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Erythema infectiosum

(Ringelröteln; Parvovirus-B19-Infektion)

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Jan 2018
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Quellen zum Thema

Erythema infectiosum ist eine akute Krankheit durch das Parvovirus B19 und verursacht leichte konstitutionelle Symptome und einen fleckigen oder makulopapulösen Ausschlag, der an den Wangen beginnt und dann über die exponierten Extremitäten wandert. Die Diagnose wird klinisch gestellt; eine Behandlung ist normalerweise nicht nötig.

Die meisten Viren, die Menschen infizieren, können Erwachsene und Kinder infizieren und werden an anderer Stelle im MSD-Manual diskutiert. Viren mit spezifischen Auswirkungen auf Neugeborene werden an anderer Stelle besprochen ( Infektionen des Neugeborenen). Dieses Kapitel behandelt virale Infektionen, die normalerweise in der Kindheit erworben werden (obwohl viele auch Erwachsene betreffen können).

Erythema infectiosum, oft als fünfte Krankheit bezeichnet, wird durch humanes Parvovirus B19 verursacht. Sie kommt meist im Frühling vor, ein gebietsweises Auftreten bei Kindern (vor allem zwischen 5 und 7 Jahren) alle paar Jahre ist üblich. Die Ausbreitung geschieht wahrscheinlich durch Tröpfcheninfektion und durch perkutane Exposition mit Blut oder Blutprodukten, mit einer großen Anzahl von Sekundärinfektionen unter den Familienangehören; die Infektion kann mit oder ohne Symptome und Befunde auftreten.

Pathophysiologie

Parvovirus B19 verursacht eine vorübergehende Unterdrückung der Erythropoese, die leicht und asymptomatisch verläuft, außer bei Kindern mit Hämoglobinopathien (z. B. Sichelzellanämie) oder anderen Störungen der roten Blutkörperchen (z. B. hereditäre Sphärozytose), die eine vorübergehende aplastische Krise entwickeln können. Immunsupprimierte Patienten können auch eine verlängerte Virämie (10–12 Tage) entwickeln, die zu einer schweren Anämie (chronische reine Erythrozytenaplasie) führt.

Das Erythema infectiosum kann transplazentar übertragen werden und manchmal zu einer Totgeburt oder einer schweren fetalen Anämie mit einem ausgedehnten Ödem (Hydrops fetalis) führen. Allerdings ist die Hälfte der Schwangeren aufgrund einer früheren Infektion immun. Das Risiko eines fetalen Todes beträgt 2–6% nach einer mütterlichen Infektion, mit dem größten Risiko in der ersten Hälfte der Schwangerschaft.

Symptome und Beschwerden

Die Inkubationszeit beträgt 4–14 Tage. Die typischen Symptome sind anfangs unspezifische, grippeartige Symptome (z. B. niedrige Temperaturen, leichtes Kränkeln). Einige Tage später erscheinen ein induriertes, zusammenfließendes Erythem über den Wangen und eine symmetrische Rötung an Armen, Beinen (oft auf den Streckseiten) und Rumpf, die die Handflächen und Fußsohlen meist ausspart. Der Ausschlag ist makulopapulös, neigt zum Konfluieren und formt retikuläre oder spitzenartige Muster leicht erhabener oder fleckiger Areale mit exanthemfreier Mitte, die an den exponierten Stellen am meisten ausgeprägt sind. Der Ausschlag wie die gesamte Erkrankung dauert normalerweise 5–10 Tage. Allerdings kann der Ausschlag über Wochen andauern und unter Sonnenlicht, Sport, Hitze, Fieber und emotionalem Stress exazerbieren.

Erythema infectiosum
Erythema infectiosum
John Kaprielian/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Leichte Gelenkschmerzen und -schwellungen (nichterosive Arthritis) können bei Erwachsenen über Wochen und Monate andauern und wiederkommen. Einige Patienten (häufiger Kinder) entwickeln das papulös-purpurfarbene Handschuh- und Socken-Syndrom (PPGSS), die papulöse, Purpura- oder petechiale Läsionen beschränkt auf Hände und Füße verursacht und oft von Fieber und oralen und/oder genitalen Läsionen begleitet wird.

Papularisch-Purpurisches-Gloves-and-Socks Syndrome
Papularisch-Purpurisches-Gloves-and-Socks Syndrome
© Springer Science + Business Media

Diagnose

  • Klinische Abklärung

Das Erscheinungsbild und die Ausbreitungsart sind die einzigen diagnostischen Kriterien, allerdings können einige Enteroviren ähnliche Ausschläge verursachen. Röteln können serologisch ausgeschlossen werden, ferner kann auch eine Expositionsanamnese nützlich sein. Serologische Tests sind bei ansonsten gesunden Kindern nicht erforderlich; jedoch sollte bei Kindern mit einer bekannten Hämoglobinopathie oder einem immungeschwächten Zustand ein Blutbild und eine Zählung der Retikulozyten durchgeführt werden, um eine hämatopoetische Suppression nachzuweisen, zuzüglich Virus-Tests.

Bei Kindern mit einer transienten aplastischen Krise oder bei Erwachsenen mit einer Arthropathie kann der Nachweis von IgM-spezifischen Parvovirus-B19-Antikörpern in der spätakuten oder frühkonvaleszenten Phase die Diagnose stützen. Eine Virämie mit Parvovirus B19 kann ebenfalls mit quantitativen PCR-Methoden nachgewiesen werden, die sonst bei Patienten mit einer transienten aplastischen Krise, immunsupprimierten Patienten mit einer reinen Erythrozytenaplasie oder Säuglingen mit einem Hydrops fetalis oder angeborenen Infektionen eingesetzt werden.

Behandlung

  • Unterstützende Behandlung

Es ist nur eine symptomatische Behandlung erforderlich. Eine intravenöse Gabe von Immunglobulinen kann erfolgen, um die Virämie zu verkürzen und die Erythropoese bei immunsupprimierten Patienten mit einer reinen Erythrozytenaplasie zu stimulieren.

Wichtige Punkte

  • Kinder entwickeln zunächst leichtes Fieber und leichtes Unwohlsein, was eine einige Tage später von einer verhärteten, konfluenten Rötung auf den Wangen gefolgt wird und einem symmetrischen Hautausschlag, der am prominentesten auf den Armen, Beinen und Rumpf ist.

  • Es tritt eine milde, vorübergehende Unterdrückung der Erythropoese auf, die leicht und asymptomatisch verläuft, außer bei Kindern mit Hämoglobinopathien (z. B. Sichelzellanämie) oder anderen Störungen der roten Blutkörperchen (z. B. hereditäre Sphärozytose) oder Immunsuppression.

  • Das Risiko eines fetalen Todes liegt bei 2–6% nach der mütterlichen Infektion.

  • Die Laboruntersuchung wird vor allem bei Kindern mit einer vorübergehenden aplastische Krise oder bei Erwachsenen mit Arthropathie vorgenommen.

  • Die Behandlung ist symptomatisch, aber immungeschwächte Kindern können von IV-Immunglobulin profitieren.

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