Als idiopathische Skoliose bezeichnet man eine laterale Krümmung der Wirbelsäule. Die Diagnose erfolgt klinisch und umfasst Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Verkrümmung.
Idiopathische Skoliose bezieht sich auf eine laterale Krümmung der Wirbelsäule und ist die häufigste Form der Skoliose. Sie tritt bei 1 bis 3 % der Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren auf (1). Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen; jedoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Progression (d. h. Cobb-Winkel ≥ 30°) und einer Behandlungsnotwendigkeit bei Mädchen zehnmal höher (2).
Genetische Faktoren können zum Erkrankungsrisiko beitragen. Mutationen in den CHD7- und MATN1- Genen sind in einigen Fällen beteiligt.
Der Schweregrad einer Skoliose kann anhand des Cobb-Winkels klassifiziert werden, einer standardisierten radiologischen Messung, mit der der Grad der seitlichen Wirbelsäulenverkrümmung quantifiziert wird.
Allgemeine Literatur
1. Dunn J, Henrikson NB, Morrison CC, Nguyen M, Blasi PR, Lin JS. Screening for Adolescent Idiopathic Scoliosis: A Systematic Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. Rockville (MD): Agency for Healthcare Research and Quality (US); January 2018.
2. US Preventive Services Task Force, Grossman DC, Curry SJ, et al. Screening for Adolescent Idiopathic Scoliosis: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA. 2018;319(2):165-172. doi:10.1001/jama.2017.19342
Symptome und Anzeichen einer idiopathischen Skoliose
Eine leichte Skoliose kann bei einer routinemäßigen körperlichen Untersuchung festgestellt werden und ist in der Regel symptomfrei. Eine Skoliose kann zunächst vermutet werden, wenn eine Schulter höher als die andere zu sein scheint oder wenn Kleider nicht gerade am Körper eines Kindes hängen, aber sie wird auch oft bei einer körperlichen Routineuntersuchung entdeckt. Weitere Befunde beziehen offensichtliche Beinlängendifferenzen und Asymmetrien des Brustkorbs ein.
Die Patienten berichten von einer Ermüdung des unteren Rückens nach längerem Sitzen oder Stehen. Muskuläre Rückenschmerzen (z. B. im Lumbosakralwinkel) können bei Überanstrengung folgen.
Dieses Foto zeigt ein heranwachsendes Mädchen mit schwerer Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule).
Diagnose der idiopathischen Skoliose
Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule
Die Krümmung sieht man am besten, wenn sich die Patienten nach vorne beugen. Meistens ist die Krümmung konvex nach rechts in der thorakalen Gegend und nach links in der lumbalen Gegend, sodass die rechte Schulter höher steht als die linke.
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Die radiographische Untersuchung sollte anteroposteriore und laterale Aufnahmen der Wirbelsäule im Stehen umfassen. Bei Verdacht auf Fortschreiten der Erkrankung können häufige Untersuchungen erforderlich sein.
Cobb-Winkel
Das Ausmaß der Krümmung wird anhand von Röntgenbefunden (Cobb-Methode) in Grad quantifiziert. Bei dieser Methode werden auf einer posterior-anterioren Röntgenaufnahme der Wirbelsäule zwei Linien gezeichnet, von denen eine von der Spitze des am stärksten geneigten oberen Wirbels und die andere von der Unterseite des am stärksten geneigten unteren Wirbels ausgeht. Der von diesen Linien gebildete Winkel ist der Cobb-Winkel.
Skoliose wird nach Schweregrad klassifiziert:
Leichte Skoliose: Cobb-Winkel < 20°
Moderate Skoliose: Cobb-Winkel 20° bis 40°
Schwere Skoliose: Cobb-Winkel > 40°
Behandlung der idiopathischen Skoliose
Eine physikalische Therapie ist unverzichtbar
Manchmal operativer Eingriff
Eine rasche Überweisung zu einem Orthopäden ist dann indiziert, wenn die Progression besorgniserregend oder die Krümmung signifikant ist. Die Wahrscheinlichkeit einer Progression ist um die Pubertät am größten. Mäßige Krümmungen (20–40°) werden konservativ behandelt (z. B. mit Physiotherapie oder Stützhilfen), um eine weitere Deformierung zu verhindern.
Schwere Krümmungen (> 40°) werden oft chirurgisch behandelt (z. B. Spinalfusionen oder Stabimplantation).
Die Skoliose und ihre Behandlung können oftmals das Selbstwertgefühl und die Selbstachtung der Heranwachsenden beeinträchtigen. Eventuell ist eine Beratung oder Psychotherapie notwendig, um diese Probleme anzugehen.
Prognose für idiopathische Skoliose
Die Prognose hängt vom Ausmaß der Krümmung (Cobb-Winkel), der Lokalisation der Krümmung und dem Alter bei Symptombeginn ab. Je größer die Krümmung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Skoliose sich nach Beendigung des Skelettwachstums vergrößern wird. Krümmungen > 10° gelten als klinisch signifikant. Thorakale Verkrümmungen schreiten häufiger fort als lumbale Verkrümmungen. Ein jüngeres Alter bei der Diagnose und eine geringere Skelettreife sind mit einem höheren Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung verbunden. Bei Patienten mit schwerer Skoliose kann ein signifikanter Eingriff (d. h. eine chirurgische Korrektur) erforderlich sein.



