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Tremor

Von

Hector A. Gonzalez-Usigli

, MD, HE UMAE Centro Médico Nacional de Occidente

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Quellen zum Thema

Tremores sind unwillkürliche, rhythmische, oszillierende Bewegungen der reziproken antagonistischen Muskelgruppen; typischerweise gehören dazu Hände, Kopf, Gesicht, Stimmbänder, Rumpf oder Beine. Die Diagnose wird klinisch gestellt. Die Behandlung ist abhängig von der Ursache und Art des Tremors und kann Vermeidung von Auslösern (physiologisch), Propranolol oder Primidon (essenziell), physikalischer Therapier (zerebellär), Levodopa (M. Parkinson) oder Tiefenhirnstimulation (zu Behinderung führend und arzneimittelrefraktär) beinhalten.

Tremor kann sein

  • Normal (physiologische)

  • Pathologische

Ein physiologischer Tremor, der in der Regel kaum wahrnehmbar ist, wird bei vielen Menschen bei körperlichem oder psychischem Stress erkennbar.

Tremors variieren in

  • Erscheinungsmuster (z. B. intermittierend, konstant)

  • Schweregrad

  • Schärfe (z. B. schrittweise, abrupt)

Die Schwere des Tremors muss nicht mit der Schwere der zugrunde liegenden Erkrankung zusammenhängen. Zum Beispiel wird ein essentieller Tremor allgemein als gutartig angesehen und sollte das Leben nicht verkürzen, aber die Symptome können deaktivierend sein, und die Kleinhirndegeneration wurde in einigen neuropathologischen Studien entdeckt.

Pathophysiologie

Verschiedene Läsionen in Hirnstamm, extrapyramidalem System oder Kleinhirn können Tremores verursachen. Neuronale Dysfunktion oder Läsionen, die Tremor verursachen, können von Verletzungen, Ischämie, Stoffwechselstörungen oder einer neurodegenerativen Erkrankung herrühren. Manchmal ist ein Tremor familiär bedingt (z. B. essenzieller Tremor).

Einteilung

Die Klassifikation von Tremores beruht primär darauf, wann er auftritt:

  • Ruhetremores sind im Ruhezustand erkennbar und treten auf, wenn ein Körperteil vollständig gegen die Schwerkraft unterstützt wird. Ruhenremores sind bei Aktivität minimal ausgeprägt oder fehlen ganz. Sie treten auf mit einer Frequenz von 3–6 Zyklen/s (Hz).

  • Aktionstremores sind maximal ausgeprägt, wenn ein Körperteil willkürlich bewegt wird. Aktionstremores können, nachdem ein Ziel erreicht ist, in ihrer Schwere variieren oder auch nicht; sie können mit sehr unterschiedlichen Frequenzen auftreten, die aber immer < 13 Hz liegen. Zu den Aktionstremores gehören kinetische, intentionale und der posturale Tremores.

  • Kinetische Tremores erscheinen im letzten Abschnitt einer Bewegung in Richtung auf ein Ziel; die Amplitude ist niedrig.

  • Intentionale Tremores treten auf während willkürlicher Bewegungen in Richtung auf ein Ziel, jedoch ist während der gesamten Bewegung die Amplitude hoch und die Frequenz niedrig, wobei sich der Tremor verschlimmert, wenn das Ziel erreicht ist (zu beobachten beim Finger-zu-Nase-Test); die Frequenz liegt bei 3–10 Hz.

  • Posturale Tremores sind maximal ausgeprägt, wenn eine Extremität in einer fixen Position gegen die Schwerkraft gehalten wird (z. B. ausgestreckte Arme); die Frequenz liegt bei 5–8 Hz. Manchmal werden sie durch bestimmte Positionen oder Tätigkeiten modifiziert, die ihren Ursprung anzeigen können, z. B. kann eine Dystonie einen Tremor auslösen (dystonischer Tremor).

Komplexe Tremores können Komponenten von mehr als einer Art von Tremor haben.

Tremor kann auch basierend darauf klassifiziert werden, ob dies der Fall ist

  • Physiologisch (im Bereich des Normalen)

  • Eine Primärstörung (essentieller Tremor, Parkinson-Krankheit)

  • Sekundär zu einer Störung (z. B. Schlaganfall)

Ein Tremor wird üblicherweise anhand der Oszillationsfrequenz (schnell oder langsam) und der Amplitude der Bewegung (fein- oder grobschlägig) beschrieben.

Ätiologie

Physiologischer Tremor

Physiologischer Tremor kommt bei ansonsten gesunden Menschen vor. Es handelt sich um einen Aktions- oder Haltetremor, der tendenziell beide Hände gleichermaßen betrifft; die Amplitude ist in der Regel feinschlägig. Er ist oft nur erkennbar, wenn bestimmte Stressoren vorhanden sind. Diese Stressoren sind

  • Ängstlichkeit

  • Müdigkeit

  • Körperliche Betätigung

  • Schlafmangel

  • Entzug von Alkohol oder bestimmten anderen Substanzen, die das ZNS dämpfen (z. B. Benzodiazepine, Opioide)

  • Bestimmte Erkrankungen (z. B. Hperthyreose), sofern sie symptomatisch sind

  • Konsum von Koffein oder Freizeitdrogen wie Kokain, Amphetamine oder Phencyclidin

  • Gebrauch bestimmter therapeutischer Wirkstoffe wie Theophyllin, Beta-adrenerge Agonisten, Kortikosteroide und Valproat

Pathologischer (unphysiologischer) Tremor

Es gibt viele Ursachen (siehe Tabelle: Ursachen von Tremores), die häufigsten sind

  • Bei Aktions- oder posturalem Tremor: Essenzieller Tremor

  • Bei Ruhetremor: MP

  • Bei intentionalem Tremor: Dysfunktion des Kleinhirns (z. B. durch Schlaganfall, Trauma oder multiple Sklerose)

Tabelle
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Ursachen von Tremores

Ursache

Befunde, die auf die Störung hinweisen

Diagnostischer Ansatz

Aktionstremor

Alkohol- oder Drogen-/Arzneimittelentzug (z. B. Benzodiazepine oder Opioide)

Agitation und feinschlägiger Tremor ab 24–72 h nach der letzten Aufnahme von Alkohol oder der Substanz (z. B. ein Benzodiazepin)

Manchmal Hypertonie, Tachykardie oder Fieber, v. a. bei hospitalisierten Patienten

Klinische Beurteilung

Substanzgebrauch in der Anamnese

Besserung des Tremors nach Absetzen der Substanz

Endokrine, metabolische und toxische Anomalien

Tremor plus veränderter Bewusstseinszustand (deutet auf eine Enzephalopathie hin) und eine offensichtliche zugrunde liegende Erkrankung (z. B. Nieren- oder Leberversagen)

Exophthalmus, Hyperreflexie, Tachykardie, Wärmeintoleranz (deutet auf eine Hyperthyreose hin)

Extreme, therapierefraktäre Hypertonie (deutet auf ein Phäochromozytom hin)

TSH-Spiegel

24-h-Sammelurin zur Überprüfung von Metanephrinen und Messung der Ammoniakspiegel, BUN (Blut-Harnstoff-Stickstoff), Glukose-, Kalzium und PTH-Spiegel

Test auf Schwermetalle

Essenzieller Tremor

Schrittweise persistenter grob- oder feinschlägiger, langsamer (4–8 Hz) Tremor, in der Regel symmetrisch, betrifft sowohl beide oberen Extremitäten und manchmal den Kopf und die Stimme, insbesondere bei Patienten mit Tremor in der Familienanmnese

Klinische Beurteilung

Physiologischer Tremor

Feinschlägiger, schneller (8–13 Hz) Tremor, der bei ansonsten gesunden Menschen auftritt und durch bestimmte Medikamente oder Umstände verbessert werden kann (s. oben)

Üblicherweise Unterdrückung des Tremors mit niedrigen Dosen von Alkohol und anderen Sedativa

Klinische Beurteilung

Ruhetremor

Substanzinduzierter Parkinsonismus

Substanzgebrauch in der Anamnese

Besserung des Tremors nach Absetzen der Substanz

Niederfrequenter (3–5 Hz) alternierenderTremor, häufig des Daumens gegen den Zeigefinger (Pillendrehen), manchmal aber auch des Kinns oder eines Beins

