Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Atrioventrikulärer Block

(AV-Block)

Von

L. Brent Mitchell

, MD, Libin Cardiovascular Institute of Alberta, University of Calgary

Inhalt zuletzt geändert Sep 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

Der atrioventrikuläre (AV-)Block ist eine partielle oder komplette Unterbrechung der Impulsübertragung der Vorhöfe auf die Kammern. Die häufigste Ursache ist eine idiopathische Fibrose und Sklerose des Erregungsleitungssystems. Die Diagnose ergibt sich aus dem EKG. Symptomatik und Therapie richten sich nach dem Grad der Blockade. Ist eine Behandlung erforderlich, gehört ein Schrittmacher (Stimulation) in der Regel dazu.

Die häufigsten Ursachen für AB-Block sind:

  • Idiopathische Fibrose und Sklerose des Leitungssystems (ca. 50% der Patienten)

  • Ischämische Herzkrankheit (40%)

Die restlichen Fälle von AV-Block werden verursacht durch

  • Medikamente (beispielsweise Beta-Blockern, Kalziumkanalblocker, Digoxin, Amiodaron)

  • Erhöhter Vagotonus

  • Valvulopathie

  • Kongenitale Herz-, genetische oder andere Störungen

Der AV-Block kann partiell oder komplett sein. Blöcke des ersten und zweiten Grades sind teilweise. Blöcke dritten Grades sind vollständig.

AV-Block I. Grades

Allen regelrechten P-Wellen folgen QRS-Komplexe. Das PR-Intervall ist jedoch länger als normal (> 0,20 s, Atrioventrikulärer Block).

Atrioventrikulärer Block

Beim AV-Block I. Grades ist die Überleitung verlangsamt, ohne dass das Herz für einige Schläge aussetzt. Allen regelrechten P-Wellen folgen QRS-Komplexe. Das PR-Intervall ist jedoch länger als normal (> 0,20 s). Beim AV-Block III. Grades besteht keine Beziehung zwischen P-Wellen und QRS-Komplexen; die Frequenz der P-Wellen ist größer als die der QRS-Komplexe.

Atrioventrikulärer Block

Der AV-Block I. Grades kann bei jüngeren Patienten mit einem hohen Vagustonus und bei trainierten Sportlern physiologisch sein. Der AV-Block I. Grades ist selten symptomatisch und erfordert keine Behandlung. Eine weitere Abklärung ist möglicherweise dann indiziert, wenn er mit einer anderen Herzkrankheit einhergeht oder es scheint, dass er durch Medikamente verursacht wird.

AV-Block II. Grades

Einigen regelrechten P-Wellen folgen QRS-Komplexe, anderen wieder nicht. Es existieren zwei Typen.

Beim AV-Block Mobitz-Typ I) II. Grades wird das PR-Intervall mit jedem Schlag immer länger, bis der Vorhofimpuls gar nicht mehr weitergeleitet wird und der QRS-Komplex ausfällt (Wenckebach-Phänomen). Die AV-Überleitung findet beim nächsten Schlag wieder statt und die Sequenz wird wiederholt ( AV-Block II. Grades Typ 1).

AV-Block II. Grades Typ 1

Das PR-Intervall wird mit jedem Schlag immer länger, bis der Vorhofimpuls gar nicht mehr weitergeleitet wird und der QRS-Komplex ausfällt (Wenckebach-Phänomen). Die AV-Überleitung findet beim nächsten Schlag wieder statt und die Sequenz wird wiederholt.

AV-Block II. Grades Typ 1

Der AV-Block II. Grades Typ 1 kann bei jüngeren und trainierteren Menschen physiologisch sein. Die Blockade liegt bei ca. 75% der Patienten mit schmalen QRS-Komplexen im AV-Knoten. Bei den verbleibenden ca. 25% liegt die Blockade unterhalb des AV-Knotens (His-Bündel, Schenkel oder Faszikel). Bei einer kompletten Blockade entwickelt sich typischerweise ein verlässlicher junktionaler Ersatzrhythmus. Eine Therapie ist daher nicht notwendig, solange die Blockade keine symptomatische Bradykardie verursacht und vorübergehende oder reversible Ursachen ausgeschlossen sind. Die Therapie besteht aus einer Schrittmacherimplantation. Auch für asymptomatische Patienten mit einem AV-Block II. Grades Typ 1 unterhalb des AV-Knotens, der im Rahmen einer aus anderen Gründen durchgeführten elektrophysiologischen Untersuchung entdeckt wurde, kann eine Schrittmachertherapie möglicherweise hilfreich sein.

Beim AV-Block II. Grades Typ 2 (Typ Mobitz) bleibt das PR-Intervall konstant. Die Impulse werden intermittierend nicht weitergeleitet und die QRS-Komplexe fallen dabei aus. Dieser Zyklus wiederholt sich in der Regel nach jeder dritten (3:1-Block) oder vierten (4: 1-Block) P-Welle ( AV-Block II. Grades Typ 2).

AV-Block II. Grades Typ 2

Die PR-Intervall bleibt konstant. Die Impulse werden intermittierend nicht weitergeleitet und die QRS-Komplexe fallen dabei aus. Dieser Zyklus wiederholt sich in der Regel nach jeder dritten (3:1-Block) oder vierten (4:1-Block) P-Welle.

AV-Block II. Grades Typ 2

Der AV-Block II. Grades Typ 2 ist immer pathologisch. Die Blockade liegt bei 20% der Patienten im His-Bündel, bei den restlichen Patienten in den beiden Schenkeln. Die Blockade kann je nach dem Verhältnis der übergeleiteten zu den blockierten Impulsen asymptomatisch oder mit Benommenheit, Präsynkopen oder Synkopen verbunden sein. Beim AV-Block II. Grades Typ 2 besteht das Risiko der Entwicklung eines symptomatischen höhergradigen oder eines totalen AV-Blocks, bei dem der Ersatzrhythmus wahrscheinlich dem Ventrikel entstammt und daher zu langsam und unzuverlässig ist, um eine ausreichende systemische Versorgung aufrechtzuerhalten. Daher ist die Diagnose eines AV-Blocks II. Grades Typ 2 eine Schrittmacherindikation.

Bei einem hochgradigen AV-Block II. Grades wird jede zweite P-Welle (oder mehrere P-Wellen) blockiert ( AV-Block II. Grades (hochgradig).).

AV-Block II. Grades (hochgradig).

AV-Block II. Grades (hochgradig).

Die Unterscheidung zwischen AV-Block II. Grades Typ 1 und Typ 2 ist schwierig, da zwei P-Wellen niemals hintereinander weitergeleitet werden. Es ist schwierig das Risiko eines totalen AV-Blocks vorherzusagen. Deshalb besteht hierbei die Indikation zur Schrittmacherimplantation.

Bei Patienten mit jeder Form eines AV-Blocks II. Grades und einer strukturellen Herzkrankheit sollte eine Therapie mit einem permanenten Schrittmacher in Erwägung gezogen werden, wenn die AV-Blockierung nicht durch eine vorübergehende oder reversible Ursache bedingt ist.

AV-Block III. Grades

Hierbei handelt es sich um einen totalen Herzblock ( AV-Block III. Grades).

AV-Block III. Grades

AV-Block III. Grades

Es besteht keine elektrische Verbindung zwischen den Vorhöfen und Kammern und keine Beziehung zwischen P-Wellen und QRS-Komplexen (AV-Dissoziation). Die kardiale Funktion wird durch einen junktionalen oder ventrikulären Ersatzschrittmacher aufrechterhalten. Ersatzrhythmen, die ihren Ursprung oberhalb der Bifurkation des His-Bündels haben, erzeugen schmale QRS-Komplexe und eine relativ hohe und verlässliche Herzfrequenz von > 40 Schlägen/min. Die Patienten zeigen leichte Beschwerden (z. B. Müdigkeit, lageabhängige Benommenheit, Belastungsintoleranz). Ersatzrhythmen, die unterhalb der Bifurkation ihren Ursprung haben, erzeugen breitere QRS-Komplexe, langsamere und unzuverlässige Herzfrequenzen und verursachen schwerere Symptome (z. B. Präsynkopen, Synkopen und Herzinsuffizienz). Im EKG zeigen sich die Zeichen einer AV-Dissoziation wie Kanonen-A-Wellen, Blutdruckschwankungen und Veränderungen in der Lautstärke des ersten Herztons (S1). Bei einem niedrigeren Ersatzrhythmus besteht aufgrund einer längeren Asystolie ein höheres Risiko für Synkopen und für einen plötzlichen Herztod.

Die meisten Patienten benötigen einen Schrittmacher (siehe Tabelle: Beispiele für Schrittmachercodes). Besteht die Blockade aufgrund einer Therapie mit Antiarrhythmika, kann das Absetzen der Medikamente hilfreich sein, doch eine vorübergehende Stimulation kann dabei notwendig werden. Eine AV-Blockade, die durch einen akuten inferioren Myokardinfarkt verursacht wurde, zeugt in der Regel von einer AV-Knoten-Dysfunktion und spricht möglicherweise auf Atropin an oder verschwindet spontan innerhalb einiger Tage. Eine AV-Blockade, die durch einen anterioren Myokardinfarkt verursacht wurde, zeugt von einer ausgedehnten Myokardnekrose mit Beteiligung des His-Purkinje-Systems und erfordert den sofortigen Einsatz eines transvenösen Schrittmachers mit vorläufigem externen Pacing. Eine spontane Lösung der Blockade kann möglich sein, erfordert jedoch eine Bewertung der AV-Knoten- und infranodalen Überleitung (z. B. durch eine elektrophysiologische Untersuchung, Belastungstests und 24-h-EKG).

Die meisten Patienten mit einem kongenitalen AV-Block III. Grades haben einen junktionalen Ersatzrhythmus, der für eine adäquate Herzfrequenz sorgt. Diese Patienten benötigen jedoch einen permanenten Schrittmacher, bevor sie das mittlere Lebensalter erreichen. Weniger häufig sind Patienten mit einem kongenitalen AV-Block und einem langsamen Ersatzrhythmus, die schon in jungen Jahren, eventuell schon in der frühen Kindheit, einen permanenten Schrittmacher benötigen.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Kardialer Zyklus
Video
Kardialer Zyklus
Während eines kardialen Zykluses durchgehen alle vier Herzkammern eine Kontraktionsphase,...
3D-Modelle
Alle anzeigen
Aortendissektion
3D-Modell
Aortendissektion

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN