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Kardiopulmonale Reanimation (CPR) bei Säuglingen und Kindern

Von

Robert E. O’Connor

, MD, MPH, University of Virginia School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Quellen zum Thema

Trotz des Einsatzes von HLW liegt die Sterblichkeitsrate bei Säuglingen und Kindern bei 80 bis 97%. Die Mortalitätsraten für den stationären Herzstillstand bei Säuglingen und Kindern liegen zwischen 40% und 65%. Bei alleinigem Atemstillstand beträgt die Mortalität 20 bis 25%. Der neurologische Outcome dieser kleinen Patienten ist oft hochgradig defizitär.

Pädiatrie Reanimation Protokolle gelten für Säuglinge <1 Jahr alt und Kinder bis zum Alter der Pubertät (definiert als Aussehen der Brüste bei Frauen und Achselhaare bei Männern) oder Kinder <55 kg. Erwachsene Reanimationsprotokolle gelten für Kinder nach dem Pubertätsalter oder Kinder mit einem Körpergewicht> 55 kg. Neugeborenen-Wiederbelebung wird an anderer Stelle diskutiert.

Etwa 50–65% der reanimationsbedürftigen Kinder sind jünger als 1 Jahr, die meisten davon sogar jünger als 6 Monate. Diese Zahl steigt signifikant an, sobald das Geburtsgewicht < 1500 g liegt. Ungefähr 6% der Neugeborenen müssen unmittelbar nach der Geburt reanimiert werden.

Um den Ausgang von Kinderreanimationen wiedergeben und darstellen zu können, sollte standardisierten Richtlinien gefolgt werden, so etwa der modifizierten „Pittsburgh Outcome Categories Scale“, die sowohl die zerebrale wie auch die gesamte sonstige Leistungsfähigkeit des Kindes abbildet (siehe Tabelle: Pädiatrische Skala zerebraler Funktionen*).

Tabelle
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Pädiatrische Skala zerebraler Funktionen*

Ergebnis

Kategorie

Beschreibung

1

Normal

Altersgerechtes Funktionsniveau

Bei Kindern im Vorschulalter: angemessene Entwicklung

Bei Schulkindern: Teilnahme am regulären Unterricht

2

Leichte Behinderung

Kann altersgerecht interagieren

Leichtere neurologische Erkrankung, die behandelt wird und den Alltag nicht beeinträchtigt (z. B. Anfallsleiden)

Bei Kindern im Vorschulalter: möglicherweise kleinere Entwicklungsverzögerungen, aber > 75% aller generellen Meilensteine der Entwicklung liegen über der 10. Perzentile

Bei Schulkindern: Teilnahme an regulärer Schule, aber in einer Klasse, die nicht für das Alter angemessen ist, mit Schulproblemen wegen kognitiver Schwierigkeiten

3

Moderate Behinderung

Unterdurchschnittliche Leistung

Neurologische Erkrankung, die nicht kontrolliert wird, und den Alltag einschränkt

Bei Kindern im Vorschulalter: die meisten generellen Entwicklungsmeilensteine liegen unterhalb der 10. Perzentile

Bei Schulkindern: können Aktivitäten des täglichen Lebens bewältigen, müssen aber wegen kognitiver Schwierigkeiten oder einer Lernschwäche Fördereinrichtungen besuchen

4

Schwere Behinderung

Bei Kindern im Vorschulalter: Generelle Meilensteine der Entwicklung liegen unterhalb der 10. Perzentile mit starker Bedürftigkeit im täglichen Leben

Bei Schulkindern: möglicherweise eine schwerwiegende Beeinträchtigung, die einen normalen Schulbesuch unmöglch macht und für die Bewältigung des Alltags Hilfe in Anspruch nehmen muss

Bei Kindern im Vorschulalter und Kindern im schulpflichtigen Alter: möglicherweise abnormale motorische Bewegungen, mit ziellosen Bewegungen, Dekortikationsreflexen oder dezerebraten Reaktionen auf Schmerz

5

Koma oder Wachkoma

Unwissenheit

6

Sterben

* Das schlechteste Leistungsniveau wird für jedes einzelne Kriterium zur Kategorisierung verwendet. Defizite werden nur erwähnt, wenn sie von einer neurologischen Störung herrühren. Die Einschätzung beruht auf medizinischen Aufzeichnungen oder einem Interview mit der Pflegeperson.

