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Flüchtige Lösungsmittel

Von

Gerald F. O’Malley

, DO, Grand Strand Regional Medical Center;


Rika O’Malley

, MD, Albert Einstein Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Die Inhalation von industriellen Lösungsmitteln und Aerosolsprays kann zu einem Zustand der Intoxikation führen. Ein Langzeitgebrauch kann Neuropathie und Hepatotoxizität verursachen.

Die Verwendung von flüchtigen Lösungsmitteln (z. B. Acetate, Alkohol, Chloroform, Äther, aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Ketone) ist weiterhin ein Problem, das bei Jugendlichen endemisch ist. Gewöhnliche Produkte (z. B. Leime und Klebstoffe, Lacke, Abbeizmittel, Reinigungsmittel) enthalten diese Stoffe; somit ist der Zugang für Kinder und Jugendliche leicht. Etwa 10% der Jugendlichen in den USA haben schon einmal flüchtige Lösungsmittel inhaliert. Typischerweise wird ein mit Lösungsmittel getränkter Lappen in einem Beutel oder Behälter auf Mund und Nase gehalten; die natürlich verflüchtigten Dämpfe werden dann inhaliert (schnaufend, Schnupfen).

Flüchtige Lösungsmittel führen zu einer Stimulation des ZNS, danach kommt es zu einer ZNS-Depression. Bei häufigem Gebrauch entwickelt sich eine teilweise Toleranz und psychische Abhängigkeit, es tritt jedoch kein Entzugssyndrom auf.

Symptome und Beschwerden

Akute Wirkungen

Akute Symptome wie Schwindel, Benommenheit, verwaschene Sprache und instabiler Gang treten früh auf. Auch Impulsivität, Erregung und Reizbarkeit können vorkommen. Mit zunehmender Wirkung auf das ZNS entwickeln sich illusionäre Verkennungen, Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Der Anwender erlebt einen euphorischen, traumhaften Zustand („High“), der in einem kurzen Schlaf kulminiert. Es entwickelt sich ein Delir mit Verwirrung, psychomotorischer Verlangsamung, emotionaler Labilität und Denkstörungen. Der Intoxikationszustand kann nur Minuten, aber auch länger als eine Stunde anhalten.

Plötzlicher Tod kann durch Atemstillstand oder Atemwegsokklusion durch ZNS-Depression oder Herzrhythmusstörungen auftreten ("sudden sniffiing death", vielleicht durch eine Myokard-Sensibilisierung).

Methylenchlorid (Dichlormethan) metabolisiert zu Kohlenmonoxid und ein Einatmen des Produktes kann ein verzögertes Einsetzen der Symptome einer Kohlenmonoxidvergiftung verursachen; die Symptome können über einen längeren Zeitraum andauern.

Das Einatmen von Methanol kann zu einer metabolischen Azidose und Netzhautschäden führen.

Chronische Wirkungen

Chronische Inhalation von flüchtigen Kohlenwasserstoffen kann die Haut um Mund und Nase (Huffer-Ekzem) reizen.

Komplikationen eines Langzeitgebrauchs sind auf die Wirkung des Lösungsmittels oder anderer toxischer Bestandteile (z. B. Blei im Benzin) zurückzuführen. Tetrachlorkohlenstoff kann schwere Leberschäden und Nierenversagen verursachen. Toluol kann zu Degeneration der weißen Gehirnsubstanz, renaler tubulärer Azidose und Hypokalämie führen. Schäden an Gehirn, Leber, pripheren Nerven, Nieren und Knochenmark können durch massive Inhalation oder besondere Empfindlichkeit entstehen.

Missbrauch von Inhalaten während der Schwangerschaft kann eine Frühgeburt und "fetal solvent syndrome" verursachen, dessen Eigenschaften denen des fetalen Alkoholsyndroms ähneln.

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

Flüchtige Lösungsmittel werden nicht in routinemäßigen Drogenscreenings erkannt. Viele von ihnen und ihrer Metaboliten können durch Gaschromatographie in spezialisierten Labors nachgewiesen werden, aber eine solche Prüfung ist nur selten notwendig oder angezeigt, außer für forensische Zwecke.

Behandlung

  • Unterstützende Behandlung

Die Behandlung bei akuter Nikotinvergiftung unterstützend. Verwendung von Katecholaminen (z. B. bei Hypotonie) sollte wegen möglicher Lösungsmittel-induzierten myokardialen Sensibilisierung vermieden werden. Die Behandlung von Arrhythmien ist eine Herausforderung, und es gibt keine spezifische Behandlungsleitlinie. Beta-Blocker können einen gewissen Nutzen haben.

Die Therapie abhängiger Jugendlicher ist schwierig und Rückfälle sind häufig. Meist hört jedoch der Gebrauch der Lösungsmittel mit Ende der Adoleszenz auf. Es sollte versucht werden, die sozialen Fähigkeiten des Patienten und seinen Status in Familie, Schule und Gesellschaft insgesamt zu verbessern. Zu Symptomen und Therapie von Vergiftungen mit bestimmten Lösungsmitteln siehe Tabelle: Symptome und Behandlung von spezifischen Giften.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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