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Im Krankenhaus erworbene Infektionen bei Neugeborenen

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Einige Infektionen werden eher nach der Aufnahme in die Säuglingsstation als von der Mutter intrauterin oder post partum erworben. Bei einigen Infektionen (Streptokokken Gruppe B, Herpes-simplex-Virus) ist es nicht klar, ob die Ursache bei der Mutter oder im Krankenhausumfeld liegt.

Nosokomiale Infektionen, die im Krankenhaus erworben wurden, sind ein primäres Problem der Frühgeborenen und reifen Neugeborenen, die wegen einer medizinischen Krankheit länger hospitalisiert werden. Gesunde, reife Neugeborene erkranken in < 1% der Fälle. Je niedriger das Geburtsgewicht dieser Neugeborenen ist, desto höher liegt das Risiko für eine Infektion. häufigsten nosokomialen Infektionen sind zentralvenös-assoziierte Infektionen der Blutbahn (CLABSI) und im Krankenhaus erworbene Pneumonie.

Ätiologie

Bei reifen Neugeborenen mit Staphylococcus aureus (Methicillin-sensibel oder Methicillin-resistent) sind Hautinfektionen die häufigste nosokomiale Infektion. Zwar ist das Pflegepersonal, dessen nasale Schleimhaut mit S. aureus kolonisiert ist, eine potenzielle Infektionsquelle für neonatale Infektionen, jedoch bilden kolonisierte Neugeborene und Mütter das Hauptreservoir. Der Nabelschnurrest, die Nase und die Leistengegend werden häufig während der ersten paar Tage des Lebens befallen. Oft treten die meisten Krankheiten erst auf, nachdem das Kind nach Hause entlassen wurde.

Bei Säuglingen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht (VLBW; < 1500 g) verursachen grampositive Keime 70% der Infektionen. Die meisten sind Koagulase-negative Staphylokokken. Gramnegative Keime wie Escherichia coli, Klebsiella, Pseudomonas, Enterobacter, und Serratia, verursachen 20% der Fälle. Pilze (Candida albicans und C. parapsilosis) sind für 10% der Infektionen verantwortlich. Die Art der Infektion und die Antibiotikaresistenz variieren zwischen den Krankenhäusern und Stationen und verändern sich mit der Zeit. Manchmal treten so genannte Epidemien auf, wenn ein besonders virulenter Erreger eine Station kolonisiert.

Infektionen werden begünstigt, da sich die untergewichtigen Frühgeborenen vielen invasiven Eingriffen unterziehen müssen (arterielle und venöse Dauerkatheter, Intubation, CPAP, nasale oder nasojejunale Ernährungssonden). Je länger ein Kind in einer Spezialstation hospitalisiert wird und je mehr Eingriffe stattfinden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer nosokomialen Infektion.

Prävention

  • Maßnahmen zur Verringerung einer S. aureus-Kolonisation

  • Eine Prävention der Kolonisation und Infektion in speziellen Kindertagesstätten und Intensivstationen für Säuglinge.

  • Handhygiene

  • Überwachung bei Infektion

  • Gelegentlich Antibiotika

  • Impfungen

Reduktion der Kolonisierung

Die Häufigkeit der Kolonisation mit S. aureus kann durch das Baden der Säuglinge in 3%igem Hexachlorophen reduziert werden, allerdings gilt die Substanz insbesondere für Kinder mit einem niedrigen Geburtsgewicht als neurotoxisch und wird deswegen nicht mehr benutzt. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt für die Säuglinge eine trockene Pflege der Haut; dies hat jedoch in einzelnen Krankenhäusern zu einer Zunahme der Kolonisationshäufigkeit mit S. aureus, und zu Epidemien geführt. Bei diesen Fällen hat sich zur Verminderung der Kolonisationshäufigkeit die Nabelpflege mit Bacitracin- oder Mucipirocin-haltigen Salben an der Nabelschnur, Nasengängen und der Zirkumzisionswunde bewährt. Routinemäßige Abstriche beim Personal oder der Umgebung werden nicht empfohlen.

Neugeborenenstationen und Neugeborenenintensivstationen

Eine Prävention der Kolonisation und Infektion in speziellen Kindertagesstätten erfordert eine Bereitstellung von genügend Raum und Personal. Auf Intensivstationen sollten in Mehrbettzimmern 120 sq ft (ca. 11,2 m²) für jedes Kind und 8 ft (ca. 2,4 m) zwischen den Inkubatoren oder Wärmebettchen von Ecke zu Ecke in jede Richtung zur Verfügung stehen. Ein Personalschlüssel von 1:1 bis 1:2 ist erforderlich. Auf der Säuglingspflegestation sollte in Mehrbettzimmern ein Raum von 120 sq ft (ca. 11,2 m²) für jedes Kind und 4 ft (ca. 1,2 m) zwischen Inkubatoren oder Wärmebettchen (von Ecke zu Ecke in jede Richtung) zur Verfügung stehen. Ein Personalschlüssel von 1:3 bis 1:4 ist erforderlich.