In der Regel begleitende andere Symptome wie Mikrographie, Bradykinesie (langsame Bewegung), Zahnradphänomen und schlurfender Gang

Oft keine Familienanamnese mit Parkinson-Tremor und kein Abnehmen des Tremors nach Alkoholkonsum

Spezifische klinische Kriterien

Gutes Ansprechen auf empirischen Versuch mit dopaminergen Medikamenten

Intentionaler Tremor

Kleinhirnläsionen

Niederfrequenter (< 4 Hz) Tremor, der in der Regel einseitig auftritt mit Ataxie, Dysmetrie, Dysdiadochokinesie (Unfähigkeit zu raschen Bewegungswechseln) und Dysarthrie

Bei einigen Patienten Familienanamnese mit der Erkrankung (z. B. Friedreich-Ataxie)

MRT des Gehirns

Substanzinduziert

Anamnese mit Drogenkonsum/Arzneimittelgebrauch

Besserung des Tremors nach Beenden des Drogenkonsums/Arzneimittelgebrauchs

Komplexe Tremores

Holmes-Tremor (Mittelhirn-, Nucleus-ruber-, Ruber- oder Thalamus-Tremor)

Unregelmäßiger, niederfrequenter (< 4,5 Hz) Tremor überwiegend in den proximalen Extremitäten

Kombination von Ruhe-, posturalem und intentionalem Tremor bedingt durch Mittelhirnläsionen (z. B. aufgrund von Schlaganfall oder multipler Sklerose) in der Nähe des Nucleus ruber

Manchmal Anzeichen von Ataxie und Schwäche

MRT des Gehirns

Neuropathischer Tremor

Art und Frequenz des Tremors variabel, üblicherweise posturaler und intentionaler Tremor in den betroffenen Extremitäten

Weitere Symptome peripherer Neuropathie

Elektromyographie

Psychogener Tremor

Plötzliches Auftreten und/oder spontane Remission von komplexem gemischtem Tremor mit wechselnden Eigenschaften

Wird durch die Aufmerksamkeit des Patienten verstärkt und durch Ablenkung vermindert

Klinische Beurteilung

Variabler Tremor (üblicherweise im proximalen Arm) bei Kindern oder jungen Erwachsenen, oft mit Anzeichen von Leberversagen, Rigor, schwerfälligem Gang, Dysarthrie, unangemessenem Grinsen, vermehrtem Speichelfluss und neuropsychiatrische Anzeichen

24-h-Sammelurin zur Bestimmung des Kupferspiegels; Serum-Coeruloplasmin

Spaltlampenuntersuchung, um auf Kayser-Fleischer-Ring um die Iris zu prüfen (verursacht durch Kupferablagerung)

PTH = Parathormon; SHV = Schädel-Hirn-Verletzung; TSH = Schilddrüsen-stimulierendes Hormon.

Drogen/Arzneimittel (siehe Tabelle: Drogen-/arzneimittelbedingte Tremorursachen, geordnet nach der Art des Tremors) können verschiedene Arten von Tremor verursachen oder verstärken. Niedrige Dosen von einigen Sedativa (z. B. Alkohol) können einige Tremores lindern (z. B. essenziellen und physiologischen Tremor); höhere Dosen können Tremor verursachen oder auslösen.

Tabelle
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Drogen-/arzneimittelbedingte Tremorursachen, geordnet nach der Art des Tremors

Droge/Arzneimittel

Posturaler Tremor

Ruhetremor (drogen-/arzneimtielinduzierter Parkinsonismus)

Intentionaler Tremor

Amiodaron*

Amitriptylin*

Amphotericin B

Beta-Agonisten (inhalativ)*

Koffein*

Calcitonin

Cimetidin

Kokain*

Cyclosporin*

Cytarabin

Adrenalin

Ethanol*

Haloperidol*

Ifosfamid

Interferon-alpha

Lithium*

MDMA (Ecstasy)

Medroxyprogesteron

Metoclopramid*

Mexiletin

Nikotin*

Procainamid

Reserpin

SSRI*

Tacrolimus

Tamoxifen

Theophyllin*

Thioridazin*

Thyroxin*

Valproat*

Vidarabin

* Weitere häufige Tremor-Ursache.

