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Erkrankungen des Zahnhalteapparats – Einführung

Von

James T. Ubertalli

, DMD, Hingham, MA

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Kurzinformationen
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Quellen zum Thema

Die Parodontitis ist eine schwere Form der Zahnfleischentzündung (Gingivitis), bei der sich die Entzündung des Zahnfleischs auf die zahnstützenden Strukturen auswirkt.

  • Zahnbelag (Plaque) und Zahnstein lagern sich zwischen Zahn und Zahnfleisch ab und breiten sich dann auf den Knochen unter dem Zahn aus.

  • Das Zahnfleisch schwillt an und blutet, es kommt zu schlechtem Atem und die Zähne werden locker.

  • Der Zahnarzt macht Röntgenaufnahmen und misst die Tiefe der Taschen im Zahnfleisch, um den Schweregrad der Parodontitis zu bestimmen.

  • Wiederholte professionelle Zahnreinigungen müssen durchgeführt werden und in manchen Fällen sind ein chirurgischer Eingriff und Antibiotika erforderlich.

Die Parodontitis tritt eher bei Patienten auf, die für eine schwerere Infektion des Parodontalgewebes (die Zähne umgebendes Gewebe) anfällig sind, als bei Patienten, die eine leichtere Form der Zahnfleischentzündung (Gingivitis) aufweisen. Viele Erkrankungen und Störungen, wie Diabetes (insbesondere Typ 1), Down-Syndrom, Morbus Crohn, ein Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukopenie) und AIDS, können die Anfälligkeit für Parodontitis erhöhen. Bei Aidspatienten verschlimmert sich die Parodontitis sehr schnell. Rauchen, Vitamin-C-Mangel (Skorbut) und ein emotionaler Belastungszustand stellen ebenfalls Risikofaktoren für eine Parodontitis dar.

Von der Parodontitis können Patienten aller Altersklassen betroffen sein, einschließlich kleinen Kindern. Einige Patienten leiden über mehrere Jahre unter einer schweren Zahnfleischentzündung, ohne ein Parodontitis zu entwickeln. Bei anderen wiederum kommt es zu einer Parodontitis, insbesondere in jungen Jahren (zwischen 20 und 30 Jahren), ohne dass dieser eine schwere Zahnfleischentzündung vorausgegangen ist.

Parodontitis ist eine der wichtigsten Ursachen für den Zahnverlust bei Erwachsenen; bei älteren Menschen ist es die Hauptursache. Die Infektion erodiert (zerstört) den Kieferknochen, der die Zähne an ihrem Platz hält. Die Erosion schwächt die Zahnhalterung und lockert den Zahn. Der betroffene Zahn kann schließlich ausfallen oder muss gezogen werden (Extraktion).

Ursachen

In den meisten Fällen ist die Parodontitis auf eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und eine Ansammlung von Zahnbelag (ein vorwiegend aus Bakterien, Speichel, Essensresten und abgestorbenen Zellen bestehender Belag, der sich ständig auf den Zähnen ablagert) und Zahnstein (erhärterter Zahnbelag) über einen längeren Zeitraum zurückzuführen. Zwischen den Zähnen und dem Zahnfleisch bilden sich Taschen und breiten sich nach unten zur Wurzel des Zahns und dem darunterliegenden Knochen aus. In diesen Taschen sammelt sich Zahnbelag in einem sauerstoffarmen Milieu an, was das Wachstum aggressiver Formen von Bakterien bei Patienten mit bestimmten Immunsystemschwächen fördert. Der Zahnbelag und die Bakterien verursachen eine chronische Entzündung, die das Gewebe und den Knochen, die die Zähne fixieren, angreift. Wenn diese Erkrankung anhält, wird schließlich so viel Kieferknochen zerstört, dass der Zahn vollständig locker wird und sich das Zahnfleisch zurückbildet. Zu Zahnverlust kommt es gewöhnlich ab dem 40. Lebensjahr.

Wussten Sie ...

  • … dass Parodontitis bei älteren Menschen die Hauptursache für Zahnverlust ist?

Parodontitis: Von Zahnbelägen zum Zahnverlust

Gesundes Zahnfleisch und Knochengewebe fixieren den Zahn.

Parodontitis: Von Zahnbelägen zum Zahnverlust

Zahnbelag reizt das Zahnfleisch, das sich daraufhin entzündet (Zahnfleischentzündung). Nach einer gewissen Zeit zieht sich das Zahnfleisch vom Zahn zurück und bildet eine Tasche, die sich mit noch mehr Zahnbelag füllt.

Parodontitis: Von Zahnbelägen zum Zahnverlust

Die Taschen werden tiefer, der Zahnbelag härtet zu Zahnstein. Darauf bildet sich noch mehr Zahnbelag.

Parodontitis: Von Zahnbelägen zum Zahnverlust

Die bakterielle Infektion wandert nach unten an der Zahnwurzel entlang und zerstört letztlich die Knochensubstanz, die den Zahn hält. Ohne diese Stütze wird der Zahn locker und fällt aus oder muss gezogen werden, wenn sich ein Parodontalabszess bildet.

Parodontitis: Von Zahnbelägen zum Zahnverlust

Wie schnell sich eine Parodontitis entwickelt, ist individuell sehr verschieden, auch dann, wenn sich vergleichbare Mengen Zahnstein an den Zähnen befinden. Solche Unterschiede lassen sich dadurch erklären, dass der Zahnbelag jedes Menschen unterschiedliche Arten und Mengen an Bakterien enthält und die Parodontitis teilweise durch die jeweilige Immunantwort des Menschen gegenüber den Bakterien im Zahnbelag hervorgerufen wird. Parodontitis kann ausbruchartig über Monate hinweg Gewebe zerstören und dann wiederum über einen bestimmten Zeitraum anscheinend keine weitere Schädigung verursachen.

Symptome

Die ersten Anzeichen für eine Parodontitis sind berührungsempfindliches, geschwollenes, blutendes und gerötetes Zahnfleisch sowie Mundgeruch (Halitosis). Mit zunehmender Knochenschädigung lockern sich die Zähne und verändern ihre Position, was Schmerzen beim Kauen hervorruft. Häufig neigen sich die Schneidezähne nach vorne. Parodontitis verursacht in der Regel keine Schmerzen, außer es bildet sich in einer Tasche eine Infektion, z. B. eine Eiteransammlung (Abszess), oder die Zähne sind so weit gelockert, dass sie beim Kauen wackeln, oder wenn der Betroffene an einer durch HIV bedingten Parodontitis leidet.

Diagnose

  • Untersuchung durch einen Zahnarzt

  • Manchmal Röntgenaufnahmen

Zur Diagnose einer Parodontitis untersucht der Zahnarzt die Zähne und misst die Tiefe der Zahnfleischtaschen mithilfe einer dünnen Sonde. Röntgenaufnahmen werden erstellt, um zu sehen, wie viel Knochensubstanz zerstört ist.

Behandlung

  • Behandlung der Risikofaktoren

  • Professionelle Zahnreinigung

  • Manchmal operative Eingriffe und Zahnentfernung

  • Mitunter Antibiotika

Patienten mit Risikofaktoren, z. B. schlechte Mundhygiene, Diabetes mellitus und Rauchen, sollten eine Behandlung für diese Risikofaktoren erhalten. Eine Behandlung dieser Risikofaktoren werden die Erfolgschancen der Behandlungen der Parodontitis erhöht.

Anders als die Zahnfleischentzündung, die in der Regel bei guter Mundhygiene (tägliche Reinigung mit Zahnbürste und -seide) wieder verschwindet, erfordert die Parodontitis eine professionelle Behandlung. Auch bei sorgfältiger Mundhygiene kann man selbst nur etwa zwei bis drei Millimeter unterhalb des Zahnfleischsaums putzen. Der Zahnarzt hingegen kann mit einer Technik zur Zahnsteinentfernung und Wurzelglättung bis zu sechs bis sieben Millimeter tiefe Zahnfleischtaschen reinigen, Zahnbelag und Zahnstein gründlich entfernen und die erkrankte Wurzeloberfläche abtragen.

Sind die Zahnfleischtaschen über 5 Millimeter tief, ist oft eine Operation erforderlich. Ein Zahnarzt oder Parodontologe kann sich durch eine chirurgische Öffnung des Zahnfleischlappens (parodontale Lappenoperation) Zugang zum Zahnbereich unterhalb des Zahnfleischsaums verschaffen. Der Zahn wird gründlich gereinigt und der Knochendefekt (in manchen Fällen durch eine Knochentransplantation) unter dem Lappen korrigiert und dann wieder an der ursprünglichen Stelle vernäht. Der Zahnarzt oder Parodontologe entfernt möglicherweise auch einen Teil des infizierten und lockeren Zahnfleischs (Gingivektomie), so dass das verbliebene Zahnfleisch wieder fest an den Zähnen anwachsen und der Betroffene Zahnbeläge wieder selbst entfernen kann. Bisweilen werden Zähne entfernt (extrahiert). Ist der Mund nach einer solchen Operation sehr wund, kann eine einminütige Mundspülung mit Chlorhexidin zweimal täglich vorübergehend Zahnbürste und Zahnseide ersetzen.

Unter Umständen wird mit Antibiotika, wie etwa Amoxizillin oder Metronidazol behandelt, insbesondere, wenn sich eine Eiteransammlung (Abszess) gebildet hat. In besonders tiefe Taschen kann der Zahnarzt Antibiotika enthaltene Materialien (Fäden oder Gele) einlegen, so dass das Medikament in hoher Konzentration an der erkrankten Stelle wirken kann. Ein parodontaler Abszess kann zu schnell fortschreitenden, starken Knochenschäden führen; ein sofortiger Eingriff und eine Behandlung mit Antibiotika können dafür sorgen, dass der Knochen wieder annähernd zur ursprünglichen Größe nachwächst.

Weitere Informationen

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