Msd Manual

Please confirm that you are a health care professional

honeypot link

Kommentar - Update zu COVID-19

Kommentar
24.03.2020 Matthew E Levison, MD, Adjunct Professor of Medicine, Drexel University College of Medicine

Startseite  der Quellen  zu COVID-19 

 

Neueste Informationen

Während die Fälle von COVID-19 in Festlandchina im Abnehmen begriffen sind, hat COVID-19 außerhalb von Festlandchina zugenommen; in den vergangenen zwei Wochen haben sich die Fälle um das 13-Fache erhöht, und die Anzahl der betroffenen Länder hat sich verdreifacht. Weltweit gibt es mittlerweile (13. März) über 143.000 bestätigte Fälle, wobei rund 81.000 Fälle aus Festlandchina und 54.000 Fälle aus 134 Ländern außerhalb von Festlandchina berichtet wurden. Fast 82 Prozent existieren in lediglich vier Ländern (China, Südkorea, Italien und Iran) und in zwei von diesen - China und Südkorea - ist die Epidemie zurückgegangen. Allerdings berichteten 58 Länder 10 oder weniger Fälle und rund 80 haben keine Fälle berichtet.

Momentan verdoppelt sich die Anzahl der gemeldeten Fälle in Italien alle fünf Tage; mit dieser Rate ist das italienische Gesundheitssystem, das unter den weltweit besten rangierte, völlig überfordert worden. Die Bewegungsfreiheit der Menschen innerhalb und außerhalb Italiens (und anderer EU-Mitgliedsstaaten) stellt eine Herausforderung bei der Kontrolle der Verbreitung von COVID-19 dar, doch am 10. März 2020 verhängte Italien eine landesweite Ausgangssperre.

In den USA verdoppelt sich die Anzahl der gemeldeten Fälle sogar noch schneller, alle drei Tage, und die Anzahl der Fälle stieg um mehr als das 20-Fache an, von 76 Fällen am 1. März auf fast 1.700 am 13. März. Fälle sind bisher in 47 Staaten und im District of Columbia berichtet worden. Große Häufungen von Fällen ereignen sich in der Region Seattle und in einem kleinen Vorort von New York City.

Tests werden in den USA allmählich intensiviert. Mehr als eine Woche nach dem ersten Fall einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Landes wurden nur 1.895 Personen getestet, von denen rund 10 % positiv getestet wurden. In Südkorea wurden dahingegen innerhalb einer Woche nach dem ersten Fall einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung mehr als 66.650 Personen getestet und man war rasch in der Lage, 10.000 Personen am Tag zu testenDiagnostische Tests sind in den USA immer noch nicht leicht erhältlich, und es bestehen große Unterschiede zwischen den Bundesstaaten und den örtlichen Gesundheitsbehörden dahingehend, wer getestet werden sollte. Erweiterte Untersuchungen auf SARS-CoV-2 in naher Zukunft werden höchstwahrscheinlich zahlreiche weitere Fälle ans Licht bringen. Die Seuchenschutzbehörde CDC empfiehlt derzeit die Entnahme und Untersuchung eines Nasopharynxabstrichs der oberen Atemwege. Oropharynxabstriche sind nachrangig. Sputum sollte nur bei Patienten mit produktivem Husten entnommen werden.

Länder wenden zunehmend strikte Eindämmungs- und Minderungsstrategien an. Singapur, Hongkong und Taiwan waren in der Lage, die aktuelle Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch frühzeitige Diagnose, Isolierung bestätigter Fälle, umfassende Ermittlung von Kontaktpersonen, unter Quarantäne Stellung von Kontaktpersonen und soziale Distanzierung einzuschränken. Die Übertragung hat sich in Südkorea aufgrund umfangreicher Bemühungen zur Eindämmung und Minderung verlangsamt, allerdings werden täglich immer noch große Fallzahlen in Italien und im Iran berichtet. Mit dem Iran verknüpfte Fälle haben die Infektion in viele andere Länder verbreitet, darunter Irak, Afghanistan, Bahrain, Kuwait, Oman, Libanon, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kanada und die USA.

In den USA bestehen je nach der örtlichen Situation große Unterschiede in den Bundesstaaten und Gemeinden. Einige Ortschaften raten zur Schließung aller Schulen und nicht notwendigen Geschäftsbetriebe (z. B. Restaurants und Bars), doch die Empfehlungen variieren.

  • Der Präsident empfiehlt, Zusammenkünfte auf 10 Personen zu begrenzen. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Gruppe jeder Größe exponiert zu sein, wird jedoch durch die Häufigkeit der ansteckenden Personen in der Gemeinschaft bestimmt, die zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund mangelnder adäquater Tests nicht bekannt ist. Die beste Strategie für alle ist die Wahrung sozialer Distanz wie die Vermeidung von engem Kontakt mit anderen (innerhalb von zwei Metern); die anfälligsten, d. h. ältere Menschen und Personen mit Gesundheitsproblemen, die ein höheres Risiko für eine schwerwiegendere Erkrankung nach der Infektion mit COVID-19 aufweisen, sollten isoliert zu Hause bleiben. Obwohl junge, gesunde Personen, die während der Teilnahme an einer Versammlung infiziert werden, wahrscheinlich selbst okay sind, können sie das Virus anschließend an andere weitergeben. Bezüglich spezifischer Empfehlungen siehe die Informationsseite der CDC zum Coronavirus

 

Hintergrund: Epidemiologie

Der Ausbruch von COVID-19, der Erkrankung, die durch ein neuartiges Coronavirus (SARS-CoV-2) verursacht wird und im Dezember 2019 in Wuhan in der Provinz Hubei in Zentralchina begann, ist aufgrund der anhaltenden Übertragung von Mensch zu Mensch über mehrere Generationen in vielen Ländern auf globaler Ebene von der WHO am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt worden. Noch bevor China am 23. Januar 2020 einen „Cordon sanitaire“ einrichtete, eine Taktik, welche die Bewegung in und aus von COVID-19 betroffenen Gemeinden in der Provinz Hubei einschränkte, waren Millionen von Menschen aus Hubei gereist, um Familie und Freunde mit dem Herannahen des Mond-Neujahrs zu besuchen. Die Fallzahlen stiegen dann in den umgebenden Provinzen Festlandchinas und kurz danach außerhalb von Festlandchina stark an.

Bis zur zweiten Februarwoche 2020 wurden rund 45.000 bestätigte Fälle aus Festlandchina berichtet, hauptsächlich aus der Provinz Hubei, und als die Anzahl der berichteten Fälle rund 70.000 erreichte, begann sich die Fallzahl in Festlandchina abzuschwächen. Die tatsächliche Anzahl der Fälle in China war vermutlich wesentlich höher, da aufgrund der Knappheit von diagnostischen Testkits wahrscheinlich nur die schwersten, hospitalisierten Fälle in Berichten aufgeführt sind. Eine große Anzahl von leichteren Infektionen in der Gemeinschaft, die undiagnostiziert und nicht isoliert blieben, schränkten wahrscheinlich die Bemühungen zur Kontrolle der fortgesetzten Ausbreitung dieser Infektion ein.

Das Ausmaß, in dem sich die Pandemie ausbreiten wird, sowie die Anzahl der Personen, die infiziert werden, und der Prozentsatz und die Gesamtzahl derjenigen, welche sterben werden, bleiben weiterhin unbekannt. Es wird geschätzt, dass über 40 % der Bevölkerung mit SARS-CoV-2 infiziert werden können. Obwohl die Mehrheit der mit diesem Coronavirus infizierten Personen nicht ernsthaft krank wird, weist ein großer Teil der erwachsenen US-Bevölkerung, 105 Millionen Menschen, aufgrund ihres Alters oder zugrunde liegenden Gesundheitszustands ein höheres Risiko für schwere Erkrankung und Tod auf, wenn sie infiziert sind. Gemäß einer Studie aus der Kaiser Family Foundation umfasst diese Gruppe rund 75 Millionen, die älter sind (60 Jahre alt und älter) und 30 Millionen Erwachsene im Alter von 18 bis 59 Jahren, die einen zugrunde liegenden Gesundheitszustand aufweisen (z. B. Herzerkrankung, Krebs, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung [COPD] oder Diabetes).

Zusätzlich zum Cordon-Sanitaire hat die „Herdenimmunität“ möglicherweise zur Verlangsamung der Übertragung von Mensch zu Mensch in China beigetragen. Herdenimmunität entsteht, wenn ein ausreichend großer Anteil der Bevölkerung nach der Infektion immun gegen SARS-CoV-2 wird und so eine Barriere um anfällige Menschen herum schafft, die diese vor der Infektion schützt. Je ansteckender eine Krankheit ist, desto höher ist der Prozentsatz immuner Personen, der erforderlich ist, um diese Barriere zu schaffen. Für eine hochgradig ansteckende Erkrankung wie Masern sind 95 % der Bevölkerung erforderlich, um eine Herdenimmunität zu schaffen. Der für COVID-19 erforderliche Prozentsatz ist zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Eine Impfung könnte eine Herdenimmunität schaffen, doch bislang ist kein Impfstoff gegen COVID-19 verfügbar.

Hintergrund: Klinisch

COVID-19 kann schwerwiegend sein: In Wuhan befanden sich 5 % der hospitalisierten Patienten in einem kritischen Zustand, der eine Aufnahme in die Intensivpflegestation (IPS) erforderte, und 2,3 % benötigten eine mechanische Beatmung. In Singapur benötigten 11 % eine IPS-Aufnahme, und derzeit benötigen 16 % der hospitalisierten Patienten in Italien eine IPS-Aufnahme. Die bisherige Sterblichkeitsrate für COVID-19 scheint niedriger zu sein als die des schweren akuten respiratorischen Syndroms (SARS) und des Nahost-Atemwegssyndroms (MERS), jedoch viel höher als die von Grippe. Obwohl insgesamt weniger als 0,1 % der Fälle an Grippe sterben, stirbt ein viel höherer Anteil von älteren Personen mit Grippe. Obwohl in ähnlicher Weise insgesamt rund 3 % der symptomatischen COVID-19-Patienten in Hubei starben, verstarben über 30 % von diesen im Alter von über 80 Jahren.

Tests

Die Untersuchung auf Coronavirus basiert auf der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), einem Prozess, der einen Teil der einzigartigen genetischen Marker eines Virus in einer klinischen Probe (z. B. Sputum, ein Nasopharynx- oder Oropharynxabstrich oder Stuhl) erkennt und dann verstärkt. Positive Ergebnisse deuten auf eine aktive Infektion hin. Die Erkennung des genetischen Materials des Virus in einer Probe bedeutet jedoch nicht, dass der Patient das Lebendvirus ausscheidet, welches andere infizieren kann. Um das festzustellen, würde eine Kultur der Probe für das Lebendvirus benötigt. Negative PCR-Ergebnisse schließen COVID-19 nicht aus und müssen mit der Krankengeschichte, klinischen Beobachtungen und epidemiologischen Informationen kombiniert werden. Der gegenwärtige Leitfaden empfiehlt PCR-Tests nach dem Abklingen der Symptome in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Atemwegsproben, die mindestens 24 Stunden voneinander getrennt vor der Entlassung zurück in die Gemeinschaft entnommen werden.

Tests zum Vorliegen des genetischen Materials von SARS-CoV-2 bei Personen sind aus mehreren weiteren Gründen wichtig. Je nachdem, wer getestet wird, kann man außerdem bestimmen, wie häufig leichte Fälle auftreten, präziser bestimmen, wie tödlich dieses Virus ist, bestimmen, wie oft es Kinder mit und ohne Symptome infiziert, und wie oft Personen es vor dem Auftreten von Symptomen verbreiten.

Eindämmung und Minderung

Eindämmung, eine Strategie, die zu Beginn eines Ausbruchs angewendet wird, umfasst die Erkennung und Isolierung von Fällen sowie die Identifizierung und in Quarantäne-Stellung von Kontaktpersonen, um Menschen von der Verbreitung der Infektion abzuhalten. Da es nun jedoch eine lokale Verbreitung von Mensch zu Mensch gibt, sind zusätzliche sogenannte Minderungsstrategien notwendig.

Beispiele für Minderung umfassen:

  • Bei Krankheit zu Hause bleiben
  • Händewaschen
  • Die Atmung betreffende Verhaltensregeln
  • Tägliche Reinigung häufig berührter Oberflächen
  • Vermeidung großer Zusammenkünfte oder anderer Situationen für mögliche Expositionen, einschließlich Reisen in Flugzeugen oder auf Kreuzfahrtschiffen
  • Maßnahmen zur sozialen Distanz wie Fernstudium, Arbeit von zu Hause, Video- oder Telefonkonferenzen und Streichung öffentlicher Veranstaltungen mit mehr als einer kleinen Anzahl von Teilnehmern, einschließlich Konzerte, Tagungen, Theater, Sportveranstaltungen, Gottesdienst, Universitätskurse und Schulklassen usw.

 

Das Ziel besteht darin, die Anzahl der Fälle zu verringern, die das Gesundheitssystem einbinden, bis ein Impfstoff oder Medikament allgemein verfügbar ist, d. h. die Kurve der Fälle abzuflachen, die im Laufe der Zeit auftreten, anstatt sie exponentiell ansteigen zu lassen. Die gleiche Anzahl von Fällen, die sich über einen längeren Zeitraum verbreiten, besitzt weniger Potenzial, um Ressourcen für die Gesundheitsfürsorge zu überfordern, insbesondere Betten auf Intensivpflegestationen und verfügbare Ventilatoren.

 

Startseite  der Quellen  zu COVID-19