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Kiefergelenkerkrankungen

Von

Noshir R. Mehta

, DMD, MDS, MS, Department of Public Health and Community Service

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Aug 2018| Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Quellen zum Thema

Die Kiefergelenke sind die Verbindungen zwischen dem Schläfenbein der Schädelknochen und dem Unterkieferknochen (Mandibula). Es gibt zwei Kiefergelenke, jeweils eines auf jeder Seite des Gesichts direkt vor den Ohren. Bänder, Sehnen und Muskeln stützen die Gelenke und sind für die Beweglichkeit des Kiefers verantwortlich.

  • Kiefergelenkerkrankungen werden von Problemen in den Kiefermuskeln oder -gelenken oder dem verbundenen Bindegewebe verursacht.

  • Betroffene leiden unter Kopfschmerzen und Druckempfindlichkeit der Kaumuskulatur oder hören Knackgeräusche in den Kiefergelenken.

  • Der Arzt kann die Diagnose gewöhnlich durch eine körperliche Untersuchung stellen. In manchen Fällen werden auch bildgebende Verfahren eingesetzt.

  • Behandelt werden diese Erkrankungen gewöhnlich mit einer Aufbiss-Schiene und schmerzlindernden Medikamenten.

Das Kiefergelenk ist eines der komplexesten Gelenke des menschlichen Körpers: Es öffnet und schließt sich wie ein Scharnier und verschiebt sich vorwärts, rückwärts und seitlich. Während man kaut, ist es enormem Druck ausgesetzt, abhängig von der Position und dem Gesundheitszustand der oberen und unteren Zähne, die beim Schließen der Gelenke wie eine Art Türstopper wirken. Das Kiefergelenk enthält ein Stück von dichtem Fasergewebe, das als Gelenkscheibe bezeichnet wird. Sie verhindert, dass Unterkiefer- und Schädelknochen aneinander reiben.

Kiefergelenkerkrankungen, zuvor CMD (craniomandibuläre Dysfunktion) genannt, treten häufig bei Frauen Anfang zwanzig und zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. In seltenen Fällen sind Kiefergelenkerkrankungen angeboren. Zu den Kiefergelenkerkrankungen gehören Probleme mit den Gelenken, den Muskeln, und den umliegenden Bindegewebssträngen (Faszien).

Ursachen

Ursache für Kiefergelenkerkrankungen ist sehr häufig eine Kombination aus Muskelverspannungen und anatomischen Problemen innerhalb des Gelenks. Manchmal trägt auch eine psychologische Komponente dazu bei. Das Zusammenbeißen und Knirschen von Zähnen (Bruxismus), Ganzkörpererkrankungen (z. B. Osteopenie oder genetisch bedingte Knochenerkrankungen), Infektionen, Verletzung, Fehlbiss aufgrund von Zahnlücken und selbst dauerhaftes Kaugummikauen können Symptome hervorrufen. Spezifische Ursachen umfassen

  • Muskelschmerzen und Verspannungen

  • Craniomandibuläre Dysfunktion

  • Arthritis

  • Versteifung

  • Übermäßige Beweglichkeit

Muskelschmerzen und Verspannungen

Muskelschmerzen und Verspannungen um den Kiefer (myofasziales Schmerzsyndrom) ist eine der häufigsten Erkrankungen des Kiefergelenks. Schmerzen beruhen vorwiegend darauf, dass die Muskeln, oft wegen Fehlstellung der oberen und unteren Zahnreihen, fehlender Zähne, Verletzungen von Kopf oder Hals, psychischer Stress, Schlafstörungen oder auch Zahnschmerzen übermäßig beansprucht werden. Schmerzen können zudem durch ein zu weites Öffnen des Kiefers verursacht werden. Zu Muskelschmerzen und Verspannungen kann es durch Zähnezusammenbeißen und Zähneknirschen in der Nacht aufgrund von psychologischem oder schlafbedingtem Stress kommen. Im Schlaf sind die Kräfte beim Pressen und Knirschen meist größer als im Wachzustand. Muskelschmerzen und Verspannungen treten häufiger bei Frauen auf und betreffen in der Regel Frauen Anfang zwanzig sowie kurz vor oder während der Wechseljahre (Menopause).

