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Sepsis

Von

Paul M. Maggio

, MD, MBA, Stanford University Medical Center

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Mrz 2018| Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Kurzinformationen
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Sepsis ist eine heftige Reaktion des ganzen Körpers auf eine Bakteriämie oder eine andere Infektion zusammen mit der Funktionsstörung oder dem Versagen eines lebenswichtigen Systems im Körper. Ein septischer Schock ist ein lebensgefährlich niedriger Blutdruck (Kreislaufschock) mit Organversagen infolge einer Sepsis.

  • Normalerweise ist eine Sepsis das Ergebnis von bestimmten bakteriellen Infektionen, die häufig im Krankenhaus erworben werden.

  • Bestimmte Umstände, wie ein geschwächtes Immunsystem, bestimmte chronische Leiden, ein künstliches Gelenk oder eine künstliche Herzklappe und bestimmte Herzklappenfehler, erhöhen das Risiko.

  • Zuerst haben die Betroffenen eine erhöhte (oder manchmal eine niedrige) Körpertemperatur, manchmal begleitet von Schüttelfrost und Schwäche.

  • Während sich die Sepsis verschlimmert, kommt es zu Herzrasen und die Atemfrequenz wird schneller, die Patienten sind verwirrt und der Blutdruck fällt.

  • Ärzte vermuten diese Diagnose aufgrund von Symptomen und bestätigen sie, indem sie Bakterien in einer Blut-, Urin- oder anderen Probe nachweisen.

  • Die Patienten erhalten umgehend Antibiotika zusammen mit Sauerstoff und intravenöser Flüssigkeit sowie manchmal Medikamente zur Erhöhung des Blutdrucks.

Normalerweise beschränkt sich die Reaktion des Körpers auf eine Infektion nur auf die infizierte Stelle. Aber bei einer Sepsis findet die Reaktion im ganzen Körper statt, was als systemische Reaktion bezeichnet wird.

Diese Reaktion beinhaltet eine ungewöhnlich hohe (Fieber) oder niedrige (Hypothermie) Körpertemperatur sowie eines oder mehrere der folgenden Symptome:

Obwohl viele Infektionen solche Symptome im ganzen Körper auslösen, kommt es nur bei einer Sepsis zum Versagen von Organen und zu unzureichender Durchblutung gewisser Körperteile.

Ein septischer Schock wird diagnostiziert, wenn der Blutdruck trotz intensiver Behandlung mit intravenöser Flüssigkeitsgabe nicht steigt.

Ursachen

Eine Sepsis tritt auf, wenn von bestimmten Bakterien gebildete Giftstoffe bewirken, dass Zellen im Körper Stoffe freisetzen, die eine Entzündung auslösen (Zytokine). Obwohl Zytokine dem Immunsystem dabei helfen, Infektionen zu bekämpfen, können sie auch schädigende Einflüsse haben:

  • Sie können dazu führen, dass Blutgefäße sich weiten (dilatieren), was zu einem Abfall des Blutdrucks führt.

  • Sie können dazu führen, dass Blut in den winzigen Blutgefäßen in den Organen gerinnt.

Am häufigsten wird eine Sepsis durch eine Infektion mit bestimmten Arten von Bakterien, die normalerweise im Krankenhaus erworben werden, ausgelöst. In seltenen Fällen können Pilze wie Candida eine Sepsis auslösen. Infektionen, die zu einer Sepsis führen können, beginnen am häufigsten in der Lunge, im Bauch oder in den Harnwegen. Bei den meisten Menschen führen diese Infektionen nicht zu einer Sepsis. Manchmal breiten sich Bakterien jedoch in die Blutbahn aus (ein Zustand, der Bakteriämie genannt wird). In diesen Fällen kann sich eine Sepsis entwickeln. Wenn die ursprüngliche Infektion eine Ansammlung von Eiter (Abszess) beinhaltet, erhöht sich das Risiko einer Bakteriämie oder Sepsis. Manchmal, wie etwa beim toxischen Schocksyndrom, wird eine Sepsis durch Giftstoffe ausgelöst, die von Bakterien gebildet werden, die gar nicht in die Blutbahn gelangt sind.

