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Behandlung von Hauterkrankungen

Von

Jonette E. Keri

, MD, PhD, University of Miami, Miller School of Medicine

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Jun 2019| Inhalt zuletzt geändert Jun 2019
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Quellen zum Thema

Topische Medikamente (Medikamente, die direkt auf die Haut aufgetragen werden) bilden die wichtigste Behandlung bei Hauterkrankungen. Systemische Medikamente hingegen werden oral eingenommen oder injiziert, wodurch sie im ganzen Körper verteilt werden. In seltenen Fällen muss der erkrankte Hautbereich mit einer hohen Medikamentendosis behandelt werden; dann wird das Mittel direkt unter die Haut (intradermal) gespritzt.

Bei bestimmten topischen Behandlungen kann eine erfolgreiche Therapie auch von folgenden Faktoren abhängen:

  • Dem Trägerstoff (dem inaktiven Inhaltsstoff, der dazu dient, das Medikament auf/in die Haut zu befördern)

  • Der Art des verwendeten Verbandes

Äußerlich anzuwendende (topische) Präparate

Der Wirkstoff bzw. das Medikament wird bei einer topischen Zubereitung mit einem inaktiven Inhaltsstoff, der sogenannten Trägersubstanz, vermischt. Die Trägersubstanz bestimmt die Konsistenz des Produkts (ob es z. B. dickflüssig und fettig oder leicht und wässrig ist) und ob die Wirkstoffe auf der Hautoberfläche wirken oder in die Haut eindringen. Je nach verwendetem Trägerstoff kann dasselbe Medikament folgende Formen/Konsistenzen haben:

  • Salben

  • Cremes

  • Lotionen

  • Bäder

  • Schaum

  • Lösungen

  • Pulver

  • Gele

Viele Präparate sind zudem in verschiedenen Stärken (Konzentrationen) verfügbar. Welche Trägersubstanz verwendet wird, hängt davon ab, wo und wie das Medikament aufgetragen wird, wie es aussieht und ob es auf der Haut bleiben soll.

Salben (wie z. B. Paraffin) sind ölig und enthalten nur sehr wenig Wasser. Sie können schmierig und fettig sein und lassen sich oft nur schwer abwaschen. Salben sind am geeignetsten, wenn die Haut Fett oder Feuchtigkeit benötigt. Aus Salben dringen die Wirkstoffe gewöhnlich besser in die Haut ein als bei Cremes. Daher kann eine bestimmte Konzentration eines Wirkstoffs in einer Salbe kräftiger wirken als in einer Creme. Salben rufen bei offenen Wunden wie Erosionen oder Geschwüren weniger Hautirritationen hervor als Cremes und viel weniger als Gele, Lotionen und Lösungen. Sie wirken am besten, wenn sie nach dem Baden oder Befeuchten der Haut mit Wasser aufgetragen werden.

Cremes, die am häufigsten angewandten Zubereitungen, sind Emulsionen von Öl in Wasser; sie sind also primär Wasser mit einer Ölkomponente. (Bei einer Salbe handelt es sich um das Gegenteil, etwas Wasser vermischt mit hauptsächlich Öl). Cremes sind einfach aufzutragen und ziehen beim Verreiben in die Haut ein. Sie sind verhältnismäßig reizarm.

Lotionen sind den Cremes ähnlich, enthalten jedoch mehr Wasser. Es handelt sich dabei um Suspensionen aus fein pulverisierten Stoffen in Wasser oder Öl und Wasser. Sie sind weniger wirksam als Salben, Cremes und Gele, wenn es darum geht, die Wirkstoffe zu transportieren, und werden daher bei gleicher Medikamentenkonzentration als weniger stark eingestuft. Lotionen haben jedoch auch eine Reihe vorteilhafter Eigenschaften. Sie sind leicht auch auf behaarte Haut aufzutragen und sind insbesondere zum Kühlen oder Trocknen entzündeter oder nässender Läsionen geeignet, wie sie bei Kontaktdermatitis, Fußpilz (Tinea pedis) und Pilzerkrankung der Leistenregion (Tinea cruris) vorkommen.

Wenn eine Behandlung großer Körperflächen erforderlich ist, werden Bäder angewendet. Diese Methode wird oft in Form von Sitzbädern zur rezeptfreien Behandlung von leichten Hautproblemen, wie zum Beispiel Hämorrhoiden verwendet. Bäder werden meist nicht genutzt, um starke verschreibungspflichtige Medikamente zu verabreichen, da die Menge des verabreichten Wirkstoffs in einem Bad nur schwer kontrolliert werden kann.

Schäume sind Aerosole (Flüssigkeiten, die unter Druck mit einem Treibmittel verpackt werden, sodass das Gemisch verteilt werden kann), die Alkohol als Basis oder ein Hautpflegemittel (ein so genanntes Emolliens) enthalten. Sie ziehen rasch in die Haut ein und werden oft an behaarten Körperstellen verwendet.

Lösungen sind Flüssigkeiten, in denen Wirkstoffe gelöst sind. Die am häufigsten verwendeten Lösungsmittel sind Alkohol, Propylenglykol, Polyethylenglykol und Wasser. Lösungen lassen sich einfach auftragen, vor allem bei Kopfhauterkrankungen wie Schuppenflechte oder seborrhoischer Dermatitis. Sie trocknen die Haut eher, als dass sie sie befeuchten, allerdings ist dieser Trocknungseffekt bei feuchten, nässenden (eitrigen) Hauterkrankungen von Nutzen. Je nach der verwendeten Trägersubstanz können Lösungen auf der Haut Irritationen hervorrufen, insbesondere wenn Alkohol oder Propylenglykol auf offene Wunden aufgetragen wird. Die zwei am häufigsten verwendeten Lösungen sind essigsaure Tonerde und Domeboro®-Lösung. Sie werden oft als Bäder angewendet.

Puder sind die trockene Form von Substanzen, die verwendet werden, um Bereiche zu schützen, in denen Haut auf Haut reibt, wie zum Beispiel zwischen den Zehen oder Gesäßhälften, in den Achselhöhlen oder der Leiste oder unter den Brüsten. Puder werden in Hautbereichen eingesetzt, die durch Feuchtigkeit aufgeweicht und beschädigt (mazeriert) wurden. Sie können mit Wirkstoffen, wie etwa mit Pilzbekämpfungsmitteln, vermischt werden.

Gele sind Substanzen auf der Grundlage von Wasser oder Alkohol, die ohne Öl oder Fett streichfähig gemacht werden. Gele werden von der Haut nicht so gut aufgenommen wie öl- oder fetthaltige Präparate. Sie wirken am besten bei Erkrankungen, bei denen es auf langsames Einziehen ankommt, beispielsweise bei Akne, Rosazea und Schuppenflechte der Kopfhaut. Gele neigen dazu, an offenen Wunden und auf erkrankter Haut zu Irritationen zu führen.

Wussten Sie ...

  • Wenn die Wirkung eines topischen Medikaments erhöht werden muss, wird eher eine Salbe als eine Creme verordnet.

Unterschiedliche Typen äußerlich anzuwendender (topischer) Medikamente

Topische Medikamente lassen sich in verschiedene, sich teilweise überschneidende Kategorien einteilen:

  • Reinigungsmittel

  • Schutzmittel

  • Feuchtigkeitsspendende Mittel (Emollienzien)

  • Austrocknende Mittel

  • Juckreiz stillende Mittel

  • Entzündungshemmende Mittel

  • Desinfizierende Mittel

  • Keratolytika

Reinigungsmittel

Die hauptsächlichen Reinigungsmittel sind Seifen, Detergenzien und Lösungsmittel (eine flüssige Substanz, die andere Substanzen auflösen kann). Seife ist das beliebteste Waschmittel, doch es werden auch Detergenzien benutzt. Seifen sind Reinigungs- und Emulsionsmittel, die eine Art Fett oder Lauge enthalten, wohingegen Detergenzien aus Petroleumprodukten bestehen. Einige Seifen lassen die Haut austrocknen; andere haben eine cremige Basis, die weniger austrocknet.

Da Baby-Shampoos hervorragende Reinigungsmittel und gleichzeitig sanft zur Haut sind, eignen sich diese gut zum Reinigen von Wunden, Schnitten, Abschürfungen und des Augenbereichs. Außerdem können Menschen mit Schuppenflechte, Ekzemen und anderen schuppigen Hauterkrankungen Baby-Shampoos verwenden, um abgestorbene Hautpartikel abzuwaschen. Nässende Wunden sollten generell nur mit Wasser und milder Seife gereinigt werden, da Detergenzien und aggressivere Seifen diese Bereiche reizen können.

Reinigungsmitteln werden zahlreiche chemische Stoffe hinzugefügt. So enthalten einige Seifen antibakterielle Substanzen. Antibakterielle Seifen verbessern allerdings im Allgemeinen die Hygiene nicht und verhindern auch keine Erkrankungen, und ihre routinemäßige Anwendung kann das normale Bakteriengleichgewicht auf der Haut stören. Schuppenshampoos und Lotionen gegen Schuppen können Zink-Pyrithion, Selensulfid oder Teerextrakte enthalten, die gegen Schuppen, Ekzeme und Schuppenflechte der Kopfhaut helfen sollen.

Wasser ist das häufigste zur Reinigung verwendete Lösungsmittel. Ein weiteres Lösungsmittel ist Paraffin, mit dessen Hilfe sich Substanzen wie Teer von der Haut entfernen lassen, die mit Wasser und Seife nicht zu beseitigen sind. Kleine Mengen von Alkohol können unbedenklich eingesetzt werden, um die Haut vor einer Injektion oder einer Blutabnahme zu reinigen. Alkoholgele werden für die routinemäßige Handhygiene verwendet, wenn ein Händewaschen nicht möglich ist. Mit anderen Lösungsmitteln, wie Aceton (Nagellackentferner), Benzin und Farbverdünner, wird die Haut nur selten gereinigt. Diese Lösungsmittel zerstören den natürlichen Fettfilm der Haut und führen zu ihrer deutlichen Austrocknung und Reizung. Sie können zudem durch die Haut aufgenommen werden, was zu Vergiftungen führt.

Schutzmittel

Viele Arten unterschiedlicher Präparate können dem Schutz der Haut dienlich sein. Öle und Salben auf Ölbasis schonen geschürfte und gereizte Haut und erhalten ihre natürliche Feuchtigkeit. Puder können die Haut vor Reibung an Haut oder Kleidung schützen. Synthetische Hydrokolloidverbände schützen wundgelegene Stellen (Druckgeschwüre, Dekubitusulzera) und andere offene Hautstellen. Sonnenschutzmittel reflektieren, absorbieren oder filtern schädliches UV-Licht.

Feuchtigkeitsspendende Mittel (Emollienzien)

Diese Mittel helfen der Haut, ihre natürliche Feuchtigkeit wiederzuerlangen und zu bewahren. Am besten wendet man diese Mittel auf feuchter Haut an, also etwa direkt nach dem Baden oder Duschen. Gewöhnlich enthalten sie Glyzerin, Mineralöl (Paraffin) oder Vaseline und werden als Lotion, Creme, Salbe und Badeöl angeboten. Stärker wirksame Feuchtigkeitslotionen enthalten Substanzen wie Harnstoff, Milchsäure und Glykolsäure. Cold Cremes sind rezeptfrei erhältliche Emulsionen von Fetten (zum Beispiel Bienenwachs) und Wasser.

Austrocknende Mittel

Übermäßige Feuchtigkeit in Bereichen in denen Haut an Haut reibt, führt zu Reizungen und Hautschäden (Mazeration), speziell in Körperfalten, in denen für gewöhnlich eine wärmere und feuchtere Umgebung herrscht. Die am häufigsten betroffenen Stellen sind die Zehenzwischenräume, die Gesäßspalte, Achselhöhlen, Leisten, Falten unter der Brust und am Bauch. Diese warmen und feuchten Zonen sind ideale Brutstätten für Infektionen, insbesondere Pilze und Bakterien.

Die am häufigsten verwendeten austrocknenden Mittel sind Maisstärke und Talkumpuder. Diese Puder absorbieren Feuchtigkeit von der Hautoberfläche. Die meisten der zahlreichen Talkumzubereitungen unterscheiden sich nur in ihren Geruchsstoffen und in der Verpackung. Talkumpuder ist wirkungsvoller als Maisstärke, wird jedoch in Babypuder nicht mehr verwendet, weil es beim Einatmen Granulome (eine Art chronischer Entzündung) verursachen kann. Von der Anwendung von Talkumpuder im weiblichen Genitalbereich wird abgeraten, da Bedenken bezüglich eines möglichen Krebsrisikos bestehen. Maisstärke ist ein weiteres gutes austrocknendes Mittel, kann aber mitunter zu Pilzinfektionen führen. Manchmal sind extrem saugstarke (superabsorbierende) Puder erforderlich, um besonders feuchte Bereiche wie etwa in der Leistengegend oder in den Achselhöhlen zu trocknen.

