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Reizdarmsyndrom (RDS)

(spastisches Colon)

Von

Stephanie M. Moleski

, MD, Sidney Kimmel Medical College at Thomas Jefferson University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Kurzinformationen
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Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine Erkrankung des Verdauungstrakts, bei der es zu wiederkehrenden Bauchschmerzen und Verstopfung oder Durchfall kommt.

  • Die Symptome variieren häufig, umfassen aber oft Unterbauchschmerzen, Blähungen, Gas und Verstopfung oder Durchfall.

  • Eine Reihe von Substanzen und emotionalen Faktoren können Symptome des Reizdarmsyndroms auslösen.

  • Ein Arzt stützt sich bei der Diagnose eines Reizdarmsyndroms im Normalfall auf diese Symptome, führt aber auch Tests durch, um andere Probleme auszuschließen.

  • Eine Ernährungsumstellung und Medikamente können im Normalfall bestimmte Symptome lindern.

Von einem Reizdarmsyndrom (RDS) sind etwa 10 bis 15 % der Allgemeinbevölkerung betroffen. Einige, wenn auch nicht alle Studien deuten darauf hin, dass Frauen mit RDS wahrscheinlicher einen Arzt aufsuchen. Das RDS ist die häufigste von Gastroenterologen (auf Erkrankungen des Verdauungstrakts spezialisierte Ärzte) diagnostizierte Krankheit und sie ist häufig der Grund, warum Menschen ihren Hausarzt aufsuchen.

Das RDS wird generell als funktionelle Störung klassifiziert, da es die Funktion der normalen Aktivitäten des Körpers wie z. B. die Bewegungen des Darmes, die Empfindlichkeit der Darmnerven oder die Art und Weise der Kontrolle dieser Funktionen durch das Gehirn stört. Obwohl die normale Funktion gestört ist, können jedoch mit einem Endoskop (einem biegsamen Betrachtungsschlauch), Röntgenbildern, Biopsien oder Blutuntersuchungen keine strukturellen Auffälligkeiten nachgewiesen werden. Das RDS wird somit durch die Merkmale der Symptome und normale Ergebnisse bei eventuell durchgeführten Blutuntersuchungen festgestellt.

Ursachen

Die Ursache des Reizdarmsyndroms ist nicht geklärt. Bei vielen Menschen mit RDS ist der Verdauungstrakt für viele Reize sehr empfindlich. Es kann durch Darmgase oder Kontraktionen zu Beschwerden kommen, die für andere Menschen nicht unangenehm sind. Zwar scheinen die Veränderungen der Darmbewegungen bei RDS vielleicht im Zusammenhang mit abnormen Darmkontraktionen gesehen zu werden, aber nicht alle Menschen mit RDS haben abnorme Kontraktionen, und bei vielen Personen mit diesem Befund treten diese nicht immer mit den Symptomen zusammen auf. Bei manchen Menschen beginnen die RDS-Symptome nach einem Krankheitsschub von Gastroenteritis.

Für manche Menschen können hochkalorische Mahlzeiten oder eine fettreiche Ernährung ein Auslöser sein.

Bei anderen Menschen scheinen Weizen, Milchprodukte, Bohnen, Schokolade, Kaffee, Tee, manche künstlichen Süßstoffe, bestimmte Gemüse (wie Spargel oder Brokkoli) oder Steinfrüchte (wie Aprikosen) die Symptome zu verschlimmern. Diese Nahrungsmittel enthalten Kohlehydrate, die vom Dünndarm schlecht aufgenommen werden. Die Kohlehydrate werden im Darm von Bakterien fermentiert, wodurch es zu Gasen, Blähungen und Krämpfen kommt. Da viele Nahrungsmittel verschiedene Inhaltsstoffe enthalten, kann es schwierig sein, den speziellen Auslöser zu finden.

Andere Meinungen sind, dass hastiges Essen oder Essen nach einer längeren Zeit ohne Nahrung einen Schub (Anfall oder Attacke) begünstigt. Die Beziehung ist jedoch nicht konstant.

Emotionale Faktoren (z. B. Stress, Angst, Depressionen und Furcht), Ernährung, Medikamente (einschließlich Abführmittel), Hormone oder geringfügige Reizungen können einen Schub des RDS auslösen oder verschlimmern.

Personen bekommen nicht immer Symptome nach einem gewöhnlichen Auslöser, und Symptome treten häufig ohne jeglichen offensichtlichen Auslöser auf. Es ist nicht klar, wie all die Auslöser mit der Ursache des RDS zusammenhängen.

Symptome

Das RDS beginnt in der Regel im Jugend- und jungen Erwachsenenalter und verursacht Symptomschübe, die in unregelmäßigen Abständen kommen und gehen. Der Beginn der Symptome im späteren Erwachsenenleben ist weniger häufig, aber nicht selten. Schübe treten fast immer auf, wenn man wach ist, man wird selten aus dem Schlaf heraus geweckt.

Zu den Symptomen des Reizdarmsyndroms zählen Bauchschmerzen im Zusammenhang mit oder gelindert durch Stuhlgang (Darmentleerung), Veränderung der Häufigkeit von Stuhlgängen (z. B. Verstopfung oder Durchfall) oder Stuhlkonsistenz (locker oder klumpig und hart), Bauchaufblähung (Dehnung), Schleim im Stuhl und das Gefühl einer unvollständigen Entleerung nach dem Stuhlgang. Die Schmerzen können anfallsartig oder als ständige dumpfe Schmerzen, gewöhnlich über dem Unterbauch, auftreten.

Blähungen, Winde, Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Depressionen, Angst, Muskelschmerzen und Konzentrationsstörungen sind weitere mögliche Symptome.

Generell sind der Charakter und die Lokalisation der Schmerzen, die Auslöser und das Stuhlgangmuster über die Zeit relativ konstant. Der Schweregrad der Symptome kann jedoch zu- oder abnehmen und sich auch mit der Zeit ändern.

Diagnose

  • Ärztliche Beurteilung anhand der Rom-Kriterien

  • Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren zur Untersuchung anderer Erkrankungen

Die meisten Menschen mit RDS sehen gesund aus. Ärzte stützen die Diagnose eines Reizdarmsyndroms auf die Symptommerkmale der Person. Ärzte verwenden außerdem standardisierte symptombasierte Kriterien zur Diagnose des RDS, die Rom-Kriterien. Sie können außerdem Untersuchungen durchführen, um häufige Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können, insbesondere, wenn die Betroffenen über 40 Jahre alt sind oder Warnzeichen wie Fieber, Gewichtsabnahme, Blutung aus dem Mastdarm oder Erbrechen aufweisen.

Ärzte diagnostizieren ein RDS anhand der Rom-Kriterien bei Menschen, die in den vergangenen 3 Monaten mindestens 1 Tag pro Woche Bauchschmerzen und 2 oder mehr der folgenden Merkmale aufweisen:

  • Schmerzen beim Stuhlgang

  • Die Schmerzen gehen mit einer Veränderung der Häufigkeit der Stuhlgänge einher (Verstopfung oder Durchfall).

  • Die Schmerzen gehen mit einer Veränderung der Stuhlkonsistenz einher.

Eine körperliche Untersuchung zeigt im Allgemeinen nichts Auffälliges außer gelegentlich einer Empfindlichkeit im Bereich des Dickdarms. Ärzte führen eine digitale Untersuchung des Mastdarms durch, dabei wird ein behandschuhter Finger in den Mastdarm der Person geschoben. Frauen unterziehen sich einer Untersuchung des Beckens.

Die Ärzte führen einige Tests durch – beispielsweise Blutuntersuchungen, eine Stuhluntersuchung – um ein RDS von Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Krebs (hauptsächlich bei Menschen über 40), einer kollagenösen Kolitis, einer lymphozytischen Kolitis, einer Zöliakie und vielen anderen Erkrankungen und Infektionen zu unterscheiden, die Bauchschmerzen und Veränderungen der Stuhlgewohnheiten verursachen. Diese Testergebnisse sind in der Regel bei Menschen mit RDS normal.

Ärzte führen bei älteren Menschen und bei Personen mit Symptomen, die für ein RDS ungewöhnlich sind, z. B. Fieber, blutiger Stuhl, Gewichtsabnahme und Erbrechen, normalerweise mehr Tests durch, z. B. Ultraschall des Bauches, Röntgenaufnahmen des Darms oder eine Koloskopie. Ärzte können einen Test durchführen, um eine Laktoseintoleranz oder eine bakterielle Überwucherung auszuschließen und Fragen stellen, um einen Missbrauch von Abführmitteln auszuschließen.

Bei Personen mit RDS können sich besonders ab 40 Jahren andere Erkrankungen des Verdauungstrakts (wie Blinddarmentzündung, Gallenblasenerkrankung, Geschwüre und Krebs) entwickeln. Deshalb können weitere Tests notwendig sein, wenn sich die Symptome einer Person signifikant ändern, wenn sich neue Symptome entwickeln oder wenn Symptome untypisch für ein RDS sind.

Da RDS-Symptome durch Stress und emotionale Konflikte ausgelöst werden können, stellen Ärzte Fragen, um Stress, Angst oder Stimmungsschwankungen besser zu erkennen.

Behandlung

  • Normale Ernährung und Vermeiden von Nahrungsmitteln, die zu Blähungen und Durchfall führen

  • Mehr ballaststoffreiche Ernährung und mehr Wasserzufuhr bei Verstopfung

  • Manchmal Medikamente

Die Behandlung des RDS erfolgt von Person zu Person anders. Wenn besondere Nahrungsmittel oder Stress das Problem auszulösen scheinen, sollten sie nach Möglichkeit vermieden werden. Den meisten Betroffenen, vor allem jenen, die zu Verstopfung neigen, hilft regelmäßige Bewegung, damit der Verdauungstrakt normal funktioniert.

Ernährung

(Weitere Informationen über Ernährung und RDS finden sich in diesen Empfehlungen.)

Vielen Menschen geht es besser, wenn sie häufiger kleine Mahlzeiten als wenige große Mahlzeiten zu sich nehmen (beispielsweise sind fünf oder sechs kleine Mahlzeiten besser als drei große Mahlzeiten pro Tag). Die Personen sollten versuchen, langsamer zu essen. Wer zu Blähungen und vermehrter Gasbildung (Flatulenz) neigt, sollte Bohnen, Kohl und andere schwer verdauliche Nahrungsmittel meiden.

Einige Menschen haben weniger RDS-Symptome, wenn sie weniger Nahrungsmittel zu sich nehmen, die reich an bestimmten Kohlehydraten sind, sogenannte fermentierte Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole. Diese Nahrungsmittel fallen unter den Begriff FODMAPs (fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole). FODMAPs sind Kohlehydrate, die schlecht verdaut und daher rasch von Bakterien im Dünndarm vergärt (fermentiert) werden und damit zu Blähungen und Beschwerden führen.

Von Sorbit, einem Zuckeraustauschstoff, der in einigen Lebensmitteln, Medikamenten und Kaugummi enthalten ist, sollte nicht allzu viel verzehrt werden. Auch Fruchtzucker, ein Inhaltsstoff von Obst, Beeren und einigen Pflanzen, sollte nur in geringer Menge aufgenommen werden. Menschen mit RDS, die keine Laktose vertragen, die in Milch und anderen Milchprodukten enthalten ist (die also laktoseintolerant sind), sollten Milchprodukte nur in Maßen verzehren.

