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Übersicht über unerwünschte Arzneimittelwirkungen

(Medikamentennebenwirkungen; unerwünschte Wirkungen des Arzneimittels)

Von

Daphne E. Smith Marsh

, PharmD, BC-ADM, CDE , College of Pharmacy, University of Illinois at Chicago

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Sep 2018| Inhalt zuletzt geändert Sep 2018
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Quellen zum Thema

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (unerwünschte Wirkungen) bezeichnen alle nicht gewünschten Wirkungen eines Arzneimittels.

Im frühen 20. Jahrhundert beschrieb der deutsche Wissenschaftler Paul Ehrlich das ideale Medikament als eine „Wunderwaffe". Ein solches Medikament würde gezielt gegen die erkrankte(n) Stelle(n) gerichtet sein und kein gesundes Gewebe schädigen. Obwohl viele neue Medikamente genauer auf Ziele ausgerichtet sind als ihre Vorgänger, hat bis jetzt noch keines von ihnen ausschließlich den gewünschten Wirkungsort getroffen.

Die meisten Medikamente produzieren mehrere Wirkungen, aber in der Regel ist nur eine Wirkung – die therapeutische Wirkung – für die Behandlung einer Erkrankung erwünscht. Die übrigen Wirkungen können als unerwünscht angesehen werden, ob sie nun intrinsisch schädlich sind oder nicht. So verursachen bestimmte Antihistaminika Schläfrigkeit und kontrollieren auch die Symptome von Allergien. Wenn ein rezeptfreies Antihistaminika enthaltendes Schlafmittel eingenommen wird, wird die Schläfrigkeit als gewünschte therapeutische Wirkung betrachtet. Soll das Mittel jedoch tagsüber allergische Symptome unterdrücken, gilt die Müdigkeit als eine unerwünschte und störende Wirkung.

Die meisten Menschen einschließlich medizinischer Fachkräfte bezeichnen ungewollte Wirkungen als auch Nebenwirkungen. Ein weiterer Begriff in diesem Zusammenhang ist jener der unerwünschten Wirkungen. Sinnvoller erscheint jedoch der Begriff unerwünschte Arzneimittelwirkungen, denn er bezieht sich am ehesten auf Wirkungen, die unerwünscht, unangenehm, lästigoder potenziell schädlich sein können.

Verbreitung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen treten häufig auf. Die meisten von ihnen sind leichter Natur; viele klingen ab, wenn das Medikament abgesetzt oder die Dosis angepasst wird. Manche Nebenwirkungen lassen auch allmählich nach, sobald sich der Körper auf das Medikament eingestellt hat. Andere unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind schwerwiegender und dauern länger an. Etwa 3 bis 7 Prozent aller Krankenhauseinweisungen in den USA erfolgen mit dem Ziel einer Behandlung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen treten bei 10 bis 20 Prozent der Krankenhauseinweisungen auf, hiervon wiederum sind 10 bis 20 Prozent dieser Reaktionen schwerwiegender Natur. Diese Statistiken umfassen nicht die Anzahl unerwünschter Arzneimittelwirkungen, die bei Menschen auftreten, die in Pflegeheimen und anderen Pflegeeinrichtungen leben.

Obwohl die genaue Anzahl von unerwünschten Arzneimittelwirkungen nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann, stellen sie eindeutig ein erhebliches Problem für die öffentliche Gesundheit dar, welches oft vermeidbar ist.

Häufige unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Verdauungsstörungen (Appetitverlust, Übelkeit, Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall) treten besonders häufig auf, da die meisten Arzneimittel geschluckt werden und daher den Verdauungstrakt passieren. Allerdings kann nahezu jedes Organsystem betroffen sein. Bei älteren Menschen ( Arzneimittel im Alter) ist meist das Gehirn beteiligt, was oft zu Benommenheit und Verwirrtheit führt.

Erkennung und Meldung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen

Viele unerwünschte Arzneimittelwirkungen werden festgestellt, wenn ein Medikament im Rahmen klinischer Studien vor der Einreichung zur Zulassung durch die FDA getestet wird. Andere unerwünschte Arzneimittelwirkungen, insbesondere gelegentlich auftretende Nebenwirkungen, bleiben unentdeckt, bis das Medikament lange genug auf dem Markt ist und von vielen Patienten verwendet wurde. Daher müssen Ärzte Hinweise auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen an die FDA melden.

Tabelle
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Einige schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Unerwünschte Arzneimittelwirkung

Arten von Arzneimitteln

Beispiele

Anämie (aufgrund verminderter Produktion oder erhöhten Abbaus roter Blutkörperchen)

Bestimmte Antibiotika

Chloramphenicol

Medikamente zur Behandlung von Malaria oder Tuberkulose bei Patienten mit G6PD-Mangel (Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel)

Chloroquin

Isoniazid

Primaquin

Angioödem (Schwellungen an Lippen, Zunge und Hals mit resultierenden Atembeschwerden)

ACE-Hemmer

Captopril

Enalapril

Lisinopril

Protonenpumpenhemmer

Esomeprazol

Lansoprazol

Omeprazol

Medikamente zur Geburtenkontrolle (alle Formen einschließlich Pflaster und Pillen)

Drospirenon/Ethinylestradiol

Norelgestromin/Ethinylestradiol

Verwirrtheit und Müdigkeit

Beruhigungsmittel, einschließlich vieler Antihistaminika

Diphenhydramin

Antidepressiva (besonders bei älteren Menschen)

Amitriptylin

Imipramin

Verminderte Produktion weißer Blutkörperchen mit erhöhtem Infektionsrisiko

Bestimmte antipsychotische Medikamente

Clozapin

Chemotherapeutika

Cyclophosphamid

Mercaptopurin

Methotrexat

Vinblastin

Einige Medikamente zur Behandlung von Schilddrüsenstörungen

Propylthiouracil

NSAR (wiederholte Einnahme von Überdosen)

Ibuprofen

Naproxen

Aminoglykosid-Antibiotika

Gentamycin

Tobramycin

Einige Chemotherapeutika

Cisplatin

Methotrexat

Antimykotika

Amphotericin B

Einige Antibiotika

Gentamycin

Tetrazyklin (überholt)

Einige Analgetika

Paracetamol (wiederholte Einnahme von Überdosen)

Einige Medikamente zur Behandlung von Tuberkulose

Isoniazid

Eisen-Nahrungsmittelergänzungen (in übermäßigen Mengen)

Antidepressiva

Duloxetin

Antibiotika

Tetracyclin

Zerstörung von Muskelgewebe (Rhabdomyolyse)

Statine

Atorvastatin

Simvastatin

Magen- oder Darmgeschwüre (mit oder ohne Blutung)

NSAR

Aspirin

Ibuprofen

Naproxen

Antikoagulanzien

Heparin

Warfarin

Bisphosphonate

Alendronat

Risedronat

Einige Antibiotika

Penicilline

Chinolone

Antiepileptika

Phenytoin

Valproinsäure

Antiarrhythmika

Amiodaron

Procainamid

Sotalol

Antipsychotika

Chlorpromazin

Haloperidol

Lithium

ACE = Angiotensin-konvertierendes Enzym; G6PD = Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase; NSAR = nicht-steroidale Antirheumatika.

Weitere Informationen

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