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Listeriose

(Listeria)

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University;


Maria T. Perez

, MD, Wellington Regional Medical Center, West Palm Beach

Inhalt zuletzt geändert Jul 2019
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Eine Listeriose ist eine durch Listeria-Spezies hervorgerufene Infektion, die sich z. B. als Bakteriämie, Meningitis, Enzephalitis, Dermatitis, okuloglanduläres Syndrom, intrauterine und neonatale Infektion oder selten auch als Endokarditis äußert. Die Symptome variieren je nach infiziertem Organsystem. Intrauterine Infektion kann zu fetalen Tod führen. Die Diagnose wird durch den kulturellen Erregernachweis gestellt. Zur Therapie eignen sich Penicillin, Ampicillin (oft mit Aminoglykosiden) und Trimethoprim/Sulfamethoxazol.

Listeria sind kleine, nichtsäurefeste, nicht eingekapselten, nichtsporenbildende, beta-hämolytische, aerobe und fakultativ anaerobe grampositive Bakterien, die eine charakteristische taumelnde Motilität besitzen. Sie kommen weltweit in der Umwelt und im Darm von Menschen, nichtmenschlichen Säugetieren, Vögeln, Spinnentiere, Krebstiere vor. Es gibt verschiedene Arten von Listerien (Listeria), aber L. monocytogenes ist der primäre Erreger, der beim Menschen vorkommt.

In den USA gibt es jährlich etwa 1800 Fälle von Listeriose, deren Höhepunkt im Sommer liegt. Die Raten sind am höchsten bei Neugeborenen, bei Erwachsenen im Alter von ≥ 60 Jahren und bei immungeschwächten Patienten einschließlich Patienten mit HIV/AIDS. Die Listeriose ist bei Patienten mit HIV/AIDS 300-mal häufiger als bei der Allgemeinbevölkerung.

Übertragung

Weil L. monocytogenes allgegenwärtig in der Umwelt ist, sind Kontaminationsmöglichkeiten während der Lebensmittelproduktion zahlreich. Fast alle Arten von Lebensmittel können L. monocytogenes beherbergen und übertragen, aber die Infektion erfolgt in der Regel durch Einnahme von kontaminierten Milchprodukten, rohem Gemüse, Fleisch oder vor allem gekühlten Lebensmitteln, die vor dem Verzehr nicht gekocht werden müssen. Die Kontamination wird begünstigt durch die Fähigkeit von L. monocytogenes bei Kühlschranktemperaturen zu überleben und zu wachsen.

Zu einer Infektion kann es auch nach direktem Kontakt und beim Schlachten infizierter Tiere kommen.

Tipps und Risiken

  • Listeria monocytogenes kann sich bei Kühlschranktemperatur reproduzieren, so können leicht kontaminierte, gekühlte Lebensmittel stark kontaminiert werden.

Risikofaktoren

Weil L. monocytogenes sich intrazellulär multipliziert, erfordert die Kontrolle der Listeriose eine zellvermittelte Immunität, daher haben folgende Personen ein hohes Risiko:

  • Immungeschwächten Patienten

  • Neugeborene

  • Ältere

Schwangere Frauen haben auch ein erhöhtes Risiko, eine Listerieninfektion zu entwickeln, die antepartum und intrapartum von der Mutter auf das Kind übertragen werden und zum Abort oder frühen Kindstod führen kann.

ListeriaListerien sind ein häufiger Grund für neonatale bakterielle Meningitis.

Symptome und Beschwerden

Eine primäre listeriale Bakteriämie ist selten und führt zu hohem Fieber ohne lokale Symptome und Krankheitszeichen. Endokarditis, Peritonitis, Osteomyelitis, septische Arthritis, Cholezystitis und Pleuropneumonie können auftreten. Eine fiebrige Gastroenteritis kann nach der Einnahme von kontaminierten Lebensmitteln auftreten. Eine listeriale Bateriämie kann zu intrauteriner Infektion, Chorioamnionitis, vorzeitigen Wehen, fetalem Tod oder einer Infektion des Neugeborenen führen.

Eine Meningitis wird in bis zu 20% der Fälle bei Neugeborenen und Patienten > 60 Jahren durch Listerien (Listeria) verursacht. Eine Rhombenzephalitis manifestiert sich mit gestörter Bewusstseinslage, Hirnnervenlähmungen, Kleinhirnzeichen und motorischen oder sensorischen Ausfallerscheinungen. 20% der Fälle schreiten fort zu einer diffusen Enzephalitis, seltener auch zu einer Rhombenzephalitis und Hirnabszessen.

Eine okuloglanduläre Listeriose kann eine Ophthalmitis sowie eine Vergrößerung der regionalen Lymphknoten hervorrufen (Parinaud Syndrom). Sie kann aufgrund einer Infektion der Konjunktiven entstehen und, ohne Behandlung, zu einer Bakteriämie und Meningitis fortschreiten.

Diagnose

  • Kultur

Listerieninfektionen werden durch Blut- oder Liquorkulturen diagnostiziert. Da Listerien leicht mit diphtheroiden Stäbchen verwechselt werden können, muss das Labor über den Verdacht auf L. monocytogenes informiert werden.

Bei allen Listerieninfektionen kommt es 2-4 Wochen nach Beginn der Symptome zu hohen IgG-Agglutinintitern.

Therapie

  • Ampicillin oder Penicillin G, in der Regel mit einem Aminoglykosid

Eine Listerienmeningitis wird am besten mit Ampicillin 2 g i.v. alle 4 h behandelt Die meisten Experten empfehlen den Zusatz von Gentamicin (1 mg/kg i.v. alle 8 Stunden) je nach In-vitro-Synergie. Cephalosporine sind nicht wirksam. Für die Behandlung von Neugeborenenmeningitis, {blank} Akute bakterielle Meningitis bei Neugeborenen : Organismus-spezifische Antibiotika-Therapie

Endokarditis und primäre listeriale Bakteriämie werden mit Ampicillin 2 g i.v. alle 4 Stunden plus Gentamicin (synergistischer Effekt) über 6 Wochen (bei Endokarditis) bzw. 2 Wochen (bei Bakteriämie) nach Entfieberung behandelt. Eine okuloglanduläre Listeriose und Listeriendermatitis sollte auf Erythromycin (10 mg/kg oral alle 6 Stunden) ansprechen, das bis eine Woche nach Entfieberung gegeben wird. Cephalosporine haben keine in-vitro-Aktivität und sollten nicht verwendet werden; über Therapieversagen von Vancomycin ist berichtet worden. Alternativ kann Trimethoprim/Sulfamethoxazol 5/25 mg/kg i.v. alle 8 h gegeben werden. Linezolid ist in vitro aktiv, aber die klinische Erfahrung fehlt.

Vorbeugung

Weil eine Kontamination von Lebensmitteln verbreitet ist und weil sich L. monocytogenes bei Kühlschranktemperatur reproduzieren kann, können leicht kontaminierte Lebensmittel während der Kühlung stark kontaminiert werden Bei diesem Problem besteht besonderer Grund zur Sorge, wenn Nahrung (z. B. eingefrorene Fertiggerichte) ohne weiteres Kochen aufgenommen wird. Somit ist eine angemessene Lebensmittelhygiene wichtig, insbesondere für gefährdete Personen (z. B. Patienten mit geschwächtem Immunsystem, Schwangere, ältere Menschen). Gefährdete Personen sollten folgende Lebensmittel vermeiden:

  • Weichkäse (z. B. Feta, Brie, Camembert)

  • Gekühlte verzehrfertige Lebensmittel (z. B. Hot Dogs, Wurst, Pȃtés, Fleischaufstriche), es sei denn, diese werden auf eine Innentemperatur von 73,9° C erhitzt oder sind noch kurz vor dem Servieren dampfend heiß

  • Gekühltes geräuchertes Seafood (z. B. nova-Stil, lox, kippered, geräuchert, jerky), es sei denn, es wurde gekocht

  • Rohmilch (pasteurisierte)

Wichtige Punkte

  • L. monocytogenes ist in der Umwelt sehr verbreitet, aber verursacht nur bei etwa 1800 Menschen in den USA Infektionen, in der Regel über kontaminierte Lebensmittel.

  • Die Raten sind am höchsten bei Neugeborenen, Erwachsene 60 Jahre und immungeschwächten Patienten.

  • Verschiedene Organsysteme können betroffen sein; eine Infektion der Mutter während der Schwangerschaft kann zu fetalem Tod führen.

  • Gabe von Ampicillin, in der Regel zzgl. Gentamicin.

  • Empfehlen Sie Hochrisikopatienten, Krankheiten vorzubeugen, indem Sie keine Lebensmittel essen, die am wahrscheinlichsten kontaminiert sind.

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