Das Kiefergelenk

Das Kiefergelenk

Craniomandibuläre Dysfunktion

Bei der häufigsten Form der craniomandibulären Dysfunktion (Störung des Kausystems) liegt die Knorpelscheibe im Inneren des Kiefergelenks vor ihrer normalen Position (anteriore Diskusverlagerung). Bei einem Krampf der Kiefermuskulatur kann die Gelenkscheibe verschoben werden. Zu einem Krampf (Spasmus) kommt es bei Menschen, die an angeborenen Kieferstörungen oder einer Kiefergelenkentzündung leiden.

Die interne Verlagerung des Kiefergelenks kann mit oder ohne Reposition auftreten. Reposition bedeutet, dass sich die Gelenkteile wieder an ihre normale Position zurückbewegt haben. Eine Diskusverlagerung mit Reposition ist häufiger als eine Verlagerung ohne Reposition. Sie tritt bei etwa einem Drittel der erwachsenen Bevölkerung auf. Bei einer Diskusverlagerung mit Reposition liegt die Gelenkscheibe nur beim Schließen des Mundes vor ihrer normalen Position. Wenn der Mund aufgeht und sich der Kiefer nach vorne schiebt, rutscht die Knorpelscheibe in ihre normale Lage. Wenn sich der Mund schließt, rutscht die Scheibe wieder nach vorne. Bei einer Diskusverlagerung ohne Reposition schiebt sich die Gelenkscheibe überhaupt nicht mehr in die normale Position zurück und die Kieferöffnung ist eingeschränkt. Eine craniomandibuläre Dysfunktion kann zu einer Entzündung am Gelenk (Kapsulitis) führen.

Arthritis

Gelenkentzündung (Arthritis) im Kiefergelenk kann aus einer Osteoarthrose, einer rheumatoiden Arthritis, einer infektiösen Arthritis und einer Verletzung, besonders einer solchen, die ins Gelenk blutet, resultieren. Solche Verletzungen sind bei Kindern relativ häufig, die einen Schlag seitlich aufs Kinn erhalten.

Osteoarthrose, eine Gelenkentzündung, die zu Abbau von Knorpeln in den Gelenken führt, kommt am häufigsten bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr vor. Bei einer Kiefergelenksosteoarthrose wird die Gelenkscheibe im Gelenk umgebaut und verändert ihre Form (degenerative Veränderungen). Zur Osteoarthrose kommt es meist dann, wenn die Knorpelscheibe fehlt oder löchrig geworden ist.

Rheumatoide Arthritis ist eine Erkrankung, bei der der Körper sein eigenes Gewebe angreift (Autoimmunkrankheit) und eine Entzündung verursacht, die bei 17 Prozent der Betroffenen das Kiefergelenk in Mitleidenschaft zieht. Das Kiefergelenk ist in der Regel das letzte Gelenk, das von rheumatoider Arthritis befallen wird.

Infektiöse Arthritis wird von einer Infektion hervorgerufen, die sich aus einem Nachbarbereich, wie Kopf oder Hals, oder über das Blut aus einer anderen Körperregion auf das Kiefergelenk ausgebreitet hat.

Posttraumatische Arthritis, bei der sich das Gelenk aufgrund einer Verletzung (z. B. wenn der Kiefer bei einer Zahnbehandlung übermäßig weit geöffnet wurde) entzündet, ist eine seltene Form von Arthritis.

Versteifung

Gelenkversteifung (Ankylose) tritt auf, wenn die Knochen im Gelenk zusammenwachsen oder die dazugehörigen Bänder verkalken (kalzifizieren). Eine Gelenkversteifung wird häufig durch eine Verletzung oder eine Infektion verursacht. Sie kann allerdings bereits bei der Geburt bestehen oder durch rheumatoide Arthritis hervorgerufen werden.

Übermäßige Beweglichkeit

Zu einer übermäßigen Beweglichkeit (Hypermobilität) kann es kommen, wenn sich die Bänder dehnen, die das Gelenk zusammenhalten. Bei der Hypermobilität wird die Verlagerung gewöhnlich durch die Form der Gelenke, Bandinstabilität (Laxität) und Muskelspannung hervorgerufen. Ursachen sind beispielsweise ein übermäßiges Öffnen des Mundes oder ein Schlag auf den Kiefer.

