistisch nicht signifikant (5). Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2017 von 28 Studien (4947 Teilnehmern) ergab, dass Harnwegsinfektionen signifikant um 33 % reduziert werden (6). Eine weitere Meta-Analyse randomisierter, kontrollierter Studien bei Frauen mit Harnwegsinfekt-Risiko ergab ebenfalls, dass Cranberry das HWI-Risiko um 26 % senkte (7).
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023, in der 50 Studien mit 8857 Patienten ausgewertet wurden, kam zu dem Ergebnis, dass Cranberry-Produkte das Risiko für symptomatische, durch Kulturen nachgewiesene Harnwegsinfektionen um 30% senken können (8). Bei Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen betrug die Risikoreduktion 26%, bei Kindern mit Harnwegsinfektionen 54% und bei Menschen, die zu Harnwegsinfektionen neigen, 53%. Eine relative Risikoreduktion wurde jedoch nicht bei Schwangeren, älteren Erwachsenen oder Menschen mit neuromuskulären Blasenfunktionsstörungen oder Problemen bei der Blasenentleerung festgestellt.
Die Standardisierung von Cranberry-Produkten und die Angabe des Proanthocyanidin-Gehalts (PAC) können dazu beitragen, die Ergebnisse zu klären und die Diskrepanz zu beseitigen. Physiologische Unterschiede in den Harnwegen und richtige Hygiene der weiblichen Individuen, die untersucht wurden, könnten auch zu den unterschiedlichen Reaktion beitragen. Aufgrund der Besorgnis über Antibiotikaresistenzen hat die American Urological Association 2019 in ihren Leitlinien für Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen erklärt, dass Kliniker eine Cranberry-Prophylaxe anbieten können, obwohl dies eine Empfehlung der Evidenzstufe C ist (9).
Unerwünschte Wirkungen von Cranberry
Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Da jedoch die meisten Moosbeerensäfte stark gesüßt sind, um ihren herben Geschmack zu verbessern, sollten Diabetiker vorsichtig sein, wenn der Moosbeerensaft mit Zucker versetzt wurde. Weil Moosbeeren die Urinsäure erhöhen, können sie die Bildung von Nierensteinen bei Patienten mit Harnsäurenierensteinen fördern.
Wechselwirkungen von Cranberry mit anderen Medikamenten
Moosbeerenprodukte können die Wirkung von Warfarin erhöhen. Cranberries können die Wirkung des Statins Atorvastatin und des Antihypertensivums Nifedipin verstärken.
Literatur
1. FDA Announces Qualified Health Claim for Certain Cranberry Products and Urinary Tract Infections. Accessed February 27, 2025.
2. Health Claim Petition - Consumption of Cranberry Products and Reduced Risk of Recurrent Urinary Tract Infection in Healthy Women (Docket No. FDA-2018-Q-0739). Accessed February 27, 2025.
3. Papas PN, Brusch CA, Ceresia GC. Cranberry juice in the treatment of urinary tract infections. Southwest Med. 47(1):17-20, 1966.
4. Jepson RG, Craig JC. A systematic review of the evidence for cranberries and blueberries in urinary tract infection prevention. Mol Nutr Food Res. 51(6): 738-745, 2007. doi: 10.1002/mnfr.200600275
5. Jepson RG, Williams G, Craig JC. Cranberries for preventing urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 10:CD001321, 2012. doi: 10.1002/14651858.CD001321.pub5
6. Luís Â, Domingues F, Pereira L. Can cranberries contribute to reduce the incidence of urinary tract infections? A systematic review with meta-analysis and trial sequential analysis of clinical trials. J Urol. 198(3):614-621, 2017. doi: 10.1016/j.juro.2017.03.078
7. Fu Z, Liska D, Talan D, et al. Cranberry reduces the risk of urinary tract infection recurrence in otherwise healthy women: a systematic review and meta-analysis. J Nutr. 147(12):2282-2288, 2017. doi: 10.3945/jn.117.254961
8. Williams G, Stothart CI, Hahn D, Stephens JH, Craig JC, Hodson EM. Cranberries for preventing urinary tract infections. Cochrane Database Syst Rev. 2023 Nov 10;11(11):CD001321. doi: 10.1002/14651858.CD001321.pub7
9. Anger J, Lee U, Ackerman AL, et al. Recurrent uncomplicated urinary tract infections in women; AUA/CUA/SUFU guideline. J Urol. 202(2):282-289, 2019. doi: 10.1097/JU.0000000000000296
Weitere Informationen
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