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Marihuana (Cannabis)

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Marihuana wirkt euphorisierend, kann aber bei einigen Menschen auch sedierend oder dysphorisch wirken. Bei Langzeitgebrauch kann es zu einer psychischen Abhängigkeit kommen; es besteht jedoch nur eine sehr geringe klinisch erkennbare körperliche Abhängigkeit. Der Entzug ist unangenehm, erfordert aber nur unterstützende Behandlung.

Marihuana ist die häufigste illegale Substanz, die verwendet wird, ihr Gebrauch erfolgt meist nur episodisch und ohne Nachweis einer sozialen oder psychischen Beeinträchtigung.

In den USA wird Marihuana meist geraucht, entweder in Form von Zigaretten, die aus den weiblichen Blütenständen mit oder ohne anhängende Blätter der getrockneten Hanfpflanze (Marihuana) hergestellt werden, oder als Haschisch, das gepresste Harz der Hanfpflanze. Die Legalisierung von Marihuana für den Freizeitgebrauch im Jahr 2010 in bestimmten Staaten in den USA hat einen großen Markt für Marihuana-Produkte eröffnet, die eingenommen oder verdampft werden und topisch in Tinktur, Lotion und Spray-Form angewendet werden.

Der Hauptwirkstoff von Cannabis wird als Dronabinol, einer synthetischen Form des Δ-9-Tetrahydrocannabinols, medizinisch zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie bei Krebsleiden und zur Verbesserung des Appetits bei AIDS-Patienten eingesetzt.

Pathophysiologie

Delta-9-THC bindet an Cannabinoid-Rezeptoren, die im Gehirn zu finden sind.

Chronische Wirkungen

Jede Substanz, die Euphorie erzeugt und Angst verringert, kann zu einer Abhängigkeit führen; Cannabis ist hier keine Ausnahme. Konsumenten, die Cannabis in hohen Dosen rauchen, können pulmonale Symptome (akute Bronchitis, Atemgeräusche, Husten und Auswurf), entwickeln, und die Lungenfunktion kann verändert sein. Selbst bei täglichem Rauchen kommt es jedoch nicht zu einer obstruktiven Atemwegserkrankung.

Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass schwerer Marihuanakonsum mit erheblichen kognitiven Beeinträchtigungen und anatomischen Veränderungen im Hippocampus verbunden ist, vor allem, wenn die Verwendung von Marihuana in der Pubertät beginnt.

Es gibt keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Kopf-Hals-oder Atemwege Krebsarten wie beim Tabak. Ein Gefühl von vermindertem Ehrgeiz und nachlassender Energie wird oft beschrieben.

Eine fetale Schädigung durch Cannabiskonsum während der Schwangerschaft ist nicht eindeutig belegt. Zwar wurde ein vermindertes fetales Gewicht beobachtet; bei Berücksichtigung aller Faktoren jedoch (wie Alkohol- und Tabakkonsum der Mutter) scheinen die Auswirkungen gering zu sein. Allerdings, da die Sicherheit nicht eindeutig bewiesen wurde, sollte Marihuana von schwangeren Frauen und denjenigen, die versuchen schwanger zu werden, vermieden werden. Dronabinol geht in die Muttermilch über. Obwohl bei gestillten Säuglingen keine Schädigung nachgewiesen wurde, sollten stillende wie auch schwangere Frauen den Konsum von Cannabis meiden.

Symptome und Beschwerden

Intoxikation und Entzug sind nicht lebensbedrohlich.

Akute Wirkungen

Das Rauchen von Cannabis führt nach wenigen Minuten zu einem traumähnlichen Bewusstseinszustand mit unzusammenhängenden, unerwarteten und frei schwebenden Gedanken. Die Wahrnehmung von Zeit, Raum und Farbe kann sich verändern. Im Allgemeinen besteht der Rausch in einem Gefühl der Euphorie und der Entspannung ("high" sein). Diese Wirkungen halten 4–6 Stunden nach der Inhalation an.

Viele der weiteren psychischen Wirkungen scheinen vom äußeren Rahmen abzuhängen, in dem die Substanz konsumiert wird. Angst, Panikattacken und Paranoia sind aufgetreten, vor allem bei erstmaligen Konsumenten. Marihuana kann psychotische Symptome bei Schizophrenen verschlimmern oder sogar auslösen, auch bei denjenigen, die mit Antipsychotika behandelt werden.

Physische Effekte sind bei den meisten Patienten leicht. Tachykardie, Augenrötung und Mundtrockenheit treten regelmäßig auf. Konzentration, Raum- und Zeitempfinden und Tiefenwahrnehmung, sind für 24 Stunden beeinträchtigt. Dies kann vor allem in bestimmten Situationen gefährlich werden (z. B. Autofahren, Bedienen von Maschinen). Der Appetit nimmt oft zu.

Chronische Folgen

Das cannabinoide Hyperemesis-Syndrom ist ein kürzlich beschriebenes Syndrom von zyklischen Episoden mit Übelkeit und Erbrechen bei häufigen Cannabiskonsumenten; gewöhnlich klingen die Symptome spontan innerhalb von 48 Stunden ab. Heißes Baden mildert diese Symptome und ist ein klinischer Hinweis auf die Diagnose.

Entzug

Ein Absetzen bei häufigen, intensiven Anwendern kann zu leichten Entzugserscheinungen führen, der Zeitpunkt des Auftretens von Entzugssymptomen variiert, beginnt aber oft etwa 12 Stunden nach der letzten Einnahme. Zu den Symptomen zählen Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Depressionen, Übelkeit und Appetitlosigkeit; die Symptome haben ihren Höhepunkt nach 2 bis 3 Tagen und halten bis zu 7 Tage an.

Diagnose

  • Klinische Abklärung

Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Blutwerte werden typischerweise nicht bestimmt. Die meisten routinemäßigen Medikamentenuntersuchungen im Urin auf verschiedene Substanzen schließen Marihuana ein, aber sie können zu falsch-negativen oder falsch-positivn Ergebnissen führen.

Behandlung

  • Unterstützende Maßnahmen

Eine Behandlung ist in der Regel unnötig; bei Patienten, die erhebliche Beschwerden haben, ist die Behandlung unterstützend. Patienten mit Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom können i.v. Flüssigkeiten und Antiemetika benötigen (anekdotische Berichte legen nahe, dass Haloperidol und topisches Capsaicin wirksam sind).

Eine Kontrolle des Abusus besteht typischerweise aus einer Verhaltenstherapie in einem ambulanten Drogentherapieprogramm.

Weitere Informationen

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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