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MCS, multiple chemical sensitivity; IEI, idiopathische umweltbezogene Unverträglichkeit

(Multiple chemische Sensitivität; Umwelterkrankung)

Von

Donald W. Black

, MD, University of Iowa, Roy J. and Lucille A. Carver College of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Nov 2018
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Die idiopathische Umweltintoleranz ist durch wiederkehrende, unspezifische Symptome gekennzeichnet, die bei geringer Exposition gegenüber häufig in der Umwelt vorkommenden, chemisch nicht verwandten Substanzen auftreten. Die Symptome sind zahlreich und betreffen häufig mehrere Organsysteme, aber die körperlichen Befunde sind unauffällig, die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose. Eine psychotherapeutische Unterstützung und die Vermeidung der identifizierten Auslöser wird empfohlen, obwohl sich gerade diese kaum definieren lassen.

Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition, aber im Allgemeinen wird die idiopathische Umwelttoleranz definiert als die Entwicklung von zahlreichen Symptomen, die der Exposition gegenüber identifizierbaren oder nichtidentifizierbaren chemischen Substanzen zugeschrieben werden (durch Inhalation, Berührung oder Ingestion), ohne dass es zu klinisch nachweisbaren Organfunktionsstörungen oder damit verbundenen körperlichen Symptomen kommt.

Ätiologie

Auslöser

Zu den bekannten Auslösern für die idiopathische Umweltintoleranz gehören:

  • Alkohol und Medikamente

  • Koffein und Zusatzstoffe

  • Teppich- und Möbelausdünstungen

  • Benzingeruch und Motorabgases

  • Malutensilien

  • Parfüms und andere Dufstoffe

  • Pestizide und Herbizide

Mechanismen

Immunologische und nichtimmunologische Theorien wurden aufgestellt. Diese scheitern aber daran, dass es keine konsistente Dosis-(Wirkungs-) Reaktion beim Kontakt mit den verdächtigten Substanzen gibt, d. h. die Symptome lassen sich nicht auslösen, wenn der Patient hohen Dosen der Substanz, die in niedriger Dosierung die Reaktion zu provozieren scheint, ausgesetzt wird. Auch fehlt es an konsistenten objektiven Beweisen für eine systemische Entzündung, einen Zytokinüberschuss oder eine den Symptomen entsprechende Aktivierung des Immunsystems. Viele Mediziner gehen von einer psychischen Ursache aus und sehen diese eher als eine Art somatische Symptomstörung. Andere halten das Syndrom für eine Art Panikattacke oder Agoraphobie.

Idiopathische Umweltintoleranz tritt bei 40% der Menschen mit chronischem Müdigkeitssyndrom und bei 16% der Menschen mit Fibromyalgie auf. Die idiopathische Umweltintoleranz tritt mehr bei Frauen auf.

Obwohl messbare biologische Anomalien selten sind (z. B. verringerte B-Zell-Zahl, erhöhte IgE-Spiegel), kommen sie bei manchen Patienten durchaus vor. Allerdings erscheinen diese Anomalien ohne einheitliches Muster, ihre Bedeutung ist unsicher, und von der Untersuchung dieser Anomalien, um eine immunologische Basis für die Störung festzustellen, sollte abgeraten werden.

Symptome und Beschwerden

Es gibt zahlreiche Symptome (z. B. Palpitationen, Brustschmerzen, Schweißneigung, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Hautrötungen, Schwindel, Übelkeit, Würgen, Zittern, Taubheit, Husten, Heiserkeit, Konzentrationsstörungen) und meistens ist mehr als ein Organsystem betroffen. Die Mehrzahl der Patienten präsentiert eine lange Liste verdächtiger Stoffe, die von ihnen selbst oder einem zuvor konsultierten Arzt identifiziert wurden. Diese Patienten nehmen oft viel auf sich, und um diesen Substanzen aus dem Weg zu gehen, wechseln ihre Wohnungen und Arbeitsplätze, vermeiden Nahrung, die „chemische Zusätze“ enthalten, tragen in der Öffentlichkeit manchmal einen Mundschutz oder vermeiden größere Menschenansammlungen. Die körperliche Untersuchung ist typischerweise unauffällig.

Diagnose

  • Ausschluss anderer Ursachen

Die Diagnose beinhaltet zunächst den Ausschluss bekannter Erkrankungen mit ähnlichen Manifestationen:

Atopische Störungen werden durch die typische klinische Vorgeschichte, Prick-Test und Serum-Assays für spezifisches IgE ausgeschlossen. Die Beratung mit einem Allergiespezialisten kann hilfreich sein. Erkrankungen, die in Zusammenhang mit der Wohn- oder Arbeitsumgebung stehen, einschließlich des "sick building syndrome", bei dem viele Menschen an einem Ort leben oder arbeiten und Symptome entwickeln, sollte mitberücksichtigt werden.

Wenn Symptome und Beschwerden nicht stark auf eine Bindegewebs- oder rheumatologische Autoimmunerkrankung hindeuten (z. B. Gelenks-, Haut- und/oder Schleimhaut-Manifestationen), sollte die Untersuchung auf eine Vielzahl von Autoantikörpern (z. B. Antinukleäre Antikörper [ANA], Rheumafaktor, extrahierbare nukleäre Antigene [ENA]) vermieden werden. In solchen Fällen ist die Vortestwahrscheinlichkeit gering und falsch-positive Ergebnisse sind viel wahrscheinlicher als echt-positive Ergebnisse; eine schwach positive ANA ist bei etwa 20% der Bevölkerung vorhanden.

Behandlung

  • Manchmal vermeiden vermuteter Auslöser

  • Psychologische Behandlungen

Trotz einer unklaren Ursache-Wirkungs-Beziehung zielt die Behandlung manchmal auf die Vermeidung der verdächtigten Substanzen ab, was schwierig sein kann, weil viele von ihnen ubiquitär vorkommen. Allerdings sollte der Patient nicht zu einem sozial isolierenden, teuren und sehr zerstörerischen Vermeidungsverhalten ermutigt werden. Eine unterstützende Beziehung zu einem Hausarzt, der Beruhigung bietet und den Patienten vor unnötigen Tests und Verfahren schützt, ist hilfreich.

Eine psychotherapeutische Untersuchung und Intervention kann helfen, doch wehren sich viele Patienten gegen diesen Ansatz. Allerdings steht dabei nicht im Vordergrund, den Patienten zu überzeugen, dass die Ursache psychisch ist, sondern ihnen zu helfen, mit ihren Symptomen umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern (1). Nützliche Techniken umfassen psychologische Desensibilisierung (oft als Teil der kognitiven Verhaltenstherapie) (1). und abgestufte Exposition— Spezifische Phobische Störungen : Behandlung). Psychoaktive Medikamente können hilfreich sein, wenn sie auf koexistierende psychiatrische Störungen (z. B. Major Depression) ausgerichtet sind.

Behandlungshinweise

  • Hauge CR, Rasmussen A, Piet J, et al: Mindfulness-based cognitive therapy (MBCT) for multiple chemical sensitivity (MCS): Results from a randomized controlled trial with 1 year follow-up. J Psychosom Res 79(6):628-634, 2015. doi: 10.1016/jpsychores.2015.06.010.

Wichtige Punkte

  • Auf Basis der aktuellen Beweise kann die idiopathische Umweltunverträglichkeit nicht durch nichtpsychologische Faktoren erklärt werden.

  • Für die Diagnose schließen Sie Erkrankungen aus, die ähnliche Manifestationen (z. B. allergische Störungen) haben können und ziehen Sie das Sick-Building-Syndrom in Betracht.

  • Testen Sie auf immunologische Anomalien nur, wenn diese durch den objektiven klinischen Befund angezeigt sind

  • Unterstützen Sie psychologische Therapien wie schrittweise Exposition und medikamentöse Behandlung von koexistierenden psychiatrischen Erkrankungen.

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