Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

Lädt...

Neuroblastom

Von

John J. Gregory, Jr.

, MD, Rutgers, New Jersey Medical School

Inhalt zuletzt geändert Sep 2015
Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Quellen zum Thema

Das Neuroblastom ist ein Karzinom, das meist in der Nebenniere oder, seltener, im sympathischen Grenzstrang, inkl. des Retroperitoneums, Thorax oder Halses entstehen kann. Die Diagnose wird mittels Biopsie bestätigt. Die Behandlung kann aus einer chirurgischen Resektion, Chemotherapie, Bestrahlung, einer Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzellentransplantation, cis-Retinsäure und Immuntherapie bestehen.

Das Neuroblastom ist der häufigste Krebs im Kindesalter. Ungefähr 90% der Fälle treten bei Kindern < 5 Jahre auf. Die meisten Neuroblastome treten spontan auf, aber 1 bis 2% scheinen vererbt zu werden. Einige Marker (z. B. MYCN onkogene Amplifikation, Hyperdiploidie, Histopathologie) scheinen mit der Progression und Prognose zu korrelieren. Obwohl MYCN-Verstärkung mit fortgeschrittener Erkrankung und ungünstiger Biologie verbunden wird, ist sie auch prädiktiv für das Überleben, sogar ohne Hochrisiko-Funktionen. MYCN -Verstärkung tritt bei etwa 20% der Fälle auf.

Tipps und Risiken

  • Das Neuroblastom ist der häufigste Krebs im Kindesalter.

Neuroblastome können im Bauch (etwa 65%), in der Brust (15–20%), am Hals, am Becken oder an anderen Stellen entstehen. Neuroblastome kommen sehr selten als primäre ZNS-Tumoren vor.

Die meisten Neuroblastome produzieren Catecholamine, die im Urin als erhöhte Abbauprodukte festgestellt werden können. Neuroblastome verursachen in der Regel keine schwere Hypertonie, da diese Tumoren in der Regel kein Epinephrin absondern. Die Ganglionneurone sind voll differenzierte, gutartige Varianten der Neuroblastome.

Ungefähr 40–50% der Kinder haben bei Diagnosestellung eine lokalisierte oder regionale Krankheit, 50–60% weisen zu diesem Zeitpunkt bereits Metastasen auf. Das Neuroblastom kann Knochenmark, Knochen, Leber, Lymphknoten oder, seltener, Haut oder Gehirn metastasieren. Knochenmarkmetastasen können Anämie und/oder Thrombozytopenie verursachen. Anämie tritt auch gelegentlich auf, wenn eine Blutung in diese hoch vaskulären Tumore einen schnellen Abfall des Hb verursacht.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome und Befunde eines Neuroblastoms hängen vom Sitz und Stadium des Primärtumors ab. Die häufigsten Symptome sind Bauchschmerzen, Unwohlsein und Völlegefühl wegen der abdominellen Tumormasse.

Bestimmte Symptome können von Metastasen herrühren. Dazu gehören Knochenschmerzen aufgrund der weit verbreiteten Knochenmetastasen, periorbitale Hautblutungen und Exophtalmus aufgrund retrobulbärer Metastasierung, aber auch Bauchauftreibung und Atemwegserkrankungen aufgrund von Lebermetastasen insbesondere bei Säuglingen. Kinder mit Anämie können Blässe haben, und diejenigen mit Thrombozytopenie können Petechien haben.

Kinder stellen sich manchmal mit fokalen neurologischen Ausfällen oder Paralyse vor, wenn der Tumor direkt in den Spinalkanal einbricht. Sie können ebenso mit einem paraneoplastischen Syndrom auffallen wie mit einer zerebellären Ataxie, Opsoklonus-Myoklonus, wässrigen Durchfällen oder arterieller Hypertonie.

ROHHADNET (schnell einsetzende Fettleibigkeit mit Hypothalamus-Dysfunktion, Hypoventilation, autonomer Dysregulation und neuroendokrinen Tumoren) ist eine sehr seltene Krankheit, die mit Ganglioneuroblastomen und Ganglioneuromen in Bauch und Lunge in Verbindung gebracht werden können.

Diagnose

  • CT/MRT

  • Biopsie

  • Manchmal Knochenmarkaspirat oder Stanzbiopsie sowie Urinuntersuchung auf Katecholaminabbauprodukte

Bei der pränatalen Routine-Ultraschalluntersuchung wird gelegentlich ein Neuroblastom entdeckt. Patienten, die sich mit abdominellen Symptomen oder einer Tumormasse vorstellen, sollten eine Ultraschalluntersuchung oder ein Abdomen-Computertomographie oder MRT erhalten. Die Diagnose eines Neuroblastoms wird dann mittels Biopsie bestätigt.

Alternativ kann die Diagnose auch ohne Biopsie oder Operation des Primärtumors gestellt werden, durch das Vorliegen charakteristischer Krebszellen bei der Knochenmark- oder Sternumbiopsie oder aufgrund von erhöhten Katecholaminabbauprodukten im Urin gestellt werden. Diese Diagnosemethoden werden nicht häufig angewendet, können aber in Situationen nützlich sein, wo Biopsie und/oder Operation aufgrund der Patienten- oder Tumor-Eigenschaften als hohes Risiko eingestuft wird/werden.

Die Vanillinmandelsäure (VMA), die Homovanillinsäure (HVA) oder beide sind bei mehr als 90% der Patienten erhöht. Es kann 24-h-Sammelurin verwendet werden, aber Spontanurin ist in der Regel ausreichend. Wenn die primäre Stelle des Neuroblastoms bei den Nieren liegt, muss es vom Wilms-Tumor und anderen Nierentumoren unterschieden werden. Es muss auch von einem Rhabdomyosarkom, Hepatoblastom, Lymphom und Tumoren genitalen Ursprungs unterschieden werden.

