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Vitamin E

(Tocopherol)

Von

Larry E. Johnson

, MD, PhD, University of Arkansas for Medical Sciences

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Vitamin E bezeichnet eine Gruppe von Bausteinen inkl. Tocopherole und Tocotrienole, die biologisch ähnlich aktiv sind. Alpha-Tocopherol ist der aktivste Baustein, doch kommt Beta-, Gamma- und Delta-Tocopherolen, vier Tocotrienolen und einigen Stereoisomeren ebenso eine wichtige biologische Aktivität zu. Diese Komponenten wirken als Antioxidanzien, die die Lipidperoxidation mehrfach ungesättigter Fettsäuren in Zellmembranen verhindern (siehe Tabelle: Quellen, Funktionen und Wirkungen von Vitaminen).

Die Plasmatocopherolspiegel verändern sich mit allen Plasmalipidspiegeln. Der normale Plasma-Alpha-Tocopherolspiegel liegt bei 5–20 mcg/ml (11,6–46,4 mcgmol/l).

Hochdosiertes Vitamin E schützt nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen; ob Supplemente vor Spätdyskinesie schützen können oder das Risiko von Prostatakrebs erhöhen oder verringern, ist umstritten. Es gibt keine überzeugenden Belege dafür, dass Dosierungen von bis zu 2000 I.E./Tag die Progression der Alzheimer-Demenz verlangsamen.

Obwohl die in angereicherten Lebensmitteln und Ergänzungen enthaltene Menge von Vitamin E in I.E. angegeben ist, lauten in den USA die aktuellen Empfehlungen, die Einheit mg zu verwenden.

Vitamin-E-Mangel

Ein ernährungsbedingter Vitamin-E-Mangel ist in Entwicklungsländern häufig; ein Mangel bei Erwachsenen tritt in den Industrieländern selten auf und lässt sich gewöhnlich auf eine Fettmalabsorption zurückführen. Die Hauptsymptome sind hämolytische Anämie und neurologische Störungen. Die Diagnose stützt sich auf das Verhältnis von Plasma-Alpha-Tocopherol zu den Gesamtplasmalipiden; ein niedriger Quotientenwert lässt auf einen Vitamin-E-Mangel schließen. Zur Therapie wird hochdosiertes Vitamin E oral verabreicht, wenn neurologische Defizite vorliegen oder der Mangel in einer Malabsorption begründet ist.

Ein Vitamin-E-Mangel führt zur Instabilität roter Blutkörperchen und der Degeneration von Neuronen, besonders peripherer Axone und Neuronen des posterioren Rückenmarks.

Ätiologie

In Entwicklungsländern ist die häufigste Ursache eines Vitamin-E-Mangels

  • eine inadäquate Zufuhr von Vitamin E.

In den Industrieländern sind die häufigsten Ursachen

Eine seltene, genetisch bedingte Form des Vitamin-E-Mangels ohne Fettmalabsorption entsteht bei gestörtem Leberstoffwechsel.

Symptome und Beschwerden

Die Hauptsymptome eines Vitamin-E-Mangels werden als schwach ausgeprägte hämolytische Anämie und unspezifische neurologische Defizite deutlich. Eine Abetalipoproteinämie führt in den ersten beiden Lebensjahrzehnten zu progressiver Neuropathie und Retinopathie.

Ein Vitamin-E-Mangel kann bei frühgeborenen Säuglingen zu einer Frühgeborenenretinopathie (retrolentale Fibroplasie) und bei Neugeborenen in manchen Fällen zu intraventrikulären und subependymalen Blutungen führen. Betroffene Frühgeborene zeigen nach der Geburt Muskelschwäche.

Im Kindesalter verursachen eine chronisch cholestatische Leberkrankheit oder zystische Fibrose neurologische Defizite mit spinozerebellar bedingter Ataxie und damit verbundenem Verlust der tiefen Sehnenreflexe, Ataxie des Rumpfes und der Gliedmaßen, Verlust der Vibrations- und Lagewahrnehmung, Ophthalmoplegie, Muskelschwäche, Ptosis und Dysarthrie.

Erwachsene mit Malabsorption leiden sehr selten an spinozerebellarer Ataxie durch Vitamin-E-Mangel, da sie im Fettgewebe große Vitamin-E-Depots tragen.

Diagnose

  • Niedrige Alpha-Tocopherolspiegel oder niedriges Plasma-Alpha-Tocopherol/Serumlipid-Verhältnis

Ohne längerfristige inadäquate Zufuhr oder prädisponierende Faktoren ist ein Vitamin-E-Mangel unwahrscheinlich. Zur Bestätigung der Diagnose muss der Vitaminspiegel kontrolliert werden. Die Hämolyse roter Blutkörperchen durch Peroxide kann auf den Mangel hinweisen, ist jedoch unspezifisch. Hämolytische Prozesse nehmen zu, wenn der Vitamin-E-Mangel die roten Blutkörperchen destabilisiert.

Eine Messung des Serum-Alpha-Tocopherolspiegels führt auf dem direktesten Weg zur Diagnose. Bei Erwachsenen besteht ein Verdacht auf Vitamin-E-Mangel, wenn der Alpha-Tocopherolspiegel < 5 mcg/ml (< 11,6 mcmol/l) beträgt. Da abnorme Blutfettwerte den Vitamin-E-Status beeinflussen können, ist bei Erwachsenen mit Hyperlipidämie ein niedriges Verhältnis von Serum-Alpha-Tocopherol zu Lipiden (< 0,8 mg/g Gesamtlipid) der genaueste Indikator.

Bei Kindern und Erwachsenen mit Abetalipoproteinämie sind Serum-Alpha-Tocopherolspiegel in der Regel nicht nachweisbar.

Therapie

  • Zusätzliches Alpha-Tocopherol oder gemischte Tocopherole (Alpha-, Beta-, und Gamma-Tocopherole)

Verursacht eine Malabsorption einen klinisch nachgewiesenen Mangel, sollten 15–25 mg/kg/Tag Alpha-Tocopherol oral verabreicht werden. Es könnenn auch gemischte Tocopherole (200–400 I.E.) verabreicht werden. Eine größere Dosis Alpha-Tocopherol, die injiziert wird, ist erforderlich, um eine Neuropathie im Frühstadium zu behandeln oder bei einer Abetalipoproteinämie die Störung der Resorption und des Transports zu beseitigen.

Prävention

Frühgeborene Säuglinge benötigen gegebenenfalls eine Vitamin-E-Ergänzung, doch für ausgetragene Neugeborene reicht das in der Muttermilch und in handelsüblicher Fläschchennahrung enthaltene Vitamin E aus.

Wichtige Punkte

  • Ein Vitamin-E-Mangel ist in Entwicklungsländern in der Regel durch unzureichende ernährungsbedingte Zufuhr verursacht; in den entwickelten Ländern ist eine Störung der Fettresorption die Ursache.

  • Der Mangel verursacht eine schwach ausgeprägte hämolytische Anämie und unspezifische neurologische Defizite.

  • Bei Patienten mit einer inadäquaten Zufuhr oder prädisponierenden Faktoren und entsprechenden Befunden wird der Tocopherolspiegel gemessen, um die Diagnose zu bestätigen.

  • Die Behandlung besteht in der ergänzenden Gabe von Tocopherol.

Vitamin-E-Intoxikation

Zahlreiche Erwachsene nehmen über Monate bis Jahre hinweg relativ große Mengen Vitamin E (400–800 mg/Tag Alpha-Tocopherol) ein, ohne offensichtlichen Schaden zu nehmen. Gelegentlich treten Muskelschwäche, Müdigkeit, Übelkeit oder Durchfälle auf. Das bedeutendste Risiko besteht in Blutungen. Diese kommen jedoch nur dann vor, wenn die Dosis 1000 mg/Tag überschreitet oder der Patient Kumarin oder Warfarin einnimmt. Somit liegt die obere Aufnahmegrenze für Erwachsene, die älter als 19 Jahre alt sind, für jede Form von Tocopherol bei 1000 mg/d.

Analysen früherer Studien berichten, dass eine hohe zusätzliche Vitamin-E-Zufuhr die Lebenserwartung verkürzen kann.

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