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Harnsteine

(Nephrolithiasis, Steine, Urolithiasis)

Von

Glenn M. Preminger

, MD, Duke University Medical Center

Inhalt zuletzt geändert Mrz 2018
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Quellen zum Thema

Harnsteine sind solide Gebilde im Harntrakt. Sie verursachen Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Hämaturie und manchmal Schüttelfrost und Fieber aufgrund einer sekundären Infektion. Die Diagnose wird gestellt durch Harnanalyse und radiologische Bildgebung, normalerweise Spiral-CT ohne Kontrastmittel (Anm. d. Red.: in Deutschland zuerst durch IUG). Die Therapie besteht in der Gabe von Analgetika, Antibiotika gegen die Infektion, medikamentöse expulsive Therapie und manchmal Stoßwellenlithotripsie oder endoskopische Verfahren.

In den USA werden jährlich 1/1000 Erwachsenen stationär aufgenommen wegen Harnsteinen, die bei Autopsien in 1% gefunden werden. Bis zu 12% der Männer und 5% der Frauen entwickeln bis zum Alter von 70 Jahren Harnsteine. Die Größe variiert von mikroskopischen Kristallen bis zu Steinen von mehreren Zentimetern Durchmesser. Ein großer Stein (Ausgussstein, Hirschgeweihstein) kann das Nierenbeckenkelchsystem komplett ausfüllen.

Ätiologie

In den USA (Anm. d. Red.: auch in Deutschland) bestehen 85% der Steine aus Kalzium, hauptsächlich Kalziumoxalat (siehe Tabelle: Zusammensetzung von Harnsteinen), 10% aus Harnsäure, 2% aus Zystin. Der Rest hauptsächlich aus Magnesium-Ammonium-Phosphat (Struvit).

Tabelle
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Zusammensetzung von Harnsteinen

Zusammensetzung

Prozentsatz aller Kalküle

Häufige Ursachen

Kalziumoxalat

70

Hyperkalziurie

Hyperparathyreoidismus

Hypocitrurie

Kalziumphosphat

15

Hyperkalziurie

Hyperparathyreoidismus

Hypocitrurie

Renal-tubuläre Azidose

Zystin

2

Magnesium-Ammonium-Phosphat (Struvit)

3

HWI verursacht durch harnstoffspaltende Bakterien

Harnsäure

10

Urin pH < 5,5

Gelegentlich Hyperurikosurie

Hauptrisikofaktoren sind Störungen der Urinsalzkonzentration, entweder durch erhöhte Exkretion von Kalzium oder Harnsäure oder durch eine verminderte Ausscheidung von Urinzitrat.

Für Kalziumsteine, Risikofaktoren variieren je nach Bevölkerung. Der wichtigste Risikofaktor in den USA ist Hyperkalziurie, eine erbliche Krankheit, die bei 50% der Männer und 75% der Frauen mit Kalziumsteinen besteht, somit besitzen die Patienten mit einer Familienvorgeschichte für Kalküle ein erhöhtes Risiko von wiederkehrenden Kalkülen. Diese Patienten haben ein normales Serumspiegel von Kalzium, aber der Kalziumwert im Urin ist erhöht: > 250 mg/Tag (> 6,2 mmol/Tag) bei Männern und > 200 mg/Tag (> 5,0 mmol/Tag) bei Frauen.

Eine Hypocitrurie (Urincitrat < 350 mg/Tag [1820 μmol/Tag]) liegt bei 40–50% der Kalziumsteinbildner vor und fördert die Kalziumsteinbildung, weil das Harnkalzium normalerweise durch Zitrat gebunden und so die Kristallisation von Kalziumsalzen verhindert wird.

Etwa 5–8% der Kalküle sind durch renale tubuläre Azidose verursacht. Etwa 1–2 % der Patienten mit Kalziumsteinen haben einen primären Hyperparathyreoidismus. Seltene Ursachen der Hyperkalziurie sind Sarkoidose, Vitamin-D-Intoxikation, Hyperthyreoidismus, multiples Myelom, ein metastasierendes Karzinom und Hyperoxalurie.