Aus Recommended guidelines for uniform reporting of pediatric advanced life support: The pediatric Utstein style; statement for health care professionals der Task Force der American Academy of Pediatrics, der American Heart Association und des European Resuscitation Council; Pediatrics 96(4):765–779, 1995.

Standards and guidelines for CPR from the American Heart Association sollten befolgt werden (siehe Tabelle: CPR-Methoden für Angestellte im Gesundheitswesen). Für das Protokoll nach dem Zusammenbruch eines Säuglings oder Kindes mit möglichem Herzstillstand, Vorgehensweise beim kardialen Notfall des Kindes..

Tabelle
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CPR-Methoden für Angestellte im Gesundheitswesen

Altersgruppe

Ein-Helfer-CPR*

Zwei-Helfer-CPR

Atemportion

Erwachsene und Jugendliche

2 Atemstöße (jeweils 1 s) nach jeweils 30 Thoraxkompressionen mit einer Frequenz von 100–120/min

2 Atemstöße (jweils 1 s) nach jeweils 30 Thoraxkompressionen mit einer Frequenz von 100–120/min

Jeder Atemzug sollte etwa 500 ml an Volumen haben (als Vorsicht gegen Hyperventilation)

Kinder (1 Jahr - Pubertät)

2 Atemstöße (jeweils 1 s) nach jeweils 30 Thoraxkompressionen mit einer Frequenz von 100–120/min

2 Atemstöße (jweils 1 s) nach jeweils 15 Thoraxkompressionen mit einer Frequenz von 100–120/min

Kleinere Atemstöße als bei Erwachsenen (genug, damit sich die Brust hebt)

Kleinkinder (< 1 Jahr, mit Ausnahme von Neugeborenen)

2 Atemstöße (jeweils 1 s) nach jeweils 30 Thoraxkompressionen mit einer Frequenz von 100–120/min

2 Atemstöße (jweils 1 s) nach jeweils 15 Thoraxkompressionen mit einer Frequenz von 100–120/min

Nur kleine Atemstöße aus den Backen des Helfers

* Für einen Laienhelfer wird nur Herzdruckmassage bei Erwachsenen und Jugendlichen empfohlen.

Atemstöße werden gegeben, ohne die Herzdruckmassage zu unterbrechen.

Pubertät ist definiert als das Auftreten von Brüsten bei Frauen und Achselhaaren bei Männern.

Nachdem eine kardiopulmonale Reanimation eingeleitet ist, wird eine Defibrillation und eine Untersuchung des Herzrhythmus ( Kardiopulmonale Reanimation (CPR) bei Erwachsenen : Monitoring und Medikamentengabe) vorgenommen.

Vorgehensweise beim kardialen Notfall des Kindes.

Vorgehensweise beim kardialen Notfall des Kindes.

* Wenn eine angemessene Anzahl von geschultem Personal zur Verfügung steht, sollten die Patientenbeurteilung, die HLW und die Aktivierung des Notfallsystems gleichzeitig erfolgen.

Basierend auf dem umfassenden Notfall-Herz-Kreislauf-Algorithmus der American Heart Association.

Hauptunterschiede in der Reanimation von Erwachsenen und Kindern

Vor dem Herzstillstand

Bradykardie bei einem kranken Kind ist ein Zeichen von unmittelbar drohendem Herzstillstand. Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder entwickeln häufiger eine Bradykardie als Folge von Hypoxämie, während ältere Kinder in vergleichbaren Situationen eher zu Tachykardien neigen. Ein Säugling oder kleineres Kind mit einer Herzfrequenz unter < 60/min und Zeichen manifester Perfusionsstörungen, die sich auch nach Unterstützung der Ventilation nicht verbessern, muss kardiopulmonal reanimiert werden ( Thoraxkompression). Bradykardien infolge kardialer Reizleitungsstörungen und Blockbilder sind selten.

Thoraxkompressionen

Bei Thoraxkompressionen bei Säuglingen und Kindern (unter dem Alter der Pubertät oder <55 kg) sollte die Brust um ein Drittel des anteroposterioren Durchmessers gesenkt werden. Dies ist etwa 1,5 in (4 cm) bis 2 in (5 cm). Bei Jugendlichen oder Kindern> 55 kg ist die empfohlene Kompressionstiefe die gleiche wie bei Erwachsenen, d. h. 2 in (5 cm) bis 2,4 in (6 cm).