Symptome

Symptome einer Kiefergelenkerkrankung sind Kopfschmerzen, Empfindlichkeit der Kaumuskulatur und knackende oder klemmende Gelenke. Manchmal scheinen die Schmerzen eher in der Umgebung der Kiefergelenke als direkt in ihnen zu sitzen. Kiefergelenkerkrankungen können die Ursache ständig wiederkehrender Kopfschmerzen sein, die auf die übliche Behandlung nicht ansprechen. Andere Symptome, die auftreten können, sind Nackensteife und -schmerzen, die bis in die Schultern ausstrahlen, Benommenheit, Ohrenschmerzen, „verstopfte“ Ohren und Schlafprobleme.

Menschen mit Kiefergelenkerkrankungen haben Schwierigkeiten, den Mund weit zu öffnen. Die meisten Menschen ohne Kiefergelenkerkrankungen können bei geöffnetem Mund ohne Anstrengung Zeige-, Mittel- und Ringfinger übereinander in den Zwischenraum zwischen Ober- und Unterkiefer halten. Wenn jemand Kiefergelenkerkrankungen hat, ist dieser Zwischenraum meist kleiner (mit Ausnahme von Hypermobilität).

Muskelschmerzen und Verspannungen

Menschen mit Muskelschmerzen empfinden nach dem Aufwachen und in Stresssituationen während des Tages Schmerzen und Verspannungen seitlich am Gesicht. Nächtliches Zusammenbeißen der Zähne und Zähneknirschen sowie schlafbezogene Atmungsstörungen, wie z. B. obstruktive Schlafapnoe, können dazu führen, dass die Betroffenen morgens mit Kopfschmerzen aufwachen, die im Laufe des Tages langsam verschwinden. Die Symptome, einschließlich Kopfschmerzen, halten jedoch auch tagsüber an, wenn die Betroffenen auch im Wachzustand weiterhin die Zähne zusammenpressen und mit den Zähnen knirschen. Wenn sich der Mund öffnet, kann sich der Unterkiefer leicht nach der einen oder anderen Seite verschieben (Deviation). In manchen Fällen lässt er sich nicht vollständig öffnen. Die Kaumuskulatur schmerzt in der Regel und ist berührungsempfindlich.

Craniomandibuläre Dysfunktion

Bei einer internen Gelenkverschiebung in Verbindung mit einer anterioren Diskusverlagerung mit Reposition tritt gewöhnlich ein klickendes oder knackendes Geräusch im Gelenk auf, wenn der Mund weit geöffnet wird, und wenn sich der Unterkiefer seitlich verschiebt. Manche Menschen nehmen diese Geräusche bei der Kieferbewegung wahr. Bei vielen Menschen sind diese Gelenkgeräusche die einzigen Symptome. Manche Menschen haben jedoch Schmerzen, insbesondere wenn sie etwas Hartes kauen. Bei einem kleinen Prozentsatz der Menschen, denen Zähne fehlen und die mit den Zähnen knirschen, gibt es diese Geräusche auch bei geschlossenem Kiefer.

Bei Verlagerung der Knorpelscheibe in Verbindung mit einer anterioren Diskusverlagerung ohne Reposition kommt es in der Regel nicht zu Geräuschen, jedoch können die Betroffenen ihren Mund nur unter Schwierigkeiten weit öffnen. In der Regel treten Schmerzen auf und die Person hat das Gefühl, dass ihr Gelenk deplatziert ist. Personen mit fortgesetztem Kiefergelenksknacken (anteriore Diskusverlagerung mit Reposition) tritt diese Art der Gelenkverschiebung in der Regel plötzlich auf. Zuweilen können die Betroffenen ihren Mund morgens nicht vollständig öffnen. Nach sechs bis zwölf Monaten gehen die Schmerzen unter Umständen zurück, doch der Mund kann weiterhin nur eingeschränkt weit geöffnet werden.

Arthritis

Da die Ostheoarthrose vorwiegend auftritt, wenn die Knorpelscheibe fehlt oder löchrig geworden ist, haben die Betroffenen ein Reibungsgefühl in den Kiefergelenken, wenn sie den Mund öffnen oder schließen, oder sie verspüren Steifigkeit, leichte Schmerzen oder eine Kombination dieser Symptome. Bei schwerer Osteoarthrose flacht sich die Spitze des Kieferknochens ab, und die Betroffenen können den Mund nicht weit öffnen. Der Kiefer kann zu der betroffenen Seite verschoben sein und sich nicht in die ursprüngliche Position zurückbewegen lassen.

Rheumatoide Arthritis verursacht Schmerzen und Schwellungen und führt zu eingeschränkter Beweglichkeit. Hier sind gewöhnlich beide Kiefergelenke etwa gleich stark betroffen, was bei anderen Kiefergelenkerkrankungen nur selten der Fall ist. Bei schwerer rheumatoider Arthritis, vor allem bei Kindern, wird die Spitze des Kieferknochens abgebaut und verkürzt sich, was eine Deformierung des Gesichts hervorruft. Diese Schäden können zu einer plötzlichen Fehlstellung einiger oder aller Zähne im Ober- und Unterkiefer führen. Bei ausgedehnten Schäden kann der Kieferknochen schließlich mit dem Schädel verwachsen (Ankylose), obwohl dies sehr selten ist.

Bei einer infektiösen Arthritis ist der Bereich über und rund um das Kiefergelenk entzündet, der Kiefer lässt sich nur eingeschränkt bewegen und schmerzt.

Posttraumatische Arthritis verursacht Schmerzen, Druckempfindlichkeit und führt zu eingeschränkter Beweglichkeit.

Versteifung

Eine Verkalkung der Bänder um das Gelenk (extraartikuläre Ankylose) ist in der Regel nicht schmerzhaft, allerdings lässt sich der Mund nur ungefähr zweieinhalb Zentimeter oder weniger öffnen. Eine Verwachsung der Knochen innerhalb des Gelenks (intraartikuläre Ankylose) verursacht Schmerzen und beeinträchtigt die Kieferbeweglichkeit noch weiter.

Übermäßige Beweglichkeit

Bei übermäßiger Beweglichkeit (Hypermobilität) kann der Unterkiefer nach vorne rutschen und sich völlig aus seiner Gelenkverbindung lösen (Luxation), was Schmerzen verursacht und dazu führt, dass der Mund nicht mehr geschlossen werden kann. Eine Gelenkausrenkung kann plötzlich und wiederholt auftreten.

Diagnose

  • Beurteilung durch einen Arzt oder Zahnarzt

  • Manchmal bildgebende Diagnostikverfahren

  • Für infektiöse Arthritis, Aspiration von Flüssigkeit

  • Manchmal Polysomnographie

Der Zahnarzt stellt die Diagnose einer Kiefergelenkerkrankung fast immer lediglich anhand der gesundheitlichen Vorgeschichte des Patienten und einer körperlichen Untersuchung. Zur Untersuchung gehört es, das Gesicht an den Seiten abzutasten und mit dem kleinen Finger vorsichtig gegen das Ohr des Betroffenen zu drücken, während er den Kiefer öffnet und schließt. Dabei wird auf Schließ-, Klick- und Knackgeräusche geachtet. Außerdem tastet der Arzt die Kaumuskulatur ab, um festzustellen, ob sie schmerzt oder druckempfindlich ist, und achtet darauf, ob sich der Kiefer verschiebt, wenn der Betroffene die Kiefer schließt. Der Arzt bittet den Betroffenen, den Mund so weit wie beschwerdefrei möglich zu öffnen. Eine Person mit durchschnittlicher Körpergröße kann den Mund mindestens ca. vier Zentimeter öffnen.

Wenn der Arzt eine interne Verlagerung des Kiefergelenks vermutet, können weitere Tests durchgeführt werden. Standardmäßig wird anhand einer Magnetresonanztomographie (MRT) festgestellt, ob sich das Kiefergelenk intern verlagert hat oder warum die Behandlung nicht erfolgreich ist.

Eine Arthrose wird vermutet, wenn beim Öffnen des Mundes ein knirschendes Geräusch (Crepitus) vernommen werden kann. Eine Röntgenaufnahme oder eine Computertomographie (CT) können die Diagnose bestätigen.

Eine infektiöse Arthritis kann vorliegen, wenn der Bereich über und rund um das Kiefergelenk entzündet ist, das Gelenk schmerzt und der Mund sich nicht richtig öffnen lässt. Infektionen in anderen Teilen des Körpers können ebenfalls als Hinweis dienen. Um die Diagnose zu bestätigen, entnimmt der Arzt mit einer Kanüle eventuell Flüssigkeit aus dem Kiefergelenk (Aspiration), die auf Bakterien untersucht wird.

Ist übermäßige Beweglichkeit des Kiefergelenks die Ursache, kann der Betroffene den Mund gewöhnlich mehr als drei Finger breit öffnen. Dabei ist der Kiefer unter Umständen dauerhaft ausgerenkt. Ist hingegen Gelenkversteifung die Ursache, ist der Bewegungsspielraum des Kiefers in der Regel stark eingeschränkt.

