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Antipsychotika

Von

Carol Tamminga

, MD, UT Southwestern Medical Dallas

Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Quellen zum Thema

Antipsychotische Medikamente werden aufgrund auf ihrer Affinität für spezifische Neurotransmitterrezeptoren und ihrer Wirkung in konventionelle Antipsychotika und Antipsychotika der 2. Generation (SGA, atypische Antipsychotika) unterteilt. SGA bieten evtl. einige Vorteile wie eine etwas bessere Wirksamkeit (obwohl neuere Anhaltspunkte an den Vorzügen der SGA als Klasse zweifeln lassen) und eine geringere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von unwillkürlichen Bewegungsstörungen und assoziierten unerwünschten Wirkungen. Derzeit machen SGAs etwa 95% der in den USA verschriebenen Antipsychotika aus. Allerdings ist das Risiko für ein metabolisches Syndrom (extremes Bauchfett, Insulinresistenz, Dyslipidämie und Hypertonie) unter SGA größer als unter konventionellen Antipsychotika. Mehrere Antipsychotika in beiden Klassen können zum Long-QT-Syndrom führen und letztlich das Risiko tödlicher Arrhythmien erhöhen; zu diesen Medikamenten gehören Thioridazin, Haloperidol, Olanzapin, Risperidon und Ziprasidon.

Konventionelle Antipsychotika

Der Wirkmechanismus von konventionellen Antipsychotika (siehe Tabelle Konventionelle Antipsychotika) beruht primär auf einer Blockade des Dopamin-2-Rezeptors (Dopamin-2-Blocker).

Konventionelle Antipsychotika können klassifiziert werden als hochpotent, mittelpotent und niederpotent. Hochpotente Antipsychotika haben eine stärkere Affinität zu Dopaminrezeptoren und eine geringe Affinität zu alpha-adrenergen und muskarinischen Rezeptoren. Niederpotente Antipsychotika haben eine geringere Affinität zu Dopaminrezeptoren und eine relativ stärkere Affinität zu alpha-adrenergen und muskarinischen Rezeptoren und zu Histaminrezeptoren.

Verschiedene Wirkstoffe sind als Tabletten, in flüssiger Form oder als kurz- und langwirksame i.m.-Injektionslösungen erhältlich. Ein spezifisches Arzneimittel wird in erster Linie auf folgenden Grundlagen ausgewählt:

  • Unerwünschtes Wirkungsprofil

  • Notwendiger Applikationsweg

  • Die vorherige Reaktion des Patienten auf das Medikament

Konventionelle Antipsychotika können erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Einige betrafen insbesondere Kognitions- und extrapyramidale Bewegungsstörungen (z. B. Dystonie, Tremor, tardive Dyskinesie).

Etwa 30% der Patienten mit Schizophrenie sprechen nicht auf konventionelle Antipsychotika an. Evtl. sprechen sie auf Clozapin, ein SGA, an.

Tabelle
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Konventionelle Antipsychotika

Wirkstoff

Tagesdosis (Bereich)*

Übliche Dosis für Erwachsene

Kommentare

Chlorpromazine†,‡

30–800 mg

400 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Prototypische niederpotente Substanz, das erste Antipsychotikum

Auch als Rektalsuppositorium verfügbar

Thioridazin

150–800 mg

400 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Einziges Medikament mit einem absoluten Maximum (800 mg/Tag), weil es in höheren Dosen Retinitis pigmentosa verursacht und einen signifikanten anticholinergen Effekt aufweist

Die Warnung vor QTc-Verlängerung wurde in den Beipackzettel aufgenommen

Trifluoperazin†,‡

2–40 mg

10 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Fluphenazin†,‡

0,5–40 mg

7,5 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Auch erhältlich als i.m.-Depotformulierungen Fluphenazin-Decanoat und Fluphenazin-Enanthat (Dosisäquivalente sind nicht verfügbar)

Perphenazin†,‡

12–64 mg

16 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Loxapin

20–250 mg

60 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Affinität zu Dopamin-2- und 5-Hydroxytryptamin(Serotonin)-2-Rezeptoren

Molindon

15–225 mg

60 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Möglicherweise assoziiert mit Gewichtsabnahme

Thiothixen†,‡

8–60 mg

10 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Hohe Inzidenz von Akathisie

Haloperidol†,‡

1–15 mg

8 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Prototypische hochpotente Substanz

Haloperidol-Decanoat erhältlich als i.m.-Depot

Akathisie ist häufig

Pimozid

1–10 mg

3 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Zulassung nur für Tourette-Syndrom

* Aktuelle Dosierungsempfehlungen für konventionelle Antipsychotika: Beginn im niedrigen Bereich der angezeigten Werte und allmähliches Auftitrieren bis zu einer Einzeldosis; die Einnahme vor dem Schlafengehen wird empfohlen. Es existiert kein Nachweis, dass eine rasche Dosissteigerung wirksamer ist.