Die Methode der Brustkompression ist auch bei Säuglingen und Kindern unterschiedlich und wird im Folgenden veranschaulicht. Die Kompressionsrate bei Säuglingen und Kindern ist ähnlich der von Erwachsenen bei 100 bis 120 Kompressionen/min.

Thoraxkompression

A: Hier werden die Daumen nebeneinander aufgesetzt. Diese Methode eignet sich zur Kompression des Thorax bei Neugeborenen und Kleinkindern, deren Brustkorb leicht umfasst werden kann. Bei sehr kleinen Kindern können die Daumen auch aufeinandergelegt werden.

B: Zwei-Finger-Methode für Säuglinge. Die Finger sollten dabei recht steil aufgesetzt werden. Bei Neugeborenen kann es hierbei dazu kommen, dass man zu weit kaudal und damit unter das Xiphoid gerät. Die korrekte Fingerposition befindet sich kurz unterhalb der Mamilarlinie.

C: Position der Hand bei der Thoraxkompression eines Kindes.

(Adaptiert aus: American Heart Association, Standards und Leitlinien für CPR. Journal of the American Medical Association 268:2251-2281,1992. Copyright 1992, American Medical Association).

Thoraxkompression

Arzneimittel

Nach Beginn einer adäquaten Oxygenierung und Ventilation ist Epinephrin das Mittel der Wahl (siehe First-line-Medikamente). Adrenalin-Dosis ist 0,01 mg/kg i. v., die alle 3 bis 5 min wiederholt werden kann.

Amiodaron 5 mg/kg i. v. Bolus kann gegeben werden, wenn die Defibrillation nach Epinephrin erfolglos ist. Bei refraktärem Kammerflimmern (VF) oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie (VT) kann es bis zu 2-mal wiederholt werden. Wenn Amiodaron nicht verfügbar ist, kann Lidocain in einer Initialdosis von 1 mg/kg i. v. verabreicht werden, gefolgt von einer Erhaltungsinfusion von 20 bis 50 mcg/kg/min. Weder Amiodaron noch Lidocain haben gezeigt, dass sie das Überleben bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus verbessern.

Blutdruck

Der Blutdruck sollte mit geeigneter Manschettengröße ermittelt werden. Die direkte invasive Blutdruckerfassung ist bei schwer kompromittierten Kindern zwingend notwendig.

Da die Höhe des Blutdrucks altersabhängig variiert, ist eine Merkhilfe sinnvoll. Die unteren Normalwerte (Werte unter der 5. Perzentile) ergeben sich in Relation zum Alter wie folgt:

  • < 1 Mo: 60 mm Hg

  • 1 Mo bis 1 Jahr: 70 mm Hg

  • > 1 Jahr: 70 + (2 × Alter in Jahr)

Somit ergibt sich, dass man bei einem 5-jährigen Kind dann von Hypotonie spricht, wenn der Blutdruck unterhalb von 80 mmHg [70 + 2 × 5] liegt. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang auch, dass Kinder aufgrund besserer Kompensationsmechanismen längerfristig imstande sind, den Blutdruck auf einem bestimmten Niveau zu halten (durch Ansteigen der Herzfrequenz, Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstands). Kommt es jedoch schließlich zur Hypotonie, folgt auch sehr schnell der Herzkreislauf- und Atemstillstand. Es müssen somit alle erdenklichen Bemühungen unternommen werden, um Anzeichen eines kompensatorischen Schockgeschehens (Anstieg der Herzfrequenz, kalte Extremitäten, kapillare Reperfusion [„capillary refill“] > 2 Sekunden, schwer palpable periphere Pulse) umgehend zu behandeln, noch bevor es zum Eintritt der Hypotonie kommen kann.

Ausrüstung und Arbeitsumgebung (Ausstattung)

Instrumentengröße, Dosierung der Medikamente und die Parameter der Reanimation hängen sehr von Alter und Gewicht des kleinen Patienten ab (siehe Tabelle: CPR-Methoden für Angestellte im Gesundheitswesen, siehe Tabelle: Medikamente für die Flüssigkeitsersatztherapie*, und siehe Tabelle: Leitfaden für die pädiatrische Reanimation: mechanische Maßnahmen). Das in der Größe angemessene Equipment umfasst Defibrillator-Paddels oder Elektroden-Pads, Beatmungsmasken, Beatmungsbeutel, Guedel-Tuben, Laryngoskopspatel, Endotrachealtuben und Absaugkatheter. Das Körpergewicht des Kindes sollte gemessen und nicht geschätzt werden. Alternativ dazu können kommerziell erhältliche kalibrierte Maßbänder verwendet werden, mit deren Hilfe man das Standardkörpergewicht eines Patienten anhand seiner Körpergröße ablesen kann. Es gibt diese Bandmaße auch mit den darauf verzeichneten empfohlenen Medikamentendosierungen und Equipmentgrößen für das jeweilige Patientengewicht. Dosierungen können meist abgerundet werden. Bei einem 2½-jährigen Kind sollte man sich an die Dosisempfehlungen für 2-Jährige halten.

Tabelle
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Medikamente für die Flüssigkeitsersatztherapie*

Wirkstoff

Dosis für Erwachsene

Pädiatrische Dosierung

Kommentare

Adenosin

Am Anfang 6 mg, dann 12 mg × 2

Am Anfang 0,1 mg/kg, dann 0,2 mg/kg × 2

Ein schneller i.v. Push wird von einem Flush (maximale Einzeldosis 12 mg) gefolgt.

Amiodaron

Für VF und pulslose VT: 300 mg

Für VF und pulslose VT: 5 mg/kg

Für VF und pulslose VT: Gabe als i.v. Push über 2 min

Für verlangsamte VT: Initialdosis von 150 mg

Infusion (Tropf): 1 mg/min × 6 h, dann 0,5 mg/min × 24 h

Für verlangsamte VT: 5 mg/kg über 20–60 min, wiederholt bis zu einem Maximum von 15 mg/kg/Tag

Für verlangsamte VT: Initialdosis als i.v. Push über 10 min.

Amrinon

Initialdosis: 0,75 mg/kg über 2–3 min

Infusion (Tropf): 5–10 mcg/kg/min

Initialdosis: 0,75–1 mg/kg über 5 min (kann von bis zu 3 mg/kg wiederholt werden)

Infusion: 5–10 mcg/kg/min

500 mg in 250 ml 0,9% iger Kochsalzlösung kommt auf 2 mg/ml.

Atropin

0,5–1 mg

0,02 mg/kg

Wiederholt alle 3–5 min oder die Gesamtdosis von 0,04 mg/kg (minimale Dosis 0,1 mg).

Calciumchlorid

1 g

20 mg/kg

10%ige Lösung enthält 100 mg/ml.

Kalziumluzeptat

0,66 g

N/A

22%ige Lösung enthält 220 mg/ml.

Kalziumglukonat

0,6 g

60–100 mg/kg

10%ige Lösung enthält 100 mg/ml.

Dobutamin

2–20 mcg/kg/min (ab 2–5 mcg/kg/min)

Kein Unterschied zur Erwachsenendosis

500 mg in 250 ml 5% D/W ergibt 2000 mcg/ml.

Dopamin

2–20 mcg/kg/min (ab 2–5 mcg/kg/min)

Kein Unterschied zur Erwachsenendosis

400 mg in 250 ml 5% D/W ergibt 1600 mcg/ml.

Epinephrin

Bolus: 1 mg

Infusion: 2–10 mcg/min

Bolus: 0,01 mg/kg

Infusion: 0,1–1,0 mcg/kg/min

Wiederholt alle 3–5 min nach Bedarf.

8 mg in 250 ml 5% D/W ergibt 32 mcg/ml.

Glukose

25 g 50% D/W

0,5–1 g/kg

Hohe Konzentrationen bei Säuglingen und Kleinkindern sind zu vermeiden.

5% D/W: Dosis 10–20 ml/kg.

10% D/W: Dosis 5–10 ml/kg.

25% D/W: Dosis 2–4 ml/kg.

Für ältere Kinder wird eine große Vene genommen.

Lidocain

1–1,5 mg/kg; wiederhole alle 5–10 min bis maximal 3 mg/kg

1 mg/kg Ladedosis, dann 20–50 μg/kg/min Infusion

Bei Erwachsenen kann Lidocain nach ROSC bei VF/VT in Betracht gezogen werden.

