Hereditäre Optikusneuropathien

(Lebersche hereditäre Optikusneuropathie; Dominante Optikusneuropathie)

Vollständige Überprüfung: Apr. 2026 VonJohn J. Chen, MD, PhD, Mayo Clinic | Peer-Review durchSunir J. Garg, MD, FACS, Thomas Jefferson University
Letzte Aktualisierung: Apr. 2026
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Zu den hereditären Optikusneuropathien gehört auch die dominante Optikusneuropathie. Beide Erkrankungen werden durch Abnormalitäten der mitochondrialen DNA verursacht. Das Hauptsymptom ist ein fortschreitender Sehverlust, und bei einigen Erkrankungen treten auch kardiale oder neurologische Anomalien auf.

Zu den erblich bedingten Optikusneuropathien gehören dominante Optikusatrophie und Lebersche hereditäre Opitkusneuropathie (LHON), welche beide mitochondriale Zytopathien sind (1). Diese Erkrankungen manifestieren sich typischerweise im Kindes- oder Jugendalter mit bilateralem, symmetrischem zentralem Sehverlust, unterscheiden sich jedoch in ihrer Progressionsgeschwindigkeit: Die autosomal-dominante Optikusatrophie führt über Jahre bis Jahrzehnte zu einem langsam progredienten bilateralen Sehverlust (2), während die Lebersche hereditäre Optikusneuropathie innerhalb von etwa 6 bis 8 Monaten zu bilateralem Sehverlust führt (3). Eine Schädigung des Sehnervs ist in der Regel dauerhaft. Wenn eine Papillenatrophie zu erkennen ist, ist bereits eine substanzielle Schädigung eingetreten.

Dominante Optikusatrophie

Die dominant-optische Atrophie wird autosomal-dominant vererbt. Mit einer Prävalenz von 1:10.000 bis 1:50.000 ist sie wahrscheinlich die häufigste hereditäre Optikusneuropathie (2). Sie wird durch eine vorzeitige Degeneration des Sehnervs (Optikusabiotrophie) verursacht, die zu einem fortschreitenden Sehverlust führt. Der Beginn liegt häufig im ersten Lebensjahrzehnt, kann jedoch auch erst später im Leben erstmals festgestellt werden.

Lebersche Optikusatrophie

Leber hereditäre Optikusneuropathie beinhaltet eine Anomalie der mitochondrialen DNA, die sich auf die Zellatmung auswirkt. Obwohl die mitochondriale DNA im ganzen Körper betroffen ist, stellt der Sehverlust die Erstmanifestation dar. Die meisten Fälle treten bei Männern auf (4). Die Krankheit wird mit einem mütterlichen Vererbungsmuster vererbt, d. h. eine Frau mit der Anomalie wird diese an alle Nachkommen vererben, jedoch können nur die weiblichen Nachkommen die Anomalie weitervererben, da die Zygote nur Mitochondrien von der Mutter erhält.

Allgemeine Literatur

  1. 1. Kisilevsky E, Freund P, Margolin E. Mitochondrial disorders and the eye. Surv Ophthalmol. 2020;65(3):294-311. doi: 10.1016/j.survophthal.2019.11.001

  2. 2. Yu-Wai-Man P, Chinnery PF. Dominant optic atrophy: Novel OPA1 mutations and revised prevalence estimates. Ophthalmology. 2013;20(8):1712-1712.e1. doi: 10.1016/j.ophtha.2013.04.022. Erratum in: Ophthalmology. 120(12):2448, 2013.

  3. 3. Hwang TJ, Karanjia R, Moraes-Filho MN, et al. Natural History of Conversion of Leber's Hereditary Optic Neuropathy: A Prospective Case Series. Ophthalmology. 2017;124(6):843-850. doi:10.1016/j.ophtha.2017.01.002

  4. 4. Yu-Wai-Man P, Griffiths PG, Brown DT, et al. The epidemiology of Leber hereditary optic neuropathy in the North East of England. Am J Hum Genet. 2003;72(2):333-339. doi: 10.1086/346066

Symptome und Beschwerden von hereditären Optikusneuropathien

Dominante Optikusatrophie

Die meisten Patienten mit dominanter Optikusatrophie haben keine neurologischen Begleiterscheinungen außer dem Sehverlust, obwohl Nystagmus und Hörverlust beschrieben wurden (1). Das einzige Symptom ist ein langsam progredienter beidseitiger zentraler Visusverlust mit variablem Manifestationsalter und Schweregrad. Die gesamte Papille, oder gelegentlich auch nur der temporale Anteil, ist blass und ohne sichtbare Gefäße. Im Gesichtsfeld werden typischerweise beidseitige zentrale Skotome festgestellt. Typisch ist eine Blau-Gelb-Farbsinnstörung.

