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Kontakt mit Gasen und Chemikalien

Von

Abigail R. Lara

, MD, University of Colorado

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2018| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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  • Symptome hängen davon ab, welche Gase oder Chemikalien und wie tief und wie lange sie eingeatmet wurden.

  • Sie können eine Reizung von Augen oder Nase, Husten, blutigen Auswurf und Kurzatmigkeit umfassen.

  • Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, eine Computertomographie und Atemtests dienen der Beurteilung des Ausmaßes der Lungenschädigung.

  • Sauerstoff sowie Medikamente zur Erweiterung der Atemwege und zur Linderung der Entzündung werden verabreicht.

Bei Industrieunfällen können viele Arten von Gasen – z. B. Chlor, Phosgen, Schwefeldioxid, Schwefelwasserstoff, Stickstoffdioxid oder Ammoniak – plötzlich freigesetzt werden und die Lunge ernsthaft reizen. Gase wurden auch als chemische Kampfstoffe eingesetzt.

Chlor und Ammoniak sind sehr leicht löslich und greifen Mund, Nase und Rachen sofort an. Die Randgebiete der Lunge sind nur betroffen, wenn das Gas tief eingeatmet wird. Ein häufiger Kontakt im Haushalt entsteht, wenn Ammoniak mit bleichmittelhaltigen Reinigungsmitteln vermischt und dadurch das reizende Gas Chloramin freigesetzt wird.

Manche Gase – beispielsweise Stickstoffdioxid – sind nicht sehr gut löslich. Daher lösen sie keine frühen Warnzeichen wie Reizung von Nase und Augen aus und werden eher tief in die Lunge eingeatmet. Durch diese Gase können sich die kleinen Atemwege entzünden (Bronchiolitis), oder es kann sich Flüssigkeit in der Lunge ansammeln (Lungenödem).

Die Silofüllerkrankheit, die hauptsächlich Bauern betrifft, entsteht durch das Einatmen stickstoffdioxidhaltiger Dämpfe aus feuchtem Gärfutter (Silage), wie frischem Mais oder Getreide. Noch 12 Stunden nach dem Kontakt kann sich in der Lunge Flüssigkeit ansammeln. Der Zustand kann sich vorübergehend bessern und dann 10 bis 14 Tage später wieder verschlechtern, auch wenn kein Kontakt mit dem Gas mehr stattgefunden hat. Ein solcher Rückfall schädigt meistens die kleinen Atemwege (Bronchiolen).

Das Einatmen einiger Gase oder Chemikalien kann auch allergische Reaktionen hervorrufen, die zu Entzündungen und in manchen Fällen zu Vernarbungen im Bereich der winzigen Lungenbläschen (Alveolen) und Bronchiolen führen. Diese Erkrankung wird Alveolitis genannt.

Radioaktive Gase, die bei einem Unfall in einem Kernreaktor freigesetzt werden, können noch etliche Jahre nach der Belastung Lungenkrebs und andere Krebsarten auslösen.

Andere eingeatmete Gase können zu einer Vergiftung des ganzen Körpers führen (einschließlich Atemschwierigkeiten), da sie für die Körperzellen giftig sind (wie Zyanid) oder weil sie den Sauerstoff im Blut verdrängen und damit die Sauerstoffversorgung des Gewebes einschränken (wie Methangas oder Kohlendioxid).

Bei einigen Menschen kann das Einatmen von Gas oder Chemikalien in kleinen Mengen über einen längeren Zeitraum hinweg zu chronischer Bronchitis führen. Das Einatmen gewisser Chemikalien wie Arsen- und Kohlenwasserstoffverbindungen kann auch Krebs verursachen. Je nachdem, welcher Stoff eingeatmet wurde, kann der Krebs in der Lunge oder anderswo im Körper auftreten.

Symptome

Lösliche Gase wie Chlor, Ammoniak und Flusssäure führen innerhalb von wenigen Minuten nach dem Kontakt zu schweren Verätzungen in Augen, Nase, Rachen, Luftröhre und in den großen Atemwegen. Zusätzlich rufen sie oft Husten mit blutigem Auswurf hervor (Hämoptyse). Brechreiz und Kurzatmigkeit kommen ebenfalls häufig vor.

Schwerer lösliche Gase wie Stickstoffdioxid und Ozon verursachen zum Teil schwere Kurzatmigkeit, die mit einer Zeitverzögerung von 3 bis 4, manchmal auch bis zu 12 Stunden nach dem Kontakt einsetzt (siehe auch Durch Luftverschmutzung bedingte Krankheiten). Bei schwerer löslichen Gasen kann es zu einer längeren Schädigung der Lunge kommen, was zu chronischer Keuchatmung und dauerhafter Kurzatmigkeit führen kann.

Diagnose

  • Frühere relevante Belastung

  • Röntgenaufnahme oder Computertomographie des Brustkorbs

Die Röntgenuntersuchung der Brust kann klären, ob sich ein Lungenödem oder eine Bronchiolitis gebildet hat. Eine Computertomographie ist besonders nützlich, wenn Patienten Symptome aufweisen, die Röntgenaufnahme des Brustkorbs aber unauffällig aussieht.

Ein Sensor wird am Finger angebracht, um die Sauerstoffmenge im Blut zu bestimmen (Pulsoximetrie).

Um die Lungenschädigung zu bestimmen, wird die Lungenfunktion untersucht, unter anderem, wie viel Luft die Lunge aufnehmen kann und wie Sauerstoff und Kohlendioxid ausgetauscht werden.

Prognose

Die meisten Menschen erholen sich vollständig nach einem versehentlichen Kontakt mit Gas. Die schwersten Komplikationen bestehen in einer Lungeninfektion oder einer ernsthaften Schädigung, die zu einer Vernarbung der kleinen Atemwege führt (Bronchiolitis obliterans). Einige Studien haben gezeigt, dass auch mehrere Jahre nach dem Kontakt mit Gasen die Lungenfunktion langfristig beeinträchtigt werden kann.

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung besteht darin, im Umgang mit Gasen und Chemikalien größte Vorsicht walten zu lassen. Bei der Verwendung von Reinigungsmitteln oder anderen Chemikalien zu Hause sollte auf eine gute Belüftung geachtet werden.

Gasmasken mit eigener Luftzufuhr sollten für den Fall eines Gasunfalles zur Verfügung stehen. Bauern sollten sich bewusst sein, dass der versehentliche Kontakt mit giftigen Gasen aus Futtersilos gefährlich ist und sogar zum Tod führen kann. Wenn giftige Gase vorhanden sind, sollte eine Person eine andere Person nur mit entsprechender Schutzausrüstung retten.

Wussten Sie ...

  • Wenn giftige Gase vorhanden sind, sollte eine Person eine andere Person nur mit entsprechender Schutzausrüstung retten, die sie mit frischer Luft oder Sauerstoff aus einem Tank versorgt.

Behandlung

  • Sauerstofftherapie

Sauerstoff ist das wichtigste Behandlungsmittel für Menschen, die Gasen ausgesetzt waren. Bei einer schweren Lungenschädigung ist eventuell eine künstliche Beatmung erforderlich ( Künstliche Beatmung). Wenn nach dem Einatmen eines Gases Atemprobleme auftreten, wird der Betroffene normalerweise über Nacht im Krankenhaus beobachtet, um schwere Komplikationen auszuschließen. Medikamente zur Erweiterung der Atemwege (Bronchodilatatoren), intravenöse Flüssigkeitszufuhr und Antibiotika können hilfreich sein. Kortikosteroide wie Prednison werden oft verabreicht, um die Entzündung in der Lunge zu verringern.

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