Bei Kindern kann Lidocain anstelle von Amiodaron bei refraktärer VF/VT verwendet werden.

Magnesiumsulfat

1–2 g

25–50 mg/kg bis maximal 2 g

Gabe über 2–5 min.

Milrinon

Initialdosis: 50 mcg/kg über 10 min

Infusion: 0,5 mcg/kg/min

Initaldosis: 50–75 mcg/kg über 10 min

Infusion: 0,5–0,75 mcg/kg/min

50 mg in 250 ml 5% D/W ergibt 200 mcg/ml.

Naloxon

2 mg intranasal oder 0,4 mg i. m.

0,1 mg/kg bei Patienten < 20 kg oder <5 Jahre

Wiederholen nach Bedarf.

Noradrenalin

Infusion: 2–16 mcg/min

Infusion: Beginnend mit 0,05–0,1 mcg/kg/min (maximale Dosis 2 mcg/kg/min)

8 mg in 250 ml 5% D/W ergibt 32 mcg/ml.

Phenylephrin

Infusion: 0,1–1,5 mcg/kg/min

Infusion: 0,1–0,5 mcg/kg/min

10 mg in 250 ml 5% D/W ergibt 40 mcg/ml.

Procainamid

30 mg/min für die Wirkung oder maximal 17 mg/kg

Kein Unterschied zur Erwachsenendosis

Procainamid wird in Fällen von pulslosem Herzstillstand bei Kindern nicht empfohlen.

Natriumbicarbonat (NaHCO3)

50 mmol

1 mmol/kg

Langsame Infusion und nur dann, wenn eine ausreichende Belüftung vorhanden ist.

4,2% enthält 0,5 mmol/ml; 8,4% enthält 1 mmol/ml.

Vasopressin

Nicht mehr empfehlenswert

Nicht empfehlenswert

Vasopressin ist nicht wirksamer als Adrenalin.

* Für Hinweise und Verwendung, s. Text.

i.v. oder intraossär

ROSC = Wiederherstellung der Spontanzirkulation; VF = Kammerflimmern; VT = ventrikuläre Tachykardie.

Tabelle
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Leitfaden für die pädiatrische Reanimation: mechanische Maßnahmen

Alter (Jahre)

Reifgeborenes Neugeborenes

< 12 Monate

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

Gewicht, typisch (kg)

3,5

< 10

10

12

14

16

18

20

22

25

28

30

35

40

45

50

55

60

Kompressionstechniken

Daumenkompression, die Hände um den Brustkorb gelegt (vorzugsweise) oder mit 2 Fingern

1 Hand

2 Hände

Größe der Atemwege (Portex) in cm

000

00

00

0

0

7

7

7

7

7

7

7

7

7

8

8

8

8

3,5

5

5

6

6

Masken in Laerdal-Größen oder Äquivalent

Zirkular 0/1

Rendell-Baker-Typ Nr. 1

Rendell-Baker-Typ Nr. 2

Dome-Manschettenmaske Nr. 3

Dome-Manschettemaske Nr. 4

Beatmungsbeutel mit Reservoir für die Zugabe von 100%igem O2

Säugling: 240 ml

Kind: 400–500 ml

Erwachsene 1600 ml

Laryngoskopspatelgröße

Miller 0

Gerade Klinge

1

1

1

2

2

2

2

2

2

2

3

3

3

3

3

3

3

Gerade Klinge (bevorzugt) oder gebogene Klinge

Gebogene oder gerade Klinge

ETT Größe (Portex) in mm

3

3,5

4

4,5

4,5

5

5

5,5

5,5

6

6

6

6

6,5

6,5

6,5

6,5

7

ohne Manschette

ohne Manschette

mit Manchette

Absaugkatheter

Direkt oropharyngeal

Durch ETT

10 F

Pädiatrische Rachenabsaugung

8 Fr

Rachenabsaugung wie bei Erwachsenen

10 Fr

* Pause für die Belüftung.

ETT =Endotrachealtubus; Fr = Französisch.

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. B. Paes und Dr. M. Sullivan, die Abteilungen für Pädiatrie und Medizin, St. Joseph’s Hospital, The Children’s Hospital, Hamilton Health Sciences Corporation, McMaster University, Hamilton, Ontario, Canada.