Treten weiterhin Symptome wie Muskelschmerzen und -verspannungen auf, wird von den Ärzten womöglich eine Untersuchung auf eine Schlafstörung veranlasst. Bei dieser Untersuchung handelt es sich um die sogenannte Polysomnographie.

Behandlung

  • Aufbiss-Schiene und Schmerzmittel

  • Zuweilen Physiotherapie

  • Manchmal operative Eingriffe

  • Manchmal weitere Medikamente (z. B. Muskelrelaxantien, Schlafmittel oder Botulinumtoxin)

Die Behandlung kann je nach Ursache sehr unterschiedlich ausfallen. Zwei weit verbreitete Methoden sind das Anbringen von Aufbiss-Schienen (auch Mundschutz genannt) und die Gabe von Schmerzmitteln, wie nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR).

Muskelschmerzen und Verspannungen

Eine Aufbiss-Schiene dient bei Muskelschmerzen und Verspannungen im Kiefergelenk als Hauptbehandlungsmethode. Wenn die Betroffenen wissen, dass sie die Zähne zusammenpressen oder mit den Zähnen knirschen, können sie mit dieser Schiene etwas gegen diese Angewohnheit unternehmen. Eine dünne Aufbiss-Schiene aus Kunststoff wird an der oberen oder unteren Zahnreihe angepasst und gleicht somit den „Biss“ aus. Die Schiene, die gewöhnlich nachts getragen wird (Nachtschiene), verringert das Zähneknirschen und erlaubt den Kiefermuskeln, sich zu entspannen und zu erholen. Bei Schmerzen während des Tages führt die Schiene dazu, dass die Kiefermuskulatur entspannt und der Biss stabil bleibt, wodurch die Beschwerden verringert werden. Die Schiene kann auch Schäden an Zähnen verhindern, die durch das Knirschen außergewöhnlich stark belastet werden. Tagesschienen werden solange getragen, bis die Symptome abklingen (gewöhnlich innerhalb von acht Wochen). Bei schwerer Symptomatik kann auch ein längeres Tragen sinnvoll sein.

Auch Physiotherapie kann verordnet werden. Physiotherapie kann zusammen mit einer Ultraschallbehandlung, elektromyographischem Biofeedback (bei dem die Betroffenen lernen, ihre Muskeln bewusst zu entspannen) und Dehnübungen unter Verwendung von Sprays erfolgen (bei denen der Kiefer passiv geöffnet wird, nachdem die Haut über dem schmerzenden Bereich mit einem Eisspray besprüht oder mit Eis betäubt wurde). Auch eine transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS – Physiotherapie für die Kiefermuskulatur) kann hilfreich sein. Verbesserung erreicht man in manchen Fällen auch mit Hilfe von Methoden zur Stressbewältigung, mitunter zusammen mit elektromyographischem Biofeedback ( Physiotherapie für die Kiefermuskulatur) und therapeutischer Beratung.

Auch eine medikamentöse Behandlung kann helfen. Beispielsweise können muskelentspannende Medikamente, wie Cyclobenzaprin, verschrieben werden, um die Versteifung zu lösen und die Schmerzen zu lindern, insbesondere während der Patient auf die Anpassung der Aufbiss-Schiene wartet. Ein Benzodiazepin (Anxiolytika, das die Muskeln entspannt) kann manchmal zeitweise vor der Schlafenszeit eingenommen werden, um die Symptome zu lindern. Diese Medikamente bieten allerdings keine Heilung und sind im Allgemeinen bei älteren Menschen nicht zu empfehlen. Sie werden nur für einen kurzen Zeitraum, in der Regel für einen Monat oder weniger, verschrieben. Analgetika mit Aspirin oder andere NSAR können ebenfalls Schmerzen lindern. Opioide Schmerzmittel werden gewöhnlich nicht verschrieben, da die Behandlung womöglich über einen längeren Zeitraum erforderlich ist und diese Medikamente süchtig machen können. Wenn die Schmerzen die Betroffenen vom Schlafen abhalten, werden manchmal für kurze Zeit Schlafmittel (Sedativa) eingesetzt. Personen, die unter einer Schlafstörung leiden könnten, z. B. unter obstruktiver Schlafapnoe, sollten ihren Arzt konsultieren, bevor sie Benzodiazepine oder Beruhigungsmittel (einschließlich frei verkäuflichen Medikamente) oder Medikamente zur Muskelentspannung einnehmen, da diese die Störung verstärken können. Injektionen mit Botulinumtoxin in den Muskel oder in die muskulären Trigger-Zonen injizierte Anästhetika wurden in letzter Zeit erfolgreich zur Entspannung von Muskelkrämpfen eingesetzt.

Bei manchen chronischen Schmerzen kann eine Depression folgen. In solchen Fällen können Antidepressiva hilfreich sein.

Unabhängig von der Art der Behandlung geht es den meisten Betroffenen innerhalb von rund drei Monaten deutlich besser. Wenn die Symptome nicht schwer sind, erholen sich die meisten innerhalb von zwei bis drei Jahren auch ohne Behandlung.

Physiotherapie für die Kiefermuskulatur

  • Ultraschall kann Wärme tief im Inneren des schmerzenden Gebiets erzeugen. Durch die Erwärmung weiten sich die Blutgefäße, so dass das Blut die Milchsäure, ein Abfallprodukt des Muskels, das Schmerzen verursachen kann, schneller abtransportiert.

  • Beim elektromyographischen Biofeedback wird die Muskelaktivität mit einem Messgerät überwacht. Der Patient versucht, den ganzen Körper oder bestimmte Muskeln zu entspannen, während er die Anzeige beobachtet. Auf diese Weise lernt er, bestimmte Muskeln zu kontrollieren und zu entspannen.

  • Bei Dehnübungen unter Verwendung von Sprays wird der schmerzhafte Bereich mit einem Eisspray besprüht, oder es wird Eis angewendet, damit die Kiefermuskeln gedehnt werden können.

  • Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) werden Nervenfasern, die keine Schmerzsignale übermitteln, mit einem Gerät gereizt. Man geht davon aus, dass die dabei entstehenden Impulse die Schmerzimpulse des Betroffenen blockieren.

Craniomandibuläre Dysfunktion

Bei einer internen Verlagerung des Kiefergelenks mit oder ohne Reposition, ist eine Behandlung nur dann erforderlich, wenn jemand Schmerzen im Kiefergelenk hat oder es der Person schwerfällt, den Kiefer zu bewegen. Gegen die Schmerzen werden NSAR verschrieben. Wenn der Betroffene unverzüglich nach Einsetzen der Beschwerden einen Zahnarzt aufsucht, lässt sich die Knorpelscheibe womöglich manuell in ihre normale Position zurückdrücken. Wenn eine Person seit weniger als sechs Monaten die Erkrankung hatte, kann eine anteriore Umlagerungsschiene verwendet werden, die den Unterkiefer nach vorne hält, die Knorpelscheibe in ihrer Position hält, so dass sich die stützenden Bänder festigen können. Über einen Zeitraum von zwei bis vier Monaten verändert der Zahnarzt die Schiene so, dass der Kiefer wieder in seine normale Position zurückkehrt, in der Erwartung, dass die Knorpelscheibe am richtigen Platz bleibt. Jedoch empfehlen nicht alle Fachleute diese Schienen.

Menschen mit einer internen Verlagerung des Kiefergelenks mit oder ohne Reposition sollen den Mund z. B. beim Gähnen oder Abbeißen möglichst nicht weit öffnen, da die geschädigten Gelenke dabei nicht so gut geschützt sind wie normale Kiefergelenke. Betroffene sollten ihre Nahrung klein schneiden und Lebensmittel wählen, die leicht zu kauen sind.

Manchmal verklemmt sich die verschobene Knorpelscheibe vor dem Kiefergelenk, so dass sich der Mund nicht mehr vollständig öffnen lässt. Die Scheibe muss dann manuell verschoben werden, damit das Gelenk wieder vollständig beweglich ist. Vorrichtungen zur passiven Kieferbewegung, die den Kiefer dehnen, sind eine Möglichkeit, die Spannweite zwischen den Kiefern ganz allmählich zu erhöhen. Sie werden mehrmals täglich angewandt. Bei einer dieser Vorrichtungen handelt es sich um ein Schraubgewindeinstrument, das zwischen die Vorderzähne gesetzt und gedreht wird, ähnlich einem Wagenheber, um die Kieferöffnung allmählich zu weiten. Ist ein solches Instrument nicht verfügbar, kann der Arzt einen kleinen Stapel als Zungenspatel zwischen die Vorderzähne legen, wobei nach und nach zusätzliche Spatel in die Mitte geschoben werden.

Kann eine interne Verlagerung des Kiefergelenks nicht konservativ behandelt werden, muss ein Kieferchirurg möglicherweise die Knorpelscheibe umformen und an die normale Position annähen. Seit der Einführung von Verfahren wie der Arthroskopie werden herkömmliche Operationen verhältnismäßig selten durchgeführt. Alle chirurgischen Eingriffe werden in Kombination mit der Behandlung durch eine Aufbiss-Schiene angewendet.

Arthritis

Menschen mit Osteoarthrose im Kiefergelenk müssen den Kiefer so oft wie möglich ruhig halten, eine Aufbiss-Schiene oder andere Vorrichtungen zur Bekämpfung von Muskelversteifungen anwenden und Schmerzmittel (z. B. Paracetamol oder ein NSAR) einnehmen. Mit oder ohne Behandlung klingen die Schmerzen gewöhnlich innerhalb von sechs Monaten ab. Die meisten Symptome verschwinden selbst ohne Behandlung wieder, vermutlich, weil der Gewebestreifen hinter der Knorpelscheibe vernarbt und dann die Funktion der eigentlichen Knorpelscheibe übernimmt. Die Beweglichkeit des Kiefers reicht gewöhnlich weitgehend für normale Funktionen aus, auch wenn sich der Mund vielleicht nicht mehr ganz so weit öffnen lässt wie vorher.

Eine rheumatoide Arthritis im Kiefergelenk wird mit denselben Medikamenten behandelt wie eine rheumatoide Arthritis in jedem anderen Gelenk. Bei schweren Schmerzen werden NSAR verschrieben. Besonders wichtig ist es, die Beweglichkeit des Gelenks zu erhalten und eine Verwachsung der Knochen zu verhindern. Um das zu erreichen, eignen sich gewöhnlich am besten Kieferübungen nach Anweisung eines Physiotherapeuten. Um die Symptome, insbesondere Muskelverspannungen, zu lindern, tragen die Betroffenen nachts eine Aufbiss-Schiene, die die Beweglichkeit des Kiefers nicht einschränkt. Ist der Kiefer aufgrund einer Gelenkverwachsung eingeklemmt, kann eine Operation erforderlich sein sowie in seltenen Fällen ein künstliches Kiefergelenk, um die Beweglichkeit des Kiefergelenks wiederherzustellen.

Eine infektiöse Arthritis wird mit Antibiotika, ausreichender Flüssigkeitszufuhr, Schmerztherapie und Bewegungseinschränkung behandelt. Anfangs wird gewöhnlich das Antibiotikum Penicillin verabreicht, bis die Testergebnisse vorliegen und man weiß, welche Bakterien die Verursacher sind und welches Antibiotikum am wirksamsten ist. Falls sich im Gelenk Eiter angesammelt hat, kann er mit einer Kanüle abgeleitet werden. Sobald die Infektion unter Kontrolle gebracht wurde, werden kieferöffnende Übungen durchgeführt, die einer Vernarbung und der Bewegungseinschränkung entgegenwirken.

Posttraumatische Arthritis wird mit NSAR, Wärmetherapie, weicher Kost und einer Einschränkung der Kieferbewegung behandelt.

Versteifung

Bei Verkalkungen helfen manchmal Dehnübungen, aber in der Regel ist bei Verkalkung oder Verwachsung des Knochens ein chirurgischer Eingriff notwendig, um die Beweglichkeit des Kiefers wiederherzustellen.

Übermäßige Beweglichkeit

Die Vorbeugung und Behandlung einer Luxation (Gelenkausrenkung), die durch eine übermäßige Beweglichkeit (Hypermobilität) verursacht wurde, ist die gleiche wie bei anderen Ursachen eines ausgerenkten Kiefergelenks. Bei einer Luxation ist unter Umständen eine zweite Person erforderlich, um den Kiefer wieder einzurenken. Viele Betroffene, die öfter unter diesem Problem zu leiden haben, lernen jedoch, ihr Kiefergelenk selbst wieder in die richtige Position zu bringen, indem sie ihre Muskeln bewusst entspannen und den Unterkiefer leicht bewegen, bis er wieder einschnappt. Um zu vermeiden, dass das Kiefergelenk öfter herausspringt, ist in manchen Fällen eine Operation erforderlich, um die Bänder zu kürzen.

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