Die Hyperoxalurie (Harnoxalat > 40 mg/Tag [> 440 μmol/Tag]) kann primär oder durch exzessive Aufnahme von oxalsäurehaltigen Lebensmitteln (z. B. Rhabarber, Spinat, Kakao, Nüsse, Pfeffer, Tee) bzw. durch exzessive Oxalsäureresorption infolge verschiedener Darmkrankheiten (z. B. bakterielles Fehlbesiedelungssyndrom ["bacterial overgrowth syndrome"], chronische Pankreas- oder Gallenkrankheiten) oder eines ileojejunalen (z. B. bariatrisch) Eingriffs bedingt dein.

Weitere Risikofaktoren sind die Einnahme hoher Dosen von Vitamin C (d. h. > 2000 mg/Tag), eine Kalziumdiät (möglicherweise, weil diätetische Kalzium diätetisches Oxalat bindet) und schwache Hyperurikosurie. Eine schwache Hyperurikosurie, ist definiert als "urinary uric acid" > 800 mg/Tag (> 5 mmol/Tag) bei Männern oder > 750 mg/Tag (> 4 mmol/Tag) bei Frauen und wird fast immer durch eine übermäßige Aufnahme von Purin verursacht (in Proteinen, in der Regel aus Fleisch, Fisch und Geflügel). Es kann zur Bildung von Kalziumoxalatsteinen führen ("hyperuricosuric Ca oxalat nephrolithiasis").

Harnsäure Kalküle am häufigsten als Folge der erhöhten Urin Säure entwickeln (Urin-pH < 5,5), oder selten mit schweren Hyperurikosurie (Urin Harnsäure > 1500 mg/Tag [> 9 mmol/Tag]), die Harnsäure kristallisiert undissoziierter. Harnsäurekristalle bilden entweder den gesamten Stein oder, was häufiger vorkommt, einen Kern, um den sich Kalzium oder mit Harnsäure gemischtes Kalzium anlagert.

Zystinsteine entstehen nur bei Zystinurie.

Magnesiumammoniumphosphatsteine (Struvit-, Infektionssteine) sprechen für das Vorliegen eines HWI durch harnstoffspaltende Bakterien (z. B. Proteus sp., Klebsiella sp.). Die Steine müssen wie infizierte Fremdkörper behandelt und komplett entfernt werden. Anders als die anderen Steine kommen Magnesium-Ammonium-Phosphat-Steine bei Frauen dreimal häufiger vor.

Seltene Ursachen von Harnsteinen sind Indinavir, Melamin, Triamteren und Xanthin.

Pathophysiologie

Harnsteine können im Nierenparenchym oder im ableitenden System der Niere bleiben oder über den Ureter in die Blase wandern. Während der Passage können die Steine den Ureter irritieren oder werden eingeklemmt, behindern den Harnfluss und verursachen einen Hydroureter, manchmal sogar eine Hydronephrose. Zu den häufigen Stellen, an denen Steine zu finden sind, gehören:

  • Nierenbeckenabgang

  • Distal Harnleiter (auf der Ebene der Iliakalgefäße)

  • "Ureterovesical" Kreuzung

Größere Steine neigen eher dazu sich festzusetzen. Typischerweise muss ein Stein einen Durchmesser von > 5 mm haben, um sich festzusetzen. Steine 5 mm passieren wahrscheinlich spontan.

Sogar eine Teilobstruktion verursacht eine Verminderung der glomerulären Filtration, die kurz nach dem Abgang des Steins fortbestehen kann. Bei Hydronephrose und erhöhtem glomerulärem Druck nimmt der renale Blutdurchfluss ab, was zu einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion führt. Allerdings entsteht eine permanente Nierenfunktionsstörung ohne Infektion erst ca. 28 Tage nach einer kompletten Obstruktion.

Bei lange bestehender Obstruktion kann eine sekundäre Infektion hinzukommen. Allerdings haben Patienten mit kalziumhaltigen Steinen nur selten einen Infekturin.

Symptome und Beschwerden

Große Steine im Nierenparenchym oder im ableitenden Sytem der Nieren sind üblicherweise asymptomatisch, sei denn sie verursachen eine Obstruktion und/oder Infektion. Starke Schmerzen, oft von Übelkeit und Erbrechen begleitet, treten in der Regel auf, wenn Steine in den Harnleiter treten und eine akute Obstruktion verursachen. Manchmal tritt auch eine Makrohämaturie auf.

Schmerzen (Nierenkolik) sind unterschiedlich intensiv, aber in der Regel quälend und intermittierend, tritt oft zyklisch auf und dauert 20–60 min. Übelkeit und Erbrechen sind häufig. Schmerzen in der Flanke oder im Nierenbereich, die über den Bauch ausstrahlen, deuten auf eine Obstruktion der oberen Harnleiter oder des Nierenbeckens hin. Schmerzen, die entlang des Harnleiter in den Genitalbereich strahlen, deuten auf eine untere Ureterobstruktion hin. Suprapubische Schmerzen zusammen mit Harndrang und häufigem Wasserlassen deuten auf einen distalen Harnleiter, ureterovesikale oder Blasensteine hin ( Obstruktive Uropathie : Symptome und Beschwerden).

Bei der Untersuchung können die Patienten extremes Unwohlsein zeigen. Häufig sind sie blass und nass geschwitzt. Patienten mit Nierenkolik können nicht still liegen und laufen herum, krümmen sich, ändern ständig ihre Haltung. Der Leib kann auf der betroffenen Seite etwas druckschmerzhaft sein, wenn die Palpation den Druck auf die bereits erweiterte Niere erhöht (Empfindlichkeit des Kostovertrebalwinkels), allerdings fehlen peritoneale Zeichen einer Abwehrspannung.

Bei einigen Patienten ist das erste Symptom eine Hämaturie oder entweder Gries oder ein Stein im Urin. Andere Patienten können Symptome einer Harnwegsinfektion, wie Fieber, Dysurie, oder wolkigen oder übelriechenden Urin aufweisen.

Diagnose

  • Klinische Differenzialdiagnosen

  • Urinanalyse

  • Bildgebende Verfahren

  • Bestimmung der Steinzusammensetzung

Symptome und Beschwerden können auf andere Diagnosen schließen lassen, so wie.

  • Peritonitis (z. B. wegen Blinddarmentzündung, Eileiterschwangerschaft oder Entzündung im Beckenraum): Der Schmerz ist in der Regel konstant, und die Patienten liegen ruhig, weil Bewegung die Schmerzen verschlechtert. Die Patienten empfinden oft auch Druckschmerz oder Steifigkeit.

  • Cholezystitis: Kann kolikartige Schmerzen, meist im Epigastrium oder im rechten oberen Quadranten, oft mit Murphy-Zeichen verursachen.

  • Darmverschluss: Verursacht kolikartige Bauchschmerzen und Erbrechen, aber der Schmerz ist in der Regel bilateral und tritt nicht in erster Linie in der Flanke oder entlang des Harnleiters auf.

  • Pankreatitis: Kann zu Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen führen, aber der Schmerz ist in der Regel konstant, kann bilateral sein, und ist in der Regel nicht an der Flanke oder am Harnleiter.

