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Erysipelothrikose

Von

Larry M. Bush

, MD, FACP, Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida Atlantic University;


Maria T. Perez

, MD, Wellington Regional Medical Center, West Palm Beach

Inhalt zuletzt geändert Sep 2017
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Quellen zum Thema

Erysipelothrikose ist eine Infektion durch Erysipelothrix rhusiopathiae. Das häufigste Symptom ist das Erysipeloid, eine akute, aber sich eher langsam entwickelnde lokale Zellulitis. Die Diagnose wird kulturell nach Biopsie oder gelegentlich mittels PCR gestellt. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.

Erysipelothrix rhusiopathiae (früher E. insidiosa) sind dünne, grampositive, bekapselte, nichtsporenbildendes, unbewegliches, mikroaerophiles Stäbchenbakterien, die weltweit saprophytär vorkommen.

E. rhusiopathiae können eine Vielzahl von Tieren infizieren, inkl. Insekten, Schalentiere, Fische, Vögel und Säugetiere (insbesondere Schweine). Bei Menschen kommt es überwiegend beruflich bedingt zu Infektionen nach penetrierenden Wunden, wenn sie essbare oder nichtessbare tierische Produkte verarbeiten (z. B. infizierte Schlachtkörper, verarbeitete Produkte [Fette, Düngemittel], Knochen, Schalen). Am häufigsten haben die Patienten Fisch oder Meeresfrüchte verarbeitet oder in Schlachthäusern gearbeitet. Eine Infektion kann auch durch Katze oder Hund herrühren. Eine nichtdermale Infektion ist selten und kommt meist als Arthritis oder Endokarditis vor.

Symptome und Beschwerden

Innerhalb von einer Woche nach der Verletzung erscheint ein charakteristisches erhabenes, purpurrotes, nichtvesikuläres, induriertes, makulopapuläres Exanthem, welches juckt und brennt. Die lokale Schwellung ist zwar scharf abgegrenzt, kann aber den Gebrauch der Hand (der üblichen Infektionsstelle) behindern. Der äußere Rand der Läsion kann sich langsam nach außen ausdehnen und zu 3 Wochen lang anhaltenden Beschwerden und Behinderungen führen. Erysipelothrikose ist in der Regel selbstlimitierend.

In einem Drittel der Fälle kommt es zu einer regionalen Lymphadenopathie. Eine Erysipelothrikose wird nur selten zu einer generalisierten Hauterkrankung, die durch lila Hautläsionen charakterisiert ist, die sich ausbreiten während das Zentrum der Läsion aufhellt, zzgl. bullösen Läsionen an den primären oder entfernten Stellen.

Bakteriämie kommt selten vor und ist öfter eine Primärinfektion als eine Ausbreitung von Hautläsionen. Sie kann aber sogar bei Patienten ohne bekannte Herzklappenkrankheit zu einer septischen Arthritis oder infektiösen Endokarditis führen. Eine Endokarditis neigt dazu, die Aortenklappe zu betreffen und die Sterblichkeitsrate und Prozentsatz der Patienten, die einen Herzklappenersatz benötigen, sind ungewöhnlich hoch. Selten treten ZNS-, intra-abdominale und Knocheninfektionen auf.

Diagnose

  • Kultur

  • PCR für schnelle Diagnose

Da die Erreger nur in den tieferen Schichten der Läsionen vorkommen, ist die Kultur einer Biopsieprobe mit voller Dicke der Nadelaspiration überlegen. Die Kultur eines Exsudates, das durch Abrasion einer floriden Papel gewonnen wurde, kann diagnostisch wertvoll sein. Bei Erysipelothrix-Arthritis oder -Endokarditis ist eine Isolation aus der Synovialflüssigkeit oder dem Blut erforderlich. E. rhusiopathiae kann als Laktobazillen missgedeutet werden.

Die Amplifikation mittels PCR kann zu einer raschen Diagnosestellung der Erysipelothrikose beitragen. Eine schnelle Diagnose ist ausgesprochen wichtig, wenn eine Endokarditis vermutet wird, weil sich die Behandlung einer Endokarditis aufgrund von E. rhusiopathiae oft von der gewöhnlichen empirischen Behandlung einer gram-positiven bazillären Endokarditis unterscheidet (z. B. ist E. rhusiopathiae resistent gegenüber Vancomycin, was normalerweise verwendet wird).

Therapie

  • Penicillin, Cephalosporins, Fluoroquinolone oder Clindamycin

Bei lokalisierter kutaner Erkrankung, besteht die allgemeine Behandlung für 7 Tage normalerweise in einer der folgenden:

  • Penicillin V oder Ampicillin (500 mg p. o. alle 6 h)

  • Ciprofloxacin (250 mg p.o. alle 12 h)

  • Clindamycin (300 mg p.o. alle 8 h)

Cephalosporine sind auch wirksam. Daptomycin und linezolid sind aktiv in vitro and und können in Betracht gezogen werden, wenn Patienten allergisch auf Beta-Laktame sind. Tetrazykline und Makrolide wirken möglicherweise nicht mehr zuverlässig.

E. rhusiopathiae sind resistent gegen Sulfonamide, Aminoglykoside und Vancomycin.

Eine schwere diffuse kutane oder systemische Infektion wird am besten mit einem der folgenden Medikamente behandelt:

  • i. v. Penicillin G (2 bis 3 Millionen Einheiten alle 4 h)

  • Ceftriaxone (2 g i.v. einmal/Tag)

  • Ein Fluoroquinolon (z. B. Ciprofloxacin 400 mg i.v. alle 12 h, Levofloxacin 500 mg i.v. einmal/Tag)

Eine Endokarditis wird über 4 bis 6 Wochen mit Penicillin G behandelt. Alternativ können Cephalosporine und Fluorochinolone gegeben werden. Vancomycin wird oft empirisch zur Behandlung von gram-positiver bazillären Endokarditis verwendet; jedoch ist E. rhusiopathiae resistent gegenüber Vancomycin. Daher ist eine schnelle Differenzierung von E. rhusiopathiae von anderen gram-positiven Organen kritisch.

Dieselben Substanzen und Dosierungen sind auch bei Arthritis adäquat (verabreicht bis mindestens eine Woche nach Entfieberung oder Stopp des Gelenkergusses), aber eine wiederholte Drainage des infizierten Gelenkes mittels Gelenkpunktion ist auch erforderlich.

Wichtige Punkte

  • Erysipelothrikosen resultieren typischerweise aus einer penetrierenden Wunden bei Personen, die essbare oder nichtessbare tierische Produkte verarbeiten (z. B. in einem Schlachthaus) oder die mit Fisch oder Shellfisch arbeiten.

  • Innerhalb von einer Woche nach der Verletzung erscheint ein erhabenes, purpurrotes, nichtvesikuläres, induriertes, makulopapuläres Exanthem, welches juckt und brennt; ca. ein Drittel der Patienten leidet unter einer regionalen Lymphadenopathie.

  • Eine Bakteriämie kommt nur selten vor, kann aber zu septischer Arthritis und infektiöser Endokarditis führen.

  • Die Diagnose erfolgt durch Kultur von Proben, die durch eine chirurgische Biopsie gewonnen wurden oder eines Exsudats, das durch Abreibung eines floriden Hautknötchens gewonnen wurde.

  • Wenn eine Endokarditis aufgrund von E. rhusiopathiae vermutet wird, ist eine schnelle Identifizierung des Erregers entscheidend, weil die Behandlung oft unterschiedlich ist; E. rhusiopathiae ist resistent gegenüber Vancomycin, was in der Regel für die Behandlung von gram-positiver bazillärer Endokarditis eingesetzt wird.

  • Behandlung mit Antibiotika (d.h. Penicillin, Ciprofloxacin) basierend auf Ausmaß und Stelle der Infektion.

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