Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Funktionelle Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Von

Stephanie M. Moleski

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2017
Zur Patientenaufklärung hier klicken.

Oftmals wird auch nach umfangreicher Auswertung keine objektiv messbare strukturelle oder physiologische Anomalie bei GI-Beschwerden festgestellt. Die Diagnose dieser Patienten lautet dann „funktionelle Beschwerden“, die 30–50% der Patienten beim Gastroenterologen ausmachen. Funktionelle Störungen können sich im oberen und/oder unteren GIT manifestieren. (Siehe auch Reizdarmsyndrom)

Funktionelle GI-Störungen sind Störungen der Darm-Gehirn-Interaktion. Es gibt einige Hinweise darauf, dass solche Patienten eine viszerale Überempfindlichkeit haben, eine Störung der Schmerzempfindung, bei der sie Empfindungen (z. B. Erweiterung des Darmlumens, Peristaltik) als schmerzhaft wahrnehmen, die andere Patienten nicht als unangenehm betrachten. Funktionsstörungen werden durch Symptome klassifiziert, die mit einer Kombination von nicht nur viszeraler Hypersensibilität, aber auch Motilitätsstörung, veränderter Mikrobiota, Schleimhaut- und Immunfunktion und ZNS-Verarbeitung in Zusammenhang stehen (1).

Bei einigen Patienten bestehen psychische Ursachen wie Angst (mit oder ohne Aerophagie), Konversionsstörung, Körpersymptomstörung ("somatic symptom disorder") oder Krankheitsangststörung ("illness anxiety disorder") (früher Hypochondrie), die mit gastrointestinalen Symptomen assoziiert sind. Psychologische Theorien gehen dahin, dass manche funktionelle Symptome bestimmte psychische Bedürfnisse befriedigen können; so haben einige Patienten von ihrer Erkrankung sekundären Krankheitsgewinn. Bei diesen Patienten kann die erfolgreiche Behandlung von Symptomen zur Entwicklung anderer Symptome führen.

Viele zuweisende Ärzte und Gastroenterologen haben Schwierigkeiten, funktionelle gastrointestinale Beschwerden zu verstehen und zu erklären, und diese Unsicherheit führt zur Frustration und zu vorgefassten Meinungen. Eine effektive Arzt-Patient-Interaktion reduziert das gesundheitsbewusste Verhalten des Patienten. Ärzte sollten die Symptome des Patienten anerkennen und Empathie zeigen. Bei insistierenden Patienten mit unerklärbaren Beschwerden sollte der Arzt vermeiden, wiederholt Untersuchungen durchzuführen oder multiple Medikamente auszuprobieren, weil dies Symptomangst und Gesundhetsfürsorge-Verhalten fördern kann (2). Wenn die Symptome nicht auf eine ernste Erkrankung hindeuten, sollte der Arzt abwarten und nicht einen weiteren diagnostischen oder therapeutischen Plan umsetzen. Mit der Zeit können neue Informationen die Abklärung und auch das Management leiten. Funktionelle Beschwerden bestehen manchmal bei Patienten mit physiologischen Erkrankungen (z. B. peptisches Ulkus, Ösophagitis); diese Symptome müssen sich nicht zurückbilden, auch wenn die körperliche Krankheit behandelt wird. Bei einigen Patienten werden durch die Untersuchungen (z. B. CT) Zufallsbefunde gemacht, die in keinem Zusammenhang mit den Symptomen stehen.

Allgemeine Referenzen

  • 1. Drossman DA:Functional gastrointestinal disorders: History, pathophysiology, clinical features, and Rome IV. Gastroenterology 150:1262–1279, 2016. doi: http://dx.doi.org/10.1053/j.gastro.2016.02.032.

  • 2. Drossman DA: 2012 David Sun Lecture: Helping your patient by helping yourself: How to improve the patient-physician relationship by optimizing communication skills. Am J Gastroenterol 108:521–528, 2013. doi: 10.1038/ajg.2013.56.

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
Parazentese
Video
Parazentese
3D-Modelle
Alle anzeigen
Mesenteriale Ischämie-Darm-Blutversorgung
3D-Modell
Mesenteriale Ischämie-Darm-Blutversorgung

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN