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Erkrankungen der Nervenwurzeln

(Radikulopathien)

Von

Michael Rubin

, MDCM, New York Presbyterian Hospital-Cornell Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Dez 2020| Inhalt zuletzt geändert Dez 2020
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Quellen zum Thema

Erkrankungen der Nervenwurzeln entstehen durch einen plötzlichen oder langfristigen Druck auf die Spinalnervenwurzel.

  • Erkrankungen der Nervenwurzeln entstehen in der Regel durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Osteoarthrose in der Wirbelsäule.

  • Diese Erkrankungen können Schmerzen, Empfindungsstörungen und/oder Muskelschwäche im Bereich des Körpers verursachen, der von den betroffenen Nerven versorgt wird.

  • Die Diagnose von Erkrankungen der Nervenwurzeln stützt sich auf die Ergebnisse von bildgebenden Verfahren, elektrodiagnostischen Tests sowie Tests zur Bestimmung der Ursache.

  • Die Ärzte behandeln nach Möglichkeit die Ursache und verabreichen Medikamente zur Schmerzlinderung, einschließlich rezeptfreier Schmerzmittel (z. B. nicht-steroidale Antirheumatika oder Paracetamol) und Kortikosteroide.

Nervenwurzeln sind die kurzen Äste eines Spinalnervs Hirnnerven und Spinalnerven Das periphere Nervensystem besteht aus mehr als 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die den Körper wie Kabel durchziehen und Verbindungen zum Gehirn, zu anderen Körperteilen und oft auch... Erfahren Sie mehr . Die Spinalnerven entspringen dem Rückenmark über die gesamte Länge der Wirbelsäule. Jeder Spinalnerv enthält zwei Nervenwurzeln: eine motorische und eine sensorische. (Motorische Nervenwurzeln enthalten Nervenfasern, die Befehle vom Gehirn und Rückenmark zu den Muskeln leiten. Sensorische Nervenwurzeln enthalten Nervenfasern, die sensorische Informationen über beispielsweise Berührungen, Position, Schmerz und Temperatur vom Körper zum Rückenmark weiterleiten.) Nach Verlassen des Rückenmarks verbinden sich die beiden Nervenwurzeln zu einem einzelnen Spinalnerv. Jeder Spinalnerv führt dann zwischen zwei Rückenwirbeln (Wirbeln) in die Wirbelsäule hinein, um sich mit einem bestimmten Körperbereich zu verbinden. Die Hautoberfläche ist anhand dieser Körperbereiche unterteilt, die als Dermatome bezeichnet werden. Ein Dermatom ist ein Hautbereich, der von den sensiblen Fasern einer Spinalnervenwurzel autonom versorgt wird.

Die Wirbelsäule

Das Rückgrat besteht aus einer Säule von Knochen, die man Wirbelknochen nennt (Wirbelsäule). Die Wirbel schützen das Rückenmark (einen langgezogenen, empfindlichen Strang im Wirbelkanal), welches im Zentrum der Wirbelsäule verläuft. Zwischen den Wirbeln liegen Scheiben aus Knorpel (Bandscheiben), die als Abfederungspuffer des Rückgrats dienen und ihm eine gewisse Flexibilität verleihen.

Spinalnerven: Dem Rückenmark entspringen zwischen den Wirbeln 31 Spinalnervenpaare. Jeder Nerv bildet zwei kurze Äste (Wurzeln) aus – motorisch und sensorisch – die sich zu einem Spinalnerv vereinen.

Die motorischen Wurzeln leiten Befehle von Gehirn und Rückenmark in andere Körperregionen, insbesondere zur Skelettmuskulatur.

Die sensorischen Wurzeln übermitteln Informationen aus anderen Körperregionen an das Gehirn.

Cauda equina: Das Rückenmark endet zwar nach etwa drei Vierteln der Wirbelsäule, ein Nervenbündel läuft jedoch über das Rückenmark hinaus. Dieses Nervenfaserbündel heißt Cauda equina (lat. Pferdeschwanz), da es dem Schweif eines Pferdes ähnelt. Die Cauda equina überträgt Nervenimpulse zu und von den Beinen, dem unteren Darmbereich und der Blase.

Aufbau des Rückgrats

Dermatome

Die Hautoberfläche ist in die sogenannten Dermatome unterteilt. Ein Dermatom ist ein Hautbereich, der von den sensiblen Fasern einer Spinalnervenwurzel autonom versorgt wird. (Sensorische Nerven leiten sensorische Informationen - beispielsweise über Schmerz, Temperatur, Erschütterungen und Position eines Körperteils - an das Rückenmark weiter.)

  • Die sieben Halswirbel weisen acht Paar sensorischer Nervenwurzeln auf.

  • Zu den 12 Brust-, 5 Lenden- und 5 Kreuzbeinwirbeln jeweils gehört die gleiche Anzahl von Nervenwurzelpaaren.

  • Am untersten Teil des Rückenmarks gibt es ein Paar Nervenwurzeln, die einen kleinen Hautbereich des Steißbeins (Coccyx) versorgen.

Diese Nervenwurzeln weisen Dermatome auf.

Mittels sensorischer Nervenfasern übermittelt ein bestimmtes Dermatom sensorische Informationen an die Spinalnervenwurzel eines bestimmten Rückenwirbels. Beispielsweise werden sensorische Informationen von einem Hautstreifen über die Innenseite der Unterschenkel mittels sensorischer Nervenfasern an die 2. Nervenwurzel der Kreuzbeinwirbel (S2) übermittelt.

Dermatome

Ursachen

Die häufigste Ursache von Störungen der Nervenwurzel ist

Ein Bandscheibenvorfall kann eine Erkrankung der Nervenwurzeln verursachen, indem er Druck auf die daneben liegende Nervenwurzel ausübt.

Seltener übt ein Tumor oder eine andere Raumforderung (wie ein Abszess) Druck auf eine Nervenwurzel aus.

Symptome

Die Symptome einer Erkrankung der Nervenwurzeln hängen davon ab, welche Nervenwurzel betroffen ist. Schmerzen, Empfindungsstörungen und/oder Muskelschwäche treten in dem von der Nervenwurzel versorgten Körperbereich auf. Der Schmerz kann sich wie ein elektrischer Schlag anfühlen, der im betroffenen Bereich ausstrahlt. Die Muskeln können verkümmern und/oder zucken. Eine Lähmung kann auftreten.

Die Schmerzen können sich womöglich durch Bewegung verschlimmern, einschließlich Bewegungen des Rückens, beim Husten und Niesen.

Wenn die untersten Wurzeln des Rückenmarks (die Cauda equina Cauda-Syndrom Das Cauda-Syndrom tritt auf, wenn das Nervenbündel, das sich vom unteren Rückenmark ausstreckt, zusammengedrückt oder beschädigt ist. Die häufigste Ursache des Cauda-Syndroms... Erfahren Sie mehr ) betroffen sind, können die Patienten Schwäche in den Beinen, Probleme mit den Harnwegen (wie Inkontinenz oder Harnverhalt) aufweisen oder die Kontrolle über den Darm oder das Empfindungsvermögen im Gesäß, im Genitalbereich, in der Blase und im Rektum verlieren. Männer können Probleme haben, eine Erektion zu bekommen. Diese Erkrankung, die als Kauda-Syndrom bezeichnet wird, stellt einen medizinischen Notfall dar. Das Problem, z. B. ein Bandscheibenvorfall, ein Abszess, ein Tumor oder ein Blutgerinnsel, das für den Druck auf die Cauda equina verantwortlich ist, muss behandelt werden, um eine bleibende Nervenschädigung zu verhindern.

Diagnose

  • Bildgebende Verfahren

  • Manchmal elektrodiagnostische Untersuchungen

Der Arzt fragt nach den Symptomen und führt eine körperliche Untersuchung durch. Die Ergebnisse liefern Hinweise für die Diagnose und helfen dem Arzt dabei, festzustellen, wo das Problem liegt.

Die Diagnose kann mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) bestätigt werden. Durch die MRT werden sowohl das Rückenmark als auch Fehlbildungen der Weichteilgewebe um das Mark herum, wie Abszesse, Blutansammlungen (Hämatome), Tumoren und Bandscheibenvorfälle, sowie im Knochen, z. B. Tumoren, Knochenbrüche und eine zervikale Spondylose Zervikale Spondylose Bei der zervikalen Spondylose kommt es zu einer Degeneration der Halswirbel und der Bandscheiben, die dadurch Kompression auf das Rückenmark im Halsbereich ausüben. Die Osteoarthrose... Erfahren Sie mehr , dargestellt.

Wenn die MRT nicht durchgeführt werden kann und die Ergebnisse der CT unklar sind, kommt eine Myelographie zum Einsatz. Bei einer Myelographie wird ein (auf den Röntgenaufnahmen sichtbares) Kontrastmittel in den Bereich um das Rückenmark eingespritzt. Im Anschluss werden Röntgenaufnahmen erstellt. Auch eine post-Myelo-CT kann durchgeführt werden. Eine post-Myelo-CT kann detaillierte Aufnahmen des Rückenmarks und des umliegenden Knochens liefern.

Elektrodiagnostische Tests ( Elektromyographie und Messungen der Nervenleitungsgeschwindigkeit Elektromyographie und Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit Wenn aufgrund der Vorgeschichte und der neurologischen Untersuchung der Verdacht auf eine Krankheit besteht, können weitere Untersuchungen die Diagnose absichern. Die Elektroenzephalographie... Erfahren Sie mehr Elektromyographie und Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit ) werden durchgeführt, um zu bestätigen, dass die Symptome durch eine Kompression des Spinalnervs und nicht durch Probleme im Rückenmark oder in einem Nervenplexus Plexusschäden Die Plexus (Netzwerke miteinander verwobener Nervenfasern der verschiedenen Spinalnerven) können durch Verletzung, Tumoren, Bluttaschen (Hämatome) oder Autoimmunreaktionen geschä... Erfahren Sie mehr (einer Verflechtung von Nervenfasern, aus der Fasern aus verschiedenen Spinalnerven sortiert und neu zusammengefasst werden, um einem bestimmten Körperbereich zu dienen) verursacht werden. Allerdings lässt sich durch die Tests die Ursache nicht immer bestimmen.

Wenn die Ursache durch bildgebende Verfahren nicht bestimmt werden kann, wird eine Spinalpunktion durchgeführt. Außerdem analysieren die Ärzte die Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umgibt (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit), um nach Infektionen zu suchen. Ärzte messen, nachdem die Patienten gefastet haben, auch den Blutzuckerspiegel um einen Diabetes Diabetes mellitus (DM) Diabetes mellitus ist eine Erkrankung, bei welcher der Körper nicht genügend Insulin produziert oder nicht in der Lage ist, auf das gebildete Insulin richtig zu reagieren. In der Folge... Erfahren Sie mehr festzustellen.

Behandlung

  • Behandlung der Ursache

  • Behandlung von Schmerzen

  • Operation (in der Regel als letzter Ausweg)

Ursachen von Erkrankungen der Nervenwurzeln werden nach Möglichkeit behandelt.

Bei plötzlich auftretenden, unmittelbaren Schmerzen kommen Schmerzmittel (Analgetika) wie Paracetamol und nicht-steroidale Antirheumatika Nichtopioide Analgetika Manchmal wird der Schmerz durch die Behandlung der zugrundeliegenden Störung beseitigt oder minimiert. Ein Gipsverband für ein gebrochenes Bein oder Antibiotika für ein infiziertes Gelenk können... Erfahren Sie mehr (NSAR) zum Einsatz. Wenn die Symptome nicht gelindert werden, können Kortikosteroide oral verabreicht oder in den Epiduralraum injiziert werden (zwischen der Wirbelsäule und der äußeren Gewebeschicht, die das Rückenmark umgibt). Mit Kortikosteroiden ist die Schmerzlinderung jedoch eher mittelmäßig und vorübergehend.

Bei langanhaltenden (chronischen) Schmerzen Chronische Schmerzen Chronische Schmerzen sind Schmerzen, die über Monate oder Jahre andauern oder immer wieder auftreten. Unter folgenden Bedingungen gelten Schmerzen normalerweise als chronisch: Sie dauern... Erfahren Sie mehr kann sich die Behandlung als schwierig erweisen. Paracetamol und NSAR sind oft nur teilweise wirksam und die Einnahme von NSAR über einen langen Zeitraum birgt erhebliche Risiken. Opioide Schmerzmittel Opioid-Analgetika Manchmal wird der Schmerz durch die Behandlung der zugrundeliegenden Störung beseitigt oder minimiert. Ein Gipsverband für ein gebrochenes Bein oder Antibiotika für ein infiziertes Gelenk können... Erfahren Sie mehr weisen ein hohes Risiko für eine Abhängigkeit auf. Einige Antidepressiva Antidepressiva Manchmal wird der Schmerz durch die Behandlung der zugrundeliegenden Störung beseitigt oder minimiert. Ein Gipsverband für ein gebrochenes Bein oder Antibiotika für ein infiziertes Gelenk können... Erfahren Sie mehr und Antiepileptika Antiepileptika Manchmal wird der Schmerz durch die Behandlung der zugrundeliegenden Störung beseitigt oder minimiert. Ein Gipsverband für ein gebrochenes Bein oder Antibiotika für ein infiziertes Gelenk können... Erfahren Sie mehr können - obwohl sie keine reinen schmerzlindernden Wirkstoffe enthalten - zur Beseitigung der von einer Nervenschädigung hervorgerufenen Schmerzen Neuropathische Schmerzen Neuropathische Schmerzen werden durch die Beschädigung oder Fehlfunktion der Nerven, des Rückenmarks oder des Gehirns verursacht. (Siehe auch Übersicht über Schmerzen). Neuropathische... Erfahren Sie mehr führen. Auch Physiotherapie kann helfen, die Schmerzen zu lindern. Wenn all diese Behandlungen nicht wirken, möchten manche Patienten eventuell alternative Heilmethoden ausprobieren (wie z. B.: transdermale elektrische Nervenstimulation Nichtmedikamentöse Schmerzbehandlung Manchmal wird der Schmerz durch die Behandlung der zugrundeliegenden Störung beseitigt oder minimiert. Ein Gipsverband für ein gebrochenes Bein oder Antibiotika für ein infiziertes Gelenk können... Erfahren Sie mehr , Chiropraktik Chiropraktik In der Chiropraktik, einer manuellen und körperorientierten Therapie, gilt die Verbindung zwischen der Wirbelsäulenstruktur und der Funktion des Nervensystems als ausschlaggebend für die... Erfahren Sie mehr , Akupunktur Nichtmedikamentöse Schmerzbehandlung Manchmal wird der Schmerz durch die Behandlung der zugrundeliegenden Störung beseitigt oder minimiert. Ein Gipsverband für ein gebrochenes Bein oder Antibiotika für ein infiziertes Gelenk können... Erfahren Sie mehr oder Heilkräuter Übersicht über Nahrungsergänzungsmittel Zur integrativen Medizin (IMH) und Komplementär- und Alternativmedizin (KAM) gehören viele Heilmethoden und Therapien, die historisch nicht Teil der westlichen Schulmedizin sind. Die am... Erfahren Sie mehr ).

Wenn die Schmerzen unerbittlich sind oder der Druck auf die Spinalnerven zu Muskelschwäche oder einem Empfindungsverlust führt, kann eine Operation zur Druckentlastung erforderlich sein. Wenn eine Kompression der Cauda equina oder des Rückenmarks eine Harn- oder Stuhlinkontinenz verursacht, ist in der Regel eine Operation erforderlich, um eine dauerhafte Schädigung zu verhindern.

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