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Übersicht über perinatale Atemnotsyndrome

Von

Arcangela Lattari Balest

, MD, University of Pittsburgh, School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Der Geburtsprozess wird von ausgeprägten physiologischen Veränderungen begleitet (siehe auch Neonatale Lungenfunktion). Hierdurch können manchmal Krankheiten zu Tage treten, die während des intrauterinen Lebens keine Probleme bereitet haben. Aus diesem Grund sollte bei jeder Geburt eine Person zugegen sein, die mit neonatalen Wiederbelebungsmaßnahmen vertraut ist. Gestationsalter und Wachstumsparameterrhelfen dabei, das Risiko einer neonatalen Pathologie zu identifizieren.

Atemwegsprobleme bei Neugeborenen umfassen

Symptome und Anzeichen von Atemnot sind unterschiedlich und umfassen Folgendes:

  • Grunzen

  • Nasenflügelatmen

  • Interkostale, subkostale und suprasternale Retraktionen

  • Schwache Atmung, unregelmäßige Atmung oder eine Kombination

  • Tachypnoe und Apnoe

  • Zyanose, Blässe, Fleckenbildung, verzögerte Nachfüllung der Kapillare oder eine Kombination

  • Hypotonie

Bei Neugeborenen entwickeln sich die Symptome und Befunde unmittelbar nach der Geburt oder Minuten bzw. Stunden später.

Ätiologie

Atemnotsyndrome bei Neugeborenen und Säuglingen haben viele Ursachen (siehe Tabelle: Ursachen von Atemnotsyndrom bei Neugeborenen und Säuglingen).

Tabelle
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Ursachen von Atemnotsyndrom bei Neugeborenen und Säuglingen

Kategorie

Ursachen

Kardiologisch*

Rechts-Links-Shunt oder Mischläsionen mit normalem oder erhöhten pulmonalen Durchfluss:Transposition der großen Gefäße, Tetralogy von Fallot mit minimaler Behinderung des Lungenausströmtrakts, insgesamt anomaler venöser Rückstrom,Truncus arteriosus, hypoplastisches Linksherzsyndrom

Rechts-Links-Shunt mit vermindertem pulmonalen Durchfluss: Pulmonalatresie, Fallot-Tetralogie, kritische Pulmonalstenose, Trikuspidalatresie, einzelne Ventrikel mit Pulmonalstenose, Ebstein-Anomalie, persistierender fetaler Kreislauf bzw. persistierende pulmonale Hypertonie

Respiratorisch

Oberer Trakt: Choanalatresie oder Stenose, tracheobroncholaryngealeStenose, Druck-Hindernis (z. B. Gefäßring), tracheoösophagealen Anomalien (z. B. Spalte, Fistel)

Unterer Trakt:Atemnotsyndrom, transiente Tachypnoe des Neugeborenen, Mekoniumaspiration, Pneumonie, Sepsis, Pneumothorax, Zwerchfellhernie, Lungenhypoplasie, zystische Fehlbildung der Lunge, angeborener Mangel an Surfaktant-Proteinen B oder C

Neurologisch

Intrakranielle Blutung oder Hypertonie, Übersedierung (des Säuglings oder der Mutter), Zwerchfell-Lähmung, neuromuskuläre Erkrankungen, Krampfleiden

Hämatologisch

Methämoglobinämie (Methämoglobinspiegel > 40%), Polyzythämie, schwere Anämie

Andere

Hypoglykämie, Stoffwechselstörungen (z. B. Säure-Basen-Störungen, Hyperammonämie), hypovolämischen Schock

* Jede kardiale Läsion, die sich mit einer schlechten systemischen Herzleistung und Azidose äußert, hat auch eher Atemnot als Teil der ersten Präsentation. (Aus Fanaroff R, Martin A, Walsh M: Fanaroff and Martin's Neonatal-Perinatal Medicine, Diseases of the Fetus and Infant, ed. 9. St. Louis, Elsevier Mosby, 2011.)

Eine Verschiebung von rechts nach links mit verringertem Lungenfluss ist weniger wahrscheinlich als eine Verschiebung oder Vermischung von Läsionen mit normalem oder erhöhtem Lungenfluss von rechts nach links mit erheblicher Atemnot.

Physiologie

Es gibt entscheidende Unterschiede in der Atemphysiologie von Neugeborenen, Säuglingen und älteren Kindern oder Erwachsenen. Diese Unterschiede sind

  • Ein leichterer Kollaps der Brustwand

  • Verminderte Lungencompliance (bei Säuglingen mit Surfactantmangel aufgrund von Frühgeburt oder genetischen Mutationen)

  • Eine größere Abhängigkeit vom Zwerchfell als von der interkostalen Muskulatur

  • Kollabierbare, extrathorakale Luftwege

Säuglinge haben darüber hinaus geringere Atemwegsdurchmesser mit einem höheren Widerstand und eine Neigung zu Atelektasen. Die Atemphysiologie ist bei Kindern und Erwachsenen jedoch ähnlich.

Abklärung

Die Beurteilung von respiratorischem Stress beginnt mit einer sorgfältigen Anamnese und klinischen Untersuchung.

Die Anamnese bei Neugeborenen konzentriert sich auf die mütterliche oder pränatale Anamnese, vor allem Gestationsalter, mütterliche Infektionen oder Blutungen, mekoniumhaltiges Fruchtwasser, Oligohydramnion oder Polyhydramnion und die Geschichte von Geschwistern mit erheblichen Atemwegsbeschwerden oder Tod in der Neugeborenenzeit.

Bei den klinischen Untersuchungen stehen das Herz und die Lunge im Mittelpunkt. Thoraxasymmetrien oder ein eingesunkenes Abdomen weisen auf eine Zwerchfellhernie hin. Diffuses Knistern und/oder ein verminderter Lufteintritt deuten auf eine schlechte Alveolarausdehnung hin, wie dies bei einem Tensidmangel der Fall ist. Asymmetrische Atemgeräusche deuten auf Pneumothorax, Lungenentzündung oder Asthma hin. Ein verschobener linker apikaler Impuls, Herzgeräusch, abnormale zentrale oder periphere Impulse oder eine Kombination suggerieren einen angeborenen Herzfehler. Eine Bewertung des Blutdrucks und der femoralen Pulse können einen Kreislaufkollaps mit oder ohne angeborene Defekte identifizieren. Eine schlechte Rekapillarisierungszeit weist auf Durchblutungsstörungen hin.

Bei Neugeborenen und Säuglingen ist es wichtig, die Sauerstoffsättigung und die Reaktion auf O2-Gabe mit der Pulsoxymetrie zu messen. Thoraxröntgen wird empfohlen.

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