Temperaturmanagement

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Empfindlichkeit gegenüber Thermoverlusten aufgrund der großen Körperoberfläche in Relation zum Körpergewicht und zum weniger umfangreichen Subkutangewebeanteil sehr ausgeprägt. Eine neutrale Umgebungstemperatur während und nach einer Reanimation ist als entscheidend anzusehen. Hypothermie mit einer Körperkerntemperatur < 35° C erschwert den Erfolg einer Reanimation erheblich.

Bei komatösen Kindern, die aus einem innerklinischen und außerklinischen Herzstillstand reanimiert wurden, gibt es keinen Hinweis darauf, dass eine therapeutische Hypothermie von Vorteil ist. Bei komatösen Kindern, die vom Herzstillstand reanimiert wurden, sollte eine therapeutische Normothermie (36 ° C bis 37,5 ° C) angestrebt werden (1, 2), und Fieber sollte aggressiv behandelt werden.

Atemwege und Ventilation

Kinder haben im Vergleich zum Erwachsenen eine andere Anatomie der oberen Atemwege. Bei verhältnismäßig größerem Hirnschädel mit kleinerem Gesichtsanteil sind die Mandibeln und äußeren Nasenöffnungen vergleichsweise klein, der Hals ist relativ kurz. Verglichen mit der Größe der Mundöffnung findet sich eine große Zunge, und der Kehlkopf ist deutlich kranialer angelegt sowie mehr nach vorne gekippt. Es findet sich eine recht lange Epiglottis. Der kleinste Trachealdurchmesser ist unterhalb der Stimmbänder in Höhe des Krikoids angelegt. Daher sollten nur Endotrachealtuben ohne Manschette Verwendung finden. Bei kleineren Kindern ermöglicht das Laryngoskop mit einem geraden Spatel eine bessere Einsehbarkeit der Stimmbänder als die gekrümmte Ausführung. Grund hierfür sind die eher anteriore Lage des Larynx sowie die größere und schlaffere Epiglottis.

Wenn bei Säuglingen und Kindern, die sich einer Reanimation unterziehen, keine erweiterten Atemwege vorhanden sind, beträgt das empfohlene Kompressions-Beatmungsverhältnis 30:2, wenn nur ein einzelner Helfer vorhanden ist, und 15:2, wenn mehr als ein Helfer vorhanden ist. Diese Empfehlung steht im Gegensatz zu Erwachsenen, bei denen das Verhältnis Kompression:Ventilation immer 30:2 beträgt und unabhängig von der Anzahl der Retter ist.

Bei einem fortgeschrittenen Atemweg wird 1 Atemzug für 6 Sekunden (10 Atemzüge/Minute) für Säuglinge, Kinder und Erwachsene gegeben.

Defibrillation

Bei Asystolie wird weder Atropin gegeben noch werden Pacer eingesetzt.

Kammerflimmern und eine pulslose Ventrikeltachykardie finden sich nur in etwa 15– 20% der Herzstillstände. Vasopressin ist nicht indiziert. Sofern eine Defibrilation durchgeführt wird, ist die maximale Dosis geringer als bei Erwachsenen. Die Impulse können monophasisch oder biphasisch sein. Für beide Impulse ist die empfohlene Energiedosis Energie 2 Joule/kg für den ersten Impuls, mit einer Erhöhung um 4 Joule/kg für nachfolgende Versuche (falls erforderlich—siehe Defibrillation bei Erwachsenen). Die empfohlene Höchstdosis beträgt 10 Joule/kg oder die maximale Dosis für Erwachsene (200 Joule für einen zweiphasigen Defibrillator und 360 Joule für einen monophasischen Defibrillator).

Automatisierte externe Defibrillatoren (AED) mit Kabelanschlüssen wie bei Erwachsenen können möglicherweise schon bei 1-jährigen Kindern verwendet werden. Jedoch werden bei Kindern zwischen dem 1. und 8. Lebensjahr AEDs mit Pädiatriekabeln (maximaler biphasischer Schock mit 50 Joule) bevorzugt. Es gibt keine ausreichenden Beweise für oder gegen den Einsatz von AED bei Kindern < 1 Jahr. Für die Pad-Platzierung, siehe Defibrillation bei Erwachsenen.

Behandlungshinweise

Weitere Informationen

  • American Heart Association Richtlinien für Herz-Lungen-Wiederbelebung und Herz-Kreislauf-Notfallversorgung

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

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