MDMA = Methylendioxymethamphetamin

Daten von Morgan JC, Sethi KD: Drug-induced tremors. The Lancet Neurology 4:866–876, 2005.

Abklärung

Da die Diagnose Tremor weitgehend klinisch gestellt wird, sind eine sorgfältige Anamnese und eine körperliche Untersuchung unerlässlich.

Anamnese

Die Anamnese der jetzigen Krankheit sollte abdecken

  • Schärfe des Ausbruchs (z. B. schrittweise, abrupt)

  • Alter bei Beginn

  • betroffen e Körperteile

  • Provozierende Faktoren (z. B. Bewegung, Ruhe, stehend)

  • Lindernde oder verschlimmernde Faktoren (z. B. Alkohol, Koffein, Stress, Angst)

Bei abruptem Beginn sollten die Patienten nach potenziellen auslösenden Ereignissen gefragt werden (z. B. kürzlich erlittenes Trauma oder Krankheit, Verwendung eines neuen Medikaments).

Eine Überprüfung der Organsysteme sollte nach Symptomen der ursächlichen Erkrankungen forschen, einschließlich

Die Anamnese sollte die Zustände abdecken, die mit Tremor in Zusammenhang stehen (siehe Tabelle: Ursachen von Tremores). Die Familienanamnese sollte Fragen zu Tremor bei Verwandten 1. Grades beinhalten. Das Medikamentenprofil sollte auf ursächliche Substanzen überprüft werden (siehe Tabelle: Drogen-/arzneimittelbedingte Tremorursachen, geordnet nach der Art des Tremors), und die Patienten sollten speziell nach Koffein- und Alkoholkonsum und den Gebrauch von Freizeitdrogen (v. a. nach der letzten Unterbrechung der Einnahme) gefragt werden.

Körperliche Untersuchung

Eine vollständige und umfassende neurologische Untersuchung ist obligatorisch und sollte die Evaluierung von mentalem Status, Hirnnerven, motorischer und sensorischer Funktion, Gang, Muskeldehnungsreflexen und Kleinhirnfunktion (mit Beobachtung von Finger-Nase-, Schienbein-Hacken- und schnell wechselnden Handbewegungen) beinhalten. Der Untersucher sollte die Muskeln auf Steifigkeit testen, indem er die Extremitäten über ihren Bewegungsbereich hinweg bewegt.

Die Vitalzeichen sollten auf Tachykardie, Hypertonie oder Fieber überprüft werden. Die allgemeine Untersuchung sollte jede Kachexie, psychomotorische Unruhe und das Fehlen von Mimik (das eine Bradykinesie anzeigen kann) dokumentieren. Die Schilddrüse sollte auf Knötchen und Vergrößerung getastet werden, und alle Anzeichen von Exophthalmus oder Verlangsamung der Augenlider sollten notiert werden.

Fokussierte Untersuchung sollte Verteilung und Häufigkeit der Tremor beachten, während

  • Die betroffenen Körperteile sind in Ruhe und voll unterstützt (z. B. auf dem Schoß des Patienten).

  • Der Patient nimmt bestimmte Haltungen ein (z. B. den ausgestreckten Armen halten).

  • Der Patient läuft oder verrichtet Aufgaben mit dem betroffenen Körperteil.

Der Untersuchuer sollte beachten, ob der Tremor sich während geistiger Ablenkungsaufgaben (z. B. serielle Subtraktion: 100 minus 7) verändert. Die Qualität der Stimme sollte beobachtet werden, während der Patient einen langen Ton hält.

Warnzeichen

Die folgenden Ergebnisse sind von besonderer Bedeutung:

  • Abrupter Beginn

  • Beginn bei Menschen < 50 Jahre und ohne Familienanamnese mit benignem Tremor

  • Weitere neurologische Defizite (z. B. Veränderung des mentalen Status, motorische Schwäche, Hirnnervenlähmung, ataktischer Gang, Dysarthrie)

  • Tachykardie und Unruhe

Interpretation der Befunde

Klinische Befunde tragen zur Annahme einer Ursache bei (siehe Tabelle: Ursachen von Tremores).

Art und Beginn des Tremors sind nützliche Anhaltspunkte:

  • Ruhentremores zeigen normalerweise M. Parkinson an, insbesondere dann, wenn sie einseitig auftreten oder auf Kinn, Stimme oder Bein beschränkt sind.

  • Intentionale Tremores deuten auf eine Störung des Kleinhirns hin, sie können aber auch von multipler Sklerose oder M. Wilson herrühren.

  • Posturaler Tremor spricht bei schrittweisem Beginn für einen physiologischen oder essenziellen Tremor; bei plötzlichem Beginn deutet er auf eine toxische oder metabolische Störung hin.

Starker essenzieller Tremor wird oft mit M. Parkinson verwechselt, er kann aber in der Regel anhand von spezifischen Merkmalen unterschieden werden (siehe Tabelle: Merkmale zur Differenzierung von M. Parkinson und essenziellem Tremor). Gelegentlich überschneiden sich die beiden Syndrome (Mischung aus essenziellem Tremor und M. Parkinson).

Tabelle
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Merkmale zur Differenzierung von M. Parkinson und essenziellem Tremor

Merkmal

M. Parkinson

Essenzieller Tremor

Art des Tremors

Ruhetremor

Posturaler und intentionaler Tremor

Alter

Höheres Alter (> 60 Jahre)

Alle Altersgruppen

Familienanamnese

In der Regel negativ

Positiv bei >60% der Patienten

Alkohol

Kein Nutzen

Oft vorteilhaft

Beginn des Tremors

Einseitig

Beidseitig

Muskeltonus

Zahnrad-Steifigkeit

Normal

Gesichtsausdruck

Vermindert

Normal

Gang

Verminderter Armschwung

Normales oder leichtes Ungleichgewicht

Latenz des Tremors

Länger (8–9 s)

Kürzer (1–2 s)

Die folgenden Befunde können eventuell helfen die Ursache zu bestimmen:

  • Ein plötzlicher Beginn ist typisch für psychogenen Tremor.

  • Schrittweise Progression lässt auf eine ischämische Gefäßerkrankung oder Multiple Sklerose schließen

  • Entwickelt sich ein Tremor nach der Anwendung eines neuen Arzneimittels, legt dies nahe, dass das Medikament die Ursache ist.

  • Setzt der Tremor mit Unruhe, Tachykardie und Hypertonie innerhalb von 24–72 h nach Aufnahme in ein Krankenhaus ein, kann dies auf Entzug von Alkohol, einem Sedativ oder einer illegalen Substanz hindeuten.

Der Gang wird beobachtet. Gangstörungen können auf multiple Sklerose, Schlaganfall, M. Parkinson oder eine Störung des Kleinhirns hinweisen. Der Gang ist charakteristischerweise kleinschrittig und schlurfend bei M. Parkinson und ausladend und ataxtisch bei zerebellären Störungen. Der Gang kann bei Patienten mit psychogenen Tremor theatralische oder inkonsistente Merkmale aufweisen. Bei Patienten mit essenziellem Tremor ist der Gang oft normal, aber der Tandemgang (die Ferse des einen Fußes berührt die Spitze des anderen) kann anormal sein.

Ein komplexer Tremor, der mit geistiger Ablenkung abnimmt oder dessen Frequenz einen willkürlichen Klopfrhythmus eines nichtbetroffenen Körperteils mit einbezieht (die simultane Aufrechterhaltung von 2 verschiedenen Frequenzen von Willkürbewegungen in 2 verschiedenen Körperteilen ist schwierig) spricht für einen psychogenen Tremor.

Tests

Bei den meisten Patienten sind Anamnese und körperliche Untersuchung ausreichend, um die wahrscheinliche Ätiologie zu identifizieren. Allerdings sollte eine MRT oder CT des Gehirns durchgeführt werden, wenn

  • Der Beginn des Tremors akut ist.

  • Die Progression sehr schnell ist.

  • Neurologische Anzeichen auf einen Schlaganfall, eine demyelinisierende Erkrankung oder eine strukturelle Läsion hindeuten.

Wenn die Ursache des Tremors unklar ist, (basierend auf Anamnese und Befunde der körperlichen Untersuchung), wird Folgendes getan:

  • Thyroid-stimulierendes Hormon (TSH) und Thyroxin (T4) werden gemessen, um zu überprüfen, ob eine Hyperthyreose vorliegt.

  • Kalzium und Parathormon werden gemessen, um auf Hyperparathyreoidismus zu untersuchen.

  • Glukose wird gemessen, um eine Hypoglykämie auszuschließen.

Bei Patienten mit toxischer Enzephalopathie ist die zugrunde liegende Störung in der Regel leicht ersichtlich, aber die Bestimmung der BUN (Blut-Harnstoff-Stickstoff)- und Ammoniakspiegel kann dazu beitragen, die Diagnose zu bestätigen. Die Bestimmung von freiem Metanephrin im Plasma ist bei Patienten mit ungeklärter refraktärer Hypertonie indiziert; Serum-Coeruloplasmin und Kupferspiegel im Harn sollten gemessen werden bei Patienten < 40 Jahre und mit Tremor unklarer Genese (mit oder ohne Parkinsonismus) und ohne Familienanamnese mit benignem Tremor.

Obwohl mit der Elektromyographie (EMG) ein echter Tremor von anderen Bewegungsstörungen (z. B. Myoklonus, Klonus, Epilepsia partialis continua) unterschieden werden kann, ist diese nur selten erforderlich. Allerdings kann ein EMG bei klinischem V. a. Neuropathie dazu beitragen, eine periphere Neuropathie als mögliche Ursache des Tremors zu identifizieren.

Behandlung

Physiologische Tremores

Es ist keine Behandlung nötig, sofern die Symptome nicht stören. Das Vermeiden von Auslösern (wie Koffein, Müdigkeit, Schlafmangel, Drogen/Arzneimittel und, wenn möglich, Stress und Angst) kann helfen, die Symptome zu verhindern oder zu reduzieren.

Ein durch Alkoholentzug oder eine Hyperthyreose verstärkter physiologischer Tremor spricht auf die Behandlung der zugrunde liegenden Störung an.

Orale Benzodiazepine (z. B. Diazepam 2–10 mg, Lorazepam 1–2 mg, Oxazepam 10–30 mg) 3- bis 4-mal/Tag können bei Patienten mit Tremor und chronischer Ängstlichkeit hilfreich sein, jedoch sollte eine kontinuierliche Einnahme vermieden werden. Propranolol 20–80 mg p.o. 4-mal/Tag (und andere Beta-Rezeptorenblocker) sind häufig wirksam bei Tremor, der durch Medikamente oder akute Angst verstärkt wird (z. B. Lampenfieber).

Essenzielle Tremores

Propranolol 20–80 mg p.o. 4-mal/Tag (und andere Beta-Rezeptorenblocker) sind häufig wirksam, wie etwa Primidon 50–250 mg 2-mal/Tag. Bei einigen Patienten ist eine kleine Menge Alkohol wirksam; jedoch wird Alkohol nicht routinemäßig zur Behandlung empfohlen, da Missbrauch ein Risiko datstellt.

Second-Line-Medikamente sind Topiramat 25 bis 100 mg p.o. 2-mal täglich und Gabapentin 300 mg p.o. 2-mal oder 3-mal täglich. Benzodiazepine können hinzugefügt werden, wenn andere Medikamente nicht das Zittern kontrollieren.

Zerebelläre Tremores

Es gibt keine effektive medikamentöse Therapie; manchmal helfen physikalische Therapien (z. B. Anbringen eines Gewichts an der betroffenen Extremität oder Anleitung des Patienten, die proximale Extremität während der Aktivität zu abzustützen).

Parkinson-Tremores

M. Parkinson wird behandelt.

Levodopa ist für die meisten Parkinson-Tremores in der Regel die Behandlung der Wahl.

Anticholinergika können in bestimmten Fällen in Betracht gezogen werden, aber ihre negativen Auswirkungen (verminderte geistige Konzentration, trockener Mund, trockene Augen, Harnretention und die Möglichkeit, dass sie die Tau-Pathologie verbessern) können ihre Vorteile überwiegen, vor allem bei älteren Menschen.

Andere Medikamente sind Dopaminagonisten (z. B. Pramipexol, Ropinirol), MAO-B-Hemmer (Selegilin, Rasagilin), Catechol-O-Methyltransferase(COMT)-Hemmer (Entacapon, Tolcapon–Verwendung nur in Kombination mit Levodopa) und Amantadin.

Tremor, der zu Behinderung führt

Bei schwerem, arzneimittelrefraktärem essenziellem Tremor, der zu Behinderung führt, kann eine chirurgische Behandlung mit einseitiger stereotaktischer Thalamotomie oder chronischer uni- oder bilateraler thalamischer Tiefenhirnstimulation in Betracht gezogen werden.

Ein dystoner Tremor kann besser auf funktionelle Neurochirurgie ansprechen, die gezielt auf den Globus pallidus internus gerichtet ist.

Bei M. Parkinson verringert sich der Tremor nach Tiefenhirnstimulation von Thalamus, Globus pallidus internus oder Nucleus subthalamicus wesentlich.

Obwohl diese Methoden allgemein verfügbar sind, sollten sie nur angewandt werden, nachdem eine angemessene medikamentöse Therapie fehlgeschlagen ist, und nur bei Patienten, die keine erheblichen kognitiven oder psychiatrischen Beeinträchtigungen haben.

Geriatrische Grundlagen: Tremor

Viele ältere Patienten schreiben die Entwicklung eines Tremors der normalen Alterung zu und holen keinen ärztlichen Rat ein. Obwohl der essenzielle Tremor bei älteren Menschen häufiger vorkommt, sind eine gründliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung erforderlich, um andere Ursachen auszuschließen und um festzustellen, ob die Symptome schwerwiegend genug sind, um eine medikamentöse oder chirurgische Behandlung zu rechtfertigen.

Vergleichsweise geringe Dosen von Medikamenten können bei älteren Menschen einen Tremor verschärfen, und es sollte eine Dosisanpassung der chronisch verwendeten Medikamente (z. B. Amiodaron, Metoclopramid, SSRI, Thyroxin) auf die niedrigste wirksame Dosis in Betracht gezogen werden. Gleichermaßen sind ältere Patienten anfälliger für unerwünschte Wirkungen von Medikamenten zur Tremorbehandlung; diese Medikamente sollten also bei älteren Menschen mit Vorsicht eingesetzt werden, in der Regel in niedrigeren Dosierungen, als sie anderweitig als optimal gelten. Wenn möglich, sollten Anticholinergika nicht bei älteren Menschen eingesetzt werden.

Ein Tremor kann erhebliche Auswirkungen auf Funktionsfähigkeit bei älteren Menschen haben, besonders wenn sie weitere körperliche oder kognitive Einschränkungen aufweisen. Physio- und Ergotherapie können einfache Bewältigungsstrategien anbieten, und Hilfsmittel können zur Aufrechterhaltung der Lebensqualität beitragen.

Wichtige Punkte

  • Ein Tremor kann als Ruhe- oder Aktionstremor (der intentionale, kinetische und posturale Tremores einschließt) klassifiziert werden.

  • Die häufigsten Ursachen von Tremor umfassen physiologischen Tremor, essenziellen Tremor und M. Parkinson.

  • Anamnese und körperliche Untersuchung können in der Regel die Ätiologie des Tremors identifizieren.

  • Erwägen Sie M. Parkinson, wenn die Patienten einen Ruhetremor aufweisen, erwägen Sie einen essenziellen oder physiologischen Tremor, wenn sie einen posturalen oder Aktionstremor haben, und erwägen Sie einen zerebellären Tremor bei intentionalem Tremor.

  • Wenn der Tremor abrupt einsetzt oder bei Patienten < 50 Jahre auftritt, die keine Familienanamnese mit benignem Tremor haben, klären Sie sie schnell und gründlich ab

  • Behandeln Sie nach der Ursache und Art des Tremors: Vermeidung von Auslösern (physiologisch), Propranolol oder Primidon (essenziell), physikalische Therapie (zerebellär), üblicherweise Levodopa (M. Parkinson) und evtl. Tiefenhirnstimulation (zu Behinderung führend und arzneimittelrefraktär).

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