Diese Arzneimittel sind für die Akutbehandlung in i.m.-Form verfügbar.

Diese Arzneimittel sind als Konzentrat zur oralen Gabe verfügbar.

QTc = QT-Intervall korrigiert bzgl. Herzfrequenz.

Antipsychotika der 2. Generation

Über 95% aller vorgeschriebenen Antipsychotika in den USA sind SGA.

SGA blockieren Dopaminrezeptoren selektiver als konventionelle Antipsychotika und verringern die Wahrscheinlichkeit von extrapyramidalmotorischen Nebenwirkungen. Eine stärkere Bindung an serotonerge Rezeptoren kann zu den antipsychotischen Wirkungen bei positiven Symptomen und den Nebenwirkungen von SGAs beitragen.

SGA wirken auch wie folgt:

  • Sie lindern tendenziell Positivsmptome

  • Sie können Negativsymptome stärker reduzieren als konventionelle Antipsychotika (derartige Unterschiede wurden allerdings infrage gestellt)

  • Sie können weniger kognitive Abstumpfung verursachen

  • Sie haben mit geringerer Wahrscheinlichkeit extrapyramidaler Nebenwirkungen

  • Sie bergen ein geringeres Risiko für das Auslösen von Spätdyskinesien

  • Sie erhöhen den Prolaktinspigel leicht oder gar nicht (ausgenommen ist Risperidon, das in gleichem Maße wie konventionelle Antipsychotika zu einer Prolaktinerhöhung führt)

  • Kann ein metabolisches Syndrom mit Insulinresistenz, Gewichtszunahme und Bluthochdruck erzeugen.

SGAs scheinen negative Symptome zu vermindern, weil sie weniger wahrscheinlich Parkinson-Nebenwirkungen haben als herkömmliche Antipsychotika.

Clozapin, das erste SGA, ist das einzige atypische Antipsychotikum, für das bisher bei bis zu 50% der Patienten, die gegenüber konventionellen Antipsychotika resistent sind, eine Wirksamkeit nachgewiesen wurde. Clozapin reduziert Negativsymptome, reduziert Suizidalität, hat nur wenige oder keine motorischen Nebenwirkungen und birgt nur ein minimales Risiko für Spätdyskinesien; es hat aber andere unerwünschte Wirkungen: Sedierung, Hypotonie, Tachykardie, Gewichtszunahme, Typ-2-Diabetes und verstärkter Speichelfluss. Es kann dosisabhängig auch Krampfanfälle verursachen. Agranulozytose stellt die gefährlichste Nebenwirkung dar, die bei ca. 1% der Patienten auftreten kann. Daher ist eine sorgfältige Blutbildüberwachung (wöchentlich während der ersten 6 Monate und jede zweite Woche anschließend, dann einmal/Monat nach einem Jahr) erforderlich und die Anwendung von Clozapin generell den Patienten vorbehalten, die nicht ausreichend auf andere Medikamente ansprechen.

Neuere SGA (siehe Tabelle Antipsychotika der 2. Generation*) bieten ohne Agranulozytoserisiko einige der Vorteile von Clozapin und sind konventionellen Antipsychotika bei der Behandlung einer akuten Episode oder zur Rückfallprophylaxe generell vorzuziehen. In einer großen, kontrollierten klinischen Langzeitstudie erwies sich jedoch die Symptomlinderung mit einem von 4 SGA (Olanzapin, Risperidon, Quetiapin, Ziprasidon) als nicht größer als mit dem konventionellen Antipsychotikum Perphenazin mit anticholinergen Wirkungen. In einer Follow-up-Studie, wurden Patienten, die die Studie vorzeitig verlassen hatten in einer der 3 anderen untersuchten SGA oder bei Clozapin randomisiert; diese Studie zeigte einen klaren Vorteil von Clozapin gegenüber den anderen SGA. Daher scheint Clozapin die einzige wirksame Behandlung für Patienten zu sein, bei denen die Behandlung mit einem konventionellen Antipsychotikum oder einem SGA gescheitert war. Allerdings wird Clozapin zu wenig eingesetzt, wahrscheinlich wegen der geringeren Verträglichkeit und der Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überwachung des Blutes.