Bei den meisten dieser Erkrankungen sind urogenitale Symptome ungewöhnlich und andere Symptome können darauf hindeuten, welches Organsystem tatsächlich beteiligt ist (z. B. vaginaler Ausfluss oder Blutungen bei Krankheiten im Beckenbereich bei Frauen). Ein dissezierendes Aortenaneurysma muss in Betracht gezogen werden, insbesondere bei älteren Menschen, weil, wenn eine Nierenarterie betroffen ist eine Hämaturie und Schmerzen, die entlang einer "ureteral distribution" ausstrahlen, entstehen können, oder beides. Weitere Überlegungen bei der allgemeinen Beurteilung akuter abdominaler Schmerzen werden an anderer Stelle diskutiert ( Akuter Bauchschmerz : Abklärung).

Tipps und Risiken

  • Da die Gabe großer Flüssigkeitsmengen den Durchtritt von Steinen nicht beschleunigt, sollten normale i. v. Mengen oder orale Flüssigkeitszufuhr verwendet werden.

Patienten bei denen der Verdacht auf ein Calculus, der Koliken verursacht, besteht, benötigen eine Urinanalyse und in der Regel bildgebenden Untersuchungen. Wenn ein Calculus bestätigt wird, folgt die Auswertung der zugrunde liegenden Erkrankung, einschließlich Untersuchungen über die Zusammensetzung des Steins.

Urinanalyse

Üblicherweise besteht eine Makro - oder Mikrohämaturie, jedoch kann der Urin trotz mehrerer Steine auch normal sein. Es kann eine Pyurie mit oder ohne Bakterien vorliegen. Eine Pyurie deutet auf eine Infektion hin, vor allem, wenn sie mit verdächtigen klinischen Befunden, wie übelriechendem Urin oder Fieber auftritt. Ein Stein und verschiedene kristalline Substanzen können im Sediment vorhanden sein. Wenn ja, ist in der Regel eine weitere Prüfung notwendig, weil die Zusammensetzung des Steines und der Kristalle nicht abschließend durch Mikroskopie bestimmt werden können. Die einzige Ausnahme hierzu besteht, wenn typische hexagonale Zystinkristalle im konzentrierten angesäuerten Urin auftreten, da diese stark auf eine Zystinurie hinweisen.

Bildgebende Verfahren

Eine Spiral-CT ohne Kontrastmittel ist die anfängliche bildgebende Untersuchung. Diese Untersuchung kann sowohl die Lokalisation des Steins als auch das Ausmaß der Obstruktion aufzeigen. Darüber hinaus kann das Spiral-CT andere Ursachen der Schmerzen aufdecken (z. B. Aortenaneurysma). Bei Patienten, die wiederkehrende Steine haben, sollte die kumulative Strahlenbelastung durch multiple CT-Scans ibeachtet werden Allerdings kann die routinemäßige Anwendung von niedrig dosiertem Nieren-CT die kumulative Strahlendosis mit geringem Verlust an Empfindlichkeit reduzieren (1). Für Patienten mit typischen Symptomen, können Sonographie oder Abdomenübersichtsaufnahmen in der Regel das Vorhandensein von Steinen mit minimaler oder ohne Strahlenbelastung bestätigen. MRT kann Steine nicht identifizieren.

Obwohl die meisten Harnsteine durch Übersichtsaufnahmen nachweisbar sind, erfordert weder das Vorhandensein noch das Fehlen von Steinen weitere bildgebende Untersuchungen, sodass auf diese verzichtet werden kann, außer bei Patienten, bei denen rezidivierende Steine vermutet werden. Sowohl Nierensonographie als auch exkretorische Urographie (früher als intravenöse Urographie bezeichnet) können Steine und Hydronephrose erkennen. Allerdings ist die Sonographie unempfindlicher für kleine oder Harnleitersteine bei Patienten ohne Hydronephrose und die exkretorische Urographie ist zeitaufwendig und setzt den Patienten dem Risiko von i.v. Kontrastmitteln aus. Diese Untersuchungen werden in der Regel durchgeführt, wenn keine Spiral-CT verfügbar ist.

Ermittlung der Ursache

Der Stein wird beim Durchsieben des Urins gewonnen (oder, wenn nötig, während der operativen Entfernung) und an das Labor zur Kristallographie geschickt. Manchmal werden Steine vom Patienten mitgebracht. Urinproben, die mikroskopischen Kristalle zeigen, werden zur Kristallographie gesendet.

Bei Patienten mit einem einzigen Kalzumstein und keinen zusätzlichen Risikofaktoren für Steine, ist die Auswertung zum Ausschluss von Hyperparathyreoidismus ausreichend. Zur Auswertung gehört eine Urinanalyse und die Bestimmung der Plasmakalziumkonzentration bei 2 verschiedenen Proben. Prädisponierende Faktoren wie rezidivierende Steine, eine Ernährung mit viel tierischem Eiweiß oder Nahrungsergänzung mit Vitamin C oder D sollten ausgeschlossen werden.

Bei Steinpatienten mit einer entsprechenden Familienanamnese müssen Krankheiten, die zur Steinbildung prädisponieren, eruiert werden (z. B. Sarkoidose, Knochenkrankheit, multiples Myelom). Krankheiten, welche die Steinbehandlung erschweren könnten (z. B. Einzelniere, Harntraktanomalien) erfordern eine Untersuchung aller möglichen kausalen Störungen oder Risikofaktoren. Diese Evaluierung sollte Serumelektrolyte, Harnsäure und Kalzium von 2 verschiedenen Proben umfassen. Eine Follow-up-Bestimmung von Parathormonspiegeln wird, wenn nötig, durchgeführt. Urintests sollten eine Routineurinanalyse und 2 separate 24-h-Urinsammlungen umfassen, um Harnvolumen, pH-Wert, und die Ausscheidung von Kalzium, Harnsäure, Zitrat, Oxalat, Natrium und Kreatinin zu bestimmen. Weitere Informationen zur medizinischen Behandlung von Nierensteinen finden Sie in der Richtlinie der American Urological Association (2).

Hinweis zur Diagnose

Therapie

  • Analgesie

  • Durchgang der Steine erleichtern, z. B. mit Alpha-Rezeptor-Blocker wie Tamsulosin (als medikamentöse expulsive Therapie beschrieben)

  • Hartnäckige Steine oder solche, die Infektionen verursachen, sollen mit endoskopischen Techniken vollständig entfernt werden.

Analgesie

Eine Nierenkolik kann mit Opioiden wie Morphin und - für einen raschen Wirkungseintritt - mit Fentanyl erleichtert werden. Ketorolac 30 mg i.v. ist schnell wirksam und nicht sedierend. Das Erbrechen geht vorüber, wenn der Schmerz gemildert wird, bei Fortbestehen kann es mit einem Antiemetikum (z. B. Metoclopramid 10 mg i.v.) behandelt werden.

Medikamentöse expulsive Therapie

Obwohl traditionell eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr (entweder oral oder i.v.) empfohlen wird, ist nicht erwiesen, dass dadurch die Passage des Steins beschleunigt wird. Patienten mit Steinen < 1 cm im Durchmesser, die keine Infektion oder Obstruktion haben, deren Schmerzen mit Schmerzmitteln kontrolliert werden können und die Flüssigkeiten tolerieren, können zu Hause mit Schmerzmitteln und Alpha-Rezeptor-Blockern (z. B. Tamsulosin 0,4 mg p.o. 1-mal täglich) behandelt werden, um die Passage der Steine zu erleichtern. Steine, die nicht innerhalb von 6–8 Wochen abgegangen sind, müssen entfernt werden. Bei Patienten mit einer Infektion und Obstruktion besteht die initiale Behandlung in der Beseitigung der Obstruktion mit einem Ureterstent und Behandlung der Infektion gefolgt von einer baldmöglichsten Entfernung der Steine.

Entfernung der Steine

Die Technik zur Entfernung hängt von der Lage und Größe des Steins ab. Techniken umfassen Schockwellenlithotripsie und endoskopische Techniken, um eine vollständige Entfernung von größeren Steinen zu gewährleisten. Endoskopische Techniken können starre oder flexiblen Ureteroskope (Endoskope) umfassen sowie "direct-vision removal" (basketing), Fragmentierung mit einer Art Lithotripsiegerät (z. B. pneumatisch, Ultraschall, Laser) oder beides.

Bei symptomatischen Steinen < 1 cm im Durchmesser im ableitenden System der Niere oder proximalen Harnleiter ist eine Schockwellenlithotripsie die vernünftige erste Option für die Therapie.

Bei größeren Steinen oder wenn die Schockwellenlithotripsie erfolglos bleibt, wird normalerweise eine Ureteroskopie (auf retrogradem Weg) mit Holmiumlaserlithotripsie durchgeführt. Manchmal ist die Entfernung mit Hilfe eines anterograd durch die Niere eingeführten Endoskops möglich. Bei Nierensteinen > 2 cm, ist die perkutane Nephrolithotomie mit Einfügung eines Nephroskops direkt in die Niere die Behandlung der Wahl.

Bei "midureteralen" Steinen ist eine Ureteroskopie mit Holmiumlaserlithotripsie meist die Therapie der Wahl. Die Schockwellenlithotripsie stellt eine Alternative dar.

Bei distalen Harnleitersteinen , werden endoskopische Techniken (Ureteroskopie), wie direkte Entnahme und Verwendung von intrakorporaler Lithotripsie (z. B. pneumatisch, elektrohydraulisch, Laser), von vielen als die Verfahren der Wahl angesehen. Schockwellenlithotripsie kann ebenfalls verwendet werden.

Auflösung der Steine

Harnsäuresteine im oberen oder unteren Harntrakt können gelegentlich durch eine längere Alkalisierung des Urins mit Kaliumzitrat 20 mEq p.o. 2-mal bis 3-mal täglich aufgelöst werden. Aber die chemische Auflösung von Kalziumsteinen ist nicht möglich und von Zystinsteinen schwierig.

Prävention

Bei Patienten, die ihren ersten Kalziumstein „geboren“ haben, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein zweiter Stein bildet, im 1. Jahr 15%, in den ersten 5 Jahren 40% und innerhalb der nächsten 10 Jahre 80%. Das Trinken großer Mengen von Flüssigkeiten—8–10 zehn-Unzen (300 Milliliter) Gläser pro Tag wird für die Prävention aller Steine empfohlen. Nach der Genesung und Analyse des Steins sind die Bestimmung steinformender Substanzen im Urin und der klinische Verlauf zur Planung einer Prophylaxe wichtig.

Bei < 3% der Patienten findet sich keine metabolische Anomalie. Diese Patienten können offensichtlich keine normalen Mengen von steinformenden Salzen in ihrem Urin ohne Kristallisation tolerieren. Thiaziddiuretika, Kaliumzitrat und eine vermehrte Flüssigkeitsaufnahme können die Steinproduktionsrate senken.

Hyperkalziurische Patienten sollen Thiaziddiuretika (Chlorthalidon 25 mg p.o. 1-mal täglich oder Indapamid 1,25 mg p.o. 1-mal täglich) erhalten, um die Urinkalziumausscheidung zu senken und so die Übersättigung mit Kalziumoxalat zu vermeiden. Die Patienten werden angehalten, ihre Flüssigkeitsaufnahme auf 3 l/Tag zu steigern. Es wird eine natriumarme und kaliumreiche Ernährung empfohlen. Selbst bei einer hohen Kaliumzufuhr wird eine Supplementierung mit Kaliumzitrat empfohlen, um Hypokaliämie zu verhindern. Eine Beschränkung von tierischem Eiweiß wird ebenfalls empfohlen.

Bei Patienten mit Hypocitrurie, fördert Kaliumzitrat (20 mmol p.o. 2-mal täglich) die Zitratausscheidung. Eine normale Kalziumaufnahme (z. B. 1000 mg oder etwa 2–3 Milchprodukte pro Tag) wird empfohlen, und eine Kalziumeinschränkung wird vermieden. Die orale Orthophosphatzufuhr ist nicht ausreichend untersucht.

Die Prävention einer Hyperoxalurie gestaltet sich unterschiedlich. Patienten mit Dünndarmkrankheiten können mit einer Kombination aus hoher Flüssigkeitszufuhr, der Gabe von Kalzium (üblicherweise in Form von Kalziumzitrat 400 mg p.o. 2-mal täglich mit den Mahlzeiten), von Colestyramin und einer oxalsäure-/fettarmen Ernährung behandelt werden. Hyperoxalurie kann auf die Gabe von Pyridoxin (100 bis 200 mg p.o. 1-mal täglich) ansprechen, möglicherweise durch Erhöhung der Transaminaseaktivität, weil dies die Umwandlung von Glyoxylat, der Oxalatvorstufe von Glycin, fördert.

Bei Hyperurikosurie sollte die Aufnahme von Fleisch, Fisch oder Geflügel reduziert werden. Kann die Ernährung nicht umgestellt werden, kann die Harnsäureproduktion durch morgendliche Gabe von Allopurinol, 300 mg, gesenkt werden. Bei Harnsäuresteinen muss der Urin-pH-Wert durch orale Gabe von alkalisierenden Medikamenten, die Kalium enthalten (z. B. Kaliumzitrat 20mEq 2-mal täglich) zusammen mit einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme auf 6–6,5 erhöht werden.

Eine Infektion mit harnstoffspaltenden Bakterien erfordert kulturspezifische Antibiotika und vollständige Entfernung aller Steine. Falls die Beseitigung der Infektion nicht möglich ist, ist eine supprimierende Langzeittherapie (z. B. mit Nitrofurantoin) erforderlich. Zusätzlich kann Acetohydroxamsäure gegeben werden, um das Wiederauftreten von Struvitsteinen zu reduzieren.

Um wiederkehrende Zystinsteine zu verhindern, müssen die Urinzystinspiegel auf < 250 mg Zystin/l Urin gesenkt werden. Jede Erhöhung des Urinvolumens sollte zusammen mit einer Reduktion der Zystinausscheidung (z. B. mit Alpha-Mercaptopropionylglycin oder Penicillamin) zu einer Senkung der Urinzystinkonzentration führen.

Wichtige Punkte

  • Harnsteine bestehen zu 85% aus Kalzium, hauptsächlich Kalziumoxalat (siehe Tabelle: Zusammensetzung von Harnsteinen), zu 10% aus Harnsäure, zu 2% aus Zystin und der Rest ist hauptsächlich Magnesiumammoniumphosphat (Struvit).

  • Größere Steine neigen eher zur Obstruktion, aber eine Obstruktion kann auch bei kleinen Harnleitersteinen (d. h. 2–5 mm) auftreten.

  • Symptome sind Hämaturie, Symptome einer Infektion, und Nierenkolik.

  • Die Untersuchung erfolgt in der Regel mittels Urinanalyse, Bildgebung, und wenn der Stein später entnommen werden kann, durch die Bestimmung der Zusammensetzung.

  • Gabe von Schmerzmitteln und Medikamenten, um die Passage des Steines zu erleichtern (z. B. Alpha-Rezeptor-Blocker) sowie endoskopische Entfernung der Steine, die Infektionen verursachen oder persistieren.

  • Das Risiko von späterer Steinbildung kann durch Behandlung mit Mitteln wie Thiaziddiuretika oder Kaliumzitrat, durch gesteigerte Flüssigkeitszufuhr und geringere Aufnahme von tierischem Eiweiß - je nach Zusammensetzung der Steine - vermindert werden.

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