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Chronisches Erschöpfungssyndrom

(Systemische Belastungsintoleranz-Erkrankung; SEID; Myalgische Enzephalomyelitis; ME/CFS)

Von

Stephen Gluckman

, MD, Perelman School of Medicine at The University of Pennsylvania

Inhalt zuletzt geändert Aug 2018
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Quellen zum Thema

Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) ist ein Syndrom von Müdigkeit, die den Alltag behindert, > 6 Monate anhält, unerklärliche ist und von einer Reihe von damit verbundenen Symptomen begleitet wird. Die Behandlung umfasst die Überprüfung der Behinderung des Patienten, die Behandlung spezifischer Symptome und bei manchen Patienten kognitive Verhaltenstherapie sowie ein abgestuftes Trainingsprogramm.

Obwohl 25% der Menschen berichten, dass sie chronisch müde sind ({blank} Müdigkeit), erfüllen nur etwa 0,5% die Kriterien für CFS. Obwohl der Begriff CFS zum ersten Mal 1988 verwendet wurde, wird die Störung gut mindestens seit Mitte der 1700er beschrieben, aber unter anderen Namen (z. B. Febricula, Neurasthenie, chronische Brucellose, Anstrengungs-Syndrom). CFS wird am häufigsten bei jungen und Frauen mittleren Alters beschrieben, wurde aber in allen Altersgruppen, einschließlich Kindern, und bei beiden Geschlechtern festgestellt.

CFS ist kein Simulieren (vorsätzliches Vortäuschen der Symptome). CFS hat viele Muster, die denen bei Fibromyalgie ähneln, wie Schlafstörungen, psychische Störung, Müdigkeit, Schmerzen und Verschlimmerung der Symptome bei Aktivität.

Ätiologie

ihre Ätiologie ist unbekannt. Kein infektiöser, hormoneller, immunologischer oder physiologischer Mechanismus ist bekannt. Unter den vielen vermuteten infektiösen Ursachen haben sich Epstein-Barr-Virus, Borreliose, Candidiasis und Zytomegalie-Virus als nicht ursächlich erwiesen. Ebenso gibt es keine allergischen Marker und keine Immunsuppression.

Es wurde von verschiedenen geringen immunologischen Anomalien berichtet, Zu diesen Anomalien gehören etwa niedrige IgG-Spiegel, anomale IgG-Spiegel, verminderte Lymphozytenproliferation, niedrige Gamma-Interferon-Spiegel als Antwort auf Mitogene, geringe Zytotoxizität natürlicher Killerzellen zirkulierende Antikörper und Immunkomplexe sowie viele andere immunologische Befunde. Keine bietet jedoch eine ausreichende Sensitivität und Spezifität für die Definition von CFS. Sie unterstreichen jedoch die physiologische Legitimität von CFS.

Verwandte von CFS-Patienten besitzen ein erhöhtes Risiko für das Syndrom, was für eine genetische Komponente oder häufige Umweltexposition spricht. Jüngste Studien haben einige genetische Marker, die für CFS prädisponieren könnten, identifiziert. Einige Forscher glauben, dass sich die Ätiologie schließlich als multifaktoriell erweisen wird, darunter eine dementsprechende genetische Veranlagung und eine Exposition gegenüber Mikroben, Toxinen und anderen physischen und/oder emotionalen Traumata.

Symptome und Beschwerden

Vor Beginn der CFS sind die meisten Patienten sehr aktiv und erfolgreich.

Der Beginn ist in der Regel abrupt, oft nach einem psychisch oder medizinisch anstrengenden Ereignis. Viele Patienten berichten von einer anfangs virusähnlichen Erkrankung mit geschwollenen Lymphknoten, extremer Müdigkeit, Fieber und Symptomen in den oberen Atemwegen. Das anfängliche Syndrom verschwindet, scheint aber langwierige schwere Müdigkeit auszulösen, die die täglichen Aktivitäten beeinträchtigt und viele der anderen Merkmale des Syndroms. Im Februar 2015 veröffentlichte das "Institute of Medicine" (jetzt "the Health and Medicine Division of The National Academies of Science, Engineering, and Medicine") eine umfassende Überprüfung dieser Krankheit genannt Beyond Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: Redefining an Illness. Bei dieser Überprüfung wurde ein neuer Name vorgeschlagen, systemische Belastungs-Intoleranz-Krankheit ("systemic exertion intolerance disease", SEID) und neue diagnostische Kriterien, die die Diagnose vereinfachen und die beständigsten Merkmale betonen (siehe Tabelle Diagnostische Kriterien für das chronische Erschöpfungssyndrom*). Darüber hinaus betont die Überprüfung eindeutig die Validität dieser kräftezehrenden Krankheit.

Die körperliche Untersuchung ist unauffällig, und es finden sich gewöhnlich keine Zeichen von Muskelschwäche, Arthritis, Neuropathie oder Organvergrößerung. Allerdings haben manche Patienten erhöhte Temperatur, nichtexsudative Pharyngitis und/oder palpable (aber nicht vergrößerte) oder empfindliche Lymphknoten. Alle anormalen körperlichen Befunde müssen ausgewertet werden und alternative Diagnosen, die chronische Müdigkeit verursachen, ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose von CFS gestellt werden kann.

Diagnose

  • Klinische Kriterien

  • Laboruntersuchung, um Erkrankungen des ZNS auszuschließen

Die Diagnose wird durch die charakteristische Anamnese zusammen mit den Ergebnissen einer normalen körperlichen Untersuchung und normaler Labortests gestellt. Die Falldefinition ist manchmal nützlich, ist aber v. a. ein epidemiologisches und Rechercheinstrument und sollte nicht ausschließlich auf einzelne Patienten angewendet werden.

Die Untersuchung zielt auf alle nicht-CFS Ursachen, die auf der Grundlage objektiver klinischer Befunde vermuteten werden. Wenn kein Grund ersichtlich ist oder vermutet wird, enthält eine angemessene Laborbeurteilung Blutbild und Messung von Elektrolyten, Blut-Harnstoff-Stickstoff, Kreatinin, Erythrozytensedimentationsrate und TSH. Wenn durch klinische Befunde angezeigt, kann eine weitere Prüfung Röntgenthorax, Schlafstudien und Prüfung auf Nebennierenrindeninsuffizienz bei ausgewählten Patienten enthalten. Serologische Tests auf Infektionen, antinukleäre Antikörper und Neuroimaging sind nicht ohne objektive Hinweise auf eine Krankheit durch Prüfung (d. h nicht nur subjektive Beschwerden) oder durch grundlegende Tests angezeigt; in solchen Fällen ist die Vortestwahrscheinlichkeit gering und so das Risiko von falsch-positiven Ergebnissen (und damit unnötiger Behandlung und/oder Bestätigungstests) hoch.

Tabelle
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Diagnostische Kriterien für das chronische Erschöpfungssyndrom*

Diagnose erfordert, dass beim Patienten die 3 folgenden Symptome vorliegen:

  • Eine wesentliche Verringerung oder Beeinträchtigung der Fähigkeit, an Stadien vor der Krankheit bei der Ausbildung im Beruf sowie bei sozialen oder persönlichen Aktivitäten anzuknüpfen, die für mehr als 6 Monate bestehen und von Müdigkeit begleitet wird, die oft bleiern ist, von neuem oder definitivem Beginn (nicht lebenslang), ist nicht das Ergebnis von laufender übermäßiger Anstrengung und wird nicht wesentlich durch Ruhe gelindert

  • Nach Belastung †

  • Schlaf ohne Erholung†

Mindestens eine der folgenden Manifestationen sind auch erforderlich:

  • Kognitive Beeinträchtigung†

  • Orthostatische Intoleranz

*Diagnostic criteria proposed by the Institute of Medicine (now the Health and Medicine Division of The National Academies of Science, Engineering, and Medicine) in February 2015.

† Häufigkeit und Schwere der Symptome sollte beurteilt werden. Die Diagnose des ME/CFS sollte in Frage gestellt werden, wenn die Patienten mindestens die Hälfte der Zeit diese Symptome nicht haben mit moderater, erheblicher oder schwerer Intensität.

Prognose

Die meisten Patienten erholen sich im Laufe der Zeit, obwohl sie nicht unbedingt zu ihrer Verfassung vor der Krankheit zurückkehren. Aber diese Zeit umfasst in der Regel Jahre und eine Verbesserung erfolgt oft nur teilweise. Einige Daten zeigen, dass eine frühere Diagnose und Intervention die Prognose verbessert.

Behandlung

  • Bestätigung von Patientensymptomen

  • Manchmal kognitive Verhaltenstherapie

  • Manchmal abgestufte Übung

  • Medikamente gegen Depressionen, Schlafstörungen oder Schmerzen, wenn angegeben

Um wirksam zu behandeln, müssen Ärzte Gültigkeit der Symptome der Patienten anerkenen und akzeptieren. Was auch immer die zugrundeliegende Ursache ist, diese Patienten leiden und wünschen sich sehr eine Rückkehr zu ihrem früheren Zustand der Gesundheit. Allerdings müssen Patienten, die Erwartungen neu benennen. Sie müssen ihre Einschränkung akzeptieren und annehmen und sich auf das, was sie noch können konzentrieren, anstatt sich immer über das zu beklagen, was sie nicht mehr können.

Kognitive Verhaltenstherapie und ein abgestuftes Trainingsprogramm waren in einigen Studien hilfreich, aber nicht in anderen. Sie sollten für Patienten in Betracht gezogen werden, die bereit sind, sie auszuprobieren und Zugang zu den entsprechenden Diensten haben. Depression sollte mit Antidepressiva und/oder psychiatrischer Unterweisung behandelt werden. Schlafstörungen sollten aggressiv mit Entspannungstechniken und verbesserter Schlafhygiene behandelt werden (siehe Tabelle Patientenansprache, Schlafhygiene).

Falls diese Maßnahmen wirkungslos bleiben, können Hypnotika und/oder die Überweisung zu einem Schlaf-Spezialisten notwendig sein. Patienten mit Schmerzen (üblicherweise aufgrund einer Komponente der Fibromyalgie) können unter Verwendung einer Reihe von Medikamenten, wie Pregabalin, Duloxetin, Amitriptylin oder Gabapentin behandelt werden. Körpertherapie ist oft hilfreich. DieBehandlung für orthostatische Hypotonie ist ebenfalls häufig.

Unbewiesene oder widerlegte Behandlungen, wie antivirale Mittel, Immunsuppressiva, Eliminationsdiäten und Amalgam-Extraktionen, sollten vermieden werden.

Wichtige Punkte

  • Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) ist eine Müdigkeit, die das Leben verändert, > 6 Monate anhält und in der Regel vorher gesunde und aktive Personen betrifft; es ist kein Simulieren.

  • Die Ätiologie ist unklar, aber wahrscheinlich umfasst sie mehrere Faktoren, darunter genetische Dispositionen, mikrobielle Exposition sowie Umwelt- und psychologische Faktoren.

  • Diagnostizieren Sie CFS basierend auf charakteristischen Symptomen bei Patienten mit einer normalen Untersuchung und normalen grundlegenden Laborbefunden; Die Kriterien des Instituts für Medizin (jetzt "the Health and Medicine Division of The National Academies of Science, Engineering, and Medicine) können hilfreich sein, sind aber nicht ausschließlich auf den einzelnen Patienten anzuwenden.

  • Überprüfen Sie die Symptome der Patienten, ermutigen Sie sie, ihre Einschränkung zu akzeptieren und anzunehmen und behandeln Sie mit kognitiver Verhaltenstherapie und/oder stufenweisem Training.

  • Verwenden Sie Medikamente nach Bedarf, um spezifische Symptome (z. B. Schmerzen, Depression, Schlaflosigkeit) zu behandeln.

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