Tabelle
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Antipsychotika der 2. Generation*

Wirkstoff

Dosisbereich

Übliche Dosis für Erwachsene

Kommentare

Aripiprazol

10–30 mg p.o.

15 mg p.o.

Partieller Dopamin-2-Agonist

Geringes Risiko für ein metabolisches Syndrom

Asenapine

5–10 mg sublingual 2-mal täglich

10 mg sublingual 2-mal täglich

Es wird sublingual gegeben und bis zu 10 Minuten später darf keine Nahrung verzehrt werden (Tablette sollte nicht verschluckt werden)

Brexpiprazol

2–4 mg p.o.

2–4 mg p.o.

Partieller Dopamin-2-Agonist

Geringes Risiko für ein metabolisches Syndrom

Hilft bei schweren Depressionen

Dosis titriert mit

  • 1 mg an den Tagen 1–4

  • 2 mg an den Tagen 5–7

  • 4 mg am Tag 8 gegeben (maximale Dosis: 4 mg)

Cariprazine

1,5 – 6 mg p.o.

3–6 mg p.o.

Geringes Risiko für ein metabolisches Syndrom

Häufigste unerwünschte Wirkungen: Somnolenz, nervöser Magen

Dosis titriert mit

  • 1,5 mg an Tag 1

  • 3 mg am Tag 2

Clozapin

150–450 mg p.o. 2-mal/Tag

400 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Erstes SGA

Einziges Antipsychotikum mit nachgewiesener Wirksamkeit bei Patienten, die nicht auf andere Antipsychotika ansprechen

Häufige Kontrolle der Leukozyten erforderlich, da Agranulozytoserisiko

Erhöhtes Risiko für Krampfanfälle und metabolisches Syndrom

Iloperidone

1–12 mg p. o. 2-mal täglich

12 mg p.o. 1-mal täglich

Wegen möglicher orthostatischer Hypotonie, über 4 Tage titriert, wenn initiiert

Lurasidone

40–160 mg p.o. 1-mal/Tag

80 mg p.o. 1-mal/Tag

Wird 1-mal täglich mit Essen gegeben

Geringere Dosen werden bei Patienten mit Schädigung der Nieren eingesetzt.

Olanzapin

10–20 mg p.o. vor dem Schlafengehen

15 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Häufigste unerwünschte Wirkungen: Somnolenz, metabolisches Syndrom und Schwindel

Paliperidon

3–12 mg p.o. vor dem Schlafengehen

6 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Metabolit von Risperidon

Ähnlich wie Risperidon

Pimavanserin

34 mg/Tag

34 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Ein 5HT2a-Antagonist. Er wurde getestet und für die Psychose bei Parkinson-Krankheit zugelassen

Quetiapin

150–375 mg p.o. 2-mal/Tag

Erweiterte Freisetzung: 400–800 mg p.o. 1-mal/Tag vor dem Schlafengehen

200 mg p.o. 2-mal täglich

Da niederpotent, breites Dosierungspektrum möglich

Kann ein metabolisches Syndrom verursachen

Keine anticholinerge Wirkung

Dosistitration erforderlich, da Blockade der Alpha-2-Rezeptoren

Eine 2-mal tägliche Dosierung bei einer sofort freisetzende Formulierung erforderlich; eine verlängerter Freisetzung wird 1-mal vor dem Schlafengehen gegeben

Risperidon

4–10 mg p.o. vor dem Schlafengehen

4 mg p.o. vor dem Schlafengehen

Kann extrapyramidale Symptome in Dosen > 6 mg hervorrufen, ebenso eine dosisabhängige Prolaktinerhöhung oder ein metabolisches Syndrom

Ziprasidon

40–80 mg p.o. 2-mal/Tag

80 mg p.o. 2-mal/Tag

Hemmung der Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahme, möglicherweise mit antidepressiven Effekten

Kürzeste Halbwertszeit unter den neuen Medikamenten

Erfordert eine 2-mal tägliche Dosierung beim Essen

i.m.-Formulierung zur Akutbehandlung

Geringes Risiko für ein metabolisches Syndrom

* Eine Überwachung auf metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes wird für diese Antipsychotikaklasse empfohlen.

Alle SGA wurden mit einer erhöhten Mortalität bei älteren Patienten mit Demenz in Verbindung gebracht.

SGA = Antipsychotikum der 2. Generation.

Neuere SGA sind von vergleichbarer Wirksamkeit, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Nebenwirkungen, weshalb die Auswahl des Medikaments auf dem individuellen Ansprechen des Patienten und anderen Substanzeigenschaften beruht. Olanzapin, das eine relativ starke sedierende Wirkung hat, kann z. B. Patienten mit ausgeprägter Agitiertheit oder Schlaflosigkeit verschrieben werden; weniger stark sedierenden Medikamenten kann bei lethargischen Patienten der Vorzug gegeben werden. Eine 4- bis 8-wöchige Studie ist in der Regel erforderlich, um das volle Wirksamkeits- und Nebenwirkungsprofil zu beurteilen. Nach Stabilisierung der akuten Symptomatik beginnt die Erhaltungstherapie, bei der die niedrigste Dosis eingesetzt wird, die die Symptome noch unterdrückt. Aripiprazole, Olanzapine und Risperidonein sind in einer lang wirksamen injizierbaren Formulierung verfügbar.

Die wichtigsten Nebenwirkungen von SGA sind Gewichtszunahme, Hyperlipidämie und ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes. Daher sollten vor Therapiebeginn mit SGA alle Patienten auf Risikofaktoren untersucht werden, darunter eine positive Eigen- oder Familienanamnese bzgl. Diabetes, Gewicht, Taillenumfang, Blutdruck, Nüchternblutzuckerspiegel und Lipidprofil. Diejenigen, bei denen ein Risiko für ein metabolisches Syndrom festgestellt wurde bzw. die klar gefährdet sind, können besser mit Ziprasidon oder Aripiprazol als mit anderen SGA behandelt werden. Angeboten werden sollten Schulungen für Patienten und Angehörige über die Symptome und Zeichen von Diabetes wie Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust und diabetische Ketoazidose (Übelkeit, Erbrechen, Dehydrierung, schnelle Atmung, Bewusstseinseintrübung). Darüber hinaus sollten alle Patienten, die erstmals ein SGA einnehmen, Ernährungsberatung und Tipps für körperliche Betätigung erhalten. Bei allen Patienten, die ein SGA einnehmen, sind regelmäßig Gewicht, BMI und Nüchternblutzucker zu überwachen; Patienten, die eine Hyperlipidämie oder einen Typ-2-Diabetes entwickeln, sind zur fachärztlichen Untersuchung zu überweisen.

Manchmal ist es hilfreich, ein Antipsychotikum mit einem anderen Medikament zu kombinieren (1). Zu diesen Medikamenten gehören

  • Antidepressiva/SNRIs

  • Ein weiteres Antipsychotikum

  • Lithium

  • Benzodiazepinen

In der Entwicklung befindliche neue Wirkstoffe, die dem Dopamin-Rezeptor entgegenwirken, befinden sich in der Entwicklung, einschließlich ABT-925, BL1020, ITI 007, JNJ-37822681 und andere neue Wirkstoffe (2).

Lang wirkende Antipsychotika

Einige konventionelle und Antipsychotika der zweiten Generation sind als lang wirksame Depotpräparate erhältlich (siehe Tabelle Depot Antipsychotika Medikamente). Diese Präparate sind von Nutzen, um mangelnde Adhärenz zu beheben. Sie können außerdem Patienten helfen, die aufgrund von Desorganisiertheit, Gleichgültigkeit oder Leugnen der Krankheit ihre Medikamente nicht zuverlässig jeden Tag schlucken können.

Tabelle
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Depot-Antipsychotika

Wirkstoff*

Dosierung

Maximalspiegel

Aripiprazole,langwirksam, injizierbar

300–400 mg jeden Monat

5–7 Tage

Fluphenazin-Decanoat

12,5–50 mg alle 2–4 Wochen

1 Tag

Fluphenazin-Enanthat

12,5–50 mg alle 1–2 Wochen

2 Tage

Haloperidol-Decanoat

25–150 mg alle 28 Tage (ein Bereich von 3–5 Wochen ist zulässig)

7 Tage

Olanzapinpamoat

210–300 mg alle 2 Wochen oder 300–405 mg alle 4 Wochen

7 Tage

Risperidon-Mikrosphären§

12,5–50 mg alle 2 Wochen

35 Tage

* i.m.-Applikation mit der Z-Track-Methode.

Zeit bis zum Maximalspiegel, nachdem eine Einzeldosis aufgeführt ist.

Olanzapinpamoat kann seltene, aber signifikante Sedierung verursachen, daher müssen die Patienten für 3 h nach der Injektion beobachtet werden.

§Wegen einer 3-wöchigen Verzögerung zwischen der ersten Injektion und dem Erreichen angemessener Blutspiegel sollten die Patienten nach der ersten Injektion 3 Wochen lang weiterhin orale Antipsychotika einnehmen. Es wird vor Beginn der i. m.Therapie empfohlen, die Verträglichkeit mit oralem Risperidon zu beurteilen.

Unerwünschte Wirkungen von Antipsychotika

Konventionelle Antipsychotika haben verschiedene Nebenwirkungen wie Sedierung, kognitive Abstumpfung, Dystonie und Muskelsteifigkeit, Tremor, erhöhte Prolaktinspiegel (verursachen Galaktorrhoe), , Gewichtszunahme und niedrigere Grenzwerte für Anfallsleiden bei Patienten mit Anfallsleiden oder denen, die ein Risiko dafür besitzen (zur Behandlung der unerwünschten Wirkungen s. Tabelle Behandlung von akuten Nebenwirkungen von Antipsychotika). Akathisie (motorische Unruhe) ist besonders unangenehm und kann zu mangelnder Adhärenz führen. Sie kann mit Propranolol behandelt werden.

Bei Antipsychotika der zweiten Generation ist es weniger wahrscheinlich, dass diese zu extrapyramidalen (motorischen) Nebenwirkungen oder Spätdyskinesien führen, diese können jedoch auftreten. Metabolisches Syndrom (überschüssiges Bauchfett, Insulinresistenz, Dyslipidämie und Bluthochdruck) ist bei vielen SGAs eine signifikante Nebenwirkung.

Tabelle
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Behandlung der akuten unerwünschten Wirkungen von Antipsychotika

Symptome

Therapie

Kommentare

Akute dystonische Reaktionen (z. B. okulogyre Krise, Tortikollis)

Benztropin 2 mg i.v. oder i.m. (kann einmal nach 20 min wiederholt werden)

Diphenhydramin 50 mg i.v. oder i.m. alle 20 min für 2 Dosen

Benztropin 2 mg p.o. kann, zusammen mit einem Antipsychotikum gegeben, eine Dystonie verhindern.

Larynx-Dystonie

Lorazepam 4 mg i.v. über 10 min, dann 1–2 mg langsam i.v.

Es kann eine Intubation erforderlich sein.

Akinesie, schwere Parkinson-Tremores, Bradykinesie

Benztropin 1–2 mg p.o. 2-mal/Tag

Diphenhydramin 25–50 mg p.o. 3-mal/Tag

Bei akinetischen Patienten kann es sein, dass das Antipsychotikum abgesetzt werden und eines mit geringerer Potenz verwendet muss.

Akathisie (mit anderen extrapyramidalen Symptomen)

Amantadin 100–150 mg p.o. 2-mal/Tag

Benztropin 1–2 mg p.o. 2-mal/Tag

Biperiden 1–4 mg p.o. 2-mal/Tag

Procyclidin 2,5–10 mg p.o. 2-mal/Tag

Propranolol 10–30 mg p.o. 3-mal/Tag

Trihexyphenidyl 2–7 mg p.o. 2-mal/Tag oder 1–5 mg p.o. 3-mal/Tag (oder in der Retard-Form 2–7 mg 2-mal/Tag)

Das ursächliche Medikament sollte abgesetzt oder eine niedrigere Dosis verwendet werden.

Akathisie, verbunden mit extremer Angst

Lorazepam 1 mg 3-mal/Tag p.o.

