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Amblyopie

Von

Christopher M. Fecarotta

, MD,

  • Phoenix Children’s Hospital
;


Wendy W. Huang

, MD, PhD,

  • Phoenix Children’s Hospital

Inhalt zuletzt geändert Okt 2018
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Bei der Amblyopie handelt es sich um eine funktionelle Reduzierung der Sehschärfe eines Auges, die auf einen Fehlgebrauch während der visuellen Entwicklung zurückzuführen ist. Schwerer Sehverlust droht, wenn die Amblyopie nicht entdeckt und vor dem 8. Lebensjahr behandelt wird. Die Diagnose basiert, bei korrigierter Sehschärfe, auf einer Differenz zwischen den beiden Augen, die nicht mit einer anderen Pathologie erklärt werden kann. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Die Amblyopie betrifft etwa 2–3% der Kinder und entwickelt sich meist vor dem Alter von 2 Jahren, aber jedes Kind unter etwa 8 Jahren kann Amblyopie entwickeln.

Das Gehirn muss ein simultanes, klares und fokussiertes, richtig ausgerichtetes Bild von jedem Auge erhalten, damit sich das visuelle System richtig entwickeln kann. Diese Entwicklung findet vor allem in den ersten 3 Jahren des Lebens statt, ist aber erst in einem Alter von 8 Jahren abgeschlossen. Amblyopie tritt dann auf, wenn es eine dauerhafte Interferenz der Bilder von einem Auge, aber nicht vom anderen Auge gibt. Der visuelle Kortex unterdrückt dann das Bild des betroffenen Auges. Wenn die Unterdrückung lange genug anhält, kann der Verlust der Sehkraft dauerhaft sein.

Ätiologie

Es gibt drei Ursachen:

  • Strabismus

  • Anisometropie

  • Obstruktion der Sichtachse

Strabismus kann eine Amblyopie durch eine Fehlausrichtung der Augen verursachen, die dazu führt, dass verschiedene retinale Bilder an den visuellen Kortex weitergeleitet werden. Wenn diese Fehlausrichtung auftritt, kann das Gehirn eines Kindes nur seine Aufmerksamkeit auf ein einziges Auge richten – die Informationen des anderen Auges werden währenddessen unterdrückt. Da die Sehbahnen bei Erwachsenen schon vollständig entwickelt sind, kann ein Befund mit zwei verschiedenen Sehbildern nur eine Diplopie sein, nicht eine Suppression eines Auges.

Die Anisometropie (ungleiche Refraktion in beiden Augen, meistens durch Astigmatismus, Myopie oder Hyperopie) kann ebenfalls Amblyopie verursachen, weil bei ihr ein verschiedener Fokus der retinalen Bilder vorhanden ist, wobei das Bild des Auges mit der größeren Refraktionsanomalie weniger gut fokussiert ist.

Eine Verlegung der optischen Achse an einem Punkt zwischen der Oberfläche des Auges und der Retina (z. B. durch einen kongenitalen Katarakt) interferiert mit der Bildung eines retinalen Bildes auf dem betroffenen Auge oder unterbricht sie vollständig. Diese Behinderung kann Amblyopie zur Folge haben.

Symptome und Beschwerden

Die Amblyopie ist oft asymptomatisch und wird häufig nur bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Kinder klagen selten über einen einseitigen Sehverlust, obwohl sie schielen oder ein Auge zudecken. Sehr junge Kinder merken entweder nichts oder sind sich nicht bewusst, dass ihre Sehkraft auf dem einen Auge im Vergleich zum anderen unterschiedlich ist. Einige ältere Kinder klagen mitunter über eine verminderte Sehkraft im betroffenen Auge oder entwickeln eine schlechte Tiefenschärfe. Wenn Strabismus die Ursache ist, kann eine Blickabweichung für andere erkennbar sein. Eine Katarakt, die eine Verlegung der Sehachse verursacht, kann unbemerkt voranschreiten.

