Das Messie-Syndrom ist durch anhaltende Schwierigkeiten Besitz zu entsorgen oder sich von diesem zu trennen, gekennzeichnet, unabhängig von dessen tatsächlichem Wert. Diese Schwierigkeit führt zur Anhäufung von Besitztümern, die Wohnbereiche verstopfen und in Unordnung bringen, bis zu dem Punkt, dass die ursprüngliche Verwendung dieser Bereiche wesentlich beeinträchtigt wird. Die Behandlung erfolgt in erster Linie mit Psychotherapie wie kognitiver Verhaltenstherapie.
Das Messie-Syndrom beginnt oft harmlos im Jugendalter und verschlechtert sich nach und nach mit zunehmendem Alter, was zu klinisch signifikanter Beeinträchtigung in der Mitte der 30er Jahre führt (1). Zu einem beliebigen Zeitpunkt leiden geschätzte 1,5-6% der Menschen am Messie-Syndrom (2). Sie ist bei Frauen und Männern gleichermaßen verbreitet.
Literatur
1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022:277-284.
2. Tolin DF, Worden BL, Levy HC. State of the Science: Hoarding Disorder and Its Treatment. Behav Ther. 2025;56(4):667-679. doi:10.1016/j.beth.2025.03.002
Symptome und Beschwerden des Messie-Syndroms
Das Messie-Syndrom ist typischerweise chronisch, mit wenig oder keinem Wachsen und Schwinden der Symptome oder spontaner Remission.
Die Patienten haben ein starkes Bedürfnis, Gegenstände aufzubewahren, und sie erleben eine bedeutende Bedrängnis, wenn sie sich von diesen trennen oder dieses auch nur in Erwägung ziehen. Patienten akkumulieren eine große Anzahl von Gegenständen, für die sie nicht ausreichend Platz haben; die Einzelteile verstopfen und vermüllen den Lebensraum so sehr, dass große Flächen unbrauchbar werden, außer für die Aufbewahrung der gehorteten Gegenstände. Z. B. können Stapel von gehorteten Zeitungen das Waschbecken füllen und die Arbeitsplatten und den Herd in der Küche verdecken, und so verhindern, dass diese Bereiche genutzt werden, um Mahlzeiten zuzubereiten.
Die Hortungssymptome beeinträchtigen oft soziale, berufliche oder andere Funktionsbereiche. Zum Beispiel dürfen Patienten andere Personen, einschließlich Familienangehörige, Freunde und Handwerker, nicht in das Haus lassen, weil sie durch das Durcheinander in Verlegenheit gebracht werden.
Hortung kann zu unsicheren Lebensbedingungen führen (z. B. durch Feuergefahr oder Erhöhung der Sturzgefahr) und kann zu Räumungen oder rechtlichen Problemen führen.
Etwa 80 bis 95 % der Menschen mit einem Messie-Syndrom erwerben auch übermäßig viele Gegenstände (z. B. Bücher, Zeitschriftenabonnements [1, 2]), was zum Hortungsproblem beiträgt.
Tierhortung ist eine Form des Messie-Syndroms, bei der Patienten eine große Anzahl von Tieren horten und trotz der Verschlechterung des Zustands der Tiere (z. B. Gewichtsverlust, Krankheit) und/oder der Umgebung (z. B. extreme Überbelegung, sehr unhygienische Bedingungen) nicht für angemessene Ernährung, Hygiene und tierärztliche Versorgung sorgen.
Das Ausmaß der Krankheitseinsicht von Personen mit Hortungsstörung variiert. Einige Patienten erkennen, dass Überzeugungen und Verhaltensweisen bzgl. der Hortung problematisch sind, aber viele nicht.
Literatur zu Symptomen und Beschwerden
1. Frost RO, Tolin DF, Steketee G, et al. Excessive acquisition in hoarding. J Anxiety Disord. 23(5):632-639, 2009. doi: 10.1016/j.janxdis.2009.01.013
2. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022:277-281.
Diagnose des Messie-Syndroms
Psychiatrische Beurteilung
Klinische Kriterien für die Diagnose des Messie-Syndroms aus dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage, Textüberarbeitung (DSM-5-TR) umfassen Folgendes (1):
Anhaltende Schwierigkeiten, Besitz zu entsorgen oder sich von diesem zu verabschieden, unabhängig von dessen tatsächlichem Wert.
Die Schwierigkeit des Entsorgens geht auf die wahrgenommene Notwendigkeit zurück, die Gegenstände aufzubewahren und auf die Bedrängnis, die mit mit dem Entsorgen verbunden ist.
Der angesammelte Besitz verstopft die aktiven Wohnbereiche (d. h. nichht den Keller oder Bereiche zur Aufbewahrung) und bringt diese in Unordnung und beeinträchtigt im Wesentlichen die vorgesehene Verwendung dieser Bereiche.
Das Horten verursacht erhebliche Belastungen oder beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit in sozialen, beruflichen und anderen wichtigen Bereichen erheblich.
Horten wird von vorübergehender Akkumulation und Unordnung unterschieden (z. B. wie wenn Besitz vererbt wird) durch seine Persistenz und andere Muster; darüber hinaus weigern sich Patienten die gehorteten Gegenstände herzugeben oder zu verkaufen. Sammler (z. B. von Büchern oder Figuren) können wie "Messies" eine große Anzahl von Gegenständen erwerben und aufbewahren, aber im Gegensatz zum zwanghaften Horten sind die Sammlungen organisiert und systematisch und führen nicht zu einer erheblichen Überfüllung des benötigten Wohnraums und beeinträchtigen die beabsichtigte Nutzung oder das Funktionieren oder die Sicherheit des Wohnumfelds.
