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Behandlung psychischer Störungen

Von

Michael B. First

, MD, Columbia University

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Nov 2017| Inhalt zuletzt geändert Nov 2017
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Quellen zum Thema

Bei der Behandlung psychischer Störungen wurden außerordentliche Fortschritte gemacht. Als Ergebnis können jetzt viele psychische Gesundheitsstörungen fast so erfolgreich behandelt werden wie körperliche Erkrankungen.

Die meisten Behandlungsmethoden für psychische Gesundheitsstörungen können kategorisiert werden als entweder:

  • Somatisch

  • Psychotherapeutisch

Somatische Behandlungsmethoden umfassen u. a. Medikamente, Elektrokrampftherapie und andere Therapien, die das Gehirn stimulieren (wie zum Beispiel transkranielle Magnetstimulation und Vagusnervstimulation).

Psychotherapeutische Behandlungen sind u. a. Psychotherapie (Einzel-, Gruppen-, Familien- oder Ehetherapie), Verhaltenstherapietechniken (wie zum Beispiel Entspannungstraining oder Konfrontationstherapie) und Hypnosetherapie.

Die meisten Studien zeigen, dass eine Kombination von Behandlungsansätzen mit Medikamenten und Psychotherapie bei schweren psychischen Gesundheitsstörungen wirkungsvoller ist als eine dieser Behandlungsmethoden allein.

Psychiater sind nicht die einzigen Fachkräfte in der psychischen Gesundheitsfürsorge, die dafür ausgebildet sind, psychische Erkrankungen zu behandeln. Dies können auch klinische Psychologen, medizinische Fachkräfte und Sozialarbeiter sein. Trotzdem sind Psychiater (und in einigen US-Bundesstaaten psychiatrische Fachpflegekräfte) die einzigen Fachkräfte, die lizenziert sind, Medikamente zu verschreiben. Andere Fachkräfte in der psychischen Gesundheitsfürsorge praktizieren hauptsächlich Psychotherapie. Viele Hausärzte und Ärzte anderer Fachrichtungen verschreiben ebenfalls Medikamente, um psychische Gesundheitsstörungen zu behandeln.

Tabelle
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Arten von Fachkräften in der psychischen Gesundheitsfürsorge

Medizinische Fachkraft

Ausbildung

Fachbereich

Psychiater

Psychiater sind Ärzte, die nach dem Medizinstudium eine medizinische und psychiatrische Ausbildung von vier oder mehr Jahren absolviert haben.

Dürfen Medikamente verschreiben, Elektrokrampftherapie anwenden und Personen in ein Krankenhaus einweisen

Praktizieren nur Psychotherapie oder verschreiben nur Medikamente oder beides

Psychologe

Niedergelassener Arzt, der einen Magister- oder Doktorgrad, aber keinen medizinischen Abschluss besitzt

Hat oft eine weitere Ausbildung im Anschluss an die Promotion und ist gewöhnlich dazu ausgebildet, psychologische Tests durchzuführen, welche bei der Diagnose hilfreich sind

Darf Psychotherapie praktizieren, aber keine körperlichen Untersuchungen durchführen, Medikamente verschreiben (in den meisten US-Bundesstaaten) oder Personen in ein Krankenhaus einweisen

Psychiatrischer Sozialarbeiter

Ein behandelnder Fachmann mit Spezialausbildung für bestimmte Aspekte der Psychotherapie wie zum Beispiel Familien- und Ehetherapie oder Einzelpsychotherapie

Oft ausgebildet, um als Vermittler zwischen den Sozialdiensten in einem US-Bundesstaat zu fungieren

Kann einen Magisterabschluss und manchmal auch promoviert haben

Darf keine körperlichen Untersuchungen vornehmen oder Medikamente verschreiben

Psychiatrischer Fachgesundheits- oder Krankenpfleger

Examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger mit Magister- oder höherem Abschluss und Ausbildung in der Verhaltenspsychologie

Darf in einigen US-Bundesstaaten Psychotherapie selbstständig praktizieren und unter Aufsicht eines Arztes Medikamente verschreiben

Psychoanalytiker

Kann ein Psychiater, Psychologe oder Sozialarbeiter sein, der eine jahrelange Ausbildung in der Anwendung der Psychoanalyse hat (einer Art intensiver Psychotherapie, die mehrere Sitzungen pro Woche beansprucht und dazu ausgelegt ist, unterbewusste Gedankenmuster, Gefühle und Verhaltensweisen zu erkunden)

Praktiziert Psychoanalyse und darf auch Medikamente verschreiben und Personen in ein Krankenhaus einweisen, wenn er auch Psychiater ist

Medikamentöse Behandlung

Eine Reihe von Psychopharmaka sind hocheffektiv und werden von Psychiatern und Ärzten häufig genutzt. Diese Medikamente sind oft entsprechend der Störung kategorisiert, gegen die sie hauptsächlich verordnet werden. Beispielsweise werden Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen eingesetzt.