Diagnose

  • Frühes Screening

  • Photoscreening

  • Zusätzliche Tests (z. B. Abdecktest, Abdeck-Aufdeck-Test, Refraktionsmessung, Ophtalmoskopie, Spaltlampe)

Ein Amblyopie- und Strabismus-Screening wird für alle Kinder vor der Einschulung, am besten mit 3 Jahren, empfohlen.

Das Photoscreening ist ein Ansatz für das Screening von sehr jungen Kindern und denen, die keinen subjektiven Tests zu unterziehen sind, weil sie entweder Lern- oder Entwicklungsstörungen haben. Beim Photoscreening wird eine Kamera verwendet, die Bilder des Pupillenreflexes während der Fixation auf ein visuelles Ziel und rote Reflexe als Antwort auf Licht aufnimmt. Die Bilder werden dann auf Symmetrie verglichen.

Das Screening bei älteren Kindern besteht aus Sehtests mit Figuren, die keine Kenntnisse des Alphabets erfordern (z.B. taumelnde E-Figuren, Inbuskarten, HOTV-Figuren oder Charaktere), oder Snellen-Augendiagramme.

Wird eine zugrunde liegende Ursache erkannt, sind weitere Tests notwendig. Strabismus kann mit dem alternierenden Abdecktest oder dem Abdeck-Aufdeck-Test bestätigt werden (siehe Diagnose von Strabismus). Augenärzte können eine Anisometropie bestätigen, indem sie eine Refraktionsbestimmung jedes Auges vornehmen. Eine Verlegung der optischen Achse kann man durch die Untersuchung mit einem Ophthalmoskop oder einer Spaltlampe bestätigen.

Prognose

Eine Amblyopie kann irreversibel werden, wenn sie nicht diagnostiziert und vor dem 8. Lebensjahr behandelt wird, da das visuelle System zu diesem Zeitpunkt ausgereift ist. Die meisten Kinder, die vor dem 5. Lebensjahr identifiziert und behandelt wurden, haben eine bessere Sehkraft. Eine sehr frühe Behandlung vergrößert die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen visuellen Erholung. Unter bestimmten Umständen können auch ältere Kinder mit Amblyopie noch von einer Behandlung profitieren. Bis das visuelle System ausgereift ist, sind in manchen Fällen Rezidive möglich. Bei einigen Patienten ist eine geringe Abnahme der Sehschärfe auch nach der visuellen Reife aufgetreten.

Behandlung

  • Brillen oder Kontaktlinsen

  • Kataraktentfernung

  • Abkleben

  • Atropin-Tropfen

  • Die Behandlung von Strabismus, wenn dieser besteht.

Die Behandlung von Amblyopie sollte durch einen Augenarzt eingeleitet werden, der mit Augenerkrankungen bei Kindern Erfahrung hat. Jede zugrunde liegende Ursache muss behandelt werden (z. B. Brille oder Kontaktlinsen zur Korrektur einer Refraktionsanomalie, Entfernung einer Katarakt, Behandlung von Schielen). Die Benutzung des amblyopen Auges sollte durch Abkleben des besseren Auges oder durch Gabe von atropinhaltigen Augentropfen in das bessere Auge, die dem amblyopen Auge einen visuellen Vorteil verschaffen, gefördert werden. Eine bessere Therapiecompliance wird mit Tropfen erzielt.

Die Erhaltungstherapie zur Rezidivprophylaxe kann empfohlen werden, wenn sich die Besserung stabilisiert hat und das Kind ungefähr 8–10 Jahre alt ist.

Wichtige Punkte

  • Amblyopie ist ein Sehverlust auf einem Auge durch das Fehlen von klar fokussierten, richtig ausgerichteten Bildinformation von jedem Auge zu dem visuellen Kortex in der frühen Kindheit vor der Ausreifung der Sehbahnen.

  • Die Diagnose erfolgt hauptsächlich durch Screening-Tests, die im Alter von etwa 3 Jahren gemacht werden sollten.

  • Die Behandlung richtet sich nach der Ursache (z. B. Korrektur von Fehlsichtigkeit, Katarakt-Entfernung, Behandlung von Schielen), gefolgt von Abdecken oder Atropintropfen für das bessere Auge.

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