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H1N1-Influenza-Pandemie (Schweinegrippe) 2009

Von

Brenda L. Tesini

, MD, University of Rochester School of Medicine and Dentistry

Inhalt zuletzt geändert Feb 2021
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Die H1N1-Influenza-Pandemie 2009 wurde durch einen Stamm des H1N1 Influenza-A-Virus hervorgerufen, der genetisch eine Kombination aus Schweine-, Vogel- und menschlichen Influenza-Viren ist.

(Siehe auch Influenza.)

In den meisten Fällen sind die Schweine durch Stämme der Influenza infiziert worden, die sich geringfügig von denen, die Menschen infizieren, unterscheiden. Diese Stämme breiten sich sehr selten auf Menschen aus, und wenn sie es tun, dann verbreiten sie sich nur sehr selten von Mensch zu Mensch.

Das neue Influenza-H1N1-Virus A(H1N1)pmd09, ursprünglich als H1N1-Schweinegrippe-Virus bezeichnet, ist eine Kombination aus Schweine-, aviären und menschlichen Influenzaviren, die sich leicht von Mensch zu Mensch ausbreiten. Die Infektion wird nicht durch den Verzehr von Schweinefleisch erworben und auch nur sehr selten durch Kontakt mit infizierten Schweinen.

Im Juni 2009 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die H1N1-Schweinegrippe zur Pandemie. Sie verbreitete sich in > 70 Ländern und allen 50 US-Bundesstaaten. Die Mehrheit der Todesfälle traten anfangs in Mexiko auf. Die Anfallsrate und Mortalität für die Schweinegrippe H1N1 ist bei jungen und mittleren Erwachsenen höher und bei älteren Menschen niedriger als bei der saisonalen Grippe, möglicherweise weil jüngere Menschen nicht vorher mit ähnlichen Grippeviren in Berührung gekommen sind. Die Pandemie ist im August 2010 in die postpandemische Periode übergegangen. Anschließend wurde der Virusname zu Influenza A (H1N1)pdm09 standardisiert, um die Pandemie zu bezeichnen und das Virus von jahreszeitlich bedingten H1N1-Stämmen und dem H1N1-Stamm der Pandemie von 1918 zu unterscheiden. Seit 2009 zirkuliert Influenza A(H1N1)pdm09 als saisonale Influenza.

Wenn Menschen mit Influenza-Stämmen infiziert werden, die denen ähneln, die Schweine infizieren, werden die Stämme als Schweinevarianten-Viren bezeichnet und mit einem "v" (z. B. H3N2v) bezeichnet. Über 400 menschliche Fälle von H3N2v und mehrere Fälle von H1N1v- und H1N2v-Infektionen traten sporadisch in mehreren US-Bundesstaaten auf, wo Kinder und Erwachsene auf Landwirtschaftsmessen Kontakt sowohl mit kranken als auch mit scheinbar gesunden Hausschweinen hatten. Es gab auch Fälle von möglicher Übertragung von Mensch zu Mensch. Das H3N2-Virus hat Gene aus aviären, Schweine- und menschlichen Viren und das Matrix-(M)-Gen aus dem A(H1N1)pdm09-Virus; die meisten Fälle traten im Sommer 2012 auf.

Symptome und Beschwerden

Die Symptome, Anzeichen und Komplikationen der pandemischen H1N1-Influenza von 2009 ähneln denen der normalen influenza, obwohl Übelkeit, Erbrechen und Durchfall häufiger auftreten können. Die Symptome sind in der Regel schwach, aber sie können sich verschlimmern und zu Pneumonie oder Lungenversagen führen. Gegenwärtig zirkulierende Isolate scheinen ihre anfängliche Virulenz teilweise verloren zu haben.

Diagnose

  • Gegebenenfalls Testung von Proben aus den Atemwegen mittels Polymerase-Kettenreaktion

Ein PCR-Test kann das A(H1N1)pmd09-Virus in Proben aus den Atemwegen (z. B. Nasen-Rachen-Abstriche, Nasalwaschungen, Aspirate aus der Luftröhre) erkennen. Leicht erkrankte Patienten benötigen außer zu epidemologischen oder Überwachungszwecken keine Tests, jedoch können die Anforderungen der örtlichen Krankenhäuser und der öffentlichen Gesundheit variieren. Antigenschnelltests weisen eine geringe Sensitivität auf und sind für die Diagnosestellung generell nur dann klinisch nützlich, wenn die Ergebnisse positiv sind.

Therapie

  • Gegebenenfalls antivirale Medikamente

Die Behandlung der pandemischen H1N1- Influenza von 2009 konzentrierte sich hauptsächlich auf die Linderung der Symptome (z. B. Paracetamol oder Ibuprofen bei Fieber und Schmerzen).

Antivirale Medikamente, die innerhalb von 1–2 Tagen nach Einsetzen der Symptome gegeben werden, verringern die Dauer des Fiebers, die Schwere der Symptome, und die Zeit, um zu normalen Aktivitäten zurückzukehren. Die Behandlung mit antiviralen Medikamenten wird für Patienten mit hohem Risiko(einschließlich aller stationären Patienten) empfohlen, die influenzaähnliche Symptome entwickeln. Diese Empfehlung basiert auf Daten, die darauf hindeuten, dass eine frühzeitige Behandlung Komplikationen bei diesen Patienten verhindern kann.

Die Medikamente gegen H1N1-Influenza sind die gleichen wie für gewöhnliche Influenza-Stämme und umfassen folgende Mittel:

  • Oseltamivir, Zanamivir und Peramivir (Neuraminidaseinhibitoren)

  • Baloxavir (Endonuklease-Inhibitor, neu)

Neuraminidaseinhibitoren stören die Freisetzung von Influenzaviren aus infizierten Zellen und stoppen damit die Verbreitung der Infektion.

Der Endonuklease-Inhibitor Baloxavir greift in die virale Replikation ein, indem er die virale RNA-Transkription blockiert. Er ist gegen Influenza A und B wirksam und kann eine wichtige neue Behandlungsoption sein, wenn sich Resistenzen gegen Neuraminidaseinhibitoren entwickeln.

Zanamivir wird inhaliert, 2 Hübe (10 mg) 2-mal täglich, es kann bei Erwachsenen und Kindern 7 Jahre verwendet werden. Zanamivir verursacht manchmal Bronchospasmus und sollte nicht für Patienten mit reaktiven Atemwegserkrankung verordnet werden, manche Menschwen können kein Inhalationsgerät verwenden.

Oseltamivir 75 mg p.o. 2-mal täglich wird bei Patienten, die > 12 Jahre sind, verabreicht; niedrigere Dosen können bei Kindern ab einem Alter von 1 Jahr verwendet werden. Oseltamivir kann gelegentlich zu Übelkeit und Erbrechen führen. Bei Kindern kann Oseltamivir die Inzidenz einer Otitis media reduzieren, es liegen jedoch keine eindeutigen Daten vor, ob die Therapie einer Influenza Komplikationen verhindert.

Peramivir wird als Einzeldosis verabreicht und kann bei Patienten > 2 Jahre angewendet werden, die keine oralen oder inhalativen Medikamente vertragen. Die Studien zur Anwendung bei Influenza B sind begrenzt.

Baloxavir wird oral als 40-mg-Einzeldosis bei Patienten ≥ 12 Jahren und 40–80 kg oder als Einzeldosis von 80 mg bei Patienten > 80 kg verabreicht. Es kann bei Patienten ≥ 12 Jahren mit unkomplizierter Influenza verwendet werden, die seit ≤ 48 Stunden symptomatisch sind und die ansonsten gesund sind und nicht als Patienten mit hohem Risiko gelten. Es wurde nicht bei Patienten untersucht, die im Krankenhaus aufgenommen wurden, immungeschwächt oder schwanger sind oder eine schwere Lungenentzündung haben.

Adamantanes (Amantadin und Rimantadin) wurden zuvor verwendet. Gegenwärtig sind jedoch mehr als 99% der zirkulierenden Influenzaviren gegen Adamantane resistent. Daher werden diese Medikamente derzeit nicht zur Behandlung empfohlen.

Die meisten Patienten erholen sich vollständig ohne Einnahme dieser Medikamente.

Vorbeugung

Die aktuellen saisonalen Influenza-Impfstoffe sind gegen das A (H1N1) pdm09-Virus wirksam.

Um die Ausbreitung der Infektion einzudämmen, wird umsichtiges Verhalten (z. B. zu Hause bleiben, wenn sich grippeähnliche Symptome entwickeln; gründliches, häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife oder einem auf Alkohol basierenden Händedesinfektionsmittel) empfohlen.

Wichtige Punkte

  • Das H1N1-Schweinegrippe-Virus ist eine Kombination aus Schweine-, aviären und menschlichen Influenzaviren, die sich leicht von Mensch zu Mensch ausbreiten

  • Bei milden Infektionen sind keine Tests erforderlich, es sei denn, dies wird von den örtlichen Krankenhaus- und Gesundheitsvorschriften gefordert. PCR-Tests können das A(H1N1)pdm09-Virus in Atemwegsproben nachweisen.

  • Behandeln Sie die Symptome, verwenden Sie jedoch antivirale Medikamente (z. B. Oseltamivir, Zanamivir, Baloxavir), wenn bei Patienten ein hohes Risiko für Influenza-Komplikationen besteht oder Sie schwer krank sind.

  • Die aktuellen saisonalen Influenza-Impfstoffe sind gegen das A(H1N1)pdm09-Virus wirksam.

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