Die am häufigsten verwendete Klasse von Antidepressiva sind:

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, (SSRIs), z. B. Fluoxetin, Sertralin, Paroxetin und Citalopram

Andere Klassen von Antidepressiva umfassen:

  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs), z. B. Venlafaxin, Duloxetin oder Desvenlafaxin

  • Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer, wie z. B. Bupropion

Trizyklische Antidepressiva wie z. B. Amitriptylin und Nortriptylin werden heute aufgrund ihrer Nebenwirkungen nur noch selten zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Allerdings können diese Medikamente verwendet werden, wenn Menschen an einer Störung leiden, die zu chronischen Schmerzen führt und die sie bei ihren Aktivitäten und ihrer Arbeit behindern. Trizyklische Antidepressiva können bei der Linderung bestimmter Formen von Schmerzen helfen.

Monoaminoxidase-Hemmer können effektiv sein, werden aber kaum genutzt, außer wenn andere Antidepressiva nicht gewirkt haben.

Ältere Antipsychotika wie zum Beispiel Chlorpromazin, Haloperidol und Thiothixen sind hilfreich bei der Behandlung von psychotischen Störungen wie der Schizophrenie. Neuere Antipsychotika (gewöhnlich atypische Antipsychotika oder Antipsychotika der zweiten Generation genannt) wie zum Beispiel Risperidon, Olanzapin, Quetiapin, Ziprasidon und Aripiprazol werden jetzt für gewöhnlich zur anfänglichen Behandlung genutzt. Bei Personen, die auf andere Antipsychotika nicht ansprechen, wird immer öfter Clozapin eingesetzt.

SSRI und Angst lösende Medikamente (Anxiolytika) wie Clonazepam, Lorazepam und Diazepam, wie auch andere Antidepressiva, werden genutzt, um Angststörungen wie die Panikstörung und Phobien zu behandeln.

Phasenprophylaktika wie Lithium, Carbamazepin, Valproinsäure, Lamotrigin und Topiramat werden genutzt, um bipolare Störung zu behandeln.

Elektrokrampftherapie

Bei einer Elektrokrampftherapie (EKT; auch Elektrokonvulsionstherapie) werden Elektroden an der Kopfhaut befestigt und unter Betäubung eine Reihe von Stromimpulsen an das Gehirn abgegeben, um kurze Krampfanfälle auszulösen. Diese Methode hat sich konsistent bei der Behandlung schwerer Depressionen als am wirkungsvollsten erwiesen. Viele Menschen, die mit der Elektrokrampftherapie behandelt werden, erleiden einen vorübergehenden Gedächtnisverlust. Entgegen der Darstellung in den Medien, ist die Elektrokrampftherapie sicher und führt nur selten zu anderen Komplikationen. Die Nutzung von Anästhetika und muskelentspannenden Medikamenten haben etwaige Risiken deutlich reduziert.

Andere Therapien mit Hirnstimulation

Andere Therapien, die das Hirn stimulieren, wie die repetitive transkranielle Magnetstimulation und die Vagusnervstimulation, werden untersucht und könnten für Personen mit Depressionen nützlich sein, die auf andere Medikamente oder Psychotherapie nicht ansprechen. Diese Therapien schließen die direkte Aktivierung oder Stimulierung des Hirns mit Magneten oder Implantaten ein, die den Vagusnerv stimulieren. Von den stimulierten Zellen wird angenommen, dass sie chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) aussenden, welche dabei helfen, die Stimmung zu regulieren und damit die Symptome der Depressionen lindern. Diese Verfahren werden typischerweise für Personen genutzt, die nicht auf Medikamente oder Psychotherapie ansprechen.

Psychotherapie

In den letzten Jahren gab es auf dem Gebiet der Psychotherapie, das manchmal als Sprechtherapie bezeichnet wird, erhebliche Fortschritte. Durch die Schaffung einer emphatischen und empfangsbereiten Atmosphäre ist der Therapeut oft in der Lage, der Person zu helfen, die Ursache des Problems zu identifizieren und Alternativen im Umgang damit zu erwägen. Das emotionale Bewusstsein und die Erkenntnis, welche die Person durch Psychotherapie gewinnt, resultiert oft in einer Veränderung der Einstellung und des Verhaltens, was es der Person erlaubt, ein erfüllteres und zufriedeneres Leben zu führen.

