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M. Huntington

(Huntington-Krankheit; Chorea Huntington, chronisch progressive Chorea, hereditäre Chorea)

Von

Hector A. Gonzalez-Usigli

, MD, HE UMAE Centro Médico Nacional de Occidente

Inhalt zuletzt geändert Feb 2017
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Quellen zum Thema

M. Huntington ist eine autosomal-dominant vererbte Krankheit, die durch Chorea, neuropsychiatrische Symptome und progressiven kognitiven Abbau charakterisiert ist und die üblicherweise im mittleren Lebensalter beginnt. Die Diagnose wird durch einen Gentest gestellt. Verwandten ersten Grades sollte eine genetische Beratung angeboten werden, bevor genetische Tests durchgeführt werden. Die Behandlung ist unterstützend.

M. Huntington betrifft beide Geschlechter gleichermaßen.

Pathophysiologie

Der Nucleus caudatus atrophiert, die inhibitorischen stachelzelligen Neuronen (spiny neurons) im Corpus striatum degenerieren, und die Spiegel der Neurotransmitter γ-Aminobuttersäure (GABA) und Substanz P nehmen ab.

M. Huntington kommt durch eine Mutation im huntingtin (HTT)-Gen (auf dem 4. Chromosom) zustande, die abnorme Repeats der DNA-Sequenz CAG hervorruft, die für die Aminosäure Glutamin kodiert. Das entsprechende Genprodukt, ein großes Protein namens Huntingtin, hat eine Expansion von Polyglutaminresten, die in den Neuronen akkumulieren und über unbekannte Mechanismen zur Krankheit führen. Je mehr CAG-Repeats vorliegen, desto früher beginnt die Krankheit und umso schwerer ist ihre Ausprägung (Phänotyp). Die Zahl der Repeats kann in den nachfolgenden Generationen steigen und innerhalb einer Familie mit der Zeit zu zunehmend schwerer erkrankten Phänotypen führen (sog. Antizipation).

Symptome und Beschwerden

Die Symptome von chorea Huntington entwickeln sich schleichend und beginnen, in Abhängigkeit von der phänotypischen Ausprägung, um das 35.–40. Lebensjahr.

Noch vor oder gleichzeitig mit der Bewegungsstörung entwickeln sich eine Demenz oder psychiatrische Störungen (z. B. Depression, Apathie, Reizbarkeit, Anhedonie, dissoziales Verhalten, voll ausgebildete bipolare oder schizophreniforme Störung).

Abnorme Bewegungen treten auf; dazu gehören Chorea, myoklonische Zuckungen und Pseudotics (eine Ursache von "Tourettismus"). Tourettismus bezieht sich auf Tourette-ähnliche Symptome, die aus einer neurologischen Erkrankung oder Verwendung eines Arzneimittels herrühren.

Typische Merkmale sind ein bizarrer, marionettenartiger Gang, Grimassieren, die Unfähigkeit, die Augen schnell willkürlich und ohne Blinzeln zu bewegen, oder Schleuderbewegungen des Kopfes (okulomotorische Apraxie) und die Unfähigkeit, eine motorische Handlung wie eine Zungenprotrusion oder Greifen aufrecht zu erhalten (motorische Unbeständigkeit).

Die Huntington-Krankheit schreitet voran, macht das Gehen unmöglich und das Schlucken schwierig; sie führt zu schwerer Demenz. Schließlich benötigen die meisten Patienten eine Heimeinweisung. Der Tod tritt meist innerhalb von 13–15 Jahren nach Einsetzen der Symptome ein.

Diagnose

  • Klinische Abklärung, bestätigt durch einen Gentest

  • Neuroradiologische Bildgebung

Die Diagnose von Chorea Huntington ist durch die typischen Symptome und eine positive Familienanamnese begründet und wird durch den Gentest bestätigt, der die Anzahl von CAG-Wiederholungen misst (zur Interpretation der Ergebnisse,siehe Tabelle: Gentests auf die Huntington-Krankheit)

Neuroradiologische Bildgebung trägt zur Identifizierung der Caudatus-Atrophie und oft einer frontal vorherrschenden kortikalen Atrophie bei.

