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Hepatitis-B-Virusinfektion (HBV) bei Neugeborenen

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Jul 2018
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Die neonatale Hepatitis B-Virusinfektion wird normalerweise während der Geburt übertragen. Sie ist üblicherweise asymptomatisch, kann aber eine subklinische chronische Krankheit in der späteren Kindheit oder im Erwachsenenalter verursachen. Symptomatische Infektionen verursachen Gelbsucht, Lethargie, Gedeihstörungen, einen gespannten Bauch und tonfarbene Stühle. Die Diagnose erfolgt serologisch. Ein schwerer Verlauf führt in seltenen Fällen zu Leberversagen und erfordert eventuell eine Lebertransplantation. Weniger schwere Verläufe werden nur unterstützend behandelt. Aktive und passive Immunisierung verhindern eine vertikale Übertragung.

Von den bekannten Virushepatitiden gilt nur Hepatitis B (HBV) als Verursacher einer neonatalen Hepatitis. Andere virale neonatale Infektionen (Zytomegalievirus, Herpes-simplex-Virus) können Leberentzündungen zusammen mit anderen Symptomen verursachen.

Ätiologie

Bei der Geburt wird die HBV-Infektion von der infizierten Mutter auf das Neugeborene übertragen. Das Risiko einer Übertragung liegt bei 70–90% bei Frauen, die seropositiv für Hepatitis B-Oberflächen-Antigen (HBsAg) und Hepatitis B e-Antigen (HBeAg— Akute Virushepatitis im Überblick : Serologie) um Zeitpunkt der Entbindung sind. Frauen ohne e-Antigen oder Anti-HBe übertragen die Infektion nur in 5–20% der Fälle.

Eine Übertragung des HBV von der Mutter auf das Neugeborene geschieht primär durch maternofetale Mikrotransfusionen während der Austreibungsphase oder durch den Kontakt mit infektiösen Sekreten im Geburtskanal. Eine transplazentale Übertragung wird in < 2% der Infektionen identifiziert. Seltener kommt es zu einer postpartalen Ansteckung durch den Kontakt mit mütterlichem Blut, Speichel, Urin oder Muttermilch. Bis zu 90% der Kinder, die perinatal infiziert wurden, entwickeln eine chronische Infektion und eine perinatal erworbene HBV-Infektion kann ein wichtiges virales Reservoir in bestimmten Umgebungen sein.

Symptome und Beschwerden

Die große Mehrheit der Neugeborenen mit HBV-Infektion ist asymptomatisch, entwickelt aber eine chronisch subklinische Infektion, die durch eine persistierende HBs-Antigenämie und eine wechselnd erhöhte Transaminasenaktivität gekennzeichnet ist. Viele Neugeborene von Müttern mit einer akuten Hepatitis B während der Schwangerschaft haben unabhängig davon, ob sie selbst erkrankt sind oder nicht, ein niedriges Geburtsgewicht.

Selten entwickeln infizierte Neugeborene eine akute Hepatitis B, die dann milde oder selbstlimitierend verläuft. Sie manifestiert sich mit Gelbsucht, Lethargie, Gedeihstörungen, einem gespannten Bauch und tonfarbenen Stühlen. Manchmal kommt eine schwere Infektion mit Hepatomegalie, Aszites und Hyperbilirubinämie (überwiegend konjugiertes Bilirubin) vor. Sehr selten ist der Verlauf fulminant oder tödlich. Schwere Verlaufsformen werden häufiger bei Kindern beobachtet, deren Mütter chronische Hepatitis B-Trägerinnen sind.

Diagnose

  • Serologische Tests

Die Diagnose einer neonatalen HBV-Infektion wird durch serologische Tests, einschließlich der Messung von HBsAg, HBeAg, Antikörpern gegen das Hepatitis-B e-Antigen (Anti-HBe) und eine Quantifizierung der HBV-DNA im Blut gestellt. Zu anderen initialen Tests gehört ein Blutbild mit Blutplättchen, Alaninaminotransferase (ALT) und α-Fetoprotein-Spiegeln sowie eine Leber-Sonographie. Eine eventuelle Familiengeschichte mit Leberkrebs oder Lebererkrankungen ist wegen des langfristigen Risikos eines hepatozellulären Karzinoms ein wichtiges Indiz. Wenn der Test eine HBV-Infektion vermuten lässt, wird die Rücksprache mit einem pädiatrischen Hepatologen empfohlen.

Prognose

Die Langzeitprognose ist nicht vorhersehbar; obwohl es scheint dass eine chronische Infektion mit HBV schon in jungen Jahren das Risiko für die Entwicklung eines Leberschadens erhöht mit damit assoziierter chronischen Hepatitis, Zirrhose, Leberkrankheit im Endstadium sowie hepatozellulärem Karzinom.

Behandlung

  • Unterstützende Behandlung

Symptomatische Therapie und entsprechende Ernährung sind ratsam. Weder Kortikosteroide noch Hepatitis-B-Immunglobulin (HBIG) ist bei einer akuten Infektion hilfreich. Keine Therapie verhindert die Entwicklung von chronischen, subklinischer Hepatitis, wenn die Infektion erst einmal erworben wurde.

Alle Kinder mit chronischer HBV-Infektion sollten mit Hepatitis A-Impfstoff immunisiert werden. Kinder mit chronischen HBV-Infektion können von antiviralen Medikamenten (z. B. Interferon alfa, Lamivudine, Adefovir) profitieren, aber diese sollten nur in Absprache mit einem pädiatrischen Hepatologen angewendet werden.

Prävention

Schwangere sollten routinemäßig in der Frühschwangerschaft auf HBsAg gestestet werden. Ist das nicht möglich, sollte die Untersuchung bei der Aufnahme zur Entbindung durchgeführt werden. Einige Frauen, die HBsAg-positiv sind, werden im 3. Trimester mit Lamivudin oder Telbivudin behandelt, was die perinatale Übertragung von HBV verhindern kann.

Neugeborene, deren Mütter HBsAg-positiv sind , sollten mit 0,5 ml HBIG i.m. innerhalb von 12 h nach der Geburt geimpft werden. Rekombinanter HBV Impfstoff i.m. in einer Serie von 3 Dosen verabreicht, wird für alle Kinder in den USA empfohlen. (Anmerkung: Dosierungen variieren bei den verschiedenen Herstellern.) Die erste Impfung wird gleichzeitig mit dem HBIG verabreicht, nur an einer anderen Stelle. Die 2. Dosis wird in einem Alter von 1–2 Monaten gegeben, und die 3. Dosis 6 bis 18 Monate nach der ersten. Wenn das Kind < 2 kg wiegt, kann die erste Dosis des Impfstoffes weniger wirksam sein. Nachfolgende Impfdosen werden im Alter von 30 Tagen gegeben (oder am Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus) und dann zwei weitere Dosen mit 1–2 Monaten und 6 Monate nach der 30-Tage-Dosis.

Neugeborene, deren Mütter einen unbekannten HBsAg-Status zum Zeitpunkt der Geburt haben, sollten auch innerhalb von 12 h nach der Geburt geimpft werden. Bei Kindern < 2 kg, die erste Impfung wird gleichzeitig mit dem HBIG (0,5 ml i.m.) verabreicht, an einer anderen Stelle. Für Kleinkinder ≥ 2 kg und deren Mütter auf HBsAg untersucht werden können und bei denen ein Follow-up gewährleistet ist, kann HBIG (0,5 ml i.m.) in Erwartung eines positiven mütterlichen Test auf HBsAg bis zu 7 Tage hinausgezögert werden. Tests auf HBsAg und Anti-HBs in einem Alter von 9–15 Monaten wird für alle Kinder von HBsAg-positiven Müttern empfohlen.

Die Trennung der Neugeborenen von ihren HBsAg-positiven Müttern wird nicht empfohlen, auch Stillen scheint das Risiko der postpartalen Übertragung nicht zu erhöhen, vor allem wenn eine HBIG und HBV- Impfung erfolgt ist. Eine HBV-Infektion kann jedoch durch Stillen übertragen werden, wenn bei der Mutter eine Verletzung der Brustwarze, ein Abszess oder eine andere Krankheit der Brust vorliegt.

Wichtige Punkte

  • HBV ist die alleinige Ursache für Neugeborenen-Hepatitis, es wird in der Regel während der Geburt übertragen.

  • Die große Mehrheit der Neugeborenen ist asymptomatisch, entwickelt aber eine chronische, subklinische HBs-Antigenämie mit erhöhter Transaminasenaktivität.

  • Einige Kinder entwickeln eine milde Hepatitis, einige wenige leiden an fulminanter Lebererkrankung.

  • Serologische Tests von Säugling und Mutter sollten erfolgen.

  • Neugeborene, deren Mütter HBsAg-positiv sind, sollten mit einer Dosis von 0,5 ml HBIG i.m. und HBV innerhalb von 12 h nach der Geburt geimpft werden.

  • HBV-infizierte Kinder sollten mit Hepatitis A-Impfstoff immunisiert werden; Medikamente gegen HBV (z. B. Interferon alfa) kann helfen, sollte aber nur in Absprache mit einem pädiatrischen Hepatologen verwendet werden.

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