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Nahrungsmittelallergien

Von

Peter J. Delves

, PhD, University College London, London, UK

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
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Quellen zum Thema

Eine Nahrungsmittelallergie äußert sich als eine übersteigerte Immunantwort auf Nahrungsmittelbestandteile, in der Regel auf Proteine. Erscheinungsformen sind sehr unterschiedlich und können atopische Dermatitis, gastrointestinale oder respiratorischeSymptome und Anaphylaxie umfassen. Die Diagnose erfolgt anamnestisch und manchmal aufgrund von Allergen-spezifischen Serum-lgE-Tests, Hauttests und/oder Ausschluss der auslösenden Nahrungsmittel. Die Behandlung erfolgt durch Vermeidung der Lebensmittel, die die Reaktion auslösen und manchmal oral verabrechtes Cromolyn.

Nahrungsmittelallergien sollten von Reaktionen, die nicht durch das Immunsystem bedingt sind (z. B. Laktoseintoleranz, Reizdarmsyndrom, infektiöse Gastroenteritis) und von Reaktionen gegen Nahrungsmittelzusatzstoffe (z. B. Natriumglutamat, Metabisulfit, Tartrazin) oder kontaminierte Nahrungsmittel unterschieden werden (z. B. Latexstaub in Lebensmitteln, der von Personen mit Latexhandschuhen übertragen wird); letztere sind für die meisten dieser Reaktionen verantwortlich. Die Prävalenz von Nahrungsmittelallergie beträgt mit geographischen Variationen und unterschiedlichen Ermittlungsmethoden < 1-3%; Patienten neigen dazu, Intoleranz mit Allergie zu verwechseln.

Ätiologie

Fast jedes Lebensmittel oder fast jeder Zusatzstoff kann eine allergische Reaktion hervorrufen, aber die häufigsten Auslöser sind

  • Bei Säuglingen und Kleinkindern: Milch, Soja, Eier, Erdnüsse und Weizen

  • Bei älteren Kindern und Erwachsenen: Nüsse und Meeresfrüchte

Kreuzreaktionen zwischen Nahrungsmitteln und nicht nahrungsbedingten Allergenen sind bekannt. Eine Sensibilisierung erfolgt möglicherweise nicht enteral. Zum Beispiel sind Patienten mit oralen Allergien (typisch sind Pruritus, Erythem und Mundödem nach dem Verzehr von Früchten und Gemüse) möglicherweise durch Exposition mit Pollen, die dieselben Antigene wie die Nahrungsmittel selbst haben, sensibilisiert worden; bei Kindern mit einer Allergie gegen Erdnüsse mag eine Sensibilisierung durch topisch anzuwendende, Erdnussöl enthaltende Cremes zur Behandlung von Hautausschlägen vorliegen. Viele Patienten, die empfindlich auf Latex reagieren, sind auch allergisch gegen Bananen, Kiwis, Avocados oder eine Kombination derselben.

Nahrungsmittelallergien treten häufiger bei Kindern auf, deren Eltern Nahrungsmittelallergien, allergische Rhinitis oder allergisches Asthma haben.

Im Allgemeinen sind Nahrungsmittelallergien von IgE- oder T-Zellen oder durch beide vermittelt:

  • Die Erstmanifestation einer IgE-vermittelten Allergie ist akut (z. B. Urtikaria, Asthma, anaphylaktischer Schock) und entwickelt sich gewöhnlich in der Kindheit. Hierbei sind Personen mit atopischen Krankheiten in der Vorgeschichte am häufigsten betroffen.

  • Eine T-Zell-vermittelte Allergie (z. B. Gastroenteropathien durch Nahrungsmittelproteine, Zöliakie) manifestiert sich schrittweise und ist chronisch; am häufgisten kommt sie bei Säuglingen und Kindern vor.

  • Durch IgE sowie T-Zellen vermittelte Allergien (z. B. atopische Dermatitis, eosinophile Gastroenteropathie) neigen zu einem verzögerten Auftreten oder sind chronisch.

Eosinophile Gastroenteropathie

Sie ist eine ungewöhnliche Krankheit, die durch Schmerzen, Krämpfe, Diarrhoe mit Eosinophilie, eosinophilen Infiltraten im Darm und Enteropathie mit Proteinverlust charakterisiert ist. Atopische Krankheiten bestehen in der Vorgeschichte.

Manchmal wird die eosinophile Gastroenteropathie von einer eosinophilen Ösophagitis begleitet und kann Dysphagie, Dyspepsie ohne Säureüberschuss und Motilitätsstörungen oder, bei Kindern auslösen, Fütterungsverweigerung und Bauchschmerzen.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome und Beschwerden bei Nahrungsmittelallergien variieren in Abhängigkeit von Allergenen, Reaktionsmechanismen und Patientenalter.

Die häufigste Manifestation im Kleinkindalter ist die atopische Dermatitis entweder allein oder in Kombination mit gastrointestinalen Symptomen (wie Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe). Diese Reaktionen bilden sich in der Regel zurück, während die Kinder dann zunehmend empfindlicher auf inhalierte Allergene reagieren und sich Symptome wie Asthma und Rhinitis zu entwickeln beginnen. Dieser Prozess wird als atopischer Marsch bezeichnet. Im Alter von 10 Jahren kann ein Nahrungsmittel bei Kindern kaum noch Atemwegssymptome provozieren, obwohl die Hauttests positiv bleiben. Wenn eine atopische Dermatitis persistiert und erst bei älteren Kindern oder Erwachsenen auftritt, scheint ihre Aktivität von IgE-vermittelter Allergie weitgehend unabhängig zu sein, auch wenn atopische Patienten mit ausgeprägter Dermatitis höhere IgE-Spiegel im Serum aufweisen als atopische Patienten ohne Dermatitis.

Wenn eine Nahrungsmittelallergie bei älteren Kinder und Erwachsene besteht, sind die Reaktionen tendenziell schwerer (z. B. explosive Urtikaria, Angioödem, sogar Anaphylaxie). Bei einigen Patienten lösen Nahrungsmittel (besonders Weizen und Shrimps) anaphylaktische Reaktionen nur dann aus, wenn sie sich kurz nach dem Essen körperlich belasten; der Mechanismus ist unbekannt. Nahrungsmittel können auch unspezifische Symptome auslösen (z. B. Benommenheit, Synkopen). Gelegentlich kann es im Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien zu Cheilitis, Aphthen, Pylorospasmus, spastischer Obstipation, Pruritus in der Analregion und zu perianalen Ekzemen kommen.

T-Zell-vermittelte Reaktionen betreffen vorwiegend den Gastrointestinaltrakt, was zu Symptomen wie subakute oder chronische Bauchschmerzen, Übelkeit, Krämpfe und Durchfall führt.

Tipps und Risiken

  • Wenn Patienten kryptogen subakute oder chronische Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe oder Durchfall haben, sollte eine Nahrungsmittelallergie in Betracht gezogen werden.

Diagnose

  • Allergen-spezifische IgE-Tests

  • Hauttests

  • Versuch einer Eliminationsdiät (allein oder nach Hauttest oder Allergen-spezifischen IgE-Tests)

Eine schwere Nahrungsmittelallergie ist bei Erwachsenen normalerweise offensichtlich. Ist dies nicht der Fall oder es sind Kinder betroffen (die häufigste Altersgruppe), kann eine Diagnosestellung schwierig sein, und der Zustand muss von funktionellen gastrointestinalen Störungen unterschieden werden. Für die Diagnose der Zöliakie Zöliakie : Diagnose.

Tests (z. B. Allergen-spezifische IgE-Tests, Hauttests) und Eliminationsdiäten sind sehr nützlich bei der Diagnose von IgE-vermittelten Reaktionen.

Bei Verdacht auf eine nahrungsmittelbedingte Reaktion wird der Zusammenhang zwischen Symptomen und Nahrungsmittel durch einen der folgenden Tests untersucht.

In beiden Fällen wird eine klinisch relevante Allergie durch einen positiven Test nicht bestätigt. Beide Tests können falsch-positive oder falsch-negative Ergebnisse haben. Hauttests sind generell sensitiver als der Allergen-spezifische Serum-IgE-Test, neigen jedoch auch eher zu falsch-positiven Ergebnissen. Der Hauttest liefert innerhalb von 15 bis 20 Minuten ein Ergebnis, viel schneller als der Allergen-spezifische Serum-IgE-Test.

