Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Übersicht zur Risikoschwangerschaft

Von

Raul Artal-Mittelmark

, MD,

  • Saint Louis University School of Medicine

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
Quellen zum Thema

In einer Risiko-(gefährdeten)Schwangerschaft besteht für die Mutter, den Fetus oder das Neugeborene vor oder nach der Geburt ein erhöhtes Morbiditäts- oder Mortalitätsrisiko.

2015 lag die mütterliche Gesamt-Sterblichkeitsrate in den USA nach Einschätzung der WHO bei 14/100.000 Geburten; bei nicht-weißen Frauen ist die Inzidenz 3- bis 4-fach erhöht. Die Müttersterblichkeit ist höher in den USA als in anderen westlichen Ländern (z. B. Deutschland, Niederlande, Polen, Spanien, Schweden, Schweiz, Vereinigtes Königreich).

Müttersterblichkeit in ausgewählten Ländern

Müttersterblichkeitsrate bezieht sich auf die Anzahl der Frauen, die aufgrund von schwangerschaftsbedingten Ursachen während der Schwangerschaft oder innerhalb von 42 Tagen nach dem Ende der Schwangerschaft pro 100.000 Lebendgeburten sterben. Im Jahr 2015 lagen die Quoten zwischen 3 (Finnland) und 1360 (Sierra Leone) pro 100.000 Lebendgeburten (Länder ohne Abbildung). Die Müttersterblichkeit ist höher in den USA als in anderen westlichen Ländern.

Die Daten aus der WHO, UNICEF, UNFPA, der Weltbank und der United Nations Population Division. Trends bei Müttersterblichkeit: 1990 bis 2015. Genf, Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2015

Müttersterblichkeit in ausgewählten Ländern

Die häufigsten Ursachen für den Tod der Mutter sind weltweit:

  • Blutung

  • Präeklampsie

  • Sepsis

  • Abtreibung (einschließlich eingeleiteter Abtreibung, Fehlgeburt und Eileiterschwangerschaft)

  • Lungenembolie

  • Geburtshilfliche Komplikationen

  • Andere Störungen (z. B. vorbestehende Erkrankungen wie HIV-Infektion1])

Fast die Hälfte der mütterlichen Todesfälle sind vermeidbar.

Die perinatale Sterblichkeit in der Nachkommenschaft in den USA liegt bei etwa 6 bis 7/1000 Entbindungen; Todesfälle sind in etwa gleich zwischen denen während der späten Fetalperiode (Gestationsalter > 28 SSW) und jenen während der frühen Neugeborenenperiode (< 7 Tage nach der Geburt) aufgeteilt.

Die häufigsten Ursachen für perinatalen Tod sind:

  • Geburtshilfliche Komplikationen

  • Erkrankungen der Mutter (z. B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Adipositas, Autoimmunerkrankungen)

  • Infektion

  • Plazentaanomalien

  • Kongenitale Fehlbildungen

  • Frühgeburt

Andere mütterliche Merkmale, die das Risiko einer perinatalen Mortalität erhöhen, sind das Alter der Mutter (viel jünger oder älter als der Durchschnitt), der Status als unverheiratet, das Rauchen und mehrere Schwangerschaften.

Hinweis

  • 1. Say L, Chou D, Gemmill A, et al: Global causes of maternal death: A WHO systematic analysis. Lancet Glob Health 2 (6): e323-33, 2014. doi: 10.1016/S2214-109X(14)70227-X.

Risikoeinschätzung während der Schwangerschaft

Eine Risikoeinschätzung ist Teil der routinemäßigen Schwangerenvorsorge. Das Risiko muss auch während oder kurz nach der Geburt und zu jeder Zeit, wenn besondere Ereignisse den Risikostatus verändern könnten, neu abgeschätzt werden. Die Risikofaktoren werden systematisch eingeschätzt, da jeder gegebene Faktor das Gesamtrisiko erhöht.

Mehrere Schwangerschaftsüberwachungen und Risikobewertungssysteme stehen zur Verfügung. Das am weitesten verbreitete System ist das Pregnancy Assessment Monitoring System (PRAMS), ein Projekt der CDC und der staatlichen Gesundheitsbehörden. PRAMS liefert Informationen zur Verwendung an das staatliche Gesundheitsministerium, um die Gesundheit von Müttern und Kindern zu verbessern. PRAMS ermöglicht auch den CDC und Staaten, Änderungen der Gesundheitsindikatoren (z. B. ungewollte Schwangerschaft, Schwangerschaftsvorsorge, Stillen, Rauchen, Trinken, Gesundheit von Kleinkindern) zu überwachen.

Risikoschwangerschaften erfordern eine engmaschige Überwachung und in manchen Fällen die Überweisung in ein Perinatalzentrum. Wenn eine Überweisung notwendig ist, führt die Einweisung eher vor als nach der Geburt zu erniedrigten Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten.

