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Ovarialkarzinom

Von

Pedro T. Ramirez

, MD, The University of Texas MD Anderson Cancer Center;


David M. Gershenson

, MD, The University of Texas MD Anderson Cancer Center;


Gloria Salvo

, MD, MD Anderson Cancer Center

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
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Quellen zum Thema

Das Ovarialkarzinom hat eine hohe Sterblichkeit, da es zum Zeitpunkt der Diagnosestellung meist bereits fortgeschritten ist. Im Frühstadium fehlen Beschwerden oft völlig und sind in fortgeschrittenen Stadien unspezifisch. Die Diagnostik umfasst üblicherweise Ultraschall, CT oder MRT und die Bestimmung der Tumormarker (z. B. CA 125). Die Diagnose wird histologisch gestellt, die Stadieneinteilung (Staging) erfolgt operativ. Die Behandlung erfordert eine Hysterektomie, eine bilaterale Salpingo-Oophorektomie, die Entfernung von so viel Gewebe wie möglich (Zytoreduktion) und, sofern der Krebs nicht lokalisiert ist, eine Chemotherapie.

In den USA ist Eierstockkrebs der zweithäufigste gynäkologische Krebs (betrifft etwa 1/70 Frauen). Es ist die fünfthäufigste Ursache krebsbedingter Todesfälle bei Frauen und wird in den USA im Jahr 2017 schätzungsweise 22.440 neue Fälle und 14.080 Todesfälle verursachen. In Industrieländern ist die Inzidenz höher.

Ätiologie

Das Ovarialkarzinom betrifft vor allem perimenopausale und postmenopausale Frauen.

Erhöhtes Risiko für Ovarialkrebs besteht für

  • Eine Geschichte von Eierstockkrebs bei einem Verwandten ersten Grades

  • Nullipara

  • Späte Erstgebärende

  • Früher Menarche

  • Später Menopause

  • Persönlicher oder familiäre Vorerkrankung an Endometrium-, Mamma- oder Kolonkarzinom

Ein verringertes Risiko besteht bei

  • Einnahme oraler Kontrazeptiva

Wahrscheinlich stehen 5–10% aller Ovarialkarzinomfälle im Zusammenhang mit Mutationen im autosomal-dominant vererbten BRCA-Gen, die mit einem Lebenszeitrisiko für Ovarialkarzinom von 50–85% assoziiert sind. Trägerinnen einer Mutation des BRCA1-Gens haben ein Risiko von 20–40%, dass sie zu Lebzeiten ein Ovarialkarzinom entwickeln. Das Risiko von Frauen mit BRCA2-Mutationen ist weniger stark erhöht. Die Inzidenz dieser Mutationen ist bei Ashkenazi-Juden höher als in der Normalbevölkerung. Mutationen in mehreren weiteren Genen, einschließlich TP53, PTEN, STK11/LKB1, CDH1, CHEK2, ATM, MLH1 und MSH2, wurden ebenfalls mit hereditärem Mamma- und/oder Ovarialkarzinom in Verbindung gebracht.

Eine XY-gonadale Dysgenesie prädisponiert für Keimzelltumoren der Ovarien.

Pathologie

Ovarialkarzinome variieren histologisch (siehe Tabelle: Ovarialkarzinomtypen).

Mindestens 80% der Ovarialkarzinome sind epithelialen Ursprungs, davon 75% seröse Zystadenokarzinome und etwa 10% invasive muzinöse Karzinome. Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung haben nahezu 27% der Patientinnen mit epithelialem Ovarialkarzinom im Stadium I eine muzinöse Histologie, im Stadium III oder IV ist dies nur bei < 10% der Fall.

Etwa 20% der nicht-epithelialen Ovarialkarzinome entstammen primären Keimzellen der Ovarien oder dem gonadalen (Keimstrang-)Stroma oder sind metastastische Absiedlungen in die Ovarien (am häufigsten von Tumoren der Brust oder des Gastrointestinaltrakts). Maligne Keimzelltumoren treten meistens bei Frauen vor dem 30. Lebensjahr auf.

Tabelle
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Ovarialkarzinomtypen

Ursprung

Typen

Epithel

Brenner-Tumor

Klarzellkarzinomen

Endometrioide Karzinome

Muzinöse Karzinome

Seröse Zystadenokarzinome (am häufigsten)

Übergangszell-Karzinome

Unklassifizierte Karzinome

Primäre Keimzellen

Choriokarzinome

Dysgerminome

Embryonale Karzinome

Endodermale Sinustumoren

Unreife Teratome

Polyembryome

Gonadales (Keimstrang-)Stroma

Granulosazelltumoren

Sertoli-Leydig-Zell-Tumoren

Metastasen

Mammakarzinom

Karzinom des Gastrointestinaltrakts

Eierstockkrebs verbreitet sich durch

  • Direkte Erweiterung

  • Exfoliation von Zellen in die Peritonealhöhle (Peritonealaussaat)

  • Lymphatische Ausbreitung auf das Becken und um die Aorta

  • Seltener hämatogen zur Leber oder Lunge

Symptome und Beschwerden

Frühe Ovarialkarzinome sind üblicherweise asymptomatisch. Als Zufallsfund findet sich oft eine solitäre, irreguläre und fixierte Raumforderung der Adnexe. Rektovaginale Palpation und Untersuchung des Beckens zeigen typischerweise eine diffus höckerige Oberfläche. Einige wenige Frauen haben initial stärkste Abdominalschmerzen, die durch eine Torsion des Tumors verursacht werden.

Die meisten Patientinnen mit fortgeschrittener Tumorerkrankung zeigen bei Erstdiagnose nur unspezifische Symptome (z. B. Dyspepsie, geblähtes Abdomen, frühe Sättigung, schmerzhafter Meteorismus, Rückenschmerzen). Später treten oft Unterbauchschmerzen, Anämie, Kachexie und ein durch die Tumormasse oder Aszites aufgetriebenes Abdomen auf.

Keimzell- oder Stromatumoren können auch funktionelle Effekte aufweisen (z. B. Hyperthyreoidismus, Pseudopubertas praecox oder Virilisierung).

Diagnose

  • Ultraschalluntersuchung (bei Verdacht auf Karzinom im Frühstadium) oder CT oder MRT (bei Verdacht auf Karzinom im fortgeschrittenen Stadium)

  • Tumormarker (z. B. CA 125)

  • Intraoperative Stadieneinteilung

Der Verdacht auf ein Ovarialkarzinom besteht bei Frauen mit folgenden Merkmalen:

  • Unklare Raumforderungen der Adnexe

  • Unklare Blähungen

  • Veränderungen der Stuhlgewohnheiten

  • Unbeabsichtigter Gewichtsverlust

  • Unklare abdominale Schmerzen

Eine Raumforderung in den Ovarien ist bei älteren Frauen wahrscheinlich maligne. Gutartige funktionelle Zysten können bei jungen Frauen wie funktionelle Keimzell- oder Keimstrang-Tumoren erscheinen.

Eine Raumforderung im Unterbauch mit Aszites deutet in der Regel auf ein Ovarialkarzinom hin, kann aber auch manchmal im Rahmen eines Meigs-Syndroms auftreten (benignes Fibrom mit Aszites und rechtsseitigem Hydrothorax).

Bildgebende Verfahren

Bei Verdacht auf ein Karzinom im Frühstadium ist die erste diagnostische Maßnahme eine Ultraschalluntersuchung; folgende Befunde weisen auf eine maligne Erkrankung hin:

  • Eine solide Komponente

  • Oberflächenausstülpungen

  • Größe > 6 cm

  • Irreguläre Form

  • Niedriger Gefäßwiderstand in der transvaginalen Dopplersonographie

Bei Verdacht auf ein Karzinom im fortgeschrittenen Stadium (z. B. aufgrund eines Aszites, aufgeblähten Abdomens oder einer Nodularität oder Fixierung, die während der körperlichen Untersuchung festgestellt wurde) wird präoperativ meist ein CT oder MRT durchgeführt, um Ausmaß der Tumorerkrankung zu ermitteln.

Tumormarker

Tumormarker, einschließlich der Beta-Kette des humanen Choriongonadotropins (Beta-hCG), LDH, Alpha-Fetoprotein, Inhibin und CA 125, werden meist bei jungen Patientinnen mit einem erhöhten Risiko für nichtepitheliale Tumoren (z. B. Keimzelltumoren, Stromatumoren) bestimmt. Bei perimenopausalen und postmenopausalen Patientinnen wird nur CA 125 gemessen, weil in dieser Altersgruppe die meisten Ovarialkarzinome epitheliale Tumoren sind. CA 125 ist bei 80% der fortgeschrittenen, epithelialen Ovarialkarzinome erhöht, kann aber auch bei anderen Erkrankungen wie Endometriose, entzündlichen Beckenerkrankungen, Schwangerschaft, Myomen, peritonealer Entzündung oder nichtovarialem Tumorbefall des Peritoneums leicht erhöht sein.

Bei einer gemischt zystisch-soliden Unterbauchraumforderung bei postmenopausalen Frauen besteht der Verdacht auf ein Ovarialkarzinom, insbesondere wenn auch der CA-125-Wert erhöht ist.

Biopsie

Eine Biopsie wird nicht routinemäßig empfohlen, es sei denn, die Patientin kommt nicht für eine Operation in Frage. In diesen seltenen Fällen sollte eine histologische Diagnostik der Raumforderung per Nadelbiopsie oder Asziteszytologie durchgeführt werden.

Bei Raumforderungen, die im Ultraschall gutartig erscheinen, ist keine histologische Analyse erforderlich; nach 6 Wochen wird die Ultraschalluntersuchung wiederholt. Gutartig erscheinende Raumforderungen sind z. B. reife zystische Teratome (Dermoidzysten), follikuläre Zysten oder Endometriome.

Stadieneinteilung (Staging)

Ein vermutetes oder bestätigtes Ovarialkarzinom wird intraoperativ in Stadien eingeteilt (siehe Tabelle: FIGO chirurgische Inszenierung von Eierstock, Eileiter und Peritonealkarzinom).

Tabelle
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FIGO chirurgische Inszenierung von Eierstock, Eileiter und Peritonealkarzinom

Stadium

Beschreibung

I

Tumor begrenzt auf die Eierstöcke oder Eileiter

IA

Tumor beschränkt auf einen Eierstock (Kapsel intakt) oder Eileiter. Kein Tumor auf der äußeren Oberfläche von Eierstock oder Eileiter und keine bösartigen Zellen in Aszitesflüssigkeit oder in peritonealen Waschungen*

IB

Tumor beschränkt auf beide Eierstöcke (Kapsel intakt) oder Eileiter. Kein Tumor auf der äußeren Oberfläche von Eierstock oder Eileiter und keine bösartigen Zellen in Aszitesflüssigkeit oder in peritonealen Waschungen*

IC

Tumor beschränkt auf einen oder beide Eierstöcke (Stadium IA oder IB), plus eine der folgenden:

IC1

  • Chirurgische Verschüttung

IC2

  • Die Kapsel brach vor der Operation oder Tumor auf der Oberfläche des Eierstocks oder Eileiters

IC3

  • Bösartige Zellen in Aszites oder in Peritonealspülungen*.

II

Tumor bei einem oder beiden Eierstöcken oder Eileitern mit Beckenausdehnung (unter dem Beckenrand) oder primärem Peritonealkarzinom

IIA

Extension und/oder Implantate an Gebärmutter, Eileitern und/oder Eierstöcken

IIB

Ausdehnung auf andere pelvine intraperitoneale Gewebe

III

Tumor mit einem oder beiden Ovarien oder Eileitern oder primärem Peritonealkarzinom mit zytologisch oder histologisch bestätigten peritonealen Metastasen außerhalb des Beckens und/oder Metastasen in den retroperitonealen Lymphknoten

IIIA

Positive retroperitoneale Lymphknoten mit oder ohne mikroskopische Peritonealmetastasen, die über das Becken hinausreichen

IIIA1

Nur positive retroperitoneale Lymphknoten (zytologisch oder histologisch nachgewiesen)

IIIA1 (I)

Metastasierung ≤ 10 mm in der größten Abmessung

IIIA1 (II)

Metastasierung ≤ 10 mm in der größten Abmessung

IIIA2

Mikroskopisch extrapelvine (jenseits des Beckenrandes) Peritonealbeteiligung, mit oder ohne positive retroperitoneale Lymphknoten

IIIB

Makroskopische Peritonealmetastasen, die sich über das Becken hinaus erstrecken und die 2 cm im Durchmesser in der größten Abmesung sind, mit oder ohne positive retroperitoneale Lymphknoten.

IIIC

Makroskopische Peritonealmetastasen, die sich über das Becken hinaus erstrecken und > 2 cm groß sind, mit oder ohne Metastasierung zu retroperitonealen Lymphknoten (einschließlich Ausdehnung des Tumors auf die Kapsel der Leber und Milz ohne parenchymale Beteiligung beider Organe)

IV

Fernmetastasen, ausgenommen peritoneale Metastasen

IVA

Pleuraerguss mit positiver Zytologie

IVB

Parenchymmetastasen und Metastasen in extra-abdominalen Organen (einschließlich inguinale Lymphknoten und Lymphknoten außerhalb der Bauchhöhle)

* Hilfreich bei der prognostischen Beurteilung für die Stadien IC sind Informationen darüber, ob eine Kapselruptur intraoperativ spontan oder iatrogen auftrat und ob maligne Zellen in Aszites oder Peritonealspülung nachgewiesen wurden.

Gemäß den Stadieneinteilungen der International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) in Prat J, FIGO Komitee für gynäkologische Onkologie. Staging-Klassifikation für Eierstockkrebs, Eileiter und Peritoneum. Int J Gynecol Obstet 124 (1):1-5, 2014. Copyright Elsevier (2013). (Siehe auch Prat J, FIGO Committee on Gynecologic Oncology: FIGO's staging classification for cancer of the ovary, fallopian tube, and peritoneum: Abridged republication. Journal of Gynecologic Oncology 26(2): 87–89, 2015.)

Bei Verdacht auf ein Karzinom im Frühstadium erfolgt die Stadieneinteilung mittels Laparoskopie oder robotergeführter laparoskopischer Chirurgie. Andernfalls ist eine abdominale Mittellinieninzision erforderlich, die einen adäquaten Zugang zum oberen Abdomen erlaubt. Alle peritonealen Oberflächen, die Zwerchfellhälften und die Organe des Abdomens und des Beckens werden inspiziert und palpiert. Es wird Spülungsflüssigkeit vom Becken (Douglas’scher Raum), den intraabdominalen Rinnen und paradiaphragmal gewonnen, und multiple Peritonealbiopsien werden im mittleren und lateralen Becken und Abdomen entnommen. In frühen Tumorstadien wird das infrakolische Omentum reseziert und eine pelvine und paraaortale Lymphadenektomie durchgeführt.

Die Tumoren werden darüber hinaus histologisch in Grade von 1 (am wenigsten aggressiv) bis 3 (am aggressivsten) eingeteilt. Die jüngste Klassifikation unterscheidet niedrigmaligne (Grad 1) oder hochmaligne (Grad 2 oder 3) epitheliale Ovarialkarzinome.

Screening-Verfahren

Es gibt keinen Screening-Test für Eierstockkrebs. Frauen mit einem bekannten erblichen Risiko, wie diejenigen mit BRCA Mutationen, sollten genau beobachtet werden.

Obwohl in großen Studien für CA 125 eine hohe Spezifität (bis zu 99,9% in einer Studie) nachgewiesen wurde, ist die Sensitivität nur mäßig (71% in einer Studie) und der positive prädiktive Wert gering; daher wird CA 125 für das Screening von asymptomatischen Frauen mit durchschnittlichem Risiko nicht empfohlen. Reihenuntersuchungen asymptomatischer Frauen sowohl mittels Ultraschall als auch mithilfe der Bestimmung von CA 125 im Serum können zwar einige Fälle von Ovarialkarzinomen erkennen, aber nicht einmal bei Untergruppen mit hohem Risiko (einschließlich Frauen mit BRCA-Mutationen) konnte dadurch das Gesamtüberleben verbessert werden.

Allerdings sollte auf Veränderungen im BRCA-Gen getestet werden, wenn die Familienanamnese eines der folgenden Merkmale aufweist:

  • Diagnose eines Ovarialkarzinoms bei einer Verwandten 1. Grades vor dem 40. Lebensjahr

  • Diagnose eines Mamma- oder Ovarialkarzinoms bei nur einer Verwandten 1. Grades, wenn das Karzinom vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert wurde

  • Zwei Fälle von Ovarialkarzinom bei Verwandten 1. und 2. Grades derselben Linie

  • Zwei Fälle von Mammakarzinom und ein Fall von Ovarialkarzinom bei Verwandten 1. und 2. Grades derselben Linie

  • Ein Fall von Mammakarzinom und ein Fall von Ovarialkarzinom bei Verwandten 1. und 2. Grades derselben Linie, wenn das Mammakarzinom vor dem 40. Lebensjahr oder das Ovarialkarzinom vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert wurde

  • Zwei Fälle von Mammakarzinom bei Verwandten 1. und 2. Grades derselben Linie, wenn beide Fälle vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert wurden

  • Zwei Fälle von Mammakarzinom bei Verwandten 1. und 2. Grades derselben Linie, wenn ein Fall vor dem 40. Lebensjahr diagnostiziert wurde

Auch bei Ashkenazi-Jüdinnen mit einem Familienmitglied mit Mammakarzinom, das vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert wurde, oder mit Ovarialkarzinom sollte ein Test auf Mutation im BRCA-Gen in Betracht gezogen werden.

Prognose

Unter Behandlung liegen die 5-Jahres-Überlebensraten bei

  • Stadium I: 85–95%

  • Stadium II: 70 bis 78%

  • Stadium III: 40–60%

  • Stadium IV: 15–20%

Eine schlechtere Prognose besteht bei entdifferenzierten Tumoren oder wenn operativ nicht alles makroskopisch tumorbefallene Gewebe entfernt werden kann; in solchen Fällen besteht die beste Prognose, wenn das tumorbefallene Gewebe auf < 1 cm Durchmesser oder idealerweise auf eine mikroskopisch kleine Restmenge reduziert werden kann.

In den Stadien III und IV liegt die Rezidivrate bei 70%.

Behandlung

  • Meist Hysterektomie und bilaterale Salpingoovarektomie

  • Zytoreduktive Chirurgie

  • Mesit postoperative Chemotherapie, in der Regel mit Carboplatin und Paclitaxel

Hysterektomie und bilaterale Salpingoovarektomie sind mit Ausnahme von nichtepithelialen oder niedrigmalignen und auf ein Ovar beschränkten Malignomen im Stadium I bei jungen Patientinnen indiziert; in diesem Fall kann die Fertilität durch Belassen des Uterus und nichtbefallenen Ovars erhalten werden. Bei Patientinnen mit ausgedehnter Tumormanifestation ist eine Operation nicht indiziert oder sie kann aufgeschoben werden, wenn eines oder mehrere der folgenden Befunde vorliegen:

  • Multiple Lebermetastasen

  • Lymphadenopathie in der Leberpforte

  • Suprarenale paraaortale Lymphknoten

  • Diffuse mesenteriale Krankheit

  • Vorhandensein einer Pleura- oder Lungenparenchymerkrankung

Diese Patientinnen werden mit einer neoadjuvanten Chemotherapie (z. B. mit Carboplatin plus Paclitaxel) behandelt. Eine Operation kann gelegentlich nach der initialer Chemotherapie durchgeführt werden.

Wird eine Hysterektomie und bilaterale Salpingoovarektomie durchgeführt, wird – wenn möglich – das gesamte befallene Gewebe chirurgisch entfernt (Zytoreduktion). Die Zytoreduktion ist mit einer verlängerten Überlebenszeit verbunden; das Volumen der nach der Zytoreduktion verbleibenden Resterkrankung korreliert umgekehrt mit der Überlebenszeit. Zytoreduction kann sein

  • Komplett: Zytoreduktion auf keine grob sichtbare Krankheit

  • Optimal: Zytoreduktion mit Resterkrankung ≤ 1 cm des maximalen Tumordurchmessers, wie von der Gynäkologischen Onkologiegruppe definiert

  • Suboptimal: Zytoreduktion mit Tumorknoten > 1 cm verbleibend

Zytoreduktive Chirurgie umfasst in der Regel

  • Suprakolische Omentumresektion, manchmal mit Resektion des Rektosigmoids (meist mit Anlage einer primären Anastomose)

  • Radikales Peritonealstripping

  • Resektion von Zwerchfell-Peritoneum oder Splenektomie

Prognostizierbarkeit der Zytoreduktion

Da die Zytoreduktion mit einem erhöhten Überleben assoziiert ist, ist es wichtig, voraussagen zu können, wann eine Zytoreduktion bis zu keiner großen Resterkrankung durchgeführt werden kann, aber dies ist schwierig. Es gibt keine einheitlichen Kriterien.

Eine optimale Zytoreduktion ist weniger wahrscheinlich, wenn die Patienten Folgendes haben:

  • Schlechter Leistungsstand

  • Alter > 60 Jahre

  • American Society of Anesthesiologists physischer Status 3 oder 4

  • Medizinische Komorbiditäten

  • Schlechter Ernährungszustand

  • Extra-abdominale Krankheit

  • Große Tumormasse

  • Beteiligung des Dickdarms

  • Metastasen zu retroperitonealen Lymphknoten oberhalb der Nierengefäße > 1 cm in größter Ausdehnung

  • Parenchymale Leberbeteiligung

  • Ein präoperatives CA 125 > 500 U/ml

Algorithmen, die auf Ergebnissen der präoperativen Bildgebung basieren (z. B. CT, MRT PET/CT), um eine optimale Zytoreduktion zu bewerten, sind nicht zuverlässig reproduzierbar.