Sofern einer der Tests positiv ist, muss das allergene Nahrungsmittel aus dem Speiseplan entfernt werden; wenn sich die Symptome bessern, wird durch erneute Zufuhr des Nahrungsmittels (vorzugsweise in einem Doppelblindversuch) bestimmt, ob die Symptome wieder auftreten. (Siehe auch das medizinische Positionspapier der National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID): Guidelines for the diagnosis and management of food allergy in the United States.)

Alternativen zu Hauttests umfassen eine oder beide der folgenden Möglichkeiten:

  • Absetzen von Lebensmitteln, von denen der Patient annimmt, dass sie Symptome verursachen

  • Verschreibung einer Diät aus relativ allergenfreien Nahrungsmitteln (siehe Tabelle: Zulässige Lebensmittel in Eliminationsdiäten*), wodurch gewöhnliche Allergene ausgeschlossen werden

Bei letzterer Diät sollten keine anderen Speisen und Getränke konsumiert werden als die vorgeschriebenen. und die Reinheit der Produkte sollte stets gewahrt sein. Viele der kommerziell zubereiteten Produkte und Mahlzeiten enthalten unerwünschte Nahrungsmittel in oft größeren Mengen (z. B. enthält Roggenbrot Weizenmehl) oder in Spuren als Geschmacksverstärker oder Dickungsmittel. Die Bestimmung unerwünschter Nahrungsmittel in kommerziellen Produkten kann schwierig sein.

Wenn nach der ersten Woche keine Besserung eintritt, sollte eine andere Diät ausprobiert werden. Allerdings kann die Besserung T-Zell-vermittelter Reaktionen Wochen dauern. Wenn sich die Symptome bessern, wird ein neues Nahrungsmittel zugefügt und > 24 h in großen Mengen gegessen oder bis die Symptome wieder auftreten. Alternativ können kleinere Mengen des zu testenden Nahrungsmittels in Gegenwart des Arztes verspeist und die Reaktionen des Patienten beobachtet werden. Verschlimmerung oder Wiederauftreten der Symptome nach dem Zufügen eines neuen Nahrungsmittels ist der beste Beweis für eine entsprechende Allergie.

Tabelle
icon

Zulässige Lebensmittel in Eliminationsdiäten*

Lebensmittel

Diät-Nr. 1

(Kein Rind, Schwein, Geflügel, Milch, Roggen oder Mais)

Diät-Nr. 2

(Kein Rind, Lamm, Milch oder Reis)

Diät-Nr. 3

(Kein Lamm, Geflügel, Roggen, Reis, Mais oder Milch)

Getreideprodukte

Reisprodukte

Maisprodukte

Keine

Gemüse

Artischocken, Rüben, Karotten, Kopfsalat, Spinat

Spargel, Mais, Erbsen, Kürbis, Bohnen, Tomaten

Rüben, Limabohnen, Kartoffel (weiße und süße), grüne Bohnen, Tomaten

Fleisch

Lamm

Speck, Hähnchen

Speck, Rindfleisch

Mehl (Brot oder Kekse)

Reis

Mais, 100% Roggen (übliches Roggenbrot enthält Weizen)

Limabohnen, Kartoffel, Sojabohnen

Früchte

Grapefruit, Zitronen, Birnen

Aprikosen, Pfirsiche, Ananas, Pflaumen

Aprikosen, Grapefruit, Zitronen, Pfirsiche

Fett

Öl aus Baumwollsamen, Olivenöl

Mais-, Baumwollsamen-

Öl aus Baumwollsamen, Olivenöl

Getränke

Kaffee (schwarz), Limonade, Tee

Kaffee (schwarz), Limonade, Tee

Kaffee (schwarz), Limonade, Saft von zugelassenem Obst, Tee

Sonstiges

Rohrzucker, Gelatine, Ahorn-Sirup, Oliven, Salz, Tapiokapudding

Rohrzucker, Maissirup, Gelatine, Salz

Rohrzucker, Gelatine, Ahorn-Sirup, Oliven, Salz, Tapiokapudding

* Diät-Nr. 4: Wenn die Symptome nach den 3 oben genannten Eliminationsdiäten nach wie vor bestehen und nach wie vor der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie besteht, kann die tägliche Ernährung auf eine elementaren Diät (mit extensiv hydrolysierte oder Aminosäure-basierte Formeln) eingeschränkt werden.

