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Listeriose bei Neugeborenen

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Die neonatale Listeriose wird entweder transplazentar, intra- oder postpartal erworben. Die Symptome sind die einer Sepsis. Die Diagnose wird durch Kulturen bei Mutter und Kind gestellt. Die Behandlung wird mit Antibiotika durchgeführt und mit Ampicillin und Aminoglykosiden eingeleitet.

Die in utero-Infektion mit Listeria monocytogenes kann zu einer fetalen Streuung mit Granulombildung (z. B. in Haut, Leber, Nebennieren, lymphatischen Geweben, Lunge und Gehirn) führen. Wenn ein Ausschlag vorhanden ist, wird er als Granulomatose infantisepticum bezeichnet. Zur in utero- oder perinatalen Infektion der Lunge kommt es durch Aspiration oder Verschlucken von Fruchtwasser oder Vaginalsekret. Diese manifestiert sich in den ersten Lebenstagen mit Atemnot, Schock und einem fulminanten Verlauf.

Schwangere Frauen bekommen typischerweise eine Listerien-Infektion durch Einnahme kontaminierter Lebensmittel. Viele Lebensmittel können L. monocytogenes beherbergen und übertragen, aber die Infektion erfolgt in der Regel durch Einnahme von kontaminierten Milchprodukten, rohem Gemüse, Fleisch oder vor allem gekühlten Lebensmitteln, die vor dem Verzehr nicht gekocht werden müssen. Die Kontamination wird begünstigt durch die Fähigkeit von L. monocytogenes bei Kühlschranktemperaturen zu überleben und zu wachsen.

Symptome und Beschwerden

Die Infektion einer Schwangeren kann asymptomatisch oder mit einer primären, sich durch grippeähnliche Symptome äußernden Bakteriämie verlaufen.

Beim Fetus und Neugeborenen hängt das klinische Erscheinungsbild vom Zeitpunkt und Weg der Infektion ab. Häufig kommt es zu Fehlgeburten, Frühgeburten bei Amnionitis (mit charakteristischem braunem und trübem Fruchtwasser), Totgeburten oder einer neonatalen Sepsis. Die Krankheitserscheinungen können sich Stunden oder Tagen nach der Geburt (früher Beginn) oder aber auch erst nach einigen Wochen manifestieren (späterer Beginn).

Die Neugeborenen haben oft ein niedriges Geburtsgewicht, assoziierte geburtshilfliche Probleme und fallen bald nach der Geburt durch eine Sepsis mit Kreislauf- und/oder Ateminsuffizienz auf. Zur späten Form der Infektion kommt es in der Regel bei reifen, bis dahin gesunden Neugeborenen; sie manifestiert sich mit einer Sepsis oder Meningitis.

Diagnose

  • Kultur von Blut, Gebärmutterhals und Fruchtwasser (falls vorhanden) der febrilen schwangeren Frau

  • Kultur aus Blut, Liquor, Magensaft, Mekonium und infiziertem Geweben von kranken Neugeborenen

Blut und Zervixsekret sollten bei allen Schwangeren mit einem unerklärlichen fieberhaften Infekt auf L. monocytogenes untersucht werden. Ein krankes Neugeborenes, dessen Mutter an Listeriose erkrankt ist, sollte auf eine Sepsis hin untersucht werden. Außerdem sollten Kulturen aus der Nabelschnur, dem peripheren Blut, Liquor, Magensaft, Mekonium, jeglicher Art potenziellem infiziertem Gewebe, mütterliche Lochien, dem Zervix- und Vaginalsekret, den befallenen Plazentaanteilen und amniotischen Flüssigkeitender Mutter angelegt werden, falls vorhanden.

Eine Untersuchung des Liquors kann eine Dominanz von mononukleären Zellen zeigen, aber in der Regel überwiegen polymorphkernige Zellen. Gramgefärbte Ausstriche sind oft negativ, können aber pleomorphe, gramvariable kokkoide Strukturen aufweisen, die nicht als diphtheroide Kontamination missdeutet werden dürfen.