Eine Psychotherapie kommt bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen als wirksame Behandlung infrage. Selbst Menschen, die nicht an einer psychischen Gesundheitsstörung leiden, können von einer Psychotherapie profitieren, wenn es darum geht, mit beruflichen Schwierigkeiten, dem Tod eines nahe stehenden Menschen oder der chronischen Krankheit eines Familienmitglieds fertig zu werden. Gruppen-, Paar- und Familientherapie ist ebenfalls weit verbreitet.

Die meisten Psychiater praktizieren sechs Formen von Psychotherapie:

  • Verhaltenstherapie

  • Kognitive Therapie

  • Interpersonelle Therapie

  • Psychoanalyse

  • Psychodynamische Psychotherapie

  • Unterstützende Psychotherapie

Verhaltenstherapie ist mit der kognitiven Therapie verwandt. Manchmal wird eine Kombination aus beiden, bekannt als kognitive Verhaltenstherapie, angewendet. Die theoretische Basis der Verhaltenstherapie ist die Lerntheorie, welche besagt, dass abnormales Verhalten auf falsch Gelerntem basiert. Die Verhaltenstherapie beinhaltet eine Anzahl von Interventionen, die darauf ausgelegt sind, dem Patienten zu helfen, schlecht angepasste Verhaltensweisen abzulegen und besser angepasste Verhaltensweisen zu erlernen. Die Konfrontationstherapie, die oft angewendet wird, um Phobien zu behandeln, ist ein Beispiel der Verhaltenstherapie ( Behandlung).

Kognitive Therapie hilft Patienten, Verzerrungen im Denken zu identifizieren und zu verstehen, wie diese Verzerrungen zu Problemen in ihrem Leben führen. Die Prämisse ist, dass die Gefühle und das Verhalten von Personen davon bestimmt werden, wie sie Erfahrungen interpretieren. Durch die Identifizierung der grundlegenden Überzeugungen und Annahmen lernen Patienten, auf andere Weise über ihre Erfahrungen nachzudenken, die Symptome zu vermindern und eine Verbesserung des Verhaltens und der Gefühle zu erreichen.

Die interpersonelle Psychotherapie wurde ursprünglich als kurze psychologische Behandlung von Depressionen angesehen und ist dafür ausgelegt, die Qualität der Beziehungen der depressiven Person zu verbessern. Sie konzentriert sich auf das Folgende:

  • Unbewältigte Trauer

  • Konflikte, die zustande kommen, wenn Personen Rollen übernehmen müssen, die nicht ihren Erwartungen entsprechen (zum Beispiel, wenn eine Frau eine Beziehung aufnimmt in der Erwartung, Mutter und Hausfrau zu sein, und herausfindet, dass sie auch der Hauptgeldverdiener der Familie sein muss)

  • Umstellungen in sozialen Rollen (zum Beispiel der Übergang vom Arbeitsleben in die Rente)

  • Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit anderen.

Der Therapeut bringt dem Patienten bei, Aspekte seiner interpersonellen Beziehungen zu verbessern, wie zum Beispiel soziale Isolation zu überwinden und auf andere Personen anders als gewöhnlich zu reagieren.

Psychoanalyse ist die älteste Form der Psychotherapie und wurde von Sigmund Freud in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt. Der Patient liegt typischerweise vier oder fünf Mal pro Woche auf einer Couch in der Praxis des Therapeuten und versucht zu erzählen, was ihm in den Sinn kommt – eine Methode, die freie Assoziation genannt wird. Der Fokus liegt zum Großteil darauf, zu verstehen, wie sich vergangene Beziehungsmuster in der Gegenwart wiederholen. Die Beziehung zwischen dem Patienten und dem Therapeuten ist der wichtigste Teil dieser Ausrichtung. Ein Verständnis davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart beeinflusst, hilft dem Patienten, neue und adaptive Wege zu finden, um in Beziehungen und im Arbeitsumfeld zurecht zu kommen.

Die psychodynamische Psychotherapie betont, wie die Psychoanalyse, die Identifizierung unbewusster Muster in gegenwärtigen Gedanken, Gefühlen und Verhalten. Die Person sitzt jedoch normalerweise und liegt nicht auf der Couch und nimmt nur an ein bis drei Sitzungen pro Woche teil. Außerdem liegt der Schwerpunkt weniger auf der Beziehung zwischen dem Patienten und dem Therapeuten.

Unterstützende Psychotherapie, welche am weitesten verbreitet ist, beruht auf der emphatischen und unterstützenden Beziehung zwischen der Person und dem Therapeuten. Sie ermutigt dazu, Gefühle auszudrücken, und der Therapeut leistet Hilfe bei der Problemlösung. Problembezogene Psychotherapie, eine Form der unterstützenden Psychotherapie, kann erfolgreich vom Hausarzt eingesetzt werden.

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