Tabelle
icon

Gentests auf die Huntington-Krankheit

Anzahl der CAG-Wiederholungen

Interpretation

≤ 26

Normal

27–35

Normale aber instabil (erhöhtes Risiko, dass Kinder Huntington-Krankheit haben)

36–39

Abnormal mit variabler Penetranz; instabil (in einigen Studien hatten die meisten Patienten Symptome und Zeichen)

≥ 40

Abnormal mit vollständiger Penetranz

Behandlung

  • Unterstützende Maßnahmen

  • Genetische Beratung der Verwandten

Da die Huntington-Krankheit progredient ist, sollte frühzeitig über das medizinische und pflegerische Vorgehen im Terminalstadium gesprochen werden.

Die Behandlung von Chorea Huntington ist unterstützend.

Antipsychotika können teilweise Chorea und Agitation unterdrücken. Zu den Antipsychotika gehören

  • Chlorpromazine 25 bis 300 mg p.o. dreimal täglich

  • Haloperidol 5 bis 45 mg p.o. zweimal täglich

  • Risperidon 0,5 bis 3 mg p.o. zweimal täglich

  • Olanzapin 5–10 mg p.o. 1-mal täglich

  • Clozapin 12,5 bis100 mg p. o. einmal/Tag oder zweimal/Tag

Bei Patienten, die Clozapin einnehmen, muss die Leukozytenzahl häufig bestimmt werden, da ein Risiko für Agranulozytose besteht. Die Antipsychotikadosis wird so lange erhöht, bis nichttolerable Nebenwirkungen (z. B. Lethargie, Parkinsonismus) auftreten oder die Symptome unter Kontrolle gebracht wurden.

Alternativ kann Tetrabenazin eingesetzt werden. Die Initialdosis beträgt 12,5 mg p.o. einmal täglich und wird gesteigert auf 12,5 mg 2-mal/Tag in der 2. Woche, 12,5 mg 3-mal/Tag in der 3. Woche und 12,5 mg p.o. 4-mal/Tag in der 4. Woche. Dosen von> 12,5 mg p.o. 4-mal/Tag (Gesamtdosis von 50 mg p.o./Tag) werden in 3 Dosen/Tag gegeben; die Gesamtdosis wird 12,5 mg/Tag wöchentlich erhöht. Die maximale Dosis beträgt 33,3 mg p.o. 3-mal täglich (Gesamtdosis von 100 mg/Tag). Die Dosen werden sequenziell nach Bedarf erhöht, um die Symptome zu kontrollieren oder bis unerträgliche Nebenwirkungen auftreten. Unerwünschte Wirkungen können übermäßige Sedierung, Akathisie, Parkinsonismus und Depression beinhalten. Die Depression wird mit Antidepressiva behandelt.

Derzeit untersuchte Therapien zielen darauf ab, die glutamaterge Neurotransmission über den N-Methyl-d-Aspartat-Rezeptor zu verringern und die mitochondriale Energieproduktion zu verstärken. Therapien mit dem Ziel, die GABAerge Funktion im Gehirn zu steigern, haben sich als nicht wirksam erwiesen.

Personen, die erkrankte Verwandte 1. Grades mit Chorea Huntington haben, insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter und Männer, die erwägen, Kinder zu bekommen, sollten Beratung und Gentests angeboten werden. Die genetische Beratung sollte vor Gentests angeboten werden, da die Auswirkungen der Huntington-Krankheit so tiefgreifend sind.

Wichtige Punkte

  • M. Huntington, eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die beide Geschlechter betrifft, verursacht in der Regel im mittleren Lebensalter Demenz und Chorea.

  • Wenn Symptome und Familienanamnese für die Diagnose sprechen, führen Sie vor einem Gentest zunächst eine genetische Beratung durch und ziehen Sie neuroradiologische Bildgebung in Betracht.

  • Behandeln Sie die Symptome und diskutieren Sie die Betreuung im Terminalstadium schnellstmöglich.

  • Bieten Sie Verwandten 1. Grades, v. a. potenziellen Eltern, Beratung und Gentests an.

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