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Entwicklung von Jugendlichen

Von

Evan G. Graber

, DO, Sydney Kimmel Medical College

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Feb 2019| Inhalt zuletzt geändert Feb 2019
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In der Adoleszenz werden aus den Kindern junge Erwachsene. Sie durchlaufen deutliche körperliche, intellektuelle und emotionale Veränderungen. Der Weg zum Erwachsensein läuft allerdings nicht geradlinig ab. Jugendliche werden mit der Zeit nicht einfach immer ein bisschen mehr wie Erwachsene. Es ist eher so, dass Jugendliche zwischen dem Verhalten eines Kindes und eines Erwachsenen hin und her wechseln. Mit der Entwicklung der Jugendlichen verhalten sie sich immer öfter wie Erwachsene und fallen nur noch selten in ein kindliches Verhalten zurück.

Während dieses Entwicklungsabschnitts entwickelt der junge Mensch ein Gefühl dafür, wer er ist, und er lernt, innige Beziehungen mit Menschen aufzubauen, die nicht zu seiner Familie gehören. Für Eltern kann es eine Herausforderung darstellen, Jugendliche durch diese schwierige Entwicklungsphase zu führen. Bei Jugendlichen besteht häufig eine höhere Risikobereitschaft (z. B. Bereitschaft zu Gewalt und Saufgelagen), was schwere gesundheitliche Risiken birgt. Ungesunde Verhaltensweisen, wie Rauchen oder Drogenkonsum, die im späteren Leben ernsthafte Probleme verursachen, beginnen ebenfalls häufig während der Pubertät.

Intellektuelle und soziale Entwicklung

In der frühen Adoleszenz beginnt das Kind, seine Fähigkeit zum abstrakten, logischen Denken zu entwickeln. Diese Bewusstseinserweiterung führt zu einer verstärkten Selbstaufmerksamkeit und der Fähigkeit, über sein eigenes Selbst nachzudenken. Aufgrund der vielen sichtbaren körperlichen Veränderungen, die in der Adoleszenz eintreten, wird die Selbstaufmerksamkeit zum „Selbstbewusstsein“, das häufig von einem Gefühl der Unbeholfenheit begleitet wird. Sein äußeres Erscheinungsbild und seine Attraktivität nehmen beim Heranwachsenden genauso wie sein Empfinden für das Gleich- und Anderssein gegenüber seinen Altersgenossen einen großen Raum ein.

In der Mitte des Jugendalters wird die Belastung einer Entscheidung über die berufliche Zukunft immer größer. Die meisten Jugendlichen haben noch kein klar definiertes Ziel, obwohl sie langsam ihre Interessen und Begabungen erkennen. Die Eltern müssen auf die Fähigkeiten des Jugendlichen achten und ihm helfen, sich realistische Ziele zu setzen. Sie müssen außerdem Probleme beim Lernen erkennen, z. B. Lernbehinderungen, Aufmerksamkeitsprobleme, Verhaltensprobleme oder unangemessene Lernumgebungen, die korrigiert werden müssen.

Der Heranwachsende wendet seine neu erworbene Reflexionsfähigkeit auch auf moralische Werte an. Vor Erreichen der Adoleszenz versteht der junge Mensch „richtig“ und „falsch“ noch als feststehende, absolute Werte. Der ältere Heranwachsende stellt dagegen Verhaltensstandards infrage und lehnt häufig traditionelle Wertmaßstäbe ab – oft zur Bestürzung der Eltern. Im Idealfall mündet diese Reflexion bei dem Heranwachsenden in die Entwicklung und Verinnerlichung eines eigenen Moralkodex.

Viele Jugendliche legen einen Hang zu riskantem Verhalten an den Tag, dazu gehören Aktivitäten wie schnelles Fahren. Viele fangen mit sexuellen Experimenten an und manche nehmen risikoreiche sexuelle Handlungen vor. Einige Jugendliche können Gesetzesübertretungen begehen, wie z. B. Diebstahl, Alkohol- und Substanzenmissbrauch. Experten vermuten, dass dieses Verhalten teilweise darauf zurückzuführen ist, weil Jugendliche dazu neigen, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen, was eine Vorbereitung auf das Verlassen des häuslichen Umfelds darstellt. Vor Kurzem veröffentlichte Studien des Nervensystems belegen, dass die Bereiche des Gehirns, die Impulse unterdrücken, bis zum frühen Erwachsenenalter noch nicht völlig ausgereift sind.

Emotionale Entwicklung

In der Adoleszenz reifen die Bereiche des Gehirns, die Emotionen steuern. Diese Phase ist gekennzeichnet durch scheinbar spontane Ausbrüche, was für Eltern und Lehrer sehr anstrengend sein kann, da häufig sie es sind, gegen die sich die Ausbrüche richten. Jugendliche lernen mit der Zeit, unangemessene Gedanken und Aktionen zu unterdrücken und sie durch zielgerichtetes Verhalten zu ersetzen.

Ein typischer Konfliktbereich ist das normale Verlangen des Jugendlichen nach mehr Freiheit, was mit den Instinkten der Eltern kollidiert, ihr Kind vor Schaden zu bewahren. Durch die Versuche auf vielen Ebenen zu wachsen, macht sich Frustration breit. Auch die Kommunikation kann sehr herausfordernd sein, da Eltern und Jugendliche ihre Beziehungen neu finden. All diese Herausforderungen können weiter verstärkt werden, wenn Familien anderem Stress ausgesetzt sind oder wenn Eltern selber emotionale Schwierigkeiten haben, weil der Jugendliche weiterhin die Führung durch die Eltern benötigt. Ärzte können helfen, Kommunikationskanäle zu eröffnen, indem sie den Jugendlichen und Eltern vorsichtige, praktische und hilfreiche Ratschläge geben.

Soziale und psychologische Entwicklung

Während der Kindheit ist die Familie Dreh- und Angelpunkt im Leben des Kindes. In der Adoleszenz löst die Gruppe Gleichaltriger allmählich die Familie als wichtigsten Sozialpartner ab. Ein Wir-Gefühl, das aus gemeinsamen Charakteristika, wie einer Besonderheit im Kleidungsstil und äußerem Erscheinungsbild, einem besonderen Verhalten, besonderen Hobbys und Interessen, erwächst, mit denen sich die Gruppenmitglieder von Außenstehenden abheben, führt oft zur Bildung einer so genannten Peer-Gruppe. Anfangs setzt sich die Peer-Gruppe aus gleichgeschlechtlichen Mitgliedern zusammen, später tritt dann auch das andere Geschlecht hinzu. Diese Gruppe hat für den Heranwachsenden eine große Bedeutung, da er durch sie bei seinen Entscheidungen Bestätigung und in belastenden Situationen Unterstützung erfährt.

Jugendliche, die keiner Peer-Gruppe angeschlossen sind, entwickeln häufig das intensive Gefühl, anders zu sein und nicht dazuzugehören. Dieses Gefühl kann sich in der sensiblen Entwicklungsphase des Jugendlichen ungünstig auswirken und vorhandenes Potenzial in Richtung funktionsgestörtes oder antisoziales Verhalten verstärken. Im anderen Extrem kann die Peer-Gruppe für manche Jugendliche auch zu bedeutsam werden, was auch zu antisozialem Verhalten führen kann. Die Zugehörigkeit zu Banden und Gangs mit ihrem entsprechenden Verhalten kommt häufiger vor, wenn die häusliche und soziale Umgebung nicht in der Lage ist, die oft unangemessenen Forderungen der Gleichaltrigengruppe aufzufangen.

Ärzte sollten alle Jugendlichen vorsorglich hinsichtlich psychischer Gesundheitsstörungen, z. B. Depressionen, bipolaren Störungen und Angststörungen untersuchen. Psychische Gesundheitsstörungen kommen in diesem Lebensabschnitt häufiger vor und können zu Selbstmordgedanken und -handlungen führen. Psychotische Störungen, wie z. B. Schizophrenie fallen, obwohl sie sehr selten sind, meist im späten Jugendalter auf. Essstörungen wie Anorexie und Bulimie sind bei Mädchen relativ verbreitet. Das Erkennen einer solchen Störung kann schwierig sein, da solche Jugendliche fast alles unternehmen, um ihr Verhalten und die Gewichtsveränderungen verborgen zu halten.

Der Missbrauch von Substanzen beginnt typischerweise im Jugendalter. Mehr als 70 Prozent der Jugendlichen in den USA trinken Alkohol, bevor sie mit der Schule fertig sind. Es kommt häufig zu Saufgelagen, die sowohl zu akuten als auch chronischen Gesundheitsrisiken führen. Die Forschung hat gezeigt, dass Jugendliche, die schon in jungen Jahren anfangen Alkohol zu trinken, eher dazu neigen, als Erwachsene ein Alkoholproblem zu entwickeln. Jugendliche, die beispielsweise im Alter von 13 Jahren anfangen Alkohol zu trinken, sind 5-mal anfälliger, Alkoholprobleme zu entwickeln, als Jugendliche, die erst im Alter von 21 Jahren anfangen zu trinken. Fast 50 Prozent der Jugendlichen in den USA probieren Zigaretten, mehr als 40 Prozent elektronische Zigaretten und mehr als 40 Prozent Marihuana während sie die weiterführende Schule besuchen. Das Ausprobieren anderer Drogen kommt viel seltener vor, obwohl der Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente, dazu zählen Schmerzmittel und Stimulanzien, immer häufiger wird.

Die Eltern können einen starken positiven Einfluss auf ihre Kinder nehmen, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen (z. B. indem sie nur geringe Alkoholmengen konsumieren und keine illegalen Drogen nehmen), Werte vorleben und hohe Erwartungen an den Jugendlichen stellen, sich von Drogen fernzuhalten. Eltern sollten ihren Kindern außerdem beibringen, dass verschreibungspflichtige Medikamente nur nach den Anweisungen des Arztes eingenommen werden dürfen. Alle Jugendlichen sollten unter Einhaltung ihrer Privatsphäre auf Substanzenmissbrauch hin untersucht werden. Im Rahmen der routinemäßigen Gesundheitsversorgung sollten entsprechende Hinweise gegeben werden. Es hat sich gezeigt, dass selbst nur sehr kurze Einmischungen durch Ärzte und medizinische Fachkräfte dazu führen, dass der Substanzenmissbrauch bei Jugendlichen abnimmt.

Entwicklung der Sexualität

Der Beginn der Geschlechtsreife (Pubertät) wird in der Regel mit dem Interesse an der Veränderung der geschlechtlichen Anatomie begleitet. Diese Veränderungen, oder auch ihr Ausbleiben, sind ein Quell ständiger Verunsicherung und Sorge. Mit zunehmender emotionaler und sexueller Reife beginnt der Jugendliche meist auch, seine ersten sexuellen Erfahrungen zu sammeln. Fast alle Jugendlichen machen Erfahrungen mit Selbstbefriedigung. Die sexuellen Erfahrungen mit anderen beginnen zunächst meist mit Schmusen und „Petting“, werden aber manchmal zum oralen, vaginalen oder analen Geschlechtsverkehr erweitert. In der späten Adoleszenz hat sich Sexualität aus dem Experimentierstadium zu einem Ausdruck inniger Vertrautheit und Zweisamkeit weiterentwickelt. Ärzte sollten im Rahmen einer routinemäßigen Gesundheitsversorgung entsprechende Ratschläge zum „Safer Sex“ geben und alle sexuell aktiven Jugendlichen auf sexuell übertragbare Erkrankungen untersuchen.

Manche Jugendlichen kämpfen mit ihrer sexuellen Identität. Viele von denen, die homosexuelle Beziehungen ausprobieren, interessieren sich letztendlich nicht mehr für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Andere wiederum zeigen vielleicht nie ein Interesse an andersgeschlechtlichen Beziehungen. Homosexualität ist eine normale Variante der menschlichen Sexualität und keine Erkrankung. Obwohl noch nicht genau verstanden wird, warum homosexuelle Gefühle aufkommen, sind Experten nicht der Meinung, dass Homosexualität etwas ist, das Jugendliche von Gleichaltrigen oder aus den Medien übernehmen. Homosexualität kann man sich nicht wie eine Schul-AG oder einen Berufswunsch aussuchen.

Homosexuelle Jugendliche können sich im Rahmen ihrer sexuellen Entwicklung einzigartigen Herausforderungen gegenübersehen. Jugendliche können sich von ihrer Familie oder Gleichaltrigen unerwünscht oder nicht akzeptiert fühlen, wenn sie ihre homosexuelle Neigung ausdrücken. Ein solcher Druck (vor allem zu einer Zeit, da soziale Akzeptanz für den jungen Menschen unerhört wichtig ist) kann starken Stress verursachen. Die manchmal durchaus berechtigte Angst, die Eltern könnten sich abwenden, kann zu einer unaufrichtigen oder zumindest unvollständigen Kommunikation zwischen Eltern und Kind führen. Solche Jugendlichen können auch durch Gleichaltrige verspottet oder schikaniert werden. Androhungen körperlicher Gewalt sollten durchaus ernst genommen und der Schulleitung mitgeteilt werden. Die emotionale Entwicklung von homosexuellen und heterosexuellen Jugendlichen wird durch unterstützende Freunde und Familienmitglieder am besten getragen.

Nur wenige Elemente des Menschen erfahren eine Kombination aus körperlichen, intellektuellen und emotionalen Aspekten so intensiv wie die Sexualität. Es ist äußerst wichtig, den Jugendlichen dabei zu helfen, Sexualität in einen gesunden Rahmen zu setzen. Dazu gehören auch moralische Fragen sowie die Gründung einer Familie. Eltern sollten ihre eigenen Werte und Erwartungen offen mit ihren jugendlichen Kindern besprechen.

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