Zudem sollten geeignete Methoden, vor allem zur Anlage und Pflege invasiver Katheter und eine sehr sorgfältige Reinigung, Desinfektion und Sterilisation des Materials nach Gebrauch zur Routine gehören. Eine aktive Überwachung der Einhaltung der Hygienemethoden ist unerlässlich. Formale evidenzbasierte Protokolle für das Einsetzen und die Lagerung zentraler Katheter verringern die Rate der zentralvenös-assoziierten Sepsis deutlich.

Ebenso wurde eine Gruppe von Verfahren und Vorgehensweisen identifiziert, die nosokomiale Pneumonie in der Neugeborenen-Intensivstation reduzieren. Dazu gehören Personalausbildung und Weiterbildung, aktive Überwachung bei nosokomialer Pneumonie, das Anheben des Kopfendes des Bettchens eines intubierten Neugeborenen um 30–45° sowie eine sorgfältige Mundhygiene. Es kann auch hilfreich sein, das Neugeborene in einer seitlichen Position so hinzulegen, dass der Endotrachealtubus auf horizontaler Ebene mit dem Beatmungsgerät zu liegen kommt.

Handhygiene

Zu weiteren präventiven Maßnahmen gehört eine sorgfältige Händehygiene. Eine Reinigung mit Alkohol-Präparaten ist genauso wirksam wie Wasser und Seife in der Reduzierung der bakteriellen Keimzahlen auf den Händen. Wenn die Hände jedoch sichtbar verschmutzt sind, sollten sie mit Wasser und Seife gewaschen werden. Inkubatoren bieten nur einen begrenzten Schutz durch Isolation; das Innere und das Äußere dieser Einheiten werden rasch besiedelt, sodass die Wahrscheinlichkeit einer Kontamination der Hände und Unterarme des Personals groß ist. Auch die normalen Vorsichtmaßnahmen beim Umgang mit Blut und Körperflüssigkeiten können zusätzlichen Schutz bieten.

Infektionskontrolle

Eine aktive Überwachung von Infektionen ist wichtig. Während einer Epidemie ist es sinnvoll, erkrankte und kolonisierte Säuglinge zusammenzulegen und von demselben Pflegepersonal versorgen zu lassen. Die Kinder sollten einen Monat lang über die Entlassung hinaus nachbeobachtet werden, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Verhinderung einer Epidemie zu überprüfen.

Antibiotika

Eine prophylaktische antibiotische Therapie ist im Allgemeinen nicht effektiv, beschleunigt die Entwicklung von Resistenzen und verändert die natürliche Flora der Säuglinge. Unter besonderen Umständen kann auch eine Antibiose gegen bestimmte Erreger erwogen werden, z. B. Penizillin G als Prophylaxe gegen Streptokokken der Gruppe A (siehe Tabelle: Empfohlene Dosierungen ausgewählter pareneraler Antibiotika für Neugeborene).

Impfungen

Jedes Kind, das in dieser Zeit hospitalisiert wird, sollte mit inaktivierten Impfstoffen entsprechend dem routinemäßigen Impfplan (siehe Tabelle: Empfohlener Impfplan für das Alter von 0–6 Jahren sowie STIKO) immunisiert werden. Virale Lebendimpfstoffe (z. B. Rotavirus-Impfstoff) werden erst zum Zeitpunkt der Entlassung verabreicht, um eine Ansteckung im Krankenhaus zu verhindern.

Wichtige Punkte

  • Nosokomiale Infektionen sind ein primäres Problem der Frühgeborenen und reifen Neugeborenen, die wegen einer Krankheit für längere Zeit hospitalisiert werden.

  • Je niedriger der Geburtgewicht ist, desto höher ist das Risiko einer Infektion, insbesondere bei Neugeborenen mit zentralem Katheter, Endotrachealtuben oder beidem.

  • Eine sorgfältige Verfahrensweise zum Einbringen und Halten von Kathetern, Schläuchen und Geräten ist für die Prävention unabdingbar. Formaliserte Verfahrensweisen verbessern das Einhalten der Hygienevorschriften.

  • Eine Antibiotikaprophylaxe wird nicht empfohlen, außer vielleicht während einer bestätigten Epidemie auf der Säuglingsstation mit einem spezifischen Erreger.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

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