Das Horten lässt sich nicht besser durch eine allgemeine Erkrankung (z. B. das Prader-Willi-Syndrom) oder durch eine andere psychiatrische Störung (z. B. Wahnvorstellungen bei Schizophrenie) erklären. Die Diagnose kann auch einen Spezifikator zum Grad der Einsicht des Patienten (gut oder mäßig, schlecht oder fehlend/Wahnvorstellungen) oder zu übermäßigem Sammelverhalten enthalten.
Diagnosehinweis
1. American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. 5th ed, Text Revision. American Psychiatric Association Publishing; 2022:277-281.
Behandlung des Messie-Syndroms
Kognitive Verhaltenstherapie
Begrenzte Bedeutung der Pharmakotherapie
Kognitive Verhaltenstherapie, die auf die spezifischen Hortungssymptome zugeschnitten ist, ist in der Regel die Therapie der ersten Wahl. Klinische Studien zur kognitiven Verhaltenstherapie haben jedoch gemischte Ergebnisse gezeigt (1, 2) und andere psychologische Interventionen (wie die Akzeptanz- und Commitment-Therapie [ACT]) könnten gleichermaßen wirksam sein (3). Die Therapie konzentriert sich darauf, Patienten dabei zu helfen, Gegenstände wegzuwerfen, keine neuen Besitztümer zu erwerben (wenn übermäßiger Erwerb ein Problem darstellt) und ihre Entscheidungsfähigkeit zu verbessern.
Motivationstechniken sind häufig erforderlich, um Patienten zur Teilnahme an und zum Verbleib in der Behandlung zu ermutigen.
Es gibt keine qualitativ hochwertigen Studien, die die Verwendung von Pharmakotherapie bei Patienten mit Messie-Syndrom untersucht haben (4). Dennoch können pharmakologische Interventionen von einigem Nutzen sein, besonders für Patienten mit möglicherweise ansprechbaren komorbiden Erkrankungen (z. B. Stimmungs- oder Angststörungen) (5). Mehrere kleine Beobachtungsstudien an Patienten mit Messie-Syndrom, die mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), einem Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) oder Atomoxetin behandelt wurden, zeigten eine Verringerung des Schweregrads des Syndroms (6–8).
Literatur zur Behandlung
1. Rodgers B, McDonald S, Wootton BM. Cognitive behavioral therapy for hoarding disorder: An updated meta-analysis. J Affect. 290:128-135, 2021. doi: 10.1016/j.jad.2021.04.067
2. Bodryzlova Y, Audet S-B, Bergeron K, et al. Group cognitive-behavioural therapy for hoarding disorder: Systematic review and meta-analysis. Health Soc Care Community. 27(3):517-530. doi: 10.1111/hsc.12598
3. O'Brien E, Laws KR. Decluttering Minds: Psychological interventions for hoarding disorder - A systematic review and meta-analysis. J Psychiatr Res. 2025;181:738-751. doi:10.1016/j.jpsychires.2024.12.029
4. Lin N, Bacala L, Martin S, Bratiotis C, Muroff J. Hoarding Disorder: The Current Evidence in Conceptualization, Intervention, and Evaluation. Psychiatr Clin North Am. 2023;46(1):181-196. doi:10.1016/j.psc.2022.10.007. doi:10.1016/j.jpsychires.2024.12.029
5. Rodriguez CI. Hoarding disorder. In Tasman’s Psychiatry, 5th ed. Tasman A, Riba MB, Schulze TG, Ng CH, Alfonso CA, Lecic- Tosevski D, Kanba S, Alarcon RD, Ndetei DM, eds. Springer Publishing; 2024.
6. Saxena S, Sumner J. Venlafaxine extended-release treatment of hoarding disorder. Int Clin Psychopharmacol. 29(5):266-2, 2014. doi: 10.1097/YIC.0000000000000036
7. Saxena S, Brody AL, Maidment KM, et al. Paroxetine treatment of compulsive hoarding. J Psychiatr Res. 41(6):481-487, 2007. doi: 10.1016/j.jpsychires.2006.05.001
8. Piacentino D, Pasquini M, Cappelletti S, Chetoni C, Sani G, Kotzalidis GD. Pharmacotherapy for Hoarding Disorder: How did the Picture Change since its Excision from OCD?. Curr Neuropharmacol. 2019;17(8):808-815. doi:10.2174/1570159X17666190124153048
Wichtige Punkte
Horten ist in der Regel eine chronische Störung, bei der Hortende Besitztümer anhäufen, die aktive Wohnbereiche verstopfen und überladen, sodass diese Bereiche nur sehr schwer wie vorgesehen genutzt werden können und manchmal sogar unsicher sind.
Das Wegwerfen von Besitztümern stellt für Patienten mit Messie-Syndrom eine große Belastung dar.
Behandlung mittels kognitiver Verhaltenstherapie oder anderer Psychotherapie, die auf die Behandlung spezifischer Symptome des Messie-Syndroms zugeschnitten ist. Wenn Psychotherapie nicht wirksam ist, kann ein Behandlungsversuch mit einem SSRI, SNRI oder Atomoxetin in Betracht gezogen werden.