Die Patienten können versuchen, ihre Aufnahme der oben genannten Nahrungsmittel der Reihe nach zu verringern und darauf zu achten, ob sich ihre Symptome ändern, oder sie können eine FODMAP-arme Ernährung ausprobieren, bei der alle diese Nahrungsmittel gleichzeitig eingeschränkt werden.

Eine fettarme Ernährung hilft bei manchen Menschen, insbesondere bei denen, deren Magen sich zu langsam oder zu schnell entleert.

Verstopfung kann oft durch Essen von mehr Ballaststoffen und durch das Trinken von mehr Wasser gelindert werden. Personen mit Verstopfung können zu jeder Mahlzeit einen Esslöffel Weizenkleie mit reichlich Flüssigkeit einnehmen, oder sie können Ergänzungsmittel mit Psyllium mucilloid mit zwei Gläsern Wasser einnehmen. Eine Vermehrung der Ballaststoffe in der Nahrung kann zu mehr Flatulenz und Blähungen führen. Gelegentlich kann diese Flatulenz durch den Wechsel zu einem synthetischen Ballaststoffpräparat (wie Methylzellulose) vermindert werden.

Arzneimittel

Bestimmte Abführmittel sind bei Personen mit Verstopfung ausreichend sicher und häufig wirksam. Diese Abführmittel umfassen solche mit Sorbit, Lactulose oder Polyethylenglykol und Stimulanzien sowie solche mit Bisacodyl oder Glyzerin. Die rezeptpflichtigen Abführmittel Lubiproston, Linaclotid und Plecanatid können Verstopfung ebenfalls lindern. Prucaloprid ist ein weiteres Medikament, das Menschen mit chronischer Verstopfung helfen kann.

Anticholinerge Arzneimittel, wie Hyoscyamin können die Bauchschmerzen lindern, indem sie die Spasmen der inneren Muskeln hemmen. Allerdings haben diese anticholinergen Arzneimittel häufig Nebenwirkungen ( Anticholinergikum: Was bedeutet anticholinerg?), wie z. B. trockener Mund, verschwommenes Sehen oder Probleme beim Wasserlassen.

Mittel gegen Durchfall wie Diphenoxylat oder Loperamid helfen Menschen mit Durchfall. Alosetron, mit dem die Auswirkung von Serotonin (einem chemischen Botenstoff im Körper) verringert werden kann, wird manchmal Frauen verabreicht, deren durch das RDS verursachter Durchfall nicht mit anderen Medikamenten kontrolliert werden kann. Da dieses Medikament jedoch mit einem erhöhten Risiko für eine ischämische Kolitis einhergeht, wird es nur sehr vorsichtig eingesetzt. Eluxadolin ist ein weiteres Medikament, das manchen Menschen mit schwerem, durch RDS verursachtem Durchfall verschrieben wird.

Rifaximin, ein Antibiotikum, kann zur Linderung der Symptome von Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen verabreicht werden.

Antidepressiva helfen, die Symptome von Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen bei vielen Menschen zu lindern. Die langfristige Anwendung von bestimmten Antidepressiva wie Nortriptylin oder Desipramin ist häufig hilfreich. Antidepressiva lindern nicht nur die Schmerzen und andere Symptome, sie können auch Schlafprobleme und Depressionen oder Angst bessern.

Probiotika sind Bakterien, die natürlich im Körper vorkommen und das Wachstum der guten Bakterien unterstützen und die RDS-Symptome, insbesondere Blähungen, abmildern. Aromatische Öle, wie das Pfefferminzöl, lindern häufig durch Krämpfe bedingte Schmerzen.

Andere Therapien

Methoden zur Verhaltensänderung (wie kognitive Verhaltenstherapie), Psychotherapie und Hypnotherapie (Hypnose) sind bei der Behandlung der RDS-Symptome häufig wirksam.

Weitere Informationen

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