Die diagnostische Laparoskopie vor der Laparotomie konnte den Patienten eine unnötige Laparotomie ersparen, was zu einer suboptimalen Zytoreduktion führte. Die Laparoskopie ermöglicht es dem Arzt, eine Gewebebiopsie durchzuführen, eine definitive Diagnose zu stellen und die Biopsieprobe zu analysieren. So können Patienten, die nicht für eine Zytoreduktion in Frage kommen, früher mit der Chemotherapie beginnen. Laparoskopische Befunde, die darauf hinweisen, dass eine optimale Zytoreduktion unwahrscheinlich ist, umfassen

  • "Omental cake"

  • Umfangreiche Peritoneal- oder Zwerchfellkarzinose

  • Mesenteriale Retraktion

  • Darm- und Darminfiltration

  • Oberflächliche Metastasierung von Milz und/oder Leber

Der Fagotti-Score, basierend auf 7 laparoskopischen Befunden, kann helfen, die Wahrscheinlichkeit einer optimalen Zytoreduktion bei Patienten mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom vorherzusagen (siehe Tabelle: Berechnung des Fagotti-Score zur Vorhersage der Wahrscheinlichkeit einer optimalen Zytoreduktion). Dieses Bewertungssystem weist einen Wert von 0 oder 2 zu, abhängig davon, ob an bestimmten Orten Krankheit vorliegt. Bei Patienten mit einem Score ≥ 8 ist eine optimale Zytoreduktion sehr unwahrscheinlich. Wenn sie < 8 erreichen, gelten sie als Kandidaten für die zytoreduktive Chirurgie.

Tabelle
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Berechnung des Fagotti-Score zur Vorhersage der Wahrscheinlichkeit einer optimalen Zytoreduktion

Laparoskopische Funktion

Score

0

2

Peritonealkarzinomatose

Karzinomatose mit begrenzter Fläche (entlang der parakolischen Rinne oder des Beckenperitoneums) und chirurgisch durch Peritonektomie entfernbar

Unerkennbare massive Peritonealbeteiligung mit einem miliären Verteilungsmuster

Zwerchfellbeteiligung

Keine infiltrierende Karzinomatose und keine Knoten konfluent mit dem größten Teil der Zwerchfelloberfläche

Weit verbreitete infiltrierende Karzinose oder Knoten konfluent mit dem größten Teil der Zwerchfell-Oberfläche

Mesenteriale Beteiligung

Keine großen infiltrierenden Knötchen und keine Beteiligung der Wurzel des Mesenteriums (d. h. die Bewegung der Darmsegmente ist nicht begrenzt)

Große infiltrierende Knoten oder Beteiligung der Wurzel des Mesenteriums, angezeigt durch begrenzte Bewegung der Darmsegmente

Omentale Beteiligung

Keine Tumordiffusion entlang des Omentums bis zur größeren Krümmung des Magens beobachtet

Tumordiffusion entlang des Omentums bis zur größeren Krümmung des Magens

DarmInfiltration

Es wurde keine Darmresektion angenommen und keine Miliarkarzinomatose am Darm beobachtet

Darmresektion angenommen oder Miliarkarzinomatose auf der Ansa beobachtet

Mageninfiltration

Keine offensichtliche neoplastische Beteiligung der Magenwand

Offensichtliche neoplastische Beteiligung der Magenwand

Lebermetastasen

Keine Oberflächenläsionen

Jede Oberflächenläsion

Je nachdem, ob an diesen Stellen eine Krankheit vorliegt, wird ein Wert von 0 oder 2 zugewiesen. Bei Patienten mit einem Score ≥ 8 ist eine optimale Zytoreduktion sehr unwahrscheinlich. Wenn sie < 8 erreichen, gelten sie als Kandidaten für die zytoreduktive Chirurgie.

Angepasst von Fagotti A, Ferrandina G, Fanfani F, et al: Prospective validation of a laparoscopic predictive model for optimal cytoreduction in advanced ovarian carcinoma. Am J Obstet Gynecol 199:642, e1-642.e6, 2008. doi: 10.1016/j.ajog.2008.06.052.

Postoperative Behandlung

Die postoperative Behandlung hängt vom Stadium und Grad (siehe Tabelle: Postoperative Behandlung des Ovarialkarzinoms nach Stadium und Typ) ab.

Tabelle
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Postoperative Behandlung des Ovarialkarzinoms nach Stadium und Typ

Stadium und Typ

Therapie

Epitheliales Adenokarzinom im Stadium IA oder B/Grad 1

Keine postoperative Therapie

Karzinome im Stadium IA oder B/Grad 2 oder 3

Karzinome im Stadium II

6 Kurse Chemotherapie (üblicherweise Paclitaxel und Carboplatin)

Karzinome im Stadium III

6 Kurse Chemotherapie* wie bei Stadium IA oder B/Grad 2 oder 3

Ggf. intraperitoneal Cisplatin und Paclitaxel

Karzinome im Stadium IV

Selten, Strahlentherapie

Keimzelltumoren

Stromatumoren im Stadium II oder III

Meist Kombinationschemotherapie, in der Regel Bleomycin, Cisplatin und Etoposid

* Intraperitoneale Chemotherapie mit Cisplatin plus Paclitaxel führt zwar zu einer längeren Überlebenszeit als eine i.v. Chemotherapie, kann jedoch eine höhere Komplikationsrate aufweisen.

Selbst wenn durch Chemotherapie eine komplette klinische Remission erreicht wird (d. h. unauffällige körperliche Untersuchung, normale CA-125-Serumwerte, unauffälliges Abdomen- und Becken-CT), haben etwa 50% der Patientinnen mit Stadium III oder IV noch restlichen Tumor. Bei persistierender CA-125-Erhöhung haben noch 90–95% der Patientinnen Resttumor. Die Rezidivrate bei Patienten mit einem vollständigen klinischen Ansprechen nach der ersten Chemotherapie (6 Gänge Carboplatin und Paclitaxel) liegt bei 60 bis 70%.

Tritt ein Tumorrezidiv oder ein Progress nach effektiver Chemotherapie auf, wird die Chemotherapie wieder aufgenommen. Andere potenziell hilfreiche Chemotherapeutika sind liposomales Doxorubicin, Docetaxel, Paclitaxel, Gemcitabin, Bevacizumab und eine Kombination von Cyclophosphamid plus Bevacizumab oder Gemcitabin plus Cisplatin. Die gezielte Therapie mit Biologika werden derzeit in Studien untersucht.

Prävention

Bei Patientinnen mit BRCA1- oder BRCA2-Genmutationen verringert sich das Risiko für Ovarialkarzinom und, in geringerem Maße, für Mammakarzinom, wenn nach Abschluss der Familienplanung prophylaktisch eine bilaterale Salpingoovarektomie durchgeführt wird. Das Karzinomrisiko scheint bei dieser Vorgehensweise geringer zu sein als bei der Überwachung. Patientinnen mit BRCA1- oder BRCA2-Genmutationen sollte an einen gynäkologischen Onkologen für eine Beratung überwiesen werden.

Wichtige Punkte

  • Von einem Ovarialkarzinom sind vor allem postmenopausale und perimenopausale Frauen betroffen; Nullipara, späte Erstgebärende, frühe Menarche, späte Menopause und bestimmte genetische Marker erhöhen das Risiko.

  • Die Frühzeichen (z. B. Dyspepsie, geblähtes Abdomen, frühe Sättigung, schmerzhafter Meteorismus, Rückenschmerzen) sind unspezifisch.

  • Besteht Verdacht auf ein Karzinom, sind CT, Bestimmung von Tumormarkern (z. B. CA 125) und intraoperative Stadieneinteilung indiziert.

  • Asymptomatische Frauen werden nicht mittels Ultraschall und/oder CA 125 gescreent, es sei denn, es liegt ein hohes Risiko für BRCA-Mutationen vor.

  • Die diagnostische Laparoskopie vor der Laparotomie könnte den Patienten eine unnötige Laparotomie ersparen, die zu einer suboptimalen Zytoreduktion führt.

  • Typischerweise werden Hysterektomie, bilaterale Salpingo-Oophorektomie und zytoreduktive Chirurgie mit anschließender Chemotherapie (z.B. Carboplatin und Paclitaxel) durchgeführt.

Weitere Informationen

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