Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Gastrinom

(Zollinger-Ellison-Syndrom; ZE-Syndrom)

Von

Elliot M. Livstone

, MD, Sarasota Memorial Hospital, Sarasota, FL

Inhalt zuletzt geändert Okt 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.

Ein Gastrinom wird durch einen meist in Pankreas oder Duodenalwand lokalisierten gastrinproduzierenden Tumor verursacht. Eine Hypersekretion von Magensäure und aggressive, refraktäre peptische Ulzera sind das Ergebnis (Zollinger-Ellison-Syndrom). Diagnostisch werden Serumgastrinspiegel gemessen. Die Therapie besteht in Protonenpumpenhemmern und operativer Resektion.

Das Gastrinom ist ein endokriner Pankreastumor, der aus Inselzellen entsteht, sich aber auch aus gastrinproduzierenden Zellen im Duodenum und, deutlich seltener, an anderen Stellen im Körper entwickeln kann. Zu 80–90% treten Gastrinome im Pankreas oder in der Duodenalwand auf. Die restlichen Lokalisationen sind der Milzhilus, das Mesenterium, der Magen, Lymphknoten oder das Ovar. Etwa 50% der Patienten haben multiple Tumoren. Gastrinome sind in der Regel klein (< 1 cm im Durchmesser) und wachsen langsam. Etwa 50% sind maligne. Rund 40–60% der Patienten mit einem Gastrinom haben eine multiple endokrine Neoplasie.

Symptome und Beschwerden

Das Zollinger-Ellison-Syndrom fällt typischerweise mit einer aggressiven peptischen Ulkuskrankheit auf, wobei Ulzera in atypischen Lokalisationen auftreten (bis zu 25% sind distal des Bulbus duodeni lokalisiert). Allerdings haben bis zu 25% der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose kein Ulkus. Es können typische Ulkussymptome und -komplikationen (z. B. Perforation, Blutungen, Obstruktion) auftreten. Bei 25–40% der Patienten ist eine Diarrhö das initiale Symptom.

Diagnose

  • Serumgastrinspiegel

  • CT, Szintigraphie oder PET zu Lokalisierung

Der Verdacht auf ein Gastrinom ergibt sich anamnestisch, v. a. wenn die Symptome refraktär gegenüber einer die Säuresekretion hemmenden Standardtherapie sind.

Serum-Gastrin-Spiegel ist der zuverlässigste Test. Alle Patienten haben Spiegel > 150 pg/ml; deutlich erhöhte Spiegel von > 1000 pg/ml bei einem Patienten mit einem passenden klinischen Bild und einer erhöhten Magensäuresekretion von > 15 mEq/h sichern die Diagnose. Allerdings kann eine moderate Hypergastrinämie auch auftreten bei Hypochlorhydrie (z. B. perniziöse Anämie, chronische Gastritis, Therapie mit einem Protonenpumpeninhibitor), bei Niereninsuffizienz mit verminderter renaler Gastrinausscheidung, nach ausgedehnter intestinaler Resektion und bei einem Phäochromozytom.

Ein Sekretinprovokationstest kann bei Patienten mit Gastrinspiegeln < 1000 pg/ml sinnvoll sein. Dabei wird ein i.v. Bolus von 2 mcg/kg Sekretin verabreicht, und es werden serielle Gastrinspiegelbestimmungen vorgenommen (10 und 1 min vor und 2, 5, 10, 15, 20 und 30 min nach der Injektion). Die charakteristische Antwort bei einem Gastrinom ist ein Anstieg des Gastrinspiegels, das Gegenteil dessen, was bei Patienten mit einer Hyperplasie der G-Zellen im Antrum oder einer peptischen Ulkuskrankheit auftritt. Die Patienten sollten auch bezüglich einer Helicobacter-pylori-Infektion abgeklärt werden, die häufig zu peptischen Ulzerationen und einer moderat überschüssigen Gastrinsekretion führt.

