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Arzneimittel im Alter

Von

J. Mark Ruscin

, PharmD, FCCP, BCPS, Southern Illinois University Edwardsville School of Pharmacy;


Sunny A. Linnebur

, PharmD, BCPS, BCGP, University of Colorado Skaggs School of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences

Letzte vollständige Überprüfung/Überarbeitung Dez 2018| Inhalt zuletzt geändert Dez 2018
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Quellen zum Thema

Arzneimittel, die häufigste medizinische Intervention, sind ein wichtiger Teil der medizinischen Versorgung für ältere Menschen. Ohne Arzneimittel wären viele ältere Menschen weniger leistungsfähig oder würden früher sterben.

Wussten Sie ...

  • Bis zu 50 % der älteren Menschen nehmen die Arzneimittel nicht gemäß den Anweisungen ihres Arztes ein.

  • Ältere Menschen reagieren auf viele Arzneimittelwirkungen (und Nebenwirkungen) empfindlicher.

Ältere Menschen leiden häufiger unter mehr als einer chronischen Erkrankung, wie z. B. Bluthochdruck, Diabetes und Arthritis, und nehmen daher in der Regel mehr Arzneimittel ein als jüngere Menschen. Die meisten der bei älteren Menschen zur Behandlung chronischer Erkrankungen verordneten Arzneimittel werden über Jahre hinweg eingenommen. Andere Arzneimittel werden nur für kurze Zeit eingenommen, um Probleme wie Infektionen, bestimmte Arten von Schmerzen und Verstopfung zu behandeln. Fast 90 Prozent der älteren Erwachsenen nehmen regelmäßig mindestens ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ein, fast 80 Prozent nehmen regelmäßig mindestens zwei verschreibungspflichtige Medikamente ein, und 36 Prozent nehmen regelmäßig mindestens fünf verschiedene verschreibungspflichtige Arzneimittel ein. Wenn rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel eingeschlossen werden, sind diese Angaben noch höher. Frauen nehmen in der Regel mehr Arzneimittel ein als Männer. Ältere Menschen, die gebrechlich, hospitalisiert oder in einem Pflegeheim untergebracht sind, nehmen die meisten Arzneimittel ein. Bewohnern von Pflegeheimen werden im Durchschnitt 7 bis 8 verschiedene Arzneimittel zur regelmäßigen Einnahme verordnet.

Ältere Menschen nehmen zudem auch viele frei verkäufliche (rezeptfreie) Arzneimittel ein. Viele rezeptfreie Arzneimittel sind für ältere Menschen potenziell gefährlich (siehe Rezeptfreie Arzneimittel und damit verbundene Vorsichtsmaßnahmen für ältere Menschen).

Vorteile und Risiken von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln

Viele der in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Verbesserungen hinsichtlich der Gesundheit und Leistungsfähigkeit älterer Menschen lassen sich auf den Nutzen von Arzneimitteln zurückführen.

  • Impfstoffe helfen, vielen Infektionskrankheiten vorzubeugen (wie z. B. Grippe und Lungenentzündung), an denen einst viele ältere Menschen starben.

  • Antibiotika sind häufig bei der Behandlung von schweren Infektionen wie einer Lungenentzündung wirksam.

  • Arzneimittel zur Kontrolle von Bluthochdruck (Antihypertensiva) helfen, Schlaganfällen und Herzinfarkten vorzubeugen.

  • Arzneimittel zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels (Insulin und andere Antidiabetika) ermöglichen es Millionen von Diabetikern, ein normales Leben zu führen. Diese Arzneimittel reduzieren auch das Risiko für Augen- und Nierenprobleme, die Diabetes verursachen kann.

  • Arzneimittel zur Kontrolle von Schmerzen und anderen Symptomen ermöglichen es Millionen von Menschen mit Arthritis, weiterhin leistungsfähig zu bleiben.

Arzneimittel können jedoch auch Wirkungen haben, die weder beabsichtigt noch erwünscht sind (Nebenwirkungen). Ab dem späten mittleren Lebensalter nimmt das Risiko von Nebenwirkungen durch Arzneimittel zu. Ältere Menschen reagieren auf die Nebenwirkungen von Arzneimitteln doppelt so empfindlich wie jüngere Menschen. Nebenwirkungen fallen zudem häufig schwerer aus, beeinträchtigen die Lebensqualität und führen zu Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten.

Ältere Menschen reagieren auf die Nebenwirkungen aus verschiedenen Gründen empfindlicher:

  • Mit zunehmendem Alter sinkt der Wassergehalt des Körpers insgesamt, und der Fettanteil steigt. Wasserlösliche Arzneimittel erreichen bei älteren Menschen höhere Konzentrationen, weil weniger Wasser zur Verdünnung vorhanden ist, während sich fettlösliche Arzneimittel stärker ansammeln, da es verhältnismäßig mehr Fettgewebe zur Einlagerung gibt (siehe Verteilung von Arzneimitteln).

  • Die Nieren älterer Patienten können Medikamente schlechter über den Urin ausscheiden, und die Leber kann viele Arzneimittel nicht mehr so gut abbauen (verstoffwechseln) (siehe Verstoffwechslung von Arzneimitteln). Somit werden Arzneimittel langsamer im Körper abgebaut (siehe Ausscheidung von Arzneimitteln).

  • Ältere Menschen nehmen in der Regel mehr Arzneimittel ein und haben mehr Erkrankungen.

  • Menschen, die verschiedene Arzneimittel einnehmen, sind einem höheren Risiko von Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln ausgesetzt.

  • Bei älteren Menschen wurden bisher weniger Studien durchgeführt, um die angemessene Dosis von Arzneimitteln zu ermitteln.

  • Bei älteren Menschen besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine chronische Erkrankung vorliegt, die durch die Einnahme von Arzneimitteln verschlimmert werden oder die Wirkung der Arzneimittel beeinflussen könnte.

Aufgrund dieser altersbedingten Veränderungen bleiben zahlreiche Arzneimittel erheblich länger im Körper eines älteren Menschen, wodurch die Arzneimittelwirkung verlängert und das Risiko für Nebenwirkungen erhöht wird. Deshalb müssen ältere Menschen von bestimmten Arzneimitteln häufig eine geringere Dosis oder eventuell weniger tägliche Dosen einnehmen. Digoxin ist zum Beispiel ein Arzneimittel, das bisweilen zur Behandlung bestimmter Herzkrankheiten verwendet wird, wasserlöslich ist und über die Nieren ausgeschieden wird. Da bei älteren Menschen der Wassergehalt im Körper sinkt und die Nierenfunktion abnimmt, können die Digoxin-Konzentrationen im Körper erhöht sein, was ein größeres Risiko für Nebenwirkungen zur Folge hat (wie z. B. Übelkeit und Herzrhythmusstörungen). Um diesem Problem vorzubeugen, können Ärzte eine geringere Dosis. oder manchmal stattdessen andere Arzneimittel verordnen.

Ältere Menschen reagieren auf viele Arzneimittelwirkungen empfindlicher. Durch angstlösende Mittel (Anxiolytika; siehe Tabelle mit Medikamenten zur Behandlung von Angststörungen) oder Schlafmittel sind ältere Menschen zum Beispiel häufiger schläfrig und neigen zu Verwirrtheit. Manche blutdrucksenkenden Arzneimittel senken den Blutdruck bei älteren Menschen deutlich stärker als bei jüngeren Menschen. Ein stärkerer Abfall des Blutdrucks kann zu Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit und Stürzen führen. Ältere Menschen, die unter solchen Nebenwirkungen leiden, sollten diese mit ihrem Arzt besprechen.

Tabelle
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Einige Arzneimittel, die bei älteren Menschen sehr wahrscheinlich zu Problemen führen

Medikament

Verwendung

Problem

Alphablocker (z. B. Doxazosin, Prazosin und Terazosin)

Zur Behandlung von Bluthochdruck

Diese Arzneimittel dürfen nicht zur Behandlung eines hohen Blutdrucks eingesetzt werden.

Durch die Verabreichung dieser Arzneimittel wird das Risiko einer orthostatischen Hypotonie erhöht (plötzlicher Blutdruckabfall, wenn der Patient aufsteht).

Diese Medikamente können es Frauen schwer machen, ihren Urin zu halten.

Alpha-adrenerge Agonisten (z. B. Clonidin, Guanabenz, Guanfacin, Methyldopa und Reserpin)

Zur Behandlung von Bluthochdruck

Diese Arzneimittel sollten in der Regel nicht zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt werden, ausgenommen wenn mit anderen Medikamenten keine Wirkung erzielt werden konnte.

Die Verwendung dieser Arzneimittel kann eine orthostatische Hypotonie und eine ungewöhnlich niedrige Herzfrequenz verursachen. Auch kann es zu einer verlangsamten Gehirnfunktion kommen.

Methyldopa und Reserpin können eine Depression verstärken.

Reserpin kann zur Impotenz beitragen.

Schmerzmittel (einige, wie z. B. Meperidin und Pentazocin)

Zur Linderung vonSchmerzen

Das Opioid Meperidin verursacht häufig Verwirrtheit und in manchen Fällen auch Krampfanfälle. Wie alle Opioide kann es zu Verstopfung, Harnverhaltung, Schläfrigkeit und Verwirrung führen. Bei oraler Verabreichung ist Meperidin nicht sehr wirksam.

Pentazocin kann Verwirrtheit und Halluzinationen auslösen.

Amiodaron

Zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Amiodaron sollte in der Regel nicht als Mittel erster Wahl, sondern nur unter besonderen Umständen zur Behandlung eines Vorhofflimmerns (einer besonderen Herzrhythmusstörung) verwendet werden.

Amiodaron kann das Risiko einer Schilddrüsenerkrankung, Lungenerkrankung und eines Long-QT-Syndroms (das wiederum zu schweren Herzrhythmusstörungen beitragen kann) erhöhen.

Antidepressiva (ältere, wie z. B. Amitriptylin, Amoxapin, Clomipramin, Desipramin, Doxepin in hohen Dosen, Imipramin, Nortriptylin, Paroxetin, Protriptylin und Trimipramin)

Zur Behandlung von Depression

Diese älteren Antidepressiva haben starke anticholinerge Wirkungen.* Sie erhöhen auch das Risiko für Stürze, Verstopfung, Mundtrockenheit, übermäßige Benommenheit und Herzrhythmusstörungen.

Antihistaminika (ältere) mit anticholinerger Wirkung* (z. B. Brompheniramin, Carbinoxamin, Chlorpheniramin, Clemastin, Cyproheptadin, Dexbrompheniramin, Dexchlorpheniramin, Dimenhydrinat, Diphenhydramin, Doxylamin, Hydroxyzin, Meclozin, Promethazin und Triprolidin)

Zur Symptomlinderung bei Allergien oder Erkältungen und als Einschlafhilfe

Viele rezeptfreie (frei verkäufliche) Arzneimittel und verschreibungspflichtige Antihistaminika haben eine starke anticholinerge Wirkung.*

Diese Antihistaminika können Benommenheit und Verwirrung verursachen und bei regelmäßiger Anwendung auch Verstopfung, Mundtrockenheit und Schwierigkeiten beim Wasserlassen hervorrufen.

Antihistaminika sind häufig in Präparaten gegen Husten und Erkältungen sowie in Schmerzmitteln, die nachts eingesetzt werden, enthalten.

Bei Verwendung dieser Arzneimittel als Schlafmittel kann sich eine Toleranz gegenüber ihrer Wirkung entwickeln.

Mittel gegen Parkinson (Benzatropin und Trihexyphenidyl)

Zur Behandlung der Parkinson-Krankheit

Es sind wirksamere Arzneimittel verfügbar.

Benzatropin und Trihexyphenidyl haben eine starke anticholinerge Wirkung.*

Antipsychotika (z. B. Chlorpromazin, Haloperidol, Thiotixen, Risperidon, Olanzapin, Quetiapin und Aripiprazol) und Metoclopramid

Zur Behandlung von Realitätsverlust (Psychosen) oder, noch etwas umstritten, zur Behandlung von Verhaltensstörungen bei Patienten mit Demenz

In manchen Fällen zur Behandlung von Übelkeit (meist nur Chlorpromazin oder Metoclopramid)

Antipsychotika können Schläfrigkeit, Bewegungsstörungen (ähnlich der Parkinson-Krankheit) und unkontrollierbares Zucken im Gesicht verursachen. Einige dieser Arzneimittel haben eine anticholinerge Wirkung.* Manche Nebenwirkungen sind potenziell tödlich. Antipsychotika sollten nur eingesetzt werden, wenn eine psychotische Störung vorliegt und eine ärztliche Überwachung erforderlich ist.

Bei Demenz-Patienten kann die Verabreichung von Antipsychotika das Todes- oder Schlaganfallrisiko erhöhen.

Metoclopramid kann Schläfrigkeit und Bewegungsstörungen (ähnlich der Parkinson-Krankheit hervorrufen. Metoclopramid sollte im Allgemeinen nicht länger als 3 Monate angewendet werden.

Barbiturate (wie z. B. Amobarbital, Butabarbital, Butalbital, Mephobarbital, Pentobarbital, Phenobarbital und Secobarbital)

Zur Beruhigung, zur Linderung von Angststörungen oder als Einschlafhilfe

Es kann sich eine Abhängigkeit von diesen Arzneimitteln entwickeln. Auch können die Arzneimittel ihre Wirksamkeit als Schlafmittel verlieren und es kann auch bei geringen Dosen dieser Medikamente zu einer Überdosierung kommen.

Benzodiazepine (z. B. Alprazolam, Chlordiazepoxid, Chlordiazepoxid mit Amitriptylin, Clidinium mit Chlordiazepoxid, Clonazepam, Clorazepat, Diazepam, Estazolam, Flurazepam, Lorazepam, Oxazepam, Quazepam, Temazepam und Triazolam)

Zur Beruhigung, zur Linderung von Angststörungen oder als Einschlafhilfe

Diese Arzneimittel können zu Schläfrigkeit und Gleichgewichtsverlust beim Gehen führen. Es besteht ein höheres Risiko für Stürze und Frakturen sowie Verkehrsunfälle.

Die Wirkung einiger dieser Arzneimittel halten bei älteren Menschen sehr lange an (häufig über mehrere Tage hinweg).

Bestimmte Hypnotika (wie z. B. Zopiclon, Zaleplon und Zolpidem)

Als Schlafmittel

Die Nebenwirkungen dieser Arzneimittel sind mit den Nebenwirkungen von Benzodiazepinen vergleichbar. Es ist besser, diese Arzneimittel nur kurzfristig einzusetzen.

Desmopressin

Zur Kontrolle des nächtlichen Wasserlassens

Desmopressin birgt ein hohes Risiko für Hyponatriämie (niedriger Natriumspiegel im Blut). Desmopressin sollte nicht zur Behandlung von übermäßigem nächtlichem Wasserlassen verwendet werden, da es sicherere Alternativen gibt.

Zur Behandlung von Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Mit zunehmendem Alter läst sich Digoxin immer schlechter durch die Nieren aus dem Körper ausscheiden. Hohe Dosen des Arzneimittels können leicht schädliche (toxische) Konzentrationen erreichen. Nebenwirkungen können Appetitlosigkeit, Übelkeit und Verwirrung umfassen.

Dipyridamol (sofortige Freisetzung)

Zur Reduktion des Risikos einer Bildung von Blutgerinnseln oder zur Verbesserung des Blutflusses

Dipyridamol verursacht bei älteren Menschen häufig niedrigen Blutdruck beim Aufstehen. Es kann auch das Risiko für Blutungen erhöhen, wenn es zusammen mit anderen Arzneimitteln eingenommen wird, die die Blutgerinnung senken, wie z. B. Aspirin oder das Antikoagulans Marcumar, das hauptsächlich in Deutschland verschrieben wird (Warfarin wird dagegen in den USA verschrieben).

Arzneimittel, die Muskelkrämpfe im Verdauungstrakt reduzieren oder stoppen (Antispasmodika, wie z. B. Atropin [mit Ausnahme von Augentropfen], Belladonna-Alkaloide, Clidinium/Chlordiazepoxid, Dicyclomin, Hyoscyamin, Propanthelin und Scopolamin)

Zur Linderung von Bauchkrämpfen und Schmerzen

Diese Arzneimittel haben starke anticholinerge Wirkungen* und verursachen bei älteren Menschen häufig Nebenwirkungen. Ihre Nützlichkeit – insbesondere bei den von älteren Menschen vertragenen geringen Dosen – ist fraglich.

Mutterkornalkaloide und Isoxsuprine

Zur Erweiterung von Blutgefäßen

Diese Arzneimittel zeigen keine Wirkung, ungeachtet der Altersgruppe der Patienten.

Östrogentherapie mit oder ohne ein Progestin

Zur Behandlung von Osteoporose und zur Linderung der Symptome der Menopause, wie z. B. Hitzewallungen, Nachtschweiß und Scheidentrockenheit.

Östrogene erhöhen das Risiko für Brust- und Gebärmutterhalskrebs (Endometriumkarzinom) und können bei älteren Frauen das Schlaganfall-, Herzinfarkt- und Demenzrisiko erhöhen. Vaginale Östrogenpräparate scheinen unbedenklich und wirksam zu sein, um Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Harnwegsinfektionen und andere vaginale Symptome zu behandeln.

Histamin-2-Rezeptorantagonisten (H2-Blocker) (z. B. Cimetidin, Famotidin, Nizatidin und Ranitidin)

Zur Behandlung von Sodbrennen (Refluxkrankheit), Verdauungsstörungen oder Geschwüren

Die üblichen Dosen von Cimetidin können zu Arzneimittel-Wechselwirkungen und Nebenwirkungen führen, insbesondere Verwirrung.

Zum Teil können hohe Dosen Famotidin, Nizatidin oder Ranitidin zu Nebenwirkungen führen, insbesondere Verwirrung.

Diese Arzneimittel können ein vermindertes Erinnerungs- und Denkvermögen hervorrufen.

Verabreichung von Insulin mittels einer Gleitskala

Zur Behandlung von Diabetes

Bei dieser Form der Verabreichung kann Insulin eine lebensgefährliche Unterzuckerung verursachen und ist bei der Kontrolle des Diabetes nicht wirksamer als die Behandlung mit festgesetzten Dosen Insulin.

Mineralöl

Zur Behandlung von Verstopfung

Bei oraler Verabreichung kann Mineralöl versehentlich eingeatmet werden und in die Lunge gelangen, was zu Lungenschäden führen kann.

Männliche Sexualhormone (z. B. Testosteron und Methyltestosteron)

Bei niedrigem Testosteronspiegel (sogenannter männlicher Hypogonadismus)

Diese Hormone sollten nur eingesetzt werden, wenn der Testosteronspiegel eines Mannes niedrig ist und signifikante Symptome hervorruft. Die Verwendung dieser Hormone kann zu Herzerkrankungen beitragen und Erkrankungen der Prostata verschlimmern.

Megestrol

Zur Appetitanregung und Wiedergewinnung von verlorenem Körpergewicht

Megestrol kann Blutgerinnsel verursachen und gegebenenfalls das Sterberisiko erhöhen. Auch hat es üblicherweise keine große Wirkung hinsichtlich einer Gewichtszunahme.

Muskelrelaxantien (wie z. B. Carisoprodol, Chlorzoxazon, Cyclobenzaprin, Metaxalon, Methocarbamol und Orphenadrin)

Zur Linderung von Muskelkrämpfen

Die meisten Muskelrelaxantien haben anticholinerge Wirkungen.* Neben einem erhöhten Sturz- und Frakturrisiko verursachen sie auch Schläfrigkeit und Schwäche. Der Nutzen aller Muskelrelaxantien, die älteren Menschen zur Vermeidung von Nebenwirkungen in geringen Dosen verabreicht werden, ist fraglich. Die Risiken überwiegen vermutlich den Nutzen.

Nifedipin (sofortige Freisetzung)

Bei Verabreichung in Form von Kapseln mit sofortiger Freilassung kann Nifedipin den Blutdruck zu stark senken und in manchen Fällen Symptome hervorrufen, die mit denjenigen eines Herzinfarkts vergleichbar sind.

Zur Behandlung von Blaseninfektionen

Bei einer langfristigen Verabreichung können mit Nitrofurantoin Nebenwirkungen auftreten (z. B. Lungenschäden). Wird das Medikament zur Behandlung einer Blaseninfektion eingesetzt, hat es bei vorliegender verminderter Nierenfunktion womöglich keine Wirkung.

NSAR (z. B. Aspirin, Diclofenac, Diflunisal, Etodolac, Fenoprofen, Ibuprofen, Indomethazin, Ketoprofen, Meclofenamat, Mefenaminsäure, Meloxicam, Nabumeton, Naproxen, Oxaprozin, Piroxicam, Sulindac und Tolmetin)

COX-2-Hemmer (Celecoxib)

Zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen

Eine Langzeitbehandlung mit NSAR kann ein peptisches Geschwür oder Blutungen im Magen oder Darm verursachen. NSAR und Celecoxib können zudem die Nierenfunktion vermindern und Symptome einer Herzinsuffizienz hervorrufen.

Von allen NSAR hat Indomethacin die meisten Nebenwirkungen. Es verursacht auch Verwirrung oder Schwindel.

Protonenpumpenhemmer

Zur Verringerung der Magensäureproduktion und zur Behandlung von Refluxkrankheit und Geschwüren

Die langfristige Anwendung von Protonenpumpenhemmern erhöht das Risiko für schweren Durchfall aufgrund einer Infektion mit Clostridium difficile, Knochenschwund und Frakturen sowie Vitamin-B12-Mangel.

Sulfonylharnstoffe (langwirkenden, z. B. Chlorpropamid und Glyburid)

Zur Behandlung von Diabetes

Die Wirkung von Chlorpropamid und Glyburid hält lange an. Bei älteren Menschen können diese Arzneimittel den Blutzuckerspiegel über mehrere Stunden hinweg senken (Hypoglykämie). Die Behandlung mit Chlorpropamid kann auch dazu führen, dass zu viel Wasser in den Nieren behalten wird und folglich der Natriumspiegel im Blut sinkt.

Ticlopidin

Zur Vorbeugung von Schlaganfällen

Ticlopidin kann schwere Bluterkrankungen verursachen. Es sind Arzneimittel mit einer höheren Sicherheit und Wirksamkeit verfügbar.

*Anticholinerge Wirkungen sind u. a. Verwirrtheit, verschwommenes Sehen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Benommenheit, Gleichgewichtsverlust und Schwierigkeiten beim Wasserlassen (Starthemmung).

Dipyridamol ist auch als Retard-Formulierung mit Aspirin erhältlich. Dieses Präparat, das zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Patienten verwendet wird, die bereits einen Schlaganfall hatten, ist in diese Liste nicht eingeschlossen.

COX-2-Hemmer = Coxibe; NSAR = nichtsteroidale Antirheumatika.

Viele häufig verwendeten Arzneimittel haben anticholinerge Wirkungen. Zu diesen Arzneimitteln gehören einige Antidepressiva (Amitriptylin und Imipramin), viele Antihistaminika (z. B. Diphenhydramin, das in rezeptfreien Schlafmitteln, Erkältungsmitteln und Allergiemedikamenten enthalten ist) und viele Antipsychotika (z. B. Chlorpromazin und Clozapin). Ältere Menschen, vor allem Menschen mit Gedächtnisverlust, reagieren auf anticholinerge Wirkungen besonders empfindlich, unter anderem mit Verwirrtheit, Sehstörungen, Verstopfung, Mundtrockenheit und Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Manche anticholinerge Wirkungen, wie z. B. das Abschwächen des Zitterns bei Parkinson-Krankheit und die Verringerung von Übelkeit, sind erwünscht. Bei den meisten ist das jedoch nicht der Fall.

Anticholinergikum: Was bedeutet anticholinerg?

Anticholinerge Wirkungen werden durch Arzneimittel hervorgerufen, die die Wirkung von Acetylcholin blockieren. Acetylcholin ist ein chemischer Botenstoff (Neurotransmitter), der von einer Nervenzelle freigesetzt wird, um ein Nervensignal an eine benachbarte Nervenzelle oder eine Zelle in einem Muskel oder in einer Drüse zu übermitteln. Acetylcholin unterstützt die Zellkommunikation. Acetylcholin hilft hinsichtlich Erinnerungsvermögen, Lernen und Konzentrationsfähigkeit. Es hilft zudem bei der Kontrolle der Funktionsfähigkeit des Herzens, der Blutgefäße, der Atemwege sowie der Harn- und Verdauungsorgane. Arzneimittel, die die Wirkung von Acetylcholin hemmen, können die normale Funktionsfähigkeit dieser Organe beeinträchtigen.

Viele häufig verwendeten Arzneimittel haben anticholinerge Wirkungen. Bei den meisten dieser Arzneimittel sind diese Wirkungen nicht beabsichtigt. Anticholinerge Wirkungen sind u. a.:

  • Verwirrtheit

  • Verschwommenes Sehen

  • Verstopfung

  • Mundtrockenheit

  • Benommenheit und Gleichgewichtsstörungen

  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen

Anticholinergika können jedoch auch nützliche Wirkungen haben und z. B. dazu beitragen, Muskelzittern (Tremor), Übelkeit oder eine überaktive Blase unter Kontrolle zu bringen.

Ältere Menschen sind anfälliger für anticholinerge Wirkungen, da die Menge an Acetylcholin im Körper im Alter abnimmt. Folglich blockieren Anticholinergika einen höheren Anteil des Acetylcholins, so dass der Körper im Alter das wenige vorliegende Acetylcholin schlechter nutzen kann. Zudem haben Zellen in vielen Teilen des Körpers (wie z. B. dem Verdauungstrakt) weniger Stellen, an die sich Acetylcholin binden kann. Aus diesem Grund versuchen Ärzte für gewöhnlich, bei älteren Menschen Arzneimittel mit anticholinergen Wirkungen zu vermeiden, sofern dies möglich ist.

Ein Arzneimittel kann auch zu Nebenwirkungen führen, wenn Wechselwirkungen mit Folgendem auftreten:

  • Einer anderen Störung, einem anderen Symptom oder einer anderen Erkrankung als der, für die das Arzneimittel eingenommen wird (Wechselwirkungen zwischen Arzneimittel und Erkrankung)

  • Einem anderen Arzneimittel (Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln)

  • Nahrungsmitteln (Wechselwirkungen zwischen Arzneimittel und Nahrungsmittel)

  • Einer Heilpflanze (Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und pflanzlichen Mitteln – siehe Tabelle mit möglichen Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen und Arzneimitteln)

Da ältere Menschen häufiger unter mehreren Erkrankungen leiden und in der Regel mehr Arzneimittel als jüngere Menschen einnehmen, kommt es bei ihnen häufiger zu Wechselwirkungen zwischen dem Arzneimittel und der Erkrankung bzw. zwischen den verschiedenen Arzneimitteln. Bei vielen Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Erkrankungen kann sich durch die Einnahme eines Medikaments eine Erkrankung, ein Symptom oder eine andere Störung verschlimmern (siehe Tabelle mit einigen Störungen und Symptomen, die sich bei älteren Menschen mit der Einnahme von Arzneimitteln verschlimmern).

Tabelle
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Einige Störungen und Symptome, die sich bei älteren Menschen mit der Einnahme von Arzneimitteln verschlimmern

Störung oder Symptom

Arzneimittel

NSAR (z. B. Ibuprofen und Naproxen)

Delirium, Demenz oder leichte kognitive Störungen

Chlorpromazin

Kortikosteroide

Arzneimittel mit beruhigender Wirkung (z. B. Benzodiazepine, Beruhigungsmittel und Schlafmittel) oder mit anticholinerger Wirkung*

Histamin-2-Rezeptorantagonisten (H2-Blocker: Cimetidin, Famotidin, Nizatidin, Ranitidin)

Meperidin

Ohnmacht oder orthostatische Hypotonie (plötzlicher Abfall des Blutdrucks beim Aufstehen).

Chlorpromazin, Donepezil, Doxazosin, Galantamin, Olanzapin, Prazosin, einige ältere Antidepressiva (z. B. Amitriptylin und Imipramin), Rivastigmin, Terazosin, Thioridazin

Anwendung von mehr als einem blutdrucksenkenden Medikament (oder zu viel von einem blutdrucksenkenden Mittel)

Arzneimittel mit beruhigender Wirkung (z. B. Antiepileptika, Antipsychotika, Benzodiazepine, Eszopiclon, Zaleplon und Zolpidem), Antidepressiva und einige blutdrucksenkende Medikamente bei Verabreichung hoher Dosen sowie Opioide

Cilostazol, Diltiazem, Disopyramid, Dronedaron (bei Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz), NSAR, COX-2-Hemmer, Pioglitazon, Rosiglitazon, Verapamil

Koffein, orale abschwellende Mittel (z. B. Pseudoephedrin und Phenylephrin), Aufputschmittel (z. B. Armodafinil, Amphetamin, Methylphenidat und Modafinil), Theophyllin, Selegilin

Brechreizhemmende Arzneimittel (Metoclopramid, Prochlorperazin, Promethazin) und die meisten Antipsychotika, mit Ausnahme von einigen wenigen wie Quetiapin und Clozapin

Peptisches Geschwür oder Magenblutungen

Aspirin und die meisten NSAR

Bupropion, Chlorpromazin, Clozapin, Maprotilin, Meperidin, Olanzapin, Thioridazin, Thiotixen, Tramadol

Harninkontinenz bei Frauen

Doxazosin, oral oder über die Haut verabreichte Östrogene (keine direkte Auftragung auf der Scheide), Prazosin, Terazosin

Harnverhalt oder Harnsymptome infolge einer vergrößerten Prostata (z. B. langsamer Harnfluss, häufiges Urinieren geringer Mengen und Tröpfeln)

Medikamente mit anticholinerger Wirkung*, Erkältungsmittel mit abschwellender Wirkung oder eine Kombination von Antihistaminika und abschwellenden Mitteln

*Anticholinerge Wirkungen sind u. a. Verwirrtheit, verschwommenes Sehen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Benommenheit, Gleichgewichtsverlust und Schwierigkeiten beim Wasserlassen (Starthemmung).

COX-2-Hemmer = Coxibe; NSAR = nichtsteroidale Antirheumatika.

Patienten, Ärzte und Apotheker können dazu beitragen, das Risiko für Wechselwirkungen zwischen dem Arzneimittel und der Erkrankung bzw. zwischen den verschiedenen Arzneimitteln zu reduzieren. Da es bei frei verkäuflichen Arzneimitteln und pflanzlichen Mitteln zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommen kann, sollten Patienten ihren Arzt oder Apotheker zur Verwendung dieser Arzneimittel zusammen mit verschreibungspflichtigen Medikamenten befragen.

Es kann gefährlich sein, sich bei der Einnahme eines Arzneimittels nicht an die Anweisungen des Arztes zu halten (sogenannte fehlende Therapietreue; siehe Therapietreue bei der Behandlung mit Arzneimitteln). Ein hohes Alter an sich führt nicht dazu, dass Menschen Arzneimittel seltener wie verordnet einnehmen. Jedoch nehmen bis zu 50 % der älteren Menschen die Arzneimittel nicht gemäß den Anweisungen ihres Arztes ein. Ein Arzneimittel nicht einzunehmen oder zu wenig oder zu viel davon kann zu Problemen führen. Von einem Arzneimittel weniger einzunehmen, weil es Nebenwirkungen verursacht, scheint zunächst vernünftig zu sein. Jedoch sollten Personen mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie bei der Einnahme irgendwelche Änderungen vornehmen.

Nutzenmaximierung und Risikoreduzierung bei der Einnahme von Arzneimitteln

Ältere Menschen und ihre Betreuungspersonen können Vieles tun, um die Nutzen der Einnahme von Arzneimitteln zu maximieren und die Risiken zu reduzieren. Alle Fragen zu oder Probleme mit einem Arzneimittel sollten mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden. Für die Vermeidung von Problemen und die Förderung einer guten Gesundheit ist die ordnungsgemäße Einnahme von Arzneimitteln und die Absprache mit dem Arzt oder Apotheker bzw. mit Leistungserbringern im Gesundheitswesen unbedingt notwendig.

Informieren Sie sich über die Arzneimittel und die damit behandelten Erkrankungen:

  • Führen Sie eine Liste mit allen gesundheitlichen Problemen und Arzneimittelallergien.

  • Führen Sie eine Liste mit allen derzeit eingenommenen Arzneimitteln, einschließlich frei verkäuflicher Arzneimittel und von Nahrungsergänzungsmitteln, wie z. B. Vitaminen, Mineralien und pflanzlichen Mitteln.

  • Informieren Sie sich, warum die einzelnen Arzneimittel verordnet wurden und welchen Nutzen sie jeweils ergeben sollen.

  • Informieren Sie sich über die möglichen Nebenwirkungen der einzelnen Arzneimittel und was zu tun ist, wenn eine Nebenwirkung auftritt.

  • Informieren Sie sich, wie man die einzelnen Arzneimittel einnimmt, d. h., zu welcher Tageszeit sie eingenommen werden sollten, ob sie mit der Nahrung oder im gleichen Zeitraum wie andere Arzneimittel eingenommen werden können und wann die Einnahme des Arzneimittels zu beenden ist.

  • Informieren Sie sich, was zu tun ist, wenn eine Dosis versäumt wurde.

  • Notieren Sie sich, wie das Arzneimittel einzunehmen ist oder bitten Sie den Arzt, die Pflegekraft oder den Apotheker, es Ihnen aufzuschreiben (da solche Informationen leicht vergessen werden).

Nehmen Sie Arzneimittel ordnungsgemäß ein:

  • Nehmen Sie Arzneimittel wie verordnet ein.

  • Nutzen Sie Gedächtnishilfen, z. B. einen Tabletten-Organizer, um eine Einnahme gemäß den ärztlichen Anweisungen sicherzustellen.

  • Bevor Sie die Einnahme eines Arzneimittels beenden, konsultieren Sie den Arzt bezüglich eventueller Probleme – zum Beispiel, wenn Nebenwirkungen auftreten, wenn das Arzneimittel nicht zu wirken scheint oder wenn die Kosten des Arzneimittels eine finanzielle Belastung darstellen.

  • Entsorgen Sie alle unverbrauchten Arzneimittel früherer Verordnungen, es sei denn, ein Arzt, eine Pflegekraft oder ein Apotheker gibt Ihnen diesbezüglich andere Anweisungen.

  • Befolgen Sie bei der Entsorgung eines Arzneimittels die Entsorgungsanweisungen auf dem Etikett, lesen Sie die Informationen auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit, bringen Sie die Arzneimittel zu einem befugten Entsorgungszentrum (ggf. bei einer Apotheke oder örtlichen Vollzugsbehörde) oder mischen Sie das Arzneimittel mit Katzenstreu oder Kaffeesatz, verpacken Sie es anschließend gut in Plastik oder einem ähnlichen Material, platzieren Sie es in einen verschließbaren oder wasserfesten Behälter oder Beutel und entsorgen Sie es im Müll.

  • Nehmen Sie niemals Arzneimittel einer anderen Person ein, selbst wenn diese Person ähnliche gesundheitliche Probleme wie Sie zu haben scheint.

  • Überprüfen Sie das auf der Arzneimittelpackung aufgedruckte Verfalldatum und verwenden Sie keine abgelaufenen Arzneimittel.

Arbeiten Sie eng mit dem Arzt und Apotheker zusammen:

  • Lösen Sie alle Rezepte bei der gleichen Apotheke ein, vorzugsweise eine mit einem umfassenden Dienstleistungsangebot (darunter Prüfung auf mögliche Arzneimittel-Wechselwirkungen), die für jeden Kunden ein vollständiges Arzneimittelprofil führt.

  • Bringen Sie zu den Arztterminen alle Arzneimittel mit, sofern Sie dazu aufgefordert werden.

  • Besprechen Sie die Liste aller Arzneimittel, die Sie derzeit einnehmen, und die Liste der Erkrankungen von Zeit zu Zeit mit Ihrem Arzt, Ihrer Pflegekraft oder Ihrem Apotheker, um sicherzustellen, dass Sie die richtigen Arzneimittel nehmen und diese auch weiterhin eingenommen werden sollen. Beispielsweise können sich Patienten selbst testen, indem sie einer medizinischen Fachperson erklären, wie sie alle ihre Arzneimittel einnehmen müssen, und anschließend nachfragen, ob ihre Angaben korrekt gewesen sind.

  • Gehen Sie die Liste der Arzneimittel mit dem Arzt, der Pflegekraft oder dem Apotheker jedes Mal durch, wenn sich ein Arzneimittel ändert (Ärzte und Apotheker können diese auf Wechselwirkungen zwischen den Arzneimitteln hin prüfen).

  • Stellen Sie sicher, dass der Arzt und der Apotheker über alle derzeit eingenommenen frei verkäuflichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel informiert sind, einschließlich Vitaminen, Mineralien und pflanzlichen Mitteln.

  • Fragen Sie Ihren Arzt, bevor Sie neue Arzneimittel, einschließlich frei verkäuflicher Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel, einnehmen.

  • Teilen Sie Ihrem Arzt oder Apotheker alle Symptome mit, die mit der Anwendung des Arzneimittels zusammenhängen könnten (z. B. neue oder unerwartete Symptome).

  • Ist das Schema zur Einnahme des Arzneimittels zu komplex, um es einhalten zu können, bitten Sie den Arzt oder Apotheker, es einfacher zu gestalten.

  • Sorgen Sie bei Behandlung durch mehrere Ärzte dafür, dass jeder Arzt über alle derzeit eingenommenen Arzneimittel Bescheid weiß.

  • Bitten Sie den Apotheker, das Etikett in großer Schrift auszudrucken und prüfen Sie, ob Sie den Text wirklich lesen können.

  • Bitten Sie den Apotheker, das Arzneimittel in Behälter abzupacken, die sich leicht halten und öffnen lassen.

Die ordnungsgemäße Einnahme von Arzneimitteln erinnern

Um von der Einnahme von Arzneimitteln einen Nutzen zu haben, müssen sich die Patienten nicht nur an deren Einnahme erinnern, sondern sie auch zur richtigen Zeit und ordnungsgemäß einnehmen. Werden mehrere Arzneimittel eingenommen, kann das Schema zur Einnahme eventuell komplex sein. Zum Beispiel kann es sein, dass Arzneimittel zu unterschiedlichen Tageszeiten eingenommen werden müssen, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Manche Arzneimittel müssen eventuell mit Nahrung eingenommen werden. Andere Arzneimittel müssen auf nüchternen Magen eingenommen werden. Je komplexer das Schema ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Patienten Fehler machen. Zum Beispiel müssen Bisphosphonate (wie z. B. Alendronat, Risedronat und Ibandronat), die zur Erhöhung der Knochendichte verwendet werden, auf nüchternen Magen und nur mit Wasser (mindestens ein volles Glas) eingenommen werden. Wenn diese Arzneimittel mit anderen Flüssigkeiten oder Nahrung eingenommen werden, werden sie nicht gut resorbiert und wirken nicht richtig.

Leiden ältere Menschen an Gedächtnisproblemen, wird die Einhaltung eines komplexen Behandlungsschemas noch schwieriger. Diese Personen benötigen für gewöhnlich Hilfe, meist durch Familienangehörige. Der Arzt kann auch gebeten werden, das Behandlungsschema zu vereinfachen. Häufig kann der Zeitpunkt der Dosiseinnahme vom Arzt neu verordnet werden, um die Arzneimitteleinnahme praktischer zu gestalten oder die Gesamtanzahl der täglichen Dosen zu verringern. Zudem ist die Einnahme einiger Arzneimittel mit der Zeit womöglich nicht länger erforderlich und kann eingestellt werden.

Die folgenden Hilfsmittel können die ordnungsgemäße Einnahme von Arzneimitteln sicherstellen:

  • Gedächtnishilfen

  • Arzneimittelbehälter

  • Apps für das Smartphone

Gedächtnishilfen

Gedächtnishilfen können älteren Menschen dabei helfen, an die Einnahme ihrer Arzneimittel zu denken. Zum Beispiel kann die Einnahme eines Arzneimittels mit einer bestimmten täglichen Aufgabe verbunden werden, wie z. B. einer Mahlzeit.

Arzneimittelbehälter

Apotheker bieten auch Behälter an, die zur richtigen Einnahme von Arzneimitteln beitragen können. So können die täglichen Dosen für eine oder zwei Wochen in einer mit dem jeweiligen Datum oder der Tageszeit versehenen Plastikpackung verpackt werden, damit man die Einnahme der einzelnen Dosen anhand der leeren Fächer überprüfen kann. Manche Apotheker können Arzneimittel auch in Blisterpackungen verpacken, so dass die tägliche Dosis einfach entnommen und die Einnahme überprüft werden kann. Solche Verpackungen können jedoch etwas mehr kosten. Außerdem können viele Apotheker die Versorgungspläne anpassen, damit regelmäßige Medikamente jeden Monat am gleichen Tag abgeholt werden. Dies verringert die Verwirrung, hilft dabei, die Gänge zur Apotheke zu reduzieren, und führt zur Minimierung von Fehler beim Auffüllen von Tablettenboxen.

Auch aufwendigere Behälter mit einem elektronischen Erinnerungssystem sind erhältlich. Diese Behälter piepen, blinken oder geben ein akustisches Signal ab, wenn es Zeit für die nächste Einnahme ist.

Apps für das Smartphone (Handy-Apps)

Apps, die Patienten bei der ordnungsgemäßen Einnahme ihrer Arzneimittel unterstützen, können auf eine Vielzahl von Smartphones und Tablets heruntergeladen werden. Diese Apps können älteren Menschen oder ihren Familienangehörigen dabei helfen, sich zur richtigen Zeit an die Einnahme der Arzneimittel zu erinnern. Viele dieser Apps verfügen über Erinnerungsfunktionen, die an das Gerät gesendet werden. Manche dieser Apps sind kostenpflichtig.

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