Lebersche Optikusneuropathie

Der Sehverlust bei Patienten mit Leber‑hereditärer Optikusneuropathie beginnt typischerweise zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr (2). Auf den schmerzlosen Verlust der zentralen Sehschärfe in einem Auge folgt für gewöhnlich Wochen bis Monate später der Sehverlust im anderen Auge. Auch über einen gleichzeitigen Sehverlust beider Augen wurde berichtet. Die meisten Patienten verlieren schnell an Sicht und entwickeln eine Sehschärfe schlechter als 20/200. Bei der ophthalmoskopischen Untersuchung kann eine teleangiektatische Mikroangiopathie, eine Schwellung der Nervenfaserschicht um die Papille, und eine fehlende Leckage in der Fluoreszenzangiographie zu sehen sein. Schließlich kommt die Optikusatrophie hinzu. Im Gesichtsfeld werden typischerweise beidseitige zentrale Skotome festgestellt.

Einige Patienten mit Leberscher Optikusneuropathie haben kardiale Erregungsleitungsstörungen. Andere Patienten haben kleinere neurologische Anomalien, wie einen Haltetremor, Ausfall des Achillessehnenreflexes, Dystonie, Spastik oder eine demyelinisierende Krankheit.

Literatur zu Symptomen und Beschwerden

  1. 1. Lenaers G, Hamel C, Delettre C, et al. Dominant optic atrophy. Orphanet J Rare Dis. 2012;7:46. Published 2012 Jul 9. doi:10.1186/1750-1172-7-46

  2. 2. Biousse V, Newman NJ. Diagnosis and clinical features of common optic neuropathies. Lancet Neurol. 2016;15(13):1355-1367. doi: 10.1016/S1474-4422(16)30237-X

Diagnose von hereditären Optikusneuropathien

  • Funduskopie

  • Molekulargenetische Untersuchung

Besteht klinisch der Verdacht auf eine dominante Optikusatrophie oder eine Lebersche hereditäre Optikusatrophie, sind molekulargenetische Tests geeignet, um viele Mutationen zu bestätigen, die für beide Erkrankungen verantwortlich sind. Die Ergebnisse können jedoch falsch-negativ sein, da es Mutationen geben kann, die bei molekularen Tests noch nicht erkannt werden.

Wenn Lebersche Optikusatrophie vermutet wird, sollte ein EKG durchgeführt werden, um versteckte kardiale Erregungsleitungsstörungen zu diagnostizieren.

Behandlung von hereditären Optikusneuropathien

  • Symptomatische Behandlung:

  • Begrenzte Verfügbarkeit der Gentherapie für die Variante der Leberschen hereditären Optikusneuropathie (m.11778G)

Für die hereditären Optikusneuropathien gibt es keine bewährte Behandlung. Low-Vision-Hilfen (z. B. Lupen, Großdruck-Geräte, sprechende Uhren) können hilfreich sein. Es empfiehlt sich eine genetische Beratung.

Bei Patienten mit Leber hereditärer Optikusneuropathie wurden Glukokortikoide, Vitaminergänzungen und Antioxidanzien ohne Erfolg probiert. Eine kleine Studie stellte eine Besserung durch Chinonanaloga (Ubichinon und Idebenon) in der Frühphase fest (1 , 2).

Genetische Studien für die 11778-Mutation sind im Gange und haben gezeigt, dass die Wiederherstellung der Sehkraft in beiden Augen auch nach einer einseitigen intravitrealen Injektion möglicherweise leicht zunehmen kann (3, 4). Substanzen, die die mitochondriale Energieproduktion belasten könnten (z. B. Tabak, Alkohol, insbesondere bei übermäßigem Konsum), sollten vermieden werden. Patienten mit kardialen und neurologischen Anomalien sollten an einen Spezialisten überwiesen werden.

Literatur zur Behandlung

  1. 1. Peragallo JH, Newman NJ. Is there treatment for Leber hereditary optic neuropathy? Curr Opin Ophthalmol. 2015;26(6):450-457. doi: 10.1097/ICU.0000000000000212

  2. 2. Klopstock T, Yu-Wai-Man P, Dimitriadis K, et al. A randomized placebo-controlled trial of idebenone in Leber's hereditary optic neuropathy. Brain. 2011;134(Pt 9):2677-2686. doi: 10.1093/brain/awr170

  3. 3. Newman NJ, Biousse V, Yu-Wai-Man P, et al. Meta-analysis of treatment outcomes for patients with m.11778G>A MT-ND4 Leber hereditary optic neuropathy. Surv Ophthalmol. 2025;70(2):283-295. doi:10.1016/j.survophthal.2024.10.002

  4. 4. Yu-Wai-Man P, Newman NJ, Biousse V, et al. Five-Year Outcomes of Lenadogene Nolparvovec Gene Therapy in Leber Hereditary Optic Neuropathy. JAMA Ophthalmol. 2025;143(2):99-108. doi:10.1001/jamaophthalmol.2024.5375

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