Staging von Neuroblastom

Folgendes sollte getan werden, um Metastasen zu beurteilen:

  • Knochenmarkaspirate und Kernbiopsien aus mehreren Stellen (in der Regel aus beiden posterioren Beckenkämmen)

  • Skelett-Untersuchung

  • Knochen-Scan oder 131I-Metaiodobenzylguanidin (MIBG)-Scan

  • Abdomen-, Pelvis- und Thorax-Computertomographie oder Magnetresonanztomographie

Bei Symptomen oder Befunden, die auf Gehirnmetastasen hindeuten, sollte auch eine Schädel-Computertomographie oder -Magnetresonanztomographie erfolgen.

Die Ergebnisse dieser Tests bestimmen den Grad (Ausmaß der Ausbreitung) der Erkrankung. Das International Neuroblastoma Staging System (INSS) erfordert, dass die Ergebnisse der Operation den Grad bestimmen. Das International Neuroblastoma Risk Group Staging System (INRGSS) verwendet durch Bildgebung definierte Risikofaktoren eher als Chirurgie, um ein Neuroblastom einzustufen.

Das Neuroblastom hat auch ein einzigartiges Stadium, genannt 4S (pro INSS) oder MS (pro INGRSS), das oft spontan und ohne Behandlung regrediert. Diese Phase umfasst Kinder <12 Monate (4S) oder 18 Monate (MS) mit lokalisiertem Primärtumor, dessen Verbreitung sich auf Haut, Leber und/oder Knochenmark beschränkt. Die Beteiligung des Knochnmarks sollte möglichst gering sein und sich auf <10% der gesamten kernhaltigen Zellen beschränken und kann nicht die Rinde des Knochens einbeziehen.

Risikostratifizierung Neuroblastomen

Zum Zeitpunkt der Diagnose sollten adäquate Versuche unternommen werden, um geeignetes Tumorgewebe zur Analyse des DNA-Index (das Verhältnis der Menge an DNA in einer Tumorzelle zu der Menge in einer normalen Zelle; der DNA-Index ist daher ein quantitatives Maß für den Chromosomengehalt) und zur Amplifikation des MYCN-Onkogen zu erhalten. Diese Faktoren helfen die Prognose zu bestimmen und leiten die Intensität der Therapie.

Die Risikokategorisierung ist komplex, und es existieren zwei große Stratifizierungssysteme für Risikogruppen: eine entwickelt durch die Children's Oncology Group (COG) und die andere durch INRGSS. Diese Systeme basieren auf Alter des Patienten, Stadium, Histologie, MYCN Amplifikation und DNA-Index. Darüber betrachtet die INRG Chromosom 11q Abbildungsfehler bei der Bewertung. Bei beiden Systemen werden diese Faktoren verwendet, um Patienten in Nieder-, Mittel- und Hochrisikokategorien einzuteilen, was hilft, die Prognose zu ermitteln und die Intensität der Behandlung leitet.

Prognose

Die Prognose des Neuroblastoms ist abhängig von Alter bei der Diagnose, Stadium und biologische Faktoren (z. B. Histopathologie, Tumorzelle Ploidie bei jüngeren Patienten, MYCN Verstärkung). Jüngere Kinder mit lokalisierter Erkrankung haben die beste Prognose.

Die Überlebensraten für Erkrankungen mit geringem und mittlerem Risiko liegen bei etwa 90%. Historisch liegt die Überlebensrate bei Hochrisikoerkrankungen bei etwa 15%. Diese Rate wurde auf > 50% mit der Nutzung der intensivierten Therapie verbessert. Und eine aktuelle randomisierte Studie zeigte, dass eine intensive Therapie kombiniert mit Immuntherapie zu einer 2-Jahres ereignisfreien Überlebensrate von 66% führte.

Behandlung

  • Chirurgische Resektion

  • Normalerweise Chemotherapie

  • Manchmal Hochdosis-Chemotherapie gefolgt von Stammzelltransplantation

  • Manchmal Strahlentherapie

  • Cis-Retinsäure für die Erhaltungstherapie bei Hochrisiko-Krankheit

  • Immuntherapie

Die Behandlung des Neuroblastoms basiert auf der Risikokategorie (siehe auch National Cancer Institute Overview of Neuroblastoma Treatment).

Die chirurgische Resektion ist bei Erkrankungen mit geringem un mittlerem Risiko wichtig. Sie wird oft hinausgezögert, bis eine adjuvante Chemotherapie erfolgt, um die Chance auf eine angemessene chirurgische Resektion zu verbessern.

Eine Chemotherapie (Vincristin, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Cisplatin, Carboplatin, Ifosfamid und Etoposid) ist bei Kindern notwendig, deren Krankheit ein mittleres Risiko hat. Hochdosierte Chemotherapie mit Stammzelltransplantation und cis-Retioninsäure werden häufig bei Kindern mit einer Hochrisiko-Erkrankung angewendet.

Manchmal ist bei Kindern mit mittlerem und hohem Risiko eine Bestrahlung notwendig.

Eine Immuntherapie, die monoklonale Antikörper gegen Neuroblastom-Antigene in Kombination mit Zytokinen verwendet, ist der neueste Ansatz bei einer Behandlung der Krankheit mit hohem Risiko.

Weitere Informationen

Zur Patientenaufklärung hier klicken.
HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.
Erfahren Sie

Auch von Interesse

Videos

Alle anzeigen
How to do Neonatal Resuscitation
Video
How to do Neonatal Resuscitation
3D-Modelle
Alle anzeigen
Mukoviszidose: Defekter Chloridtransport
3D-Modell
Mukoviszidose: Defekter Chloridtransport

SOZIALE MEDIEN

NACH OBEN