Clonazepam 0,5 mg 2-mal/Tag p.o.

Die tardivische Dyskinesie ist eine unfreiwillige Bewegungsstörung, die am häufigsten durch Kräuseln der Lippen und der Zunge, Wölben der Arme oder Beine oder beides gekennzeichnet ist. Für Patienten, die konventionellen Antipsychotika einnehmen, liegt die Inzidenz von Spätdyskinesien bei etwa 5% pro Jahr der Arzneimittelexposition. Bei ca. 2% sind die Spätdyskinesien stark entstellend. Tardive Dyskinesien sind bei SGAs weniger verbreitet. Bei manchen Patienten bleiben Spätdyskinesien auch nach Absetzen des Medikaments bestehen. Wegen dieses Risikos sollten Patienten unter lang andauernder Erhaltungstherapie mindestens alle 6 Monate untersucht werden. Bewertungsskalen wie die Abnormal Involuntary Movement Scale können angewendet werden, um Veränderungen im Zeitablauf genauer zu verfolgen. Patienten, die Schizophrenie haben und die weiterhin ein Antipsychotikum benötigen, können mit Clozapin oder Quetiapin behandelt werden, die SGAs sind.

Das neuroleptische maligne Syndrom ist eine seltene, jedoch potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkung, die gekennzeichnet ist durch Steifigkeit, Fieber, vegetative Entgleisung und erhöhte Kreatininkinase-Spiegel.

Tabelle
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Abnormal Involuntary Movement Scale

Bevor oder nach der kompletten Auswertung sollten Kliniker folgendes tun:

  • Beachten Sie das Gangbild des Patienten, während er in den Raum kommt.

  • Lassen Sie den Patienten einen Kaugummi oder ggf. schlecht sitzenden Zahnersatz herausnehmen.

  • Bestimmen Sie, ob sich der Patient seiner Bewegungen bewusst ist.

  • Lassen Sie den Patienten auf einem stabilen Stuhl ohne Armlehne sitzen, wobei die Hände auf den Knien liegen, die Beine leicht auseinander und die Füße flach auf dem Boden stehen. Betrachten Sie dabei und während der Untersuchung alle Bewegungen.

  • Lassen Sie den Patienten ohne Unterstützung der Hände, die über den Knien baumeln, sitzen.

  • Bitten Sie den Patienten, zweimal den Mund zu öffnen. Schauen Sie nach Zungenbewegungen.

  • Bitten Sie den Patienten, die Zunge zweimal herauszustrecken.

  • Bitten Sie den Patienten, mit jeder Hand 15 s lang mit dem Daumen gegen jeden Finger zu tippen. Beobachten Sie Gesicht und Beine.

  • Lassen Sie den Patienten mit vorgestreckten Armen stehen.

Bewerten jedes der folgenden Items auf einer Skala von 0–4 nach der höchsten beobachteten Stärke:

  • 0 = keine

  • 1 = minimal, kann extrem normal sein

  • 2 =leicht

  • 3 = mäßig

  • 4 = schwer

Bewegungen, die nur bei Aktivierung auftreten, erhalten 1 Punkt weniger als diejenigen, die spontan auftreten.

Kategorie

Elemente

Bandbreite möglicher Ergebnisse

Gesichts- und Mundbewegungen

Mimische Muskeln

0 1 2 3 4

Lippen und perioraler Bereich

0 1 2 3 4

Kiefer

0 1 2 3 4

Zunge

0 1 2 3 4

Bewegungen der Extremitäen

Arme

0 1 2 3 4

Beine

0 1 2 3 4

Rumpfbewegungen

Nacken, Schultern und Hüften

0 1 2 3 4

Globale Beurteilung

Schwere der abnormen Bewegungen

0 1 2 3 4

Behinderung durch abnorme Bewegungen

0 1 2 3 4

Bewusstsein des Patienten für abnorme Bewegungen (0 = nicht bewusst; 4 = schwere Belastung)

0 1 2 3 4

Adaptiert nach Guy W: ECDEU [Early Clinical Drug Evaluation Unit] Assessment Manual for Psychopharmacology. Rockville (MD), National Institute of Health, Psychopharmakology Research Branch, 1976. Copyright 1976 des US Department of Health, Education and Welfare.

Antipsychotische Medikamentenreferenzen

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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