Angeborene Stoffwechselstörungen, die Hyperbilirubinämie verursachen

VonDanielle Tholey, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University
Reviewed ByMinhhuyen Nguyen, MD, Fox Chase Cancer Center, Temple University
Überprüft/überarbeitet Geändert Aug. 2025
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Erbliche oder angeborene Stoffwechselekrankungen können eine unkonjugierte oder konjugierte Hyperbilirubinämie verursachen (siehe Überblick über den Bilirubinstoffwechsel).

  • Unkonjugierte Hyperbilirubinämie: Gilbert-Syndrom, Crigler-Najjar-Syndrom und primäre Shunt-Hyperbilirubinämie

  • Konjugierte Hyperbilirubinämie: Dubin-Johnson-Syndrom und Rotor-Syndrom

(Siehe auch Leber-Struktur und -Funktion und Beurteilung des Patienten mit einer Lebererkrankung.)

Gilbert-Syndrom

Das Gilbert-Syndrom ist eine lebenslang bestehende Störung, bei der das einzig sichtbare Symptom eine geringe unkonjugierte Hyperbilirubinämie ist. Fälschlicherweise kann es als chronische Hepatitis oder als eine andere Leberkrankheit angesehen werden.

Das Gilbert-Syndrom betrifft 3 bis 10 % der Bevölkerung (1, 2, 3). Es wird durch verschiedene Mutationen im UGT1A1-Gen verursacht, das für Glucuronyltransferase kodiert. Abhängig von der spezifischen Genmutation kann es autosomal-dominant oder autosomal-rezessiv vererbt werden.

Pathogenetisch liegen komplizierte Störungen der Bilirubinaufnahme in der Leber vor. Die Aktivität der Glucuronyltransferase ist vermindert, allerdings nicht so stark wie beim Crigler-Najjar-Syndrom Typ II. Bei vielen Patienten liegt auch eine gering erhöhte Lyse von roten Blutzellen vor, diese Erhöhung erklärt allerdings nicht die Hyperbilirubinämie. Die Leberhistologie ist normal.

Das Gilbert-Syndrom wird am häufigsten bei jungen Erwachsenen zufällig entdeckt, indem man eine Gelbsucht bemerkt oder einen erhöhten Bilirubinspiegel feststellt, der normalerweise zwischen 2 und 5 mg/dl (34 und 86 Mikromol/l) schwankt und bei Fasten und anderen Belastungen tendenziell ansteigt.

Das Gilbert-Syndrom wird differenzialdiagnostisch von der Hepatitis durch eine Analyse des Bilirubins abgegrenzt, die v. a. unkonjugiertes Bilirubin zeigt. Darüber hinaus bestehen beim Gilbert-Syndrom normale Lebertests, im Urin findet sich kein Bilirubin. Die Abgrenzung zur Hämolyse erfolgt durch fehlende Anämie und Retikulozytose.

Eine Behandlung ist nicht notwendig. Den Patienten sollte versichert werden, dass sie klinisch keine Lebererkankung haben.

Literatur zum Gilbert-Syndrom

  1. 1. Kamal S, Abdelhakam S, Ghoraba D, et al. The frequency, clinical course, and health related quality of life in adults with Gilbert's syndrome: a longitudinal study. BMC Gastroenterol. 2019;19(1):22. Published 2019 Feb 4. doi:10.1186/s12876-019-0931-2

  2. 2. Wagner KH, Shiels RG, Lang CA, Seyed Khoei N, Bulmer AC. Diagnostic criteria and contributors to Gilbert's syndrome. Crit Rev Clin Lab Sci. 2018;55(2):129-139. doi:10.1080/10408363.2018.1428526

  3. 3. National Library of Medicine. Medline. Gilbert Syndrome. Accessed April 13, 2025.

Crigler-Najjar-Syndrom

Diese seltene erbliche Lebererkrankung wird durch einen Mangel des Enzyms Glucuronyltransferase (UGT1A1) verursacht, das die Konjugation von Bilirubin (hauptsächlich zu Bilirubindiglucuronid) katalysiert, um Bilirubin wasserlöslich zu machen. Verschiedene Defekte im Gen, das für das Enzym kodiert, verursachen eine vollständige (Typ 1) oder partielle (Typ 2) Inaktivierung des Enzyms.

Patienten mit autosomal-rezessivem Typ I (vollständige Erkrankung) haben eine schwere unkonjugierte Hyperbilirubinämie, die typischerweise kurz nach der Geburt beginnt. Sie sterben meistens an den Folgen eines Kernikterus im Alter von ca. einem Jahr, einige erleben das Erwachsenenalter. Zur Behandlung zählen die Phototherapie und eine Lebertransplantation.

Patienten mit autosomal rezessivem Typ II (Teil-) Krankheit (mit variabler Penetranz) haben oft eine weniger schwere unkonjugierte Hyperbilirubinämie (< 20 mg/dl [< 342 Mikromol/l]) und leben in der Regel bis ins Erwachsenenalter ohne neurologische Schäden. Phenobarbital 1,5 bis 2 mg/kg p.o. 3-mal täglich, das die teilweise mangelhafte Glucuronyltransferase induziert, kann wirksam sein.

Dubin-Johnson-Syndrom und Rotor-Syndrom

Das Dubin-Johnson-Syndrom und das Rotor-Syndrom werden durch genetische Mutationen verursacht, die zu einer konjugierten Hyperbilirubinämie führen – jedoch ohne Cholestase – und keine Symptome oder Folgeerkrankungen außer Gelbsucht verursachen. Bilirubin kann im Urin erscheinen, im Gegensatz zur unkonjugierten Hyperbilirubinämie beim Gilbert-Syndrom (das ebenfalls keine anderen Symptome verursacht), bei der kein Bilirubin im Urin zu finden ist. Die Transaminasen und die alkalische Phosphatase liegen in der Regel im Normbereich. Eine Behandlung ist nicht notwendig.

Dubin-Johnson-Syndrom

Dieses seltene autosomal-rezessiv vererbte Syndrom kennzeichnet eine verminderte Exkretion von Bilirubinglucuronid. Es wird in der Regel durch eine Leberbiopsie diagnostiziert: die Leberzellen enthalten dunkles Pigment als Folge der Ablagerung einer intrazellulären melaninartigen Substanz bei ansonsten unauffälligem histologischem Befund.

Rotor-Syndrom

Dieses ebenfalls seltene Syndrom ähnelt klinisch dem Dubin-Johnson-Syndrom, allerdings ist die Leber nicht pigmentiert und es bestehen andere metabolische Unterschiede.

Primäre Shunt-Hyperbilirubinämie

Diese seltene, familiär auftretende, gutartige Leiden ist durch eine Überproduktion von "early-labeled" Bilirubin (Bilirubin, das aus ineffektiver Erythropoese und Nichthämoglobin-Häm anstatt aus der normalen Erythrozyten-Reifeentwicklung entsteht) gekennzeichnet.

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