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Blasenanomalien

Von

Ronald Rabinowitz

, MD, University of Rochester Medical Center;


Jimena Cubillos

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Nov 2016
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Angeborene Fehlbildungen der Blase kommen oft ohne andere Anomalien des Urogenitaltraktes vor. Sie können Infektionen, Retention, Inkontinenz und Reflux verursachen. Alle symptomatischen Fehlbildungen erfordern eine chirurgische Korrektur.

Blasendivertikel

Ein Blasendivertikel ist ein Vorspringen der Blasenschleimhaut durch einen Defekt des Blasenmuskels. Er prädisponiert für Harnwegsinfektionen und kann einen Reflux bedingen. Er wird bei kleinen Kindern normalerweise bei der Abklärung von rezidivierenden Harnwegsinfektionen entdeckt.

Die Diagnose des Blasendivertikels erfolgt durch Entleerung der Zystourethrographie.

Manchmal sind die chirurgische Entfernung des Divertikels und eine Rekonstruktion der Blasenwand indiziert.

Blasenekstrophie

Bei der Ekstrophie liegt ein Fehlen der Schließung entlang der Mittellinie vom Nabel zum Perineum vor, was zu einer Harnblasenmucosa-Kontinuität der Bauchhaut führt, und zur Trennung der Symphyse, zu Epispadie oder zu verdoppelten Genitalien. Die Blase ist suprapubisch offen und der Urin tröpfelt eher aus der offenen Blase als aus der Urethra. Trotz der schweren Fehlbildung ist eine normale Nierenfunktion erhalten.

Die Blase kann eventuell rekonstruiert und in das Becken zurückverlagert werden. Ein vesikoureteraler Reflux ist immer vorhanden und muss fallabhängig beseitigt werden. Eine kontinuierliche Urinableitung kann notwendig sein, um ein Blasenreservoir zu behandeln, das sich nicht vergrößert oder wenn die Sphinkteren insuffizient sind. Die Genitalien müssen rekonstruiert werden.

Megazystensyndrom

Bei diesem Syndrom entwickelt sich oft bei Mädchen eine große, dünnwandige Blase ohne erkennbare Obstruktion des Blasenausgangs. Das Megazystensyndrom ist noch nicht geklärt. Das Syndrom kann sich als primärer myoneuraler Defekt zeigen, vor allem wenn zusätzlich eine intestinale Obstruktion (z. B. megazystisches Mikrokolon, intestinales hypoplastisches Syndrom) vorhanden ist.

Die Symptome sind denen einer Harnwegsinfektion ähnlich und ein vesikoureteraler Refluxist häufig.

Die Sonographie bei leerer Blase kann einen fast normal erscheinenden oberen Harntrakt zeigen. Beim Miktionszystourethrogramm sieht man jedoch einen Reflux mit einer massiven Erweiterung des oberen Harntrakts.

Eine Ureterreimplantation kann gut funktionieren, obgleich manche Patienten auch von antibakterieller Prophylaxe, Blasentraining, intermittierender Katheterisierung oder einer Kombination der Behandlungsmethoden profitieren.

Neurogene Blasenentleerungsstörung

Die neurogene Blase ist eine Blasendysfunktion, die durch neurologische Erkrankungen verursacht wird, einschließlich Fehlbildungen des Rückenmarks oder des ZNS, Trauma oder den Folgen einer Operationen im kleinen Becken z. B. bei Steißbeinteratom oder Analatresie. Die Blase kann schlaff sein, spastisch oder beides. Eine schlaffe Blase ist durch eine Blasenüberfüllung, einen niedrigen Entleerungsdruck und minimale Kontraktionen gekennzeichnet. Eine spastische Blase hat eine normale oder niedrige Füllung, einen erhöhten Entleerungsdruck und unwillkürliche Kontraktionen. Chronisch erhöhte Blasendrücke (> 40 cm H2O) können – auch ohne Infektion oder Reflux – eine zunehmende Nierenschädigung verursachen.

Symptome sind rezidivierende Harnwegsinfektionen, Harnretention und/oder Inkontinenz.

Die zugrunde liegende neurologische Anomalie ist in der Regel ohne Weiteres erkennbar. Üblicherweise wird der Restharn bestimmt, eine Nierensonographie durchgeführt, um eine eventuelle Hydronephrose zu erkennen und das Serumkreatinin gemessen, um die Nierenfunktion beurteilen zu können. Urodynamische Tests sind oft notwendig, um die Diagnose zu bestätigen und um die Blasendrücke und die Funktion zu überwachen.

Behandlungsziele sind die Senkung des Infektionsrisikos, die Aufrechterhaltung eines angemessenen Blasendrucks und -volumens, effektive Blasenentleerung und das Erreichen einer sozial kompatiblen Kontinenz. Die Behandlung einer neurogenen Harnblase umfasst Medikamente (z. B. Anticholinergika, prophylaktische Antibiotika), intermittierende Katheterisierung und/oder chirurgische Intervention (z. B. Blasenerweiterungsplastik, appendicovesicostomy, Botulinumtoxin-Injektionen, Neurostimulation). Kinder mit neurogener Blase haben oft auch einen neurogenen Darm mit Verstopfung und Stuhlinkontinenz, was eine sorgfältige Behandlung erfordert.

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HINWEIS: Dies ist die Ausgabe für medizinische Fachkreise. LAIEN: Hier klicken, um zur Ausgabe für Patienten zu gelangen.

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