Komplikationen

Der niedrige Blutdruck und kleine Gerinnsel haben zahlreiche Komplikationen zur Folge:

  • Der Blutfluss zu lebenswichtigen Organen (wie Nieren, Lunge, Herz und Gehirn) ist beeinträchtigt.

  • Das Herz versucht, dies zu kompensieren, indem es mehr arbeitet, was die Herzfrequenz und den Anteil des Blutes, das durch den Körper gepumpt wird, erhöht. Letztlich schwächen die bakteriellen Gifte und die erhöhte Pumparbeit das Herz. Das Ergebnis ist, dass das Herz weniger Blut pumpt und lebenswichtige Organe noch weniger Blut erhalten.

  • Wenn Gewebe nicht genügend Blut erhält, setzt es überschüssige Milchsäure (ein Abfallprodukt) in die Blutbahn frei und macht das Blut saurer.

All diese Auswirkungen führen zu einem Teufelskreis mit zunehmendem Organversagen:

  • Die Nieren scheiden nur wenig oder keinen Urin aus, und Stoffwechselabfallprodukte (wie Harnstoff-Stickstoff) reichern sich im Blut an.

  • Die Wände der Blutgefäße können undicht werden, was Flüssigkeit erlaubt, aus dem Blut ins Gewebe auszutreten und Schwellungen zu verursachen.

  • Die Lungenfunktion verschlechtert sich, weil sich Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in der Lunge ansammelt und Atembeschwerden verursacht.

Bei der Bildung mikroskopischer Blutgerinnsel werden die für die Blutgerinnung verantwortlichen Proteine im Blut aufgebraucht (Gerinnungsfaktoren). Es ist dann möglich, dass starke Blutungen auftreten ( Verbrauchskoagulopathie (disseminierte intravasale Gerinnung, DIC)).

Risikofaktoren

Das Risiko einer Sepsis ist erhöht bei Menschen, bei denen die Infektionsabwehr beeinträchtigt ist. Dies betrifft:

  • Neugeborene (siehe Sepsis bei Neugeborenen)

  • Ältere Menschen

  • Schwangere

  • Patienten, die unter bestimmten chronischen Störungen wie Diabetes oder Zirrhose leiden

  • Patienten mit geschwächtem Immunsystem aufgrund von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (wie chemotherapeutische Medikamente oder Kortikosteroide) oder aufgrund bestimmter Erkrankungen (wie Krebs, AIDS oder Erkrankungen des Immunsystems)

Bei Menschen, bei denen der Übergang von Bakterien in die Blutbahn wahrscheinlicher ist, ist das Risiko ebenfalls erhöht. Dazu gehören Patienten, denen medizinische Geräte in den Körper eingesetzt wurden (Venenkatheter, Harnwegkatheter, Drainage- oder Atemschläuche). Wenn medizinische Geräte in den Körper eingesetzt werden, können Bakterien in den Körper gelangen. Bakterien können sich auch auf der Oberfläche dieser Geräte ansammeln, was die Wahrscheinlichkeit einer Infektion und Sepsis erhöht. Je länger diese Geräte an Ort und Stelle verbleiben, desto größer ist das Risiko.

Es gibt auch andere Faktoren, die das Risiko einer Sepsis erhöhen:

  • Injektion von Freizeitdrogen: Die Drogen und Nadeln, die benutzt werden, sind selten steril. Jede Injektion kann Bakteriämie in unterschiedlichen Schweregraden verursachen. Bei Menschen, die diese Art von Drogen benutzen, besteht auch ein erhöhtes Risiko, dass sie an einer Immunschwäche leiden (wie AIDS).

  • Menschen mit künstlichen Gelenken (Prothesen), künstlichen Herzklappen oder bestimmten Herzklappenfehlern: Bakterien sammeln sich verstärkt an diesen Strukturen an. Diese Bakterien können entweder kontinuierlich oder periodisch in die Blutbahn freigesetzt werden.

  • Persistierende Infektion trotz Behandlung mit Antibiotika: Manche Bakterien verursachen Infektionen und Sepsis, die resistent gegen Antibiotika sind. Antibiotika beseitigen diese resistenten Bakterien nicht. Wenn demzufolge bei Menschen, die Antibiotika einnehmen, eine dauerhafte Infektion vorliegt, ist es wahrscheinlicher, dass sie durch Bakterien verursacht wurde, die resistent gegen Antibiotika sind und eine Sepsis auslösen können.

Symptome

Die meisten Menschen bekommen Fieber, aber manche haben auch eine zu niedrige Körpertemperatur. Sie können unter Schüttelfrost leiden und sich geschwächt fühlen. Je nach Art und Stelle der ursprünglichen Infektion können weitere Symptome auftreten. Die Atmung oder Herzfrequenz oder beides können sich rapide erhöhen.

Bei anhaltender Sepsis sind Menschen stärker verwirrt und weniger aufmerksam. Ihre Haut ist warm und gerötet. Der Puls ist schnell und pochend und die Betroffenen atmen schneller. Sie urinieren seltener und scheiden kleinere Mengen aus, und der Blutdruck fällt. Später fällt die Körpertemperatur häufig unter den Normalwert und das Atmen fällt sehr schwer. Die Haut kann kalt und fleckig oder blau sein, da die Blutzirkulation reduziert ist. Die reduzierte Durchblutung kann zum Absterben von Gewebe, auch lebenswichtiger Organe (wie des Darmes), und zu einer Gangrän führen.

Wenn sich ein septischer Schock entwickelt, ist der Blutdruck trotz Behandlung niedrig. Manche Patienten sterben.

Diagnose

  • Kultur einer Blutprobe

  • Tests zur Feststellung der Infektionsquelle (in der Regel Röntgenaufnahmen der Brust und andere bildgebende Verfahren sowie Kulturen von Flüssigkeit oder Gewebeproben)

Normalerweise vermuten Ärzte eine Sepsis, wenn ein Patient, der eine Infektion hat, plötzlich eine sehr hohe oder sehr niedrige Körpertemperatur, Herzrasen, erhöhte Atemfrequenz oder niedrigen Blutdruck entwickelt.

Um die Diagnose zu bestätigen, wird nach Bakterien in der Blutbahn (Bakteriämie), nach Hinweisen auf eine andere Infektion, die eine Sepsis auslösen könnte, und einer anormalen Zahl weißer Blutkörperchen in einer Blutprobe gesucht.

Es werden Blutproben entnommen, um die Bakterien im Labor zu züchten (Kultur) – ein Prozess, der 1 bis 3 Tage dauert. Wenn Patienten jedoch Antibiotika gegen ihre ursprüngliche Infektion eingenommen haben, können Bakterien vorhanden sein, die nicht in einer Kultur gezüchtet werden können. Manchmal wird auch der Katheter aus dem Körper entfernt, die Spitze abgeschnitten und für eine Kultur ins Labor geschickt. Wenn an einem Katheter, der mit Blut in Kontakt war, Bakterien gefunden werden, ist das ein Hinweis darauf, dass sich wahrscheinlich Bakterien in der Blutbahn befinden.

Um nach anderen Infektionen, die Sepsis verursachen können, zu suchen, entnehmen Ärzte Flüssigkeits- oder Gewebeproben wie Urin, Zerebrospinalflüssigkeit, Wundgewebe oder Sputum, das aus der Lunge ausgehustet wurde. Diese Proben werden in Kultur genommen und auf das Vorhandensein von Bakterien überprüft.

Manchmal werden auch Röntgenbilder des Brustkorbs aufgenommen und andere bildgebende Diagnostikverfahren durchgeführt, wie z. B. Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT), um nach einer Infektionsquelle zu suchen.

Zudem werden weitere Tests durchgeführt, um nach Hinweisen auf Organversagen und anderen Komplikationen, die mit einer Sepsis im Zusammenhang stehen, zu suchen. Dazu können gehören:

  • Blutuntersuchungen zur Messung der Milchsäurekonzentration und anderer Stoffwechselabfallprodukte, die erhöht sein können, sowie zur Bestimmung der Anzahl von Blutplättchen (Zellen, welche die Blutgerinnung unterstützen), die niedrig sein können

  • Blutuntersuchungen oder ein Sensor, der an einen Finger geklemmt wird (Pulsoximetrie), um Sauerstoffwerte zu messen und damit festzustellen, wie gut die Lunge und die Blutgefäße funktionieren

  • Elektrokardiographie (EKG) zum Messen der Herzfrequenz und zur Bestimmung, ob das Herz ausreichend mit Blut versorgt wird