Therapie

  • Eliminationsdiät

  • Manchmal oral verabreichtes Cromolyn

  • Manchmal Kortikosteroide bei eosinophiler Enteropathie

Die Behandlung von Lebensmittelalergien besteht im Weglassen des Nahrungsmittels, das die allergische Reaktion auslöst. Diagnose und Behandlung überlappen sich somit. Überempfindlichkeiten gegen Nahrungsmittel können sich auch spontan zurückbilden.

Die orale Desensibilisierung (zunächst unter Weglassen des allergenen Nahrungsmittels für eine bestimmte Zeit und dann Verabreichung geringer, täglich steigender Mengen) und die Verwendung einer Immunbehandlung unter Einsatz einer tropfenweisen sublingualen Applikation von Nahrungsmittelextrakten werden derzeit untersucht.

Cromoglicinsäure in oraler Zubereitung wurde offenbar mit Erfolg bei der Verminderung der allergischen Reaktion angewendet. Außer bei akuten generalisierten Reaktionen wie Urtikaria und Angioödem ist die Anwendung von Antihistaminen von geringem Wert. Eine Kortikosteroid-Langzeittherapie ist bei symptomatischer eosinophiler Enteropathie indiziert.

Patienten mit schweren Nahrungsmittelallergien sollten darauf hingewiesen werden, Antihistaminika bei sich zu tragen, die sie unmittelbar einnehmen sollen, wenn eine Reaktion beginnt und eine vorgefüllte Spritze mit Adrenalin zur Eigeninjektion, wenn schwere Reaktionen auftreten.

Vorbeugung

Seit vielen Jahren wird die Vermeidung der Ernährung von Säuglingen mit allergenen Lebensmitteln (z. B. Erdnüssen) als Mittel zur Vorbeugung von Nahrungsmittelallergien empfohlen. Eine aktuelle Studie (1) zeigte, dass eine frühzeitige Einführung und der regelmäßige Verzehr von Lebensmitteln, die Erdnüsse enthalten, eine Erdnussallergie bei Säuglingen mit einem hohen Risiko, diese Allergie zu entwickeln, verhindern können (z. B. Säuglinge mit Eierallergie oder Ekzemen).

Hinweis zur Prävention

  • 1. Du Toit G, Roberts G, Sayre PH, et al: Randomized trial of peanut consumption in infants at risk for peanut allergy. N Engl J Med 372 (9):803-813, 2015. doi: 10.1056/NEJMoa1414850.

Wichtige Punkte

  • Nahrungsmittelallergie ist häufig IgE-vermittelt (was typischerweise akute systemische allergische Reaktionen zur Folge hat) oder T-Zell-vermittelt (was in der Regel chronische gastrointestinale Symptome bedeutet).

  • Nahrungsmittelallergien sollten von Reaktionen, die nicht durch das Immunsystem bedingt sind (z. B. Laktoseintoleranz, Reizdarmsyndrom, infektiöse Gastroenteritis) und von Reaktionen auf Nahrungsmittelzusatzstoffe (z. B. Natriumglutamat, Metabisulfit, Tartrazin) oder kontaminierte Lebensmitteln unterschieden werden.

  • Wenn die Diagnose bei Erwachsenen klinisch nicht eindeutig ist oder Kinder untersucht werden, können Hauttests, ein Allergen-spezifischer Serum-lgE-Test oder eine Eliminationsdiät angewendet werden.

  • Stellen Sie sicher, dass die Patienten die Bedeutung einer Eliminationsdiät verstehen: sie können nur Lebensmittel essen, die auf der Liste stehen und nur reine Lebensmittel (das schließt viele kommerziell zubereitete Lebensmittel aus).

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