Wenn die Diagnose eines Gastrinoms gesichert ist, muss eine Lokalisation des Tumors (bzw. der Tumoren) erfolgen. Die erste Untersuchung ist ein CT-Abdomen oder eine Somatostatinrezeptorszintigraphie, die den Primärtumor und Metastasen identifizieren können. Eine PET oder eine selektive Angiographie mit Vergrößerung und Subtraktion ist ebenfalls hilfreich. Wenn kein Hinweis auf eine metastasierte Erkrankung besteht und der Primärtumor unklar bleibt, sollte eine Endosonographie durchgeführt werden. Eine selektive arterielle Sekretininjektion ist eine Alternative.

Prognose

Wenn ein isolierter Tumor chirurgisch vollständig entfernt werden konnte, liegen die 5- und 10-Jahres-Überlebensraten bei > 90% gegenüber 43% für 5 Jahre und 25% für 10 Jahre nach inkompletter Resektion.

Therapie

  • Hemmung der Säuresekretion

  • Chirurgische Resektion bei lokalisierter Erkrankung

  • Chemotherapie bei metastasierter Erkrankung

Hemmung der Säuresekretion

Protonenpumpeninhibitoren sind die Medikamente der Wahl: z. B. Omeprazol oder Esomeprazol 40 mg p.o. 2-mal täglich. Die Dosis kann bei Beschwerdefreiheit und reduzierter Säuresekretion schrittweise reduziert werden. Eine Erhaltungsdosis ist erforderlich; Patienten müssen diese Substanzen dauerhaft einnehmen, es sei denn, sie unterziehen sich einer Operation.

Octreotidinjektionen, 100–500 μg s.c. 2- bis 3-mal täglich, können ebenfalls die Magensäureproduktion hemmen und bei Patienten, die nicht gut auf Protonenpumpeninhibitoren ansprechen, palliativ eingesetzt werden. Ein langwirksames Octreotidpräparat kann 20–30 mg i.m. einmal im Monat gegeben werden.

Operative Eingriffe

Eine chirurgische Resektion sollte bei Patienten ohne Hinweis auf eine metastasierte Erkrankung versucht werden. Intraoperativ können eine Duodenotomie, eine endoskopische Translumination oder die Sonographie bei der Tumorlokalisation helfen. Eine kurative Operation ist bei 20% der Patienten möglich, wenn das Gastrinom nicht im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie auftritt.

Chemotherapie

Bei Patienten mit einer metastasierten Erkrankung ist Streptozotocin in Kombination mit 5-Fluorouracil oder Doxorubicin die bevorzugte Chemotherapie für Inselzelltumoren. Es kann die Tumormasse (in 50–60% der Fälle) und die Serumgastrinspiegel verringern und ist eine hilfreiche Begleittherapie zu Omeprazol. Neuere Chemotherapien, die bei Insulinom untersucht werden, beinhalten Temozolomid-basierte Regime, Everolimus oder Sunitinib. Bei Patienten mit metastasierter Erkrankung ist eine Chemotherapie nicht kurativ.

Wichtige Punkte

  • Die meisten Gastrinome manifestieren sich mit Symptomen einer peptischen Ulkuskrankheit, bei einigen Patienten aber tritt Diarrhö auf.

  • Etwa die Hälfte der Patienten hat mehrere Gastrinome, und etwa die Hälfte hat eine multiple endokrine Neoplasie; die Hälfte der Gastrinome ist maligne.

  • Serumgastrinspiegel sind in der Regel diagnostisch, bei Patienten mit grenzwertig erhöhten Spiegeln ist jedoch ein Sekretinprovokationstest indiziert.

  • Tumoren können in der Regel mit CT, Somatostatin-Rezeptor-Szintigraphie oder PET lokalisiert werden.

  • Die Säuresekretion wird mit einem Protonenpumpeninhibitor gehemmt, gelegentlich auch mit Octreotid, es sei denn, es erfolgt eine chirurgische Resektion.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Parazentese
Video
Parazentese
3D-Modelle
Alle anzeigen
Mesenteriale Ischämie-Darm-Blutversorgung
3D-Modell
Mesenteriale Ischämie-Darm-Blutversorgung

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN