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Zwangsstörung (OCD) und verwandte Störungen im Kindes- und Jugendalter

Von

Josephine Elia

, MD, Sidney Kimmel Medical College of Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Die obsessive Zwangsstörung ist durch Obsessionen und/oder Zwänge gekennzeichnet. Obsessionen sind unwiderstehliche, anhaltende Ideen, Bilder oder Impulse, etwas zu tun. Zwänge sind der pathologische Drang, auf einen Impuls zu reagieren, der, wenn ihm widerstanden wird, zu übermäßiger Angst und Not führt. Zwänge verursachen großes Leid und interferieren mit den Schulleistungen oder der sozialen Interaktion. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Behandlung erfolgt durch Verhaltenstherapie und SSRI.

(Siehe auch Zwangsstörung bei Erwachsenen.)

Das mittlere Alter bei Beginn einer Zwangsstörung (OCD) ist 19 bis 20 Jahre; über 25% der Fälle beginnen vor dem Alter von 14 Jahren.

Zwangsstörungen umfassen mehrere verwandte Störungen, einschließlich

Einige Kinder, insbesondere Jungen, haben auch eine Ticstörung.

Ätiologie

Studien legen nahe, dass es eine familiäre Komponente gibt. Allerdings sind keine spezifischen Gene identifiziert worden, obwohl Tierstudien auf eine Anomalie in den Genen hindeuten, die die Funktion der Mikroglia beeinflussen.

Obwohl einige Experten nicht überzeugt sind, gibt es Hinweise, dass einige Fälle mit akutem (über Nacht) Beginn mit einer Infektion in Verbindung gebracht wurden (1, 2). Diejenigen, die mit beta-hämolytischen Streptokokken der Gruppe A assoziiert sind, werden PANDAS ("pediatric autoimmune neuropsychiatric disorder associated with streptococcus") genannt. Diejenigen, die mit anderen Infektionen assoziiert sind, werden PANS ("pediatric acute-onset neuropsychiatric syndrome") genannt.

Die Forschung auf diesem Gebiet ist im Gange, und bei Verdacht auf PANDAS oder PANS wird eine Konsultation mit einem Spezialisten für diese Erkrankungen empfohlen.

Ätiologie Referenzen

  • 1. Murphy TK, Roger Kurlan R, James Leckman J: The immunobiology of Tourette's disorder, pediatric autoimmune neuropsychiatric disorders associated with Streptococcus, and related disorders: A way forward. J Child Adolesc Psychopharmacol 20 (4):317–331, 2010. doi: 10.1089/cap.2010.0043.

  • 2. Esposito S, Bianchini S, Baggi E, Fattizzo M, Rigante D: Pediatric autoimmune neuropsychiatric disorders associated with streptococcal infections: An overview. Eur J Clin Microbiol Infect Dis 33 (12):2105–2109, 2014.

Symptome und Beschwerden

Die OCD hat typischerweise einen allmählichen, heimtückischen Beginn. Die meisten Kinder verheimlichen ihre Symptome und berichten, dass sie jahrelang mit den Symptomen gekämpft haben, bevor eine endgültige Diagnose gestellt wurde.

Obsessionen werden normalerweise als Sorge und Furcht vor Verletzung erlebt, z. B. die Angst davor, sich eine tödliche Krankheit zuzuziehen, sich zu versündigen und dafür in die Hölle zu kommen oder sich selbst oder anderen Verletzungen zuzufügen. Zwänge sind vorsätzliche, intendierte Handlungen, die normalerweise in der Absicht ausgeführt werden, zwanghafte Ängste zu neutralisieren oder auszugleichen, wie z. B. Kontrollverhalten, exzessives Waschen, Zählen, Ordnen u. v. m. Die Verbindung zwischen Obsession und Zwang kann ein logisches Element beinhalten, z. B. das Händewaschen, um eine Krankheit zu verhüten. In anderen Fällen kann die Verbindung unlogisch und idiosynkratisch sein, z. B. immer wieder bis 50 zu zählen, damit Großvater keinen Herzinfarkt bekommt. Wenn Kinder an der Durchführung ihrer Zwänge gehindert werden, werden sie übermäßig ängstlich und besorgt.

Die meisten Kinder sind sich bewusst, dass ihre Zwänge und ihre Besessenheit nicht normal sind. Viele betroffene Kinder sind verschämt und verschlossen. Häufige Symptome sind

  • Raue, aufgerissene Hände als auffälliges Symptom bei Waschzwang

  • Langandauernde Aufenthalte im Badezimmer

  • Sehr viel Zeit für die Hausaufgaben verbringen (wegen einer Obsession über Fehler)

  • Sehr viele eigene Korrekturen in Schularbeiten

  • Ausführen von repetitiven oder seltsamen Handlungen wie z. B. die Türschlösser kontrollieren, beim Essen eine bestimmte Anzahl von Kaubewegungen pro Bissen ausführen oder bestimmte Gegenstände nicht berühren.

  • Häufiges besorgtes Nachfragen in der Hoffnung auf beruhigende Antworten, z. B. Dutzende oder sogar Hunderte von Malen fragen: Habe ich Fieber? Könnte ein Tornado hierher kommen? Glaubst du, das Auto springt an? Was, wenn wir zu spät kommen? Was, wenn die Milch sauer ist? Was, wenn Einbrecher kommen?“

Diagnose

  • Klinische Untersuchung

Die Diagnose einer OCD wird klinisch gestellt. Sobald eine vertrauensvolle Beziehung mit einem unvoreingenommenen Therapeuten aufgebaut ist, offenbart das betroffene Kind in der Regel viele Obsessionen und damit verbundene Zwänge. Allerdings sind in der Regel mehrere Termine erforderlich, um erst einmal Vertrauen aufzubauen.

Damit OCD diagnostiziert werden kann, müssen die Obsessionen und Zwänge große Not verursachen und das akademische oder soziale Funktionieren stören.

Kinder mit einer Zwangsstörung haben oft Symptome von anderen Angststörungen, einschließlich Panikattacken, Trennungsangst und besondere Phobien. Diese Symptome können sich manchmal überlagern und damit die Diagnose verkomplizieren.

Diagnostische Kriterien für PANDAS und PANS wurden entwickelt (1, 2).

Hinweis zur Diagnose

  • 1. Chang K, Frankovich J, Cooperstock M, et al: Clinical evaluation of youth with pediatric acute-onset neuropsychiatric syndrome (PANS): Recommendations from the 2013 PANS Consensus Conference. J Child Adolesc Psychopharmacol 25 (1):3–13, 2015. doi: 10.1089/cap.2014.0084.

  • 2. Swedo S, Leckman J, Rose N: From research subgroup to clinical syndrome: Modifying the PANDAS criteria to describe PANS (pediatric acute-onset neuropsychiatric syndrome). Pediatr Therapeutics 2:1–8, 2012.

Prognose

Bei 5% der Fälle ist die Störung nach einigen Jahren überwunden und bei etwa 40% wird sie vor dem jungen Erwachsenenalter überwunden. Die Behandlung kann dann gestoppt werden. Bei anderen Kindern neigt die Störung dazu, chronisch zu sein, das Alltagsleben kann aber mit einer begleitenden Behandlung in der Regel bewältigt werden. Ungefähr 5% der Kinder sind nicht behandelbar und bleiben massiv beeinträchtigt.

Therapie

  • Kognitive Verhaltenstherapie

  • In der Regel SSRI

Die kognitive Verhaltenstherapie ist hilfreich, wenn die Kinder motiviert sind und die Durchführung der Aufgaben bewältigen können.

SSRI sind die wirksamsten Medikamente und werden in der Regel gut vertragen (siehe Tabelle: Medikamente für die Langzeitbehandlung von Angst und verwandten Störungen); alle sind gleich wirksam. Allerdings sprechen etwa 50% der Patienten nur teilweise auf SSRI an und benötigen eventuell ein SSRI plus andere Medikamente, die eine serotonerge Aktivität (z. B. Lithium) oder glutamaterge Aktivität (z. B. Riluzol) haben. Eine weitere Alternative ist Clomipramin, ein trizyklisches Antidepressivum, das effektiver sein und eine bessere Ansprechrate als SSRI haben kann, obwohl es ein höheres Risiko für Herzeffekte und Krampfanfälle hat.

Wenn die Kriterien für PANS/PANDAS erfüllt sind, können Kliniker Antibiotika versuchen (wie Beta-Lactame, die die glutamaterge Aktivität reduzieren). Wenn jedoch die Symptome anhalten, sind die typischen Behandlungen für Zwangsstörungen hilfreich und sollten umgesetzt werden.

Wichtige Punkte

  • Kinder erleben in der Regel Besessenheit als Sorge oder Angst vor Schaden (z.B. eine tödliche Krankheit, Sünde und Höllenfahrt, Selbstverletzung).

  • Zwänge (z. B. exzessives Waschen, Zählen, Arrangieren) werden bewusst durchgeführt, um normalerweise zwanghafte Ängste zu neutralisieren oder auszugleichen.

  • Nicht in der Lage zu sein, ihre Zwänge auszuführen, macht Kinder übermäßig ängstlich und besorgt.

  • Stellen Sie eine angenehme Beziehung zum Kind her und halten Sie eine unvoreingenommene Haltung ein, sodass sich das Kind in der Lage fühlt, Obsessionen und damit verbundene Zwänge offenzulegen.

  • Versuchen Sie eine kognitive Verhaltenstherapie, wenn Kinder motiviert sind und die Aufgaben ausführen können, aber Medikamente (in der Regel SSRIs) benötigt werden.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
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