  • Andere Untersuchungen zur Bestimmung, ob der Schock von der Sepsis oder anderen Problemen ausgelöst wurde

Prognose

Ohne Behandlung führt ein septischer Schock meistens zum Tod. Selbst bei Behandlung ist das Sterberisiko sehr hoch. Im Durchschnitt sterben etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten mit septischem Schock. Das Sterberisiko schwankt allerdings erheblich in Abhängigkeit von zahlreichen Faktoren, beispielsweise davon, wie rasch mit der Behandlung begonnen wird, welche Bakterien beteiligt sind (vor allem davon, ob die Bakterien gegen Antibiotika resistent sind) und wie die allgemeine gesundheitliche Verfassung des Patienten ist.

Behandlung

  • Antibiotika

  • Intravenöse Flüssigkeitsgabe

  • Sauerstoff

  • Entfernung der Infektionsquelle

  • Manchmal Medikamente, um den Blutdruck zu erhöhen

Sepsis und septischer Schock werden umgehend mit Antibiotika behandelt. Es wird nicht gewartet, bis Testergebnisse die Diagnose bestätigen, weil eine Verzögerung der Antibiotikabehandlung die Überlebenschance deutlich verringert. Die Behandlung findet im Krankenhaus statt.

Patienten mit einem septischen Schock oder einer schweren Erkrankung werden zur Behandlung umgehend auf die Intensivstation verlegt.

Antibiotika

Bei der Auswahl des ursprünglichen Antibiotikums zieht der Arzt in Betracht, welche Bakterien am wahrscheinlichsten präsent sind, was davon abhängt, wo die Infektion begonnen hat. Häufig werden zwei oder drei Antibiotika zusammen gegeben, um die Chance, die Bakterien abzutöten, zu erhöhen, speziell wenn die Quelle der Bakterien unbekannt ist. Später, wenn die Ergebnisse verfügbar sind, können Ärzte zu einem Antibiotikum wechseln, das am wirksamsten gegen die Bakterien ist, welche die Infektion verursacht haben.

Intravenöse Flüssigkeitsgabe

Patienten mit septischem Schock erhalten auch große Mengen an intravenösen Flüssigkeiten, um die Flüssigkeitsmenge im Blut und damit den Blutdruck zu erhöhen. Wenn zu wenig Flüssigkeit verabreicht wird, bleibt die erhoffte Wirkung aus, wird zu viel verabreicht, kann es zu einer schweren Lungenstauung kommen.

Sauerstoff

Sauerstoff wird mit einer Sauerstoffmaske, Nasenbrille oder, falls vorhanden, durch einen Atmungsschlauch (Endotrachealtubus) verabreicht. Bei Bedarf wird die Atmung mit einem Beatmungsgerät (einem Gerät, das dabei hilft, Luft in die Lunge und wieder heraus zu transportieren) unterstützt.

Entfernung der Infektionsquelle

Etwaige Abszesse werden entleert. Katheter, Sonden oder andere medizinische Vorrichtungen, welche die Infektion verursacht haben könnten, werden entfernt. Es ist möglich, dass eine Operation durchgeführt wird, um infiziertes und totes Gewebe zu entfernen.

Andere Therapien

Wenn sich der Blutdruck durch die intravenöse Gabe von Flüssigkeit nicht erhöht, werden mitunter Medikamente, wie z. B. Vasopressin oder Norepinephrin (mit gefäßverengender Wirkung), gegeben, um den Blutdruck anzuheben und den Blutfluss zum Gehirn, Herzen und anderen Organen zu erhöhen. Weil diese Medikamente aber Blutgefäße in Organen verengen könnten, bewirken sie unter Umständen eine Reduzierung des Blutflusses durch die Organe.

Manche Patienten mit septischem Schock entwickeln einen hohen Blutzuckerspiegel. Weil ein hoher Blutzuckerspiegel die Reaktionsweise des Immunsystems auf eine Infektion beeinträchtigt, wird intravenös Insulin verabreicht, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

Patienten, deren Blutdruck trotz Verabreichung ausreichender Mengen an Flüssigkeit, Medikamenten zur Anhebung des Blutdrucks und trotz Behandlung der Infektionsquelle weiterhin niedrig ist, erhalten unter Umständen intravenös Kortikosteroide (wie z. B. Hydrocortison).

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