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Infektionen mit dem respiratorischen Synzytialvirus (RSV) und dem humanen Metapneumovirus

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
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Infektionen durch den respiratorischen Synzytialvirus und den humanen Metapneumovirus führen zu saisonalen Krankheiten der tiefen Atemwege, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Krankheit kann asymptomatisch, leicht oder schwer verlaufen und zu einer Bronchiolitis und Pneumonie führen. Die Diagnose wird meist klinisch gestellt, jedoch ist auch eine labormedizinische Bestätigung möglich. Die Therapie ist unterstützend.

Die meisten Viren, die Menschen infizieren, können Erwachsene und Kinder infizieren und werden an anderer Stelle im MSD-Manual diskutiert. Viren mit spezifischen Auswirkungen auf Neugeborene werden an anderer Stelle besprochen ( Infektionen des Neugeborenen). Dieses Kapitel behandelt virale Infektionen, die normalerweise in der Kindheit erworben werden (obwohl viele auch Erwachsene betreffen können).

Das respiratorische Synzytialvirus (RSV) ist ein DNA-Virus, das zu den Pneumoviren gehört. Bisher wurden die Subtypen A und B identifiziert. RSV kommt ubiquitär vor; nahezu alle Kinder sind bis zum 4. Lebensjahr infiziert. Ausbrüche kommen in gemäßigten Klimazonen jährlich im Winter oder frühen Frühling vor. Da die Immunantwort gegen RSV nicht vor einer Reinfektion schützt, beträgt die Krankheitsrate bei allen exponierten Personen ca. 40%. Trotzdem reduzieren Antikörper gegen RSV den Schweregrad der Krankheit. RSV ist die häufigste Ursache von Infektionen der unteren Atemwege bei jungen Säuglingen und ist in den USA verantwortlich für > 50.000 Krankenhauseinweisungen jährlich bei Kindern unter dem Alter von 5 Jahren.

Ein ähnlicher, aber eigenständiger Virus ist das humane Metapneumovirus (hMPV). Die saisonale Epidemiologie von hMPV scheint der von RSV zu ähneln, die Inzidenz der Infektion und Krankheit scheint jedoch signifikant niedriger zu sein.

Symptome und Beschwerden

Das klinische Manifestation von RSV- und hMPV-Infektionen ist ähnlich. Die am besten wahrnehmbaren klinischen Syndrome sind Bronchiolitis und Pneumonie. Diese Krankheiten beginnen charakteristischerweise mit Beschwerden der oberen Atemwege und Fieber und verstärken sich über mehrere Tage hinweg zu Dyspnoe, Husten, keuchender Atmung und Rasseln bei Brustauskultation. Apnoe kann das initiale Symptom einer RSV-Infektion bei Säuglingen < 6 Monaten darstellen. Bei gesunden Erwachsenen und älteren Kindern verläuft die Krankheit meist mild und kann auch inapparent verlaufen oder sich als nichtfieberhafter grippaler Infekt manifestieren. Allerdings kann sich bei den folgenden Patienten eine schwere Erkrankung entwickeln:

  • Patienten, die < 6 Monate alt sind, ältere Menschen oder immungeschwächte Personen

  • Patienten, die eine zugrunde liegende Herz-Lungen-Erkrankungen haben

Diagnose

  • Klinische Abklärung

  • Manchmal schnelle Antigen-Tests von Nasenabstrich, Reverse-Transkriptase-PCR (RT-PCR) oder virale Kultur

Der Verdacht auf eine Infektion mit Respiratory-Syncytial-Viren (RSV) und möglicherweise auch mit dem humanen Metapneumovirush (hMPV) besteht bei Säuglingen und Kleinkindern mit Bronchiolitis oder Pneumonie während der RSV-Saison. Da eine antivirale Therapie nicht allgemein empfohlen wird, ist eine spezifische virologische Diagnostik zum Therapiemanagement nicht erforderlich. Eine labormedizinische Diagnosesicherung kann jedoch aus krankenhaushygienischer Sicht sinnvoll sein, um eine Kohortenisolierung von Kindern zu ermöglichen, die mit dem gleichen Virus infiziert sind. Es sind schnelle Antigennachweistests mit hoher Sensitivität für RSV und andere respiratorische Viren zum Einsatz bei Kindern verfügbar; dazu werden Nasenabstrich oder Nasaltupfer verwendet. Diese Tests sind bei Erwachsenen weniger sensitiv. Molekulare diagnostische Tests wie RT-PCR wurden in Bezug auf die Sensitivität verbessert und sind derzeit als Einzel- oder Multiplex-Assays breit verfügbar.

Behandlung

  • Unterstützende Behandlung

Die Behandlung von RSV- und hMPV-Infektionen ist unterstützend und beinhaltet bei Bedarf zusätzlichen Sauerstoff und Hydratation (siehe Behandlung von Bronchiolitis).

Kortikosteroide und Bronchodilatoren sind im Allgemeinen nicht hilfreich und werden derzeit nicht empfohlen.

Antibiotika sollten Patienten mit Fieber, Hinweisen auf eine Pneumonie im Thoraxröntgenbild und mit Verdacht auf eine bakterielle Koinfektion vorbehalten bleiben.

Die Gabe von Palivizumab (monoklonaler Antikörper gegen RSV) ist keine wirksame Behandlung.

Inhaliertes Ribavirin, eine antivirale Substanz mit Aktivität gegen RSV, hat eine nur geringe Wirksamkeit, ist potenziell toxisch für medizinisches Personal und wird außer bei Infektionen schwer immunkompromittierter Patienten nicht mehr empfohlen. Zahlreiche Arzneimittel, die auf die virale Fusion, den Eintritt und die Replikation von Erwachsenen und Kleinkindern abzielen, befinden sich derzeit in der Entwicklung und in klinischen Studien (1).

Behandlungshinweise

  • 1. Heylen E, Neyts J, Jochmans D: Drug candidates and model systems in respiratory syncytial virus antiviral drug discovery. Biochem Pharmacol 127:1–12, 2017. doi: 10.1016/j.bcp.2016.09.014.

Prävention

Kontakt-Vorsichtsmaßnahmen (z. B. Händewaschen, Handschuhe, Isolation) sind wichtig, vor allem in Krankenhäusern.

Eine passive Immunisierung mit Palivizumab reduziert die Häufigkeit einer stationären Aufnahme für RSV bei Säuglingen mit hohem Risiko. Das ist nur für diejenigen Säuglinge kostensenkend, die ein hohes Risiko haben, stationär aufgenommen werden zu müssen. Dazu gehören Säuglinge, die

  • Sind < 1 Jahr alt mit hämodynamisch signifikanten angeborenen Herzfehlern

  • Are < 1 Jahr alt mit chronischen Lungenerkrankungen von Frühgeborenen (Gestationsalter < 32 Wochen und 0 Tage mit der Notwendigkeit einer O2-Therapie für mindestens 28 Tage nach der Geburt)

  • Einen Geburtstermin < 29 Schwangerschaftswochen haben und die zu Beginn der RSV-Saison < 1 Jahr alt sind

  • Im 2. Lebensjahr chronische Lungenerkrankungen von Frühgeborenen haben und innerhalb von 6 Monaten von der RSV-Saison eine Behandlung erhalten haben (Behandlung mit chronischen Kortikosteroiden oder Diuretika oder anhaltende Notwendigkeit einer Sauerstofftherapie)

Eine Prophylaxe kann auch in Betracht gezogen werden für

  • Säuglinge im 1. Lebensjahr, die anatomische Lungenanomalien haben, die die Fähigkeit einschränken, die oberen Atemwege effektiv zu klären

  • Säuglinge, die neuromuskuläre Erkrankungen haben

  • Kinder < 24 Monate, die eine tiefgreifende Immunschwäche haben

Die i.m. Palivizumab-Dosis beträgt 15 mg/kg. Die erste Dosis wird kurz vor dem üblichen Beginn der RSV-Saison (in Nordamerika Anfang November) verabreicht. Die folgenden Dosen werden in einmonatigen Abständen über die gesamte Dauer der RSV-Saison gegeben (meist insgesamt 5 Dosen). (Siehe auch das American Academy of Pediatrics' updated policy statement about palivizumab prophylaxis for infants and young children who are at increased risk of hospitalization for RSV.)

Mehrere RSV-Impfstoffe befinden sich in klinischen Studien in der Entwicklung (1).

Hinweis zur Prävention

Wichtige Punkte

  • RSV und hMPV verursachen in der Regel eine Bronchiolitis, aber auch Lungenentzündung kann auftreten.

  • Die Diagnose erfolgt in der Regel klinisch, es können jedoch auch schnelle Antigen-Tests und molekulare Tests (z. B. PCR) eingesetzt werden.

  • Die Behandlung ist unterstützend. Kortikosteroide, Bronchodilatatoren und Palivizumab werden nicht empfohlen.

  • Inhalatives Ribavirin kann für RSV nützlich sein, aber nur bei stark immungeschwächten Patienten.

  • Eine passive Immunisierung mit Palivizumab, die genau vor und während der RSV-Saison durchgeführt wird, reduziert die Häufigkeit einer Hospitalisation bei Säuglingen mit hohem Risiko.

Weitere Informationen

  • Updated policy statement about palivizumab prophylaxis for infants and young children who are at increased risk of hospitalization for RSV from the American Academy of Pediatrics

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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