Ein Labornachweis des Erregers beinhaltet biochemische Tests und eine Beobachtung der Motilität über einen Objektträgertest, der die Motilität in halbfesten Medien darstelt. Um den Objektträgertest durchzuführen, werden die Kolonien des Organismus, die auf festen Medien gewachsen sind, mit Kochsalzlösung gemischt und unter dem Mikroskop untersucht. L. monocytogenes zeigen eine ausgeprägte end-over-end "Taumeln" Beweglichkeit aufgrund des Vorhandenseins von Flagellen an beiden Enden. Serologische Untersuchungen sind bei der Diagnosestellung nicht hilfreich. Der molekulare Nachweis mittels PCR ist in bestimmten Laboratorien verfügbar.

Prognose

Die Letalität schwankt zwischen 10 und 50% und ist bei früherkrankten Neugeborenen erhöht.

Behandlung

  • Ampicillin plus Aminoglykosid

Die Therapie ist vorzugsweise mit Ampicillin mit zusätzlichen Aminoglykosidenund siehe Tabelle: Empfohlene Dosierungen ausgewählter pareneraler Antibiotika für Neugeborene und siehe Tabelle Empfohlene Dosierung ausgewählter oraler Antibiotika für Neugeborene). In der Regel reichen 14 Tage Behandlung (bei Meningitis 21 Tage) aus, die optimale Behandlungsdauer ist aber nicht bekannt. Andere Medikamentenbehandlungen sind Ampicillin oder Penizillin mit Rifampicin oder alleiniges Trimethoprim/Sulfamethoxazol, und Meropenem. Der Wirksamkeitsnachweis in Form einer Studie wurde aber noch nicht erbracht.

Neugeborene mit einer Sepsis erfordern andere Therapien. Bei schweren Infektionen sollte auf vorsichtigen Umgang mit Drainageflüssigkeiten oder Sekreten geachtet werden.

Prävention

Schwangere sollten Nahrungsmittel, die mit L. monocytogenes kontaminiert sind (nichtpasteurisierte Milchprodukte, Weichkäse, rohe Gemüse, fertig zubereitetes Fleisch und Salate, tiefgefrorene Fleischaufstriche oder geräucherten Seefisch) vermeiden. Die richtige Umgang mit Lebensmitteln, insbesondere ungekochtes Fleisch von anderen Gegenständen während der Vorbereitung zu trennen und Hände, Geschirr und Schneidebretter nach dem Umgang mit ungekochten Lebensmitteln zu waschen, ist von entscheidender Bedeutung.

Wenn eine Infektion während der Schwangerschaft diagnostiziert wird, kann eine Behandlung vor der Entbindung oder intra partum begonnen werden, um die vertikale Transmission auf das Neugeborene zu verhindern. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme ist allerdings nicht bewiesen.

Wichtige Punkte

  • Eine Infektion kann in utero oder während der Geburt erworben werden, und die klinischen Manifestationen können innerhalb von Stunden oder Tagen nach der Geburt erscheinen (früher Beginn) oder bis zu mehreren Wochen (verzögerter Beginn) verzögert werden.

  • Früh einsetzende Listeriose äußert sich bald nach der Geburt als Sepsis mit Kreislaufschwäche, respiratorischer Insuffizienz oder beidem.

  • Zur späten Form der Listeriose kommt es in der Regel bei reifen, bis dahin gesunden Neugeborenen; sie manifestiert sich mit einer Sepsis oder Meningitis.

  • Es ist sinnvoll, Kulturen von L. monocytogenes bei schwangeren Frauen mit einer ungeklärten fiebrigen Erkrankung anzulegen.

  • Die Therapie erfolgt vorzugsweise mit Ampicillin und Aminoglykosiden.

  • Schwangere Frauen sollten Lebensmittel vermeiden, die mit L. monocytogenes kontaminiert sein können

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