Aluminiumsalzhaltige Lösungen sind austrocknende Mittel, die häufig in rezeptfreien Deodorants zu finden sind. Zur Behandlung von übermäßigem Schweiß sind Aluminiumsalze in verschreibungspflichtigen Dosen erhältlich.

Adstringenzien sind flüssige austrocknende Mittel, die die Haut zusammenziehen. Die am häufigsten verwendeten Adstringenzlösungen enthalten Aluminiumacetat (essigsaure Tonerde oder Domeboro®-Lösung). Adstringenzien, die für gewöhnlich als Verband oder in Form von Bädern angewendet werden, werden zur Behandlung von infektiösen Ekzemen, nässenden Hautläsionen und Druckgeschwüren verwendet. Die Zaubernuss ist ebenfalls ein beliebtes Adstringens, das rezeptfrei erhältlich ist.

Juckreiz stillende Mittel

Hautkrankheiten sind häufig von Juckreiz begleitet. Jucken und leichte Schmerzen können oft mit rezeptfreien Mitteln wie Kampfer, Menthol, Pramoxin, Zinkoxid oder (in den USA nach ärztlicher Verschreibung) mit einer Mischung aus Lidocain und Prilocain gelindert werden. Calamin wirkt schmerzlindernd, hilft aber möglicherweise nicht gegen den Juckreiz.

Antihistaminika, die bestimmte Typen allergischer Reaktionen unterbinden, sind manchmal in äußerlich anzuwendenden (topischen) Mitteln enthalten, um den Juckreiz bei allergischen Reaktionen zu lindern. Doxepin ist ein vielseitig wirksames topisches Antihistaminikum. Da das Antihistaminikum Diphenhydramin (häufig in vielen rezeptfreien topischen Präparaten verwendet) eine allergische Reaktion auslösen kann, wenn es auf die Haut aufgebracht wird, wird es für gewöhnlich nicht vom Arzt empfohlen. Bei der Einnahme von Antihistaminika über den Mund (oral) scheint diese Art von Hautreaktion auszubleiben, weshalb zur Linderung von Juckreiz Antihistaminika zum Einnehmen äußerlich angewendeten Präparaten vorgezogen werden. Auch Benzocain, ein zur Linderung von Juckreiz angewendetes Anästhetikum, kann allergische Reaktionen auslösen und wird daher nicht empfohlen.

Entzündungshemmende Mittel

Kortikosteroide sind die am häufigsten verwendeten Medikamente zur äußerlichen Anwendung, um Entzündungen (Schwellungen, Juckreiz und Rötungen) der Haut zu lindern. Sie sind insbesondere bei Ausschlag wirksam, der durch eine allergische Reaktion oder Entzündungsreaktion hervorgerufen wurde, wie zum Beispiel durch Giftefeu, Metalle, Kleidungsstücke, Medikamente, Ekzeme und viele andere. Da sie die Widerstandskraft gegen Infektionen durch Bakterien und Pilze herabsetzen, dürfen Kortikosteroide normalerweise nicht auf infizierten Hautbereichen oder Wunden angewendet werden. Bei akneartigen Hauterkrankungen sind äußerlich angewandte Kortikosteroide weniger wirksam und manchmal verursachen sie sogar einen akneartigen Ausbruch. Manchmal werden Kortikosteroide mit pilztötenden Medikamenten kombiniert, um Juckreiz und Rötungen zu lindern, während gleichzeitig der Pilz vernichtet wird.

Zur äußeren Anwendung gibt es Kortikosteroide in Lotionen, Cremes, Salben, Lösungen, Schäumen, Ölen, Gelen und Bändern. Cremes sind am wirksamsten, wenn sie vorsichtig einmassiert werden, bis diese eingezogen sind. Im Allgemeinen haben Salben die stärkste Wirkung. Die Art und die Konzentration von Kortikosteroiden in der Zubereitung bestimmt die Gesamtwirkung. Hydrocortison gibt es in Konzentrationen bis 1 % rezeptfrei; Konzentrationen von weniger als 0,5 % bieten jedoch nur geringen Nutzen. Stärkere Kortikosteroidzubereitungen sind verschreibungspflichtig. Ärzte verschreiben für gewöhnlich zunächst ein starkes Kortikosteroid, um mit Besserung der Erkrankung die Konzentration herabzusenken. Im Allgemeinen werden topische Kortikosteroide zwei bis drei Mal am Tag als dünner Film aufgetragen; hochkonzentrierte Präparate können auch nur einmal am Tag aufgetragen werden.

Kortikosteroide sollten auf Bereichen mit dünner Haut wie dem Gesicht, den Achselhöhlen und den Genitalien und auf Bereichen, in denen normalerweise Haut auf Haut trifft, wie den Achselhöhlen und den Leisten, vorsichtig eingesetzt werden. Mediziner wenden auf diesen empfindlichen Stellen für gewöhnlich nur schwache Kortikosteroide an, und das nicht mehr als einige Tage bis zu einer Woche. Eine längere Verwendung (mehr als 1 Monat) an sämtlichen Hautstellen kann Hautschäden, Dehnungsstreifen, akneartige Ausbrüche und manchmal eine allergische Hautreaktion (Kontaktdermatitis) gegen das Kortikosteroid selbst auslösen. Eine periorale Dermatitis (ein roter Pustelausschlag rund um den Mund und das Kinn) sowie manchmal eine periorbitale Dermatitis (ein Ausschlag rund um die Augen) treten als Nebenwirkung bei der Anwendung im Gesicht häufiger bei Präparaten mittlerer oder hoher Konzentration als bei jenen geringer Konzentration auf. Präparate mit hoher Konzentration können die Funktion der Nebenniere hemmen, wenn diese bei Kindern angewendet werden, wenn diese großflächig auf die Haut aufgetragen werden oder wenn die Anwendung zeitlich ausgedehnt ist, insbesondere dann, wenn diese unter (luft- und wasserdichten) Okklusivverbänden erfolgt.

Ist an einem bestimmten Punkt oder für eine kleine Stelle der Haut, die auf die Behandlung nicht reagiert, eine stärkere Dosis eines Kortikosteroids erforderlich, kann der Arzt das Kortikosteroid direkt unter die Haut spritzen oder mitunter ein mit dem Kortikosteroid Flurandrenolid getränktes Kunststoffklebeband aufbringen.

Eine andere Methode, eine stärkere Dosis zu verabreichen, ist das Wickeln eines dünnen Kunststofffilms, wie z. B. haushaltsübliche Frischhaltefolie, um die Stelle mit dem äußerlich angewandten Kortikosteroid (Okklusivverband). Die Kunststofffolie steigert die Aufnahme des Wirkstoffes und damit dessen Wirkung. Für gewöhnlich wird ein Okklusivverband über Nacht dran gelassen. Solche Verbände sind normalerweise Erkrankungen wie schwerer Schuppenflechte und Ekzemen vorbehalten. Bei Anwendung von Kortikosteroiden unter einem Okklusivverband besteht unter anderem das Risiko, dass Schweißflechte (Miliaria), Hautausdünnung (Atrophie), Dehnungsstreifen (Striae), erweiterte rote Blutgefäße an der Hautoberfläche (Teleangiektasie), ein akneartiger Ausschlag und bakterielle Infektionen oder Pilzinfektionen entstehen.

Zahlreiche angeblich entzündungshemmende Produkte auf pflanzlicher Basis kommen heute in kommerziellen Produkten zum Einsatz, obwohl deren Wirksamkeit nicht sicher erwiesen ist (zu den beliebtesten zählen Kamille und Calendula). Pflanzliche und so genannte „natürliche“ Produkte sind oft nicht standardisiert und führen häufig zu allergischen Reaktionen und zu Reizung der Haut.

Teerzubereitungen

Hierbei handelt es sich um entzündungshemmende Mittel ohne Kortikosteroide, die Nebenprodukte aus der Kohleherstellung sind. Sie verlangsamen die Hautzellteilung und sind bei der Behandlung von Erkrankungen nützlich, die eine übermäßige Hautproduktion (Schuppenbildung) verursachen, wie zum Beispiel Psoriasis bzw. Schuppenflechte. Zu den Nebenwirkungen gehören Reizungen, Entzündung der Follikel (Follikulitis) und Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht (Photosensibilisierung). Es kann auch Kleidungs- und Möbelstücke verfärben. Sie sollten nicht auf entzündeter Haut angewendet werden.

Desinfizierende Mittel

Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten können alle die Haut infizieren. Der weitaus beste Schutz gegen derartige Infektionen ist das gründliche Waschen der Haut mit Wasser und Seife. Stärkere desinfizierende Mittel werden meist von Pflegepersonal und Ärzten verwendet, um die Hände zu desinfizieren und so die Ausbreitung von Infektionen auf die Patienten zu verhindern. Antibakterielle Mittel werden vor Operationen auf der Haut angewendet, um die Zahl der Bakterien auf der Haut zu verringern und so postoperative Infektionen zu verhindern.

Wenn eine Hautinfektion aufgetreten ist, kann diese je nach der Schwere und Art der diagnostizierten oder vermuteten Infektion mit topischen (äußerlichen) oder systemischen Medikamenten behandelt werden. Zu den topischen desinfizierenden Mitteln zählen Antibiotika, Antipilzmittel und Insektizide.

Topische Antibiotika sind nur eingeschränkt anwendbar. Clindamycin und Erythromycin werden am besten als Zusatzbehandlung bei Akne eingesetzt. Gegen Rosazea werden topisches Metronidazol und mitunter topisches Sulfacetamid, Clindamycin oder Erythromycin eingesetzt. Mupirocin und die neueren zur äußeren Anwendung verwendeten Antibiotika Retapamulin und Ozenoxacin können zur Behandlung eines Impetigo (einer Staphylokokkeninfektion der Haut) verwendet werden.

Rezeptfreie Antibiotika wie Bacitracin und Polymyxin wurden bei der postoperativen Versorgung der Stelle einer Hautbiopsie und zur Vermeidung von Infektionen bei Kratzern, leichten Verbrennungen und Abschürfungen durch topische Produkte wie Vaseline® ersetzt. Diese Antibiotika und insbesondere Neomycin können allergische Reaktionen auslösen (Kontaktdermatitis). Vaseline ist ebenso wirksam wie diese Antibiotika und verursacht keine solchen allergischen Reaktionen.

Topische Pilzmittel bzw. Antimykotika sind relativ gut zur Behandlung einer großen Spanne von Pilzinfektionen der Haut (wie Ringelflechte oder Fußpilz) einsetzbar. Allerdings sind diese topischen Mittel bei der Behandlung von Pilzinfektionen der Nägel nur von geringer Wirksamkeit. Typischerweise werden Nagelinfektionen mit oral verabreichten Pilzmitteln (für gewöhnlich Terbinafin) behandelt, allerdings ist auch trotz der oralen Einnahme ein Wiederauftreten sehr häufig.

Insektizide (wie Permethrin und Malathion) werden zur Behandlung von Läusebefall und Krätze verwendet.

Zu den nicht-antibiotischen topischen Antiseptika gehören Jodlösungen (wie Povidon-Iod und Clioquinol), Kristallviolett (Gentianaviolett), Silberzubereitungen (wie Silbernitrat und Silbersulfadiazin) und Zink-Pyrithion.

Jod wird auch eingesetzt, um die Haut für einen Eingriff vorzubereiten. Gentianaviolett wird dann verwendet, wenn ein kostengünstiges Antiseptikum oder Antimikrobikum benötigt wird. Silberzubereitungen (wie Silbersulfadiazin) sind wirksam bei der Behandlung von Verbrennungen und Geschwüren und haben eine starke antimikrobielle Wirkung. Zahlreiche Wundverbände werden mit Silber behandelt. Zink-Pyrithion ist ein Antimykotikum und ein häufiger Inhaltsstoff von Shampoos zur Behandlung von Schuppen, die durch Schuppenflechte oder seborrhoische Dermatitis verursacht werden.

Wunden, deren Heilungsprozess bereits eingesetzt hat, sollten nur mit Silber behandelt werden, da andere topische Antiseptika Reizungen verursachen und dazu neigen, die empfindliche Neubildung von Gewebe (Granulationsgewebe) zu vernichten.

Keratolytika

Keratolytika sind Mittel, die die Hornschicht (Stratum corneum) der Epidermis aufweichen und lockern und so die Bildung von Schuppen und das Abschälen (Exfoliation) der oberen Hautschicht begünstigen. Dazu gehören Salizylsäure und Harnstoff.

Salicylsäure wird in unterschiedlichen Konzentrationen zur Behandlung von Schuppenflechte, seborrhoischer Dermatitis, Akne und Warzen verwendet. Nebenwirkungen sind häufig und umfassen Brennen, Reizungen und, wenn große Hautflächen bedeckt werden, Reaktionen an anderen Körperstellen (systemische Reaktionen). Ursache ist die Absorption der Salicylsäure. Salicylsäure wird bei Kindern und Babys selten verwendet – und wenn, dann nur in sehr geringen Konzentrationen und für kurze Zeiträume –, da diese am anfälligsten für systemische Reaktionen sind.

Harnstoff kann zur Feuchtigkeitsanreicherung, zur Linderung von Juckreiz und zur Verringerung der Schuppenbildung verwendet werden. Er wird häufig zur Behandlung übermäßiger Hautbildung an den Fußsohlen (Keratoderma und Schwielen an den Füßen), Keratosis pilaris (trockene Knoten an den Oberschenkeln und den Armrückseiten bei Menschen mit Allergien) und stark trockener Haut (Ichthyose) verwendet. Nebenwirkungen sind Reizungen und Brennen. Harnstoff sollte nicht auf größeren Hautflächen angewendet werden.

Verbände

Verbände schützen offene Wunden, begünstigen die Heilung, steigern die Wirkstoffaufnahme und bieten Schutz für die Kleidung. Es gibt zwei Arten von Verbänden:

  • Nichtokklusiv (Luft kann die Wunde erreichen)

  • Okklusiv (Wunden sind luftdicht bedeckt)

Nichtokklusive Verbände

Die am häufigsten verwendeten nichtokklusiven Verbände sind Mullverbände. Sie lassen die meiste Luft an die Wunde, decken die Wunde aber dennoch ab und ermöglichen der Wunde zu trocknen.

Bei Nass-Trocken-Verbänden handelt es sich um mit einer Lösung (für gewöhnlich Kochsalzlösung) befeuchtete nichtokklusive Verbände, die verwendet werden, um verdicktes, verkrustetes oder abgestorbenes Gewebe zu säubern und zu entfernen. Diese Verbände werden feucht aufgelegt und entfernt, nachdem die Lösung getrocknet ist. Das getrocknete Gewebe bleibt am Verband kleben.

Okklusivverbände

Okklusivverbände steigern die Aufnahme und die Wirksamkeit (aber auch die Nebenwirkungen) von topischen Medikamenten. Transparente, undurchlässige Filme, wie Polyethylen (Haushaltsfolie aus Kunststoff) oder flexible, transparente, halbdurchlässige Verbände sind die häufigsten Okklusivverbände. Eine Zinkoxid-Gelbinde (Zinkleimverband) stellt einen wirksamen Okklusivverband gegen Hautentzündungen und Geschwüre an den Waden (die bei Stauungsdermatitis auftreten können) dar. Hydrokolloidverbände ziehen Flüssigkeit aus der Haut und bilden ein Gel. Sie werden angewendet, um den Heilungsprozess von Hautgeschwüren zu beschleunigen.

Okklusivverbände werden manchmal über Kortikosteroiden zur Behandlung schwerer Schuppenflechte, atopischer Dermatitis, Hautläsionen des Lupus erythematodes und chronischer Handdermatitis und anderen Erkrankungen aufgetragen.

Andere Arten von Okklusivverbänden werden zum Schutz und zur Heilung von Verbrennungen angewendet. Ärzte haben kürzlich festgestellt, dass andere Arten offener Wunden ebenfalls schneller und umfänglicher heilen, wenn diese feucht und unter einem Okklusivverband bedeckt werden. Diese Art von Verbänden hilft dabei, ein geeignetes Feuchtigkeitsniveau aufrechtzuerhalten, und dient als Gerüst, auf dem neues Hautgewebe nachwachsen kann. Zu solchen Verbänden zählen, neben hochentwickelten, im Handel erhältlichen Produkten, auch einfache Verbände, bestehend aus Paraffin oder einer antibiotischen Salbe unter einer Bandage.

Bei Keloiden werden manchmal spezielle Silikonverbände verwendet.

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