Kaffee kann einem Herz guttun, solange er gefiltert ist
HealthDay Reporter
MITTWOCH, 29. April 2020 (HealthDay News) - Die Anweisungen, zu Hause zu bleiben, bedeuten, dass viele Menschen ihren Morgenkaffee zum ersten Mal zubereiten. Eine neue, zeitgerechte Studie legt nahe, dass die Verwendung einer Filterkaffeemaschine am gesündesten ist.
Die Forscher stellten fest, dass Kaffeetrinker typischerweise ein längeres Leben genießen als Nichttrinker, aber nur, wenn der Kaffee gefiltert wurde, was darauf hindeutet, dass Espresso-Liebhaber Pech haben könnten.
Die Studie an über 500.000 norwegischen Erwachsenen ergab, dass Personen, die regelmäßig Filterkaffee tranken, im Laufe von 20 Jahren eine um 15 % geringere Wahrscheinlichkeit aufwiesen, zu sterben, als diejenigen, welche dies nicht taten.
Im Gegensatz dazu zeigten Kaffeetrinker, die Brühmethoden ohne Filter bevorzugten, keinen Überlebensvorteil. Und diejenigen, welche sich neun oder mehr Tassen am Tag gönnten, hatten ein leicht erhöhtes Sterberisiko aufgrund von Herzerkrankungen.
Ungefilterter Kaffee bezieht sich auf Aufgussgetränke, bei denen der Satz ausgedehnten Kontakt mit heißem Wasser hat. Dazu gehören Espresso, gekochte Kaffeesorten und mit einer Stempelkanne zubereiteter Kaffee.
Forschern ist seit Jahren bekannt, dass ungefilterter Kaffee höhere Konzentrationen an natürlichen Ölen enthält, die den Cholesterinspiegel im Blut erhöhen können. Und laut dem Forschungsleiter Dr. Dag Thelle, Professor an der Universität Göteborg in Schweden, ist es möglich, dass dies die jüngsten Ergebnisse erklärt.
„Unsere Studie legt nahe, dass Kaffee, der einen Filter passiert, das vorteilhafteste Kaffeegetränk ist, wenn es um gesundheitliche Folgen geht“, sagte Thelle.
Allerdings belegen die Ergebnisse keine Ursache-Wirkung-Beziehung, sagte Connie Diekman, Lebensmittel- und Ernährungsberaterin und ehemalige Präsidentin der Academy of Nutrition and Dietetics.
Zum einen fehlte es der Studie an Informationen über die Ernährungsweise der Personen, zum Beispiel, ob sie ihren Kaffee mit Zucker und Sahne tranken oder ihren Espresso mit Keksen genossen. Daher ist es möglich, dass die Ernährungsweise die verschiedenen Ergebnisse für die gefilterten und ungefilterten Kaffeetrinker zu erklären hilft, sagte Diekman.
„Ungefilterter Kaffee ermöglicht einigen [Cholesterin erhöhenden] Bestandteilen der Kaffeebohne, in die Tasse zu tropfen, die wir trinken“, stimmte sie zu. „Doch die gute Nachricht ist, dass die Menge nicht ausreichend ist, um für die meisten Menschen die alleinige Ursache für einen erhöhten Cholesterinspiegel zu sein.“
Die Ergebnisse, welche am 23. April im European Journal of Preventive Cardiology veröffentlicht wurden, beruhen auf mehr als 508.000 Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren zu Beginn. Im Laufe der nächsten 20 Jahre verstarben mehr als 46.000.
Diejenigen, welche regelmäßig Filterkaffee tranken, wiesen eine um 15 % geringere Wahrscheinlichkeit auf, zu sterben, als die Personen, welche selten oder nie Kaffee tranken. Dies war der Fall, nachdem die Forscher einige andere Unterschiede zwischen den Gruppen berücksichtigten, wie Körpergewicht, Blutdruck, Cholesterinspiegel und Bewegungs- und Rauchgewohnheiten.
Das Bild sah anders für Personen aus, welche die traditionelle norwegische Methode des Simmerns von gemahlenem Kaffee in Wasser kurz unter dem Siedepunkt bevorzugten. Ihr Risiko, während der Studie zu sterben, war vergleichbar mit dem von Nichttrinkern.
Und Personen, die reichlich ungefilterten Kaffee hinunterschütteten - mindestens neun Tassen pro Tag -, hatten ein um 9 % höheres Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben.
Im Allgemeinen schien die „gesündeste“ Kaffeegewohnheit eine bis vier Tassen gefiltertes Gebräu pro Tag zu sein, meinte Thelle. Diese Personen hatten das geringste Todesrisiko, insbesondere aufgrund von Herzerkrankungen oder Schlaganfall.
Whitney Linsenmeyer ist außerordentliche Professorin für Ernährung an der Saint Louis University und Sprecherin für die Academy of Nutrition and Dietetics. Wie Diekman, sagte sie, dass die Ergebnisse per se ungefiltertem Kaffee nicht die Schuld in die Schuhe schieben können.
„Dies ist sicherlich eine interessante Studie“, meinte Linsenmeyer. „Doch es gibt möglicherweise viel mehr Einflussfaktoren bei Ihrer Wahl des Kaffees zu berücksichtigen, wie die Gesamtmenge im Laufe Ihres Tages oder die Verwendung von Süßstoffen.“
Dies bedeutet nicht, dass es verkehrt ist, wenn Sie Ihren Kaffee mit etwas Milch oder Zucker verfeinern, fügte sie hinzu. Seien Sie sich jedoch darüber im Klaren, dass dabei zusätzliche Kalorien hinzugefügt werden, und beziehen Sie dies in Ihre Gesamternährung mit ein, empfahl Linsenmeyer.
Was Koffein anbelangt, sagte Diekman, „deuten aktuelle Erkenntnisse darauf hin, dass bis zu 400 Milligramm pro Tag für die meisten Erwachsenen ungefährlich sind.“ Das entspricht etwa vier 230-ml-Tassen Kaffee.
Es gibt jedoch Ausnahmen, fügte Diekman hinzu. Frauen, die schwanger sind oder stillen, werden im Allgemeinen striktere Einschränkungen des Koffeins empfohlen, und Personen mit einer Herzerkrankung möchten vielleicht mit ihrem Arzt über den Koffeinkonsum sprechen.
Weitere Informationen
Die Harvard School of Public Health verfügt über weitere Informationen über gesundheitliche Auswirkungen von Kaffee.
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