Die häufigsten Gründe für eine Einweisung vor der Geburt sind

Tabelle
icon

Einschätzung von Schwangerschaftsrisiken

Kategorie

Risikofaktoren

Score*

Vorbestehend sein

Kardiovaskuläre und Nierenerkrankungen

Mäßig ausgeprägte bis schwere Präeklampsie

10

Chronische Hypertonie

10

Mäßig ausgeprägte bis schwere Nierenerkrankungen

10

Schwere Herzinsuffizienz (Klasse II-IV, NYHA-Klassifikation)

10

Eklampsie in der Anamnese

5

Pyelitis (Infektion des Nierenbeckens) in der Anamnese

5

Leichte Herzinsuffizienz (Klasse I, NYHA-Klassifikation)

5

Leichte Präeklampsie

5

Akute Pyelonephritis

5

Zystitis in der Anamnese

1

Akute Zystitis

1

Präeklampsie in der Anamnese

1

Stoffwechselstörungen

Adipositas Klasse III

10

Insulinabhängiger Diabetes

10

Zurück endokrinen Ablation

10

Schilddrüsenfunktionsstörungen

5

Adipositas Klasse II

5

Gestationsdiabetes

5

Diabetes in der Familienanamnese

1

Geburtshilfliche Anamnese

Fetale Austausch-Transfusion bei Rh-Inkompatibilität

10

Totgeburt

10

Später Abort (16.–20. SSW)

10

Übertragene Schwangerschaft (> 42. SSW)

10

Frühgeborene (< 37. SSW und < 2500 g)

10

Intrauterine Wachstumsretardierung (Gewicht < 10. Perzentile des geschätzten Gestationsalters)

10

Regelwidrige Kindslage

10

Polyhydramnion (Hydramnion)

10

Mehrlingsschwangerschaft

10

Vorausgegangene Verletzung des Plexus brachialis

10

Tod des Neugeborenen

5

Sectio caesarea

5

Habitueller ( 3) Abort

5

Neugeborenes > 4,5 kg

5

Schulterdystokie

5

Multiparität > 5

5

Anfallsleiden oder Zerebralparese

5

Fetale Fehlbildungen

1

Andere Krankheiten:

Pathologische Befunde der Zervixzytologie

10

Sichelzellanämie

10

Thrombophilie

10

Autoimmunkrankheiten

10

Positive serologische Befunde für sexuell übertragbare Krankheiten

5

Schwere Anämie (Hb < 9 g/dl)

5

TBC in der Anamnese oder Induration 10 mm nach Tuberkulin-Test

5

Pulmonale Störungen

5

Leichte Anämie (Hb 9,0–10,9 g/dl)

1

Anatomische Anomalien

Uterus-Fehlbildung

10

Zervixinsuffizienz

10

Schmales Becken

5

Mütterliche Merkmale

Alter 35 oder 15 Jahre

5

Gewicht < 45,5 oder > 91 kg (Adipositasklasse III)

5

Psychiatrische Störung oder verminderte Intelligenz

1

Vorgeburtlich

Exposition gegenüber Teratogenen

Infektionen mit Gruppe-B-Streptokokken

10

Rauchen > 10 Zigaretten/Tag (verbunden mit vorzeitigem Blasensprung)

10

Bestimmte virale Infektionen (z. B. Röteln, Cytomegalievirus-Infektionen)

5

Grippe-Syndrom (schweres)

5

Alkoholkonsum (mäßiger bis starker)

1

Schwangerschaftskomplikationen

Vorzeitige Wehen bei < 37. SSW

10

Vorzeitiger Blasensprung vor dem Termin

10

Alleinige Rh-Sensibilisierung (Austauschtransfusion nicht erforderlich)

5

Leichte vaginale Blutungen

5

Unter der Geburt

Mütterlich

Mäßig ausgeprägte bis schwere Präeklampsie

10

Polyhydramnion (Hydramnion) oder Oligohydramnion

10

Uterusruptur

10

Übertragung (> 42. SSW)

10

Leichte Präeklampsie

5

Vorzeitiger Blasensprung > 12 h

5

Vorzeitige Wehen bei ≥ 37. SSW

5

Primäre Störungen der Wehentätigkeit

5

Sekundärer Geburtsstillstand

5

Wehentätigkeit > 20 h

5

2. Stadium der Geburt > 2,5 h

5

Medikamentöse Geburtseinleitung

5

Rascher Geburtsverlauf (< 3 h)

5

Primäre Sectio caesarea

5

Wiederholte Sectio caesarea

5

Elektive Geburtseinleitung

1

Verlängerte Latenzphase

1

Erhöhung der Oxytocin-Dosis

1

Plazentar

Placenta praevia

10

Vorzeitige Plazentalösung

10

Chorioamnionitis

10

Fetal

Regelwidrige Einstellung (Beckenendlage, Stirn- oder Gesichtslage) oder Querlage

10

Mehrlingsschwangerschaft

10

Fetale Bradykardie > 30 Minuten

10

Nabelschnurvorfall

10

Fetales Gewicht < 2,5 kg

10

Fetales Gewicht > 4 kg

10

Fetale Azidose, pH 7

10

Fetale Tachykardie > 30 Minuten

10

Operative Entbindung durch Zange oder Saugglocke

5

Beckenendlagen-Entbindung, spontan oder assistiert

5

* Eine Punktzahl von 10 oder mehr bedeutet ein hohes Risiko.

Klassen auf Basis des BMI nach National Institutes of Health Adipositas:

  • Klasse I: 30–34,9

  • Klasse II: 35–39,9

  • Klasse